[Rezension] „Als gestern noch morgen war“ von Claire Dyer

Als gestern noch morgen warKlappentext:

Paddington Station, 9:00 Uhr morgens. Im Gedränge der Reisenden steht die Zeit für zwei Menschen plötzlich still: Fern und Elliott, einst Liebende, doch seit fünfundzwanzig Jahren getrennt. Nie hätten sie erwartet, sich wiederzusehen, nie hätten sie erwartet, dass es sie so berühren würde. Obwohl ihr Leben weiterging, sie heirateten und Kinder bekamen, hörte keiner der beiden auf, den Tag zu bereuen, der sie auseinanderbrachte. Sie verabreden sich für den Abend, wenn der Rückweg sie wieder zum Bahnhof führt. Es wird der Moment sein, in dem sie ihr Morgen wieder in der Hand haben. (Quelle)

Meine Meinung:

„Manchmal wird mir bewusst, was für ein schmaler Grat zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte, verläuft, wie viele Möglichkeiten von uns es hätte geben können, dass alles von einem einzigen Moment abhängt.“ (S. 327)

Was wäre, wenn…? Diese Frage stellt man sich nicht nur als Leser während der Lektüre ein ums andere Mal. Auch Elliott und Fern kommen nicht umhin, sich diese Frage zu stellen. Was wäre, wenn dieser schicksalshafte Tag damals vor fünfundzwanzig Jahren anders geendet hätte? Was wäre, wenn Elliott damals die richtigen Worte gefunden hätte? Was wäre, wenn sich der Töpferkurs, zu dem Fern jetzt in der Gegenwart auf dem Weg ist, nicht um eine Woche verschoben htte? Was wäre, wenn sich Fern und Elliott dadurch gar nicht erst auf dem Bahnhof wieder getroffen hätten?

„An der Stelle, wo er sie geküsst hat, singt ihr Gesicht leise.“ (S. 29)

Nachdem sich Fern und Elliott in Paddington treffen, sich kurz unterhalten und vereinbaren sich vielleicht abends auf dem Rückweg noch ein Mal in Ruhe zu sprechen und nachdem Elliott Fern mit einem Kuss auf die Wange verabschiedet hat, gehen beide erstmal ihres Weges, mit den Gedanken jedoch stets beim anderen, bei ihrem jetztigen Leben, ihrer gemeinsamen Zeit damals, ihrer Liebe, der Wut und Ratlosigkeit.

Ich mochte es sehr, wie sich die Geschichte der beiden nach und nach vor mir aufgerollt hat. Wie immer wieder auch die Gegenwart präsent ist, in der zumindest Fern mit einem Mann verheiratet ist, den sie wirklich liebt. Das ist eigentlich das Spannendste an der Geschichte: Fern ist – im Gegensatz zu Elliott – in ihrem Leben nicht wirklich unglücklich. Sie hat einen liebevollen Ehemann, zwei erwachsene Söhne und eine Katze. Doch mit Elliott im Hinterkopf beginnt sie, ihr Leben zu hinterfragen.

„Schon komisch, denkt Fern, während sie auf Elliott wartet, dass sie hier ist, jetzt, so. Als sie morgens aufstand, den Kater fütterte, ein bisschen Wäsche wegräumte, hatte sie keine Ahnung, dass sie nur Stunden später hier sein, ihr Leben zurückgespult haben und darauf warten würde, dem Mann ins Gesicht zu schauen, der ihr, falls das nicht zu kitschig klingt, das junge, empfindsame Herz brach.“ (S. 295)

„Als gestern noch morgen war“ hat mich beim Lesen gleichzeitig nachdenklich gestimmt und gut unterhalten. Claire Dyer gelingt es, die Stimmungen, Gefühle und Hoffnungen von Elliott und Fern wunderbar einzufangen und auf Papier zu bringen. Und auch als Leser kommt man in eine besondere Stimmung: Was wäre, wenn…?

Mir hat „Als gestern noch morgen war“ schöne Lesestunden bereitet. Ich fand es unheimlich faszinierend, mitzuerleben, wie eine einzige Begegnung, ein einziger Moment die beiden Hauptcharaktere dazu bringt, ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft mit ganz anderen Augen zu betrachten. Das Buch ist voller eindrücklicher Zitate und überzeugt durch einen sehr einnehmenden, wenn auch nicht immer leicht zu lesenden Schreibstil, der gut dazu passt, dass die Autorin preisgekrönte Lyrikerin ist. 7 von 10 Sternen!

stern 7

Als gestern noch morgen war – Claire Dyer – Hardcover mit SU – 336 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-426-19983-1 – erschienen: August 2014 (Droemer)

 

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[Rezension] „Taberna Libraria: Die Magische Schriftrolle“ von Dana S. Eliott

Taberna LibrariaReiheninfo:

  1. „Taberna Libraria: Die Magische Schriftrolle“
  2. „Das Geheimnis von Pamunar“ (erscheint im Herbst 2014)
  3. – Titel noch unbekannt –
  4. – Titel noch unbekannt –

Klappentext:

Ursprünglich wollten die Freundinnen Silvana und Corrie nur eine ganz normale Buchhandlung eröffnen. Doch der alte Laden, den sie im beschaulichen Woodmoore erstehen, hütet ein Geheimnis: In seinem Keller liegt ein Portal zu einer anderen Welt, in der sich übernatürliche Geschöpfe tummeln und Magie höchst real ist. Und so sind körperlose Stimmen und seltsame Buchbestellungen erst der Anfang von einem Abenteuer, bei dem Corrie und Silvana sich den Plänen eines finsteren Magiers entgegenstellen müssen. (Quelle)

Meine Meinung:

Auch dieses Buch habe ich gelesen, weil es für den SERAPH 2014 nominiert war. Die beiden Autorinnen Sandra Dageroth und Diana Kruhl (Dana S. Eliott ist nur ihr Pseudonym) entführen den Leser in ihrem Debüt in die fantastische Parallelwelt von Amaranthina im Reich der Hundert Inseln.

Die beiden Freundinnen haben sich gerade dazu entschlossen, den Buchladen in Woodmoore zu kaufen und stehen kurz vor ihrer Eröffnung, als sie merkwürdigen Besuch erhalten. Ein Mann steht plötzlich und unvermittelt in ihrer Küche und möchte ihnen unbedingt etwas Wichtiges mitteilen. Doch dazu kommt es nicht mehr, denn plötzlich wird der Buchladen überfallen und alle drei müssen fliehen. Silvana und Corrie staunen nicht schlecht, als sie plötzlich nach einer Reise durch ein geheimes Portal von einem Faun in Empfang genommen werden.

Wenn man Freude an diesem Buch haben möchte, muss man für die verschiedensten fantastischen Wesen offen sein, denn davon wimmelt es in der Geschichte nur so. Ansonsten liest sich der erste Teil der vierteilig geplanten Reihe gar nicht so anders als ein normaler Roman, der nur eben voller Magie, bösen Dämonen und Rätseln ist.

Vor allem Corrie freundet sich erstaunlich schnell mit dem Gedanken an die fantastische Parallelwelt an und macht sich neugierig daran, alles zu entdecken, was Amaranthina so zu bieten hat. Und so stecken die beiden Freundinnen bald schnell in einem Abenteuer, in dem sie sich einen der bösesten Zauberer zum Feind gemacht haben…

„Taberna Libraria“ lässt sich angenehm leicht lesen und hat mich gut unterhalten. In meinen Augen ist es zwar kein typisches Fantasybuch, wie ich es angesichts der Nominierung für den SERAPH vermutet hätte, aber die Geschichte um die beiden Freundinnen und ihre etwas anderen Bekannten hat mir gut gefallen. Ich vergebe zufriedene 7 von 10 Sterne und bin auf den nächsten Band gespannt.

stern 7

Taberna Libraria: Die Magische Schriftrolle – Dana S. Eliott – Taschenbuch – 512 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-426-51438-2 – erschienen: Dezember 2013 (Knaur)

[Rezension] „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey! – Aus dem Leben einer Familienpsychologin“ von Sophie Seeberg

Die Schakkeline ist voll hochbegabtKlappentext:

Sophie Seeberg kriegt es hautnah mit, das Leben, denn die Psychologin begutachtet Familien fürs Gericht. Sie erlebt dabei schockierende und traurige, aber auch komische und skurrile Geschichten. Wenn zum Beispiel der Vater nicht zum Termin erscheint, weil er betrunken auf der Straße eingeschlafen ist – neben dem Bollerwagen voller Diebesgut. Oder wenn die Mutter ihren erwachsenen Sohn behandelt, als wäre er ein Kleinkind. Seeberg zeigt uns den ganz normalen Familienwahnsinn und behält dabei immer einen unnachahmlichen Sinn für Humor. (Quelle)

Meine Meinung:

Der Titel des Buches ist definitiv ein Hingucker, etwas reißerisch allerdings auch. Und vor allem wird der Titel dem Buch nicht gerecht. Denn es ist nicht nur reißerisch, sein Humor gründet nicht nur darauf, etwas schlichtere Menschen auf die Schippe zu nehmen.

Doch erstmal der Reihe nach: Ich bin auf das Buch aufmerksam geworden, weil eine liebe Freundin von mir es gelesen und danach eine wirklich tolle Rezension dazu geschrieben hat. Diese hat mich dann dazu gebracht, die Leseprobe des Buches zu lesen – etwas, was ich wirklich eher selten tue.

Die Leseprobe beginnt mit dem Vorwort der Autorin, aus dem man sofort erkennen kann, dass Frau Seeberg eine Familienpsychologin ist, die ihren Job gerne macht und stets das Beste für die Kinder möchte. Man versteht auch, dass Humor an manchen Stellen die einzige Möglichkeit ist, nicht an der Realität zu verzweifeln.

Das Spannende an den einzelnen kleinen Anekdoten ist, dass sie den Leser ein wahres Auf und Ab der Gefühle durchleben lassen. Habe ich auf der einen Seite noch geschmunzelt, musste ich drei Zeilen weiter laut lachen, hatte auf der nächsten Seite Tränen der Rührung in den Augen, um am Ende eines Kapitels erleichtert aufzuatmen. Ja, nicht alle Geschichten sind lustig, viele sind traurig oder machen wütend. Manchmal möchte man die beschriebenen Eltern schütteln, manchmal auch nur fest in den Arm nehmen.

Und damit ist Frau Seeberg etwas wirklich Erstaunliches gelungen: Sie hat es geschafft, dem Leser ihre Arbeit auf unterhaltsame, aber auch bewegende Weise nahe zu bringen – und zwar jede einzelne Facette! Ich habe die einzelnen Geschichten wirklich gerne gelesen, denn sie haben in meinen Augen das, was eine gute Familienpsychologien auch haben sollte: Herz und einen liebevollen Blick auf die Kinder! 8 von 10 Sternen!

stern 8

Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey! – Sophie Seeberg – Taschenbuch – 256 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-426-78603-1 – erschienen: Dezember 2013 (Knaur)

[Rezension] „Schab nix gemacht – Geschichten aus der Hauptschule“ von Kai Lange

Schab nix gemachtKlappentext:

Obwohl die Schüler sein Nervenkostüm oft sehr strapazieren, gibt es für Kai Lange keinen schöneren Beruf, als Lehrer zu sein. Zwar gilt es, nicht zu verzweifeln, wenn man jede Pause erneut herausfinden soll, wer denn nun zuerst »Hurensohn« gesagt hat. Oder wenn Schüler Akin nach vier Jahren Englischunterricht immer noch glaubt, „I would“ heiße auf Deutsch „Ich bin wötend“. Aber Kai Lange nimmt seinen Job mit Humor. Seit Jahren notiert er sich die ebenso aberwitzigen wie lustigen Geschichten, die er tagtäglich erlebt. So schafft er es nicht nur, im Chaos des Alltags einen kühlen Kopf zu bewahren, sondern auch, seinen Schülern tatsächlich etwas beizubringen. (Quelle)

Meine Meinung:

Geschichten aus der Schule sind immer interessant und unterhaltend. Das ist spätestens seit dem erfolgreichen Blog von Frl. Krise und dem darauf folgenden gemeinsamen Buch mit Frau Freitag bekannt. Wenn man selber Lehrerin ist und vor allem mit ähnlichen Schülern arbeitet, wie Kai Lange es tut, dann kommt beim Lesen zur Unterhaltung und dem Amüsement noch eine gehörige Portion „Jaa, so ist es bei mir auch…“, garniert mit ein bisschen „Oh Gott, hoffentlich passiert mir das nie!“ dazu.

Bei solchen kleinen Anekdoten, Kurzgeschichten und Zitaten von Hauptschülern ist es mir immer wichtig, dass ich trotz der Tatsache, dass so mancher Fehler und so manche nicht allzu kluge Antwort auf die Schippe genommen wird, das Gefühl habe: Derjenige, der schreibt, mag seine Schüler, hat ein Verständnis für sie und ihre Lebenswelten und sieht vor allem nicht nur das Negative, sondern auch das Liebenswerte in so ziemlich jedem einzelnen.

Dieser Spagat – wobei: Ist es überhaupt ein Spagat – gelingt Kai Lange gut. An vielen Stellen musste ich schmunzeln, an einigen sogar laut lachen, so abstrus und witzig sind manche der Begebenheiten und Antworten der Schüler. Andere Geschichten haben bei mir wirklich eine Gänsehaut hervorgerufen, weil Kai Lange die Schicksale und Lebensumstände einzelner Schüler hervorragend beschreibt.

„Simon“, sag ich bei der Rückgabe der Klassenarbeit verzweifelt, „wie soll ich dir denn jemals richtig Englisch beibringen?“
Er nickt so verständnisvoll, als wenn er mich trösten wollte, und kommt zu der einzig richtigen Antwort: „Ich weiß es auch nicht.“ (S. 76)

Ja, Kai Lange hat nicht nur Witziges und Berührendes zu erzählen, er tut dies auch auf eine sehr gekonnte Weise, kann Situationen und Menschen so beschreiben, dass man als Leser das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein und Amara, Akin und Basima wirklich zu kennen. Kurzweilig, absolut unterhaltsam und mitten aus dem Leben! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Schab nix gemacht – Geschichten aus der Hauptschule – Kai Lange – Taschenbuch – 256 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-426-78621-5 – erschienen: August 2013 (Knaur)

[Rezension] „No & ich“ von Delphine de Vigan

No & ichInhalt:

Lou ist dreizehn und intellektuell frühreif. Sie hat zwei Klassenstufen übersprungen, führt an den Wochenenden unentwegt Experimente durch und denkt viel über alles Mögliche nach. Lou ist außerdem sehr sensibel und kann sich gut in Menschen einfühlen. Vielleicht ist auch das der Grund, warum sie sich plötzlich gemeinsam mit No – einer obdachlosen jungen Frau – in einem Cafe wieder findet. Lou bestellt Cola, No Wodka. Lou beschließt ihr Referat über obdachlose Frauen zu halten und bittet No, sich regelmäßig zu Interviews mit ihr zu treffen. Doch dem jungen Mädchen geht es dabei hauptsächlich um No selbst, die sie mehr und mehr ins Herz schließt. Gelingt es Lou die Dinge zu ändern und die Welt zu verbessern?

Meine Meinung:

Endlich mal wieder ein Buch, was mich richtig gefesselt hat. Von der ersten Seite an überzeugt das Buch durch seine eindringliche Sprache, durch aufwühlende Gedankengänge, einer absolut liebenswerten Hauptperson und einer mitreißenden Handlung.

Ein Buch über die Freundschaft zwischen einem Mädchen aus normalen Verhältnissen und einer Obdachlosen zu schreiben, ist sicherlich riskant. Oftmals droht die Gefahr ins Klischeehafte zu verfallen, etwas zu beschönigen oder in zu düsteren Farben zu zeichnen. Meiner Meinung nach ist es der Autorin gelungen, all diese Klippen zu umschiffen. Sie kreiert eine Eindringlichkeit, die einem zum Nachdenken anregt, ohne dabei mahnend den Zeigefinger zu erheben.

Mehrere Zitate in diesem Buch sind es wert, schon in dieser Rezension genannt zu werden. Hier beispielhaft eins, das das Buch gut charakterisiert:

„Wir sind imstande, Überschallflugzeuge und Raketen ins All zu schicken, einen Verbrecher anhand eines Haars oder eines winzigen Hauptpartikels zu identifizieren, eine Tomate zu züchten, die im Kühlschrank drei Monate völlig faltenfrei bleibt, und Milliarden von Informationen auf einem Mikrochip zu speichern. Wir sind imstande, die Leute auf der Straße sterben zu lassen.“ (S. 81)

Und ich gebe dem Buch sehr gerne 10 von 10 Punkten. Wirklich empfehlenswert! 🙂

stern 10

[Rezension] „Bridie und Finn“ von Harry Cauley

Bridie und FinnInhalt:

Das Buch trägt den Untertitel „Geschichte einer Freundschaft“ und dieser Untertitel eignet sich perfekt, um dem Inhalt des Buches darzustellen.

In der vierten Klasse lernen sich Bridie und Finn kennen. Bridie kommt als vorlaute, freche, unkonventionelle, jungenhafte neue Schülerin in Finns Klasse. Zunächst kann der ruhige, nachdenkliche Finn gar nichts mit ihr anfangen. Doch hat Bridie anscheinend beschlossen, dass die beiden beste Freunde werden sollen. Finn versucht sich ihr zu entziehen, doch als Bridie auch noch in das Haus gegenüber von Finn einzieht, hat dieser keine Chance mehr.

Die Freundschaft der beiden muss einiges mitmachen, denn das Leben ist nicht immer leicht. Oft genug knallt es zwischen den so unterschiedlichen Menschen, doch zu anderen Zeitpunkte ist die gegensätzliche Art des anderen genau das richtige.

Meine Meinung:

Eigentlich ist das ein wirklich ganz wunderbar tolles Buch. Ich liebe die beiden so unterschiedlichen Charaktere, ich liebe die die Zeichnung vieler Nebencharaktere im Buch (insbesondere von Mr. Howe). Mir gefällt die Geschichte, die nicht immer lustig und oftmals sogar richtig traurig ist. Ich mag, wie es dem Autor gelingt, ein Gefühl des Dabeiseins zu erschaffen.

Das einzige, was mir an diesem Buch nicht gefiel ist das Ende. Zum einen hat es mich verstört. Zum anderen ist es wirklich sehr plötzlich. Schon bevor ich das Ende gelesen hatte, las ich in der Rezension einer Freundin, dass auch ihr das Ende zu kurz war. Eigentlich war ich also darauf eingestellt. Doch dann war das Ende noch kürzer, noch abrupter, als ich es sowieso schon erwartet hatte. Einerseits muss ich gestehen: Es passt zum Buch. Andererseits: Ein paar Seiten mehr hätten wirklich nicht geschadet.

Deswegen muss ich wohl leider dem Buch zwei Sterne abziehen. Insgesamt als 8 von 10 Sternen.

stern 8

[Rezension] „Irgendwann in Marrakesch“ von Katja Maybach

Irgendwann in MarrakeschInhalt:

Die beiden Schwestern Katja und Lauren sind seit Jahren zerstritten, erst der Vater auf dem Sterbebett führt sie wieder zusammen. Ausgerechnet in Marrakesch, der Stadt ihrer Kindheit, treffen Katja und Lauren wieder aufeinander und können sich nicht verzeihen, was sie einander angetan haben. Während Lauren hingebungsvoll ihren Vater pflegt, taucht Katja in das bunte Land Marokko ein, um ihre Vergangenheit wiederzufinden, die sich ihr in kurzen Visionen immer wieder andeutet. Was passierte damals in Marrakesch, an das sich beide Schwestern nicht mehr erinnern können?

Meine Meinung:

Als ich dieses Buch mit einem blumigen pinken Cover gekauft habe, war mir klar, dass es nicht die anspruchsvollste Lektüre meines Lebens werden würde. 😉 Ich hatte es mir allerdings bewusst ausgesucht, denn ab und an ist eine seichte, tragische und romantische Geschichte doch auch nach meinem Geschmack. Leider war das Buch meiner Meinung nach noch schlechter geschrieben, noch seichter und noch romantischer als ich es vermutet hatte.

Die Handlung ist ziemlich vorhersehbar, die Entwicklung der Charaktere häufig viel zu rasant und unverständlich. Innerhalb weniger Minuten wird sich verliebt, gestritten und wieder getrennt. Ständig bürsten sich die beiden Schwestern ihre Haare… Entschuldigung, ich schweife ab! 🙂

Die ersten Seiten gefielen mir noch ganz gut, doch ab der Hälfte wurde das Buch sehr zäh und ich musste mich gerade zu zwingen, es zu Ende zu lesen. Von mir nur 2 von 10 möglichen Sternen!

stern 2

[Rezension] „Auftauchen“ von Jennifer Haigh

AuftauchenInhalt:

„Auftauchen“ ist ein beeindruckendes Familienportrait. Mit viel Einfühlungsvermögen, Liebe zum Detail und der nötigen Prise Humor beschreibt die Autorin das Leben der McKotch-Familie. Das Leben der Familienmitglieder wird mehr oder weniger von der Krankheit der Tochter Gwen bestimmt, die am Turner-Syndrom leidet. Gwen ist kleinwüchsig und wenig weiblich gebaut.

Die Familienverhältnisse sind zerrüttet, alle leben vor sich hin und mehr nebeneinander als miteinander. Doch dann beginnt Gwen nach langer Zeit etwas mehr Selbstvertrauen und Selbstständigkeit aufzubauen, was einen großen Einfluss auf die festgefahrenen Strukturen innerhalb der Familie hat.

Meine Meinung:

Jennifer Haigh hat mit „Auftauchen“ ein wundervolles Buch geschrieben. Ihre Beschreibungen der einzelnen Charaktere, der Familiendynamik, der gegenseitigen Ängste, Vorwürfe und Missverständnisse lassen den Leser nachdenken, schmunzeln und den Kopf schütteln. Mich hat es besonders fasziniert, wie die Autorin es geschafft hat, jede Person ihre Version der Familiengeschichte erzählen zu lassen. Und obwohl die Geschichte der einen Person der einer anderen Person widerspricht, bleiben alle Gedanken, Gefühle und Motive der einzelnen Familienmitglieder authentisch und nachvollziehbar.

Die Sprache des Buches ist sehr unmittelbar, so dass der Leser mitten ins Geschehen hineingezogen wird: anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, später nur noch mitreißend.

Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und empfehle es allen, die gerne eine Geschichte voller Gefühle lesen, ohne im Kitsch zu versinken. Dieses Buch bekommt von mir 9 von 10 Sternen.

stern 9

[Rezension] „Das Rätsel“ von John Katzenbach

Das RätselInhalt:

Das Buch spielt im Jahr 2008 in Amerika. Allerdings in einer ganz anderen Welt, als wir sie kennen: Das Verbrechen hat die Oberhand gewonnen, überall kreisen Hubschrauber mit Scharfschützen, alle sind bewaffnet. In diesen vereinigten Staaten wurde deswegen gerade ein 51. Bundesstaat gegründet, in dem die Menschen ohne Angst vor Überfällen oder einem Mord leben solllen. Und doch hat sich genau in diesem neu gegründeten Staat ein Mord ereignet.
Daraufhin wendet sich die Staatssicherheit an Jeffrey Clayton („Professor Tod“), der ein berühmter Dozent für das Profiling von Serienmördern ist. Zunächst scheint es für Jeffrey keinen Grund zu geben, sich an der Aufklärung der Morde zu beteiligen. Doch dann stellt er fest, dass die Verbrechen jenem Verbrechen ähneln, dessen sein mittlerweile verstorbenen Vater verdächtigt wurde…

Meine Meinung:

John Katzenbach ist ein Krimiautor, der die Leserwelt spaltet. Viele lieben ihn, viele können gar nichts mit ihm anfangen. Ich habe seine Bücher bislang gerne, aber auch nicht unbedingt und zwingend gelesen. Nach den ersten hundert Seiten dieses Buches dachte ich: „Okay, jetzt gehörst du auch zu den Leuten, die Katzenbach nicht mögen!“ Ich kam mit den Schilderungen dieses neuen Amerikas gar nicht zurecht. Die ständige Präsenz von Waffen, Wachleuten und Verbrechern wurde vom Autor nicht eingeleitet oder erklärt, sondern dem Leser einfach vorgesetzt. Trotzdem habe ich weiter gelesen: Zum Glück! :)

Das Buch entwickelt sich, man gewöhnt sich an das Unbekannte und die Geschichte wird wirklich spannend. Sogar spannender als andere Bücher, die ich bislang von J. Katzenbach gelesen habe (z.B. „Das Opfer“ oder „Der Patient“).

Insgesamt kann ich nur allen Krimiinteressierten sagen: Haltet die ersten Seiten durch, es lohnt sich! Ich gebe dem Buch 7 von 10 Sternen!

stern 7

[Rezension] „Das Lächeln deines Mörders“ von Karen Rose

Das Lächeln deines MördersInhalt:

Special Agent Steven Thatcher hat es nicht leicht: In seiner Stadt tötet ein Serienmörder, der scheinbar keine Spuren hinterlässt, junge Cheerleaderinnen. Und zuhause ist es für den alleinerziehenden Vater auch nicht einfach, denn sein ältester Sohn wendet sich unvermittelt von ihm ab und wird plötzlich auch in der Schule schlechter. Daraufhin wird Steven von der Lehrerin seines Sohnes zum Gespräch gebeten, doch das Treffen verläuft anders als erwartet…

Meine Meinung:

Dies ist mittlerweile das neunte Buch, das ich von Karen Rose lese, und ich muss sagen: Die Bücher sind für mich wie „Nach Hause-Kommen“. Alle Bücher sind nach dem selben Schema gestrickt: Ich kann schon am Anfang vorhersagen, wie sich die Charaktere entwickeln und auch den Bösewicht identifiziere ich ziemlich schnell. Das alles macht mir aber nichts, denn für mich schreibt Frau Rose eine perfekte Mischung zwischen Thriller und Liebesgeschichte.
Ich fiebere mit den Hauptcharakteren mit, verdrücke ein bis zwei Tränchen an den entsprechenden Stellen und bin traurig, wenn das Buch zuende ist. Bei jedem Buch das gleiche! Jedes Buch wird zu meinem Lieblingsbuch!

Eine Besonderheit in den Büchern dieser Autorin ist noch zu nennen: Die Hauptcharaktere des einen Buches kennt man in der Regel schon als Nebenfiguren eines anderen Buches. In diesem Fall hat Steven Thatcher schon eine kleine Rolle in dem Buch „Eiskalt ist die Zärtlichkeit“ gespielt. Vielleicht trägt auch das dazu bei, dass ich mich beim Lesen sofort heimisch fühle.

Natürlich gebe ich diesem Buch 10 von 10 Sternen!

stern 10