[Kurzer Leseeindruck] „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan

Klappentext:

Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.
Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein? (Quelle)

Mein Eindruck:

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist ein Jugendbuch ganz nach meinem Geschmack. Vordergründig lebt es vor allem durch eine sehr geniale Idee, die ich so bisher noch nicht kannte, und einer schönen, aber auch spannenden Liebesgeschichte. Leser, sowohl Jungen als auch Mädchen, können mit A mitfiebern, hoffen, bangen und sich verlieben.

Hintergründig verbirgt sich in der Geschichte eine tolle Moral: Es ist nicht wichtig, wie jemand aussieht oder welches Geschlecht er hat. Was einen Menschen ausmacht, ist das, was in ihm steckt. Ich mag es, dass sich dem (jugendlichen) Leser diese Weisheit nicht aufdrängt, sondern nur ganz beiläufig mitschwingt. Genauso wie es ganz nebenher sämtliche Arten von Jugendlichen gibt, in deren Körper A für einen Tag feststeckt: hübsche und weniger hübsche, nette und wirklich gemeine, geliebte und von ihren Eltern unbeachtete, hetero- und homosexuelle, schwarze und weiße Jugendliche. Die ganze Bandbreite!

Für dieses unterhaltsame und gleichzeitig kluge Jugendbuch gibt es von mir 8 von 10 Sternen!

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„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ war 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Letztendlich sind wir dem Universum egal – David Levithan – Hardcover mit SU – 400 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-8414-2219-4 – erschienen: März 2014 (Fischer) – Übersetzung: Martina Tichy

Zitat aus: „Naomi & Ely: Die Liebe, die Freundschaft und alles dazwischen“

„Es ist unsinnig, Freundschaft und Liebe für zwei getrennte Dinge zu halten. Das sind sie nicht. Freundschaft und Liebe sind beides Varianten von Liebe. Immer steckt dahinter der Wunsch, einander nahe zu sein.“

(S. 263, Cohn & Levithan)

[Rezension] „Naomi & Ely: Die Liebe, die Freundschaft und alles dazwischen“ von Rachel Cohn & David Levithan

Naomi und ElyInhalt:

„Es ist unsinnig, Freundschaft und Liebe für zwei getrennte Dinge zu halten. Das sind sie nicht. Freundschaft und Liebe sind beides Varianten von Liebe. Immer steckt dahinter der Wunsch, einander nahe zu sein.“ (S. 263)

Naomi und Ely sind beste Freunde; schon immer eigentlich. Sie wohnen im gleichen Haus, sind miteinander groß geworden und kennen sich in- und auswendig. Ihre Freundschaft wäre perfekt, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass Naomi eigentlich ein kleines bisschen in Ely verliebt ist. Dass Ely schwul ist, Naomi einen Freund hat und Ely eben diesen plötzlich einfach küsst, macht die Situation auch nicht unbedingt leichter…

Meine Meinung:

Ich lese die Gemeinschaftswerke von Cohn und Levithan unheimlich gerne. Sowohl in „Nick & Norah“, als auch in „Dash & Lily“ geben die Autoren jeweils einem Mädchen und einem Jungen ihre Stimme und erzählen die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der beiden.

Da die Geschichte von Naomi und Ely aber an sich etwas komplizierter ist, ist es passenderweise auch die Erzählweise: neben den beiden Hauptpersonen kommen noch viele verschiedene andere Charaktere zu Wort, die die Geschichte mitgestalten, beobachten und kommentieren. Jede Person zeichnet sich durch ihren ganz eigenen Erzähl- und Schreibstil aus, was einerseits faszinierend, andererseits im Fall von Naomi sehr anstrengend ist, denn ihre Beiträge sind unterbrochen durch Smileys und kleine Pictogramme. Das habe ich persönlich nicht so gerne gelesen.

Insgesamt war mir Naomi die meiste Zeit des Buches sehr unsympathisch, obwohl man ja eigentlich Mitleid mit ihr haben müsste, denn sie ist unglücklich in einen schwulen Jungen verliebt, der auch noch ihren Freund küsst. Aber Naomi versteckt ihre Unsicherheit und Trauer hinter sehr viel Arroganz, Gefühlskälte und einem Netz aus Lügen. Erst zum Schluss konnte ich etwas mehr dahinter blicken und die wahre Naomi erkennen.

Neben der Freundschaft zwischen Naomi und Ely geht es in diesem Buch auch um die Liebe, und zwar in allen möglichen Facetten; so zum Beispiel auch um die erste, zarte Zuneigung zwischen Ely und Bruce. Sehr ausdrucksstark und gefühlvoll schaffen es die Autoren, diesen Handlungsstrang zu erzählen.

„Ich dachte, Ely würde sich in einen Sessel fallen lassen oder sich aufs Bett werfen, aber er legte sich auf das harte Parkett und schaute zur Decke hoch, als wäre sie der Himmel. Er sagte nicht, dass ich mich neben ihn legen sollte, aber ich machte es einfach, spürte den Boden unter meinem Rücken, spürte meinen eigenen Atem, fühlte mich … glücklich.“ (S. 28/29)

„Naomi und Ely“ ist anders als die beiden anderen Bücher der Autoren, die ich schon kenne. Die Geschichte ist nicht ganz so einfach, sie ist vielschichtiger und nicht so rosarot. Das macht sie aber natürlich nicht weniger lesenswert. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Naomi & Ely – Cohn & Levithan – Taschenbuch – 272 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3570306826 – erschienen: September 2010 (cbt) – Altersempfehlung: ab 13 Jahren