[Kurzer Leseeindruck] „Bitter Love“ von Jennifer Brown

Klappentext:

Nie hat Alex so stark für jemanden empfunden wie für Cole. Er ist geheimnisvoll, romantisch und spielt für sie Lieder auf der Gitarre. Alex verbringt jede freie Minute mit ihm – trotzdem scheint Cole sich zurückgesetzt zu fühlen, wenn sie sich ab und zu mit ihren besten Freunden trifft. Und irgendwann lernt Alex den zärtlichen Cole plötzlich von einer ganz anderen Seite kennen: Er wird ausfallend, verletzend und scheint von unbändigem Zorn getrieben. Allen Warnungen zum Trotz steht Alex zu ihm, doch ihre bedingungslose Liebe führt sie in einen Teufelskreis, den sie allein nicht mehr durchbrechen kann. (Quelle)

Meine Meinung:

Schon mit „Die Hassliste“ und ihrer sehr differenzierten Sicht auf einen Amoklauf an einer Highschool konnte mich Jennifer Brown begeistern. Auch ihr zweites Buch „Bitter Love“ greift ein ernstes Thema auf: Was tun, wenn man merkt, dass der Freund der besten Freundin ihr gar nicht gut tut? Was tun, wenn Liebe in Eifersucht umschlägt, wenn aus Zärtlichkeiten Gewalt wird? Was tun, wenn man den Jungen, der einem Angst macht, über alles liebt?

“Er ließ meinen Finger frei und rieb seinen dagegen. ‘Ich bin nur … Ich mag dich wirklich gern, Alex. Aber ich kann dich mit niemandem teilen.’ Seine Stimme klang rau.” (S. 102)

„Bitter Love“ ist (leider) auf jeder einzelnen Seite glaubhaft und authentisch. Obwohl ich sehr hoffe, dass ich mich nie auf so eine Beziehung einlassen würde, konnte ich Alex Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen. Zum Ende musste ich weinen. Im Nachwort findet die Autorin noch ein Mal ganz besondere Worte zu diesem wichtigen Thema. Das einzige, was ich mir noch gewünscht hätte, wäre ein Hinweis darauf, dass nicht zwingend Männer die Täter und Frauen die Opfer sind, aber das ist auch nur ein klitzekleiner Kritikpunkt. Grundsätzlich ist „Bitter Love“ ein bewegendes und gut geschriebenes Jugendbuch, das durch die schonungslose Art schockiert und aufwühlt. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Bitter Love – Jennifer Brown – Hardcover – 408 Seiten – 14,95 € – ISBN 978-3-423-76048-5 – erschienen: April 2012 (dtv) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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[Rezension] „Ich und die Menschen“ von Matt Haig

Ich und die MenschenKlappentext:

In einer regnerischen Freitagnacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Er hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen. Jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel, der Frau des Professors, in die Augen blickt? (Quelle)

Meine Meinung:

Das Cover zu diesem Buch hatte ich schon vor einiger Zeit entdeckt, aber aus irgendeinem Grund hätte ich nicht gedacht, dass es ein Buch für mich ist. Dann las ich eine Rezension, die dieses Buch als humorvoll und witzig beschrieb, und was soll ich sagen: Kurze Zeit später stand ich an der Kasse der Buchhandlung mit diesem Buch in der Hand.

Die Idee, die Menschheit an sich und die großen und kleinen Gefühle und Gedanken eines Jeden durch die Augen eines Außerirdischen zu sehen, ist grandios und in diesem Buch wirklich gut umgesetzt. Durch den außerirdischen Ich-Erzähler hat der Autor die Möglichkeit, auf Dinge hinzuweisen, die einem als Menschen einfach nicht bewusst sind und die beim Lesen umso merkwürdiger wirken.

„Zeitschriften sind sehr beliebt, obwohl sich kein Mensch nach dem Lesen besser fühlt. Im Gegenteil, ihr Hauptzweck ist, den Lesern Gefühle von Minderwertigkeit einzuflößen, die sie dazu bewegen, etwas zu kaufen. Haben sie das getan, fühlen sie sich trotzdem nicht weniger minderwertig und kaufen sich noch eine Zeitschrift, um zu erfahren, was sie als nächstes kaufen sollen.“ (S. 28)

Doch ist die Geschichte natürlich nicht nur lustig, sondern stellenweise auch schön, fast sogar tiefsinnig. Besonders interessant wird die Geschichte, als klar wird, dass der Außerirdische (namenslos übrigens, da das Individuum zu unwichtig ist) den Auftrag hat „seine“ Frau Isobel sowie „seinen“ Sohn umzubringen. Was tut man, wenn man aber nach und nach merkwürdige Empfindungen an sich entdeckt? Etwas, das die Menschen „Gefühle“ nennen?

„Ich und die Menschen“ ist eine nette, kurzweilige und vor allem amüsante Lektüre für zwischendurch, die uns Menschen einen Blick auf uns selbst ermöglicht, den wir so vermutlich noch nicht hatten. Unterhaltsame 8 von 10 Sternen.

stern 8

Ich und die Menschen – Matt Haig – Klappbroschur – 352 Seiten – 14,90 € – ISBN 978-3-423-26014-5 – erschienen: April 2014 (dtv)

[Rezension] „Running Man“ von Michael Gerard Bauer

Running ManKlappentext:

Bis in seine Träume hinein wird Joseph vom Running Man verfolgt, der durch die Stadt läuft wie ein Getriebener. Der unheimliche Mann ist Josephs persönliche Albtraum-Figur. Noch nie hat er mit jemandem über ihn gesprochen. Doch die Bekanntschaft mit seinem menschenscheuen Nachbarn Tom verändert alles: Tom ist noch verschlossener als Joseph. Seit Jahren hat er sich von der Außenwelt zurückgezogen. Josephs Interesse begegnet er zunächst mit Abwehr. Erst als Joseph von seinen Ängsten und dem Running Man erzählt, scheint sich auch für Tom wieder eine Tür ins Leben zu öffnen. Zögerlich beginnt er, sein dunkles Geheimnis preiszugeben. Es ist nicht das Geheimnis, das Joseph erwartet hatte, aber das Gespräch darüber verändert sie beide. Auch Josephs Sicht auf den Running Man.  (Quelle)

Meine Meinung:

Ich kenne Michael Gerard Bauer vor allem durch seine Ismael-Bücher, die zwar auch ernste Hintergrundthemen thematisieren, dies aber vor allem auf eine lustige, humorvolle Art und Weise. „Running Man“ ist sein erstes Buch gewesen und hier zeigt er sich von einer ganz anderen Seite. Humor spielt in diesem Jugendbuch, das vielfach ausgezeichnet wurde, keine Rolle. Das macht aber gar nichts, denn es weiß durch ganz andere Dinge zu überzeugen.

Joseph lernt Tom kennen, weil seine Nachbarin – Toms Schwester – ihn bittet, ihren Bruder für ein Kunstprojekt zu zeichnen. Nachdem er aus einem Impuls heraus zugesagt hat, geht er voller Angst und mit einem beklemmenden Gefühl zu seinem ersten Termin, denn um Tom ranken sich die schrecklichsten Gerüchte. Am Ende des Nachmittags muss Joseph feststellen, dass seine Skizzen absolut leblos bleiben. Und so beschließt er, seinen Nachbarn besser kennenzulernen, um ihn danach auch bildlich besser fassen zu können.

„Joseph wusste, er hatte Tom Layton nicht gezeichnet. Er lag irgendwo verborgen, an einem Ort […] irgendwo hinter diesen dunkle Augen, irgendwo tief unten in seinem dichten Kokon aus Schweigen und Einsamkeit.“ (S. 87)

Nach und nach lernt Joseph, wirklich genau hinzusehen, geduldig zu sein und zuzuhören, anstatt seinen Blick durch erste Eindrücke, Gerüchte und Vorurteile trüben zu lassen.

Michael Gerard Bauer ist es gelungen, ein Buch zu schreiben, das schön, traurig, weise und vor allem WUNDERvoll zugleich ist. Mir gelingt es gerade gar nicht, die Besonderheit und Klugheit dieses Buches angemessen in Worte zu fassen, deswegen bleibt mir nur eins zu sagen: Lest es selbst!

stern 8

„Running Man“ war 2008 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Running Man – Michael Gerard Bauer – Taschenbuch – 304 Seiten – 8,95 € – ISBN 978-3-423-62407-7 – erschienen: Dezember 2013 (4. Aufl., dtv) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Bunker Diary“ von Kevin Brooks

Bunker DiaryKlappentext:

Eine Entführung. Ein Bunker. Und sechs Personen, die um ihr Überleben kämpfen…

Meine Meinung:

Ich stehe den Büchern von Kevin Brooks sehr zwiegespalten gegenüber: „The Road of the Dead“ war okay,  „Kissing the Rain“ habe ich abgebrochen und „iBoy“ fand ich bis auf den Schluss wirklich gut.

Das neue Buch von dem Bestseller-Autor aus Großbritannien hörte sich wieder sehr gut an und so wanderte es im Buchladen dann mit mir gemeinsam zur Kasse. Die Geschichte an sich verspricht Spannung und eine Menge Geheimnisse. Linus wird von einem Mann auf offener Straße betäubt und in einen Bunker verfrachtet. Nach und nach kommen fünf weitere Personen dazu. Für wie lange der Unbekannte sie dort festhalten will, was er überhaupt möchte und ob es einen Weg herausgibt – das weiß niemand.

Die Zeit, die die sechs so unterschiedlichen Menschen eingesperrt und versorgt nur mit dem nötigsten (wenn überhaupt) miteinander verbringen müssen, wird länger und länger.

„Was würdest du tun, wenn du an meiner Stelle wärst? Aufgeben? Würdest du einfach so aufgeben? Dich hinlegen und heulen? Dich ins Bett legen und hinnehmen, was kommt? Akzeptieren, was dir widerfährt. Es annehmen…“ (S. 186)

Ein Szenario, das vermutlich allen von uns einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Und anfangs weiß Brooks damit auch zu fesseln und zu faszinieren. Allerdings hat er mich nicht vollends in den Bann gezogen, so wie ich es schon auf anderen Blogs gesehen habe. Aber trotzdem: Der Anfang gefiel mir, bzw. eigentlich sogar der Großteil des Buches.

Irgendwann werden die Figuren im Buch und auch der Ich-Erzähler immer wirrer, das lange Eingesperrtsein zeigt seine Folgen und zwar auch im Erzählstil. Auch das fand ich noch sehr gelungen, aber an manchen Stellen überzogen. Außerdem hätte ich mir mehr Erklärungen gewünscht. Welche seiner wirren Tagträume und Fantasien sind wirkliche Erinnerungen? Wie genau ist seine Vergangenheit?

Kommen wir zum Schluss! Eines muss man Kevin Brooks lassen. Der Schluss hat schon etwas wirklich Geniales an sich. Auch die Umsetzung im Buch, ich mag dazu nicht mehr sagen, aber wer das Buch liest, wird am Ende wissen, was ich meine. Und trotzdem haben mich die letzten Seiten nicht zufrieden zurück gelassen. Es ist sehr schwer, das genauer zu erklären, ohne zu viel zu verraten. Mir fehlte einfach das entscheidende Etwas.

Leider kommt der Schluss eines jeden Buches nun mal an seinem Ende und hinterlässt damit den letzten Eindruck überhaupt. Mir ist es immer unheimlich wichtig, wie ein Buch endet und mit welchen Gefühlen es mich zurück lässt. Und so kann ich, weil ich einfach nicht zufrieden zurückgelassen wurde, dem Buch nicht mehr als 7 Sterne geben, obwohl es ansonsten wirklich faszinierend und spannend ist. Schade!

stern 7

Bunker Diary – Kevin Brooks – Klappbroschur – 300 Seiten – 12,95 € – ISBN 978-3-423-74003-6 – erschienen: März 2014 (dtv) – Altersempfehlung: 15-17 Jahre

[Rezension] „Das Orangenmädchen“ von Jostein Gaarder

IDas Orangenmädchennhalt:

„Ich riss den Umschlag auf und zog einen dicken Stapel Blätter heraus. Und fuhr heftig zusammen, denn auf dem obersten Blatt stand:

Sitzt du gut, Georg? Auf jeden Fall musst du fest sitzen, denn ich werde dir eine nervenaufreibende Geschichte erzählen…“ (S. 13)

Georg ist fünfzehn Jahre alt, als er von seinem seit elf Jahren verstorbenen Vater einen Brief bekommt, den dieser für ihn in seiner alten Babykarre versteckt hat. Um den neugierigen Blicken seiner Mutter, seinem Stiefvater und den Großeltern zu entgehen, schließt sich Georg in seinem Zimmer ein und beginnt, zu lesen. In dem Brief möchte sein Vater ihm eine wichtige Frage stellen, zunächst aber erzählt er seinem Sohn die Geschichte des Orangenmädchens…

Meine Meinung:

Während des Lesens von diesem Buch habe ich mir so viele Notizen gemacht, wie schon langte nicht mehr. Ich habe Zitate rausgeschrieben, Eindrücke notiert und Gedanken festgehalten und doch weiß ich jetzt nicht, wie und vor allem wo ich anfangen soll, denn dieses Buch ist einfach unglaublich vielschichtig.

Stellt euch zunächst die Situation von Georgs Vater vor: Er sitzt in noch gar nicht so hohem Alter zuhause vor dem Computer. Er weiß, dass er bald sterben wird und schreibt einen Brief an seinen jugendlichen Sohn, den er niemals kennenlernen wird, während sein Sohn – im tatsächlichen Alter von vier Jahren – neben ihm mit der Eisenbahn spielt.

„Ich kann mich hören, ich plappere hier ungefähr so herum, wie alte Tanten auf kleine Kinder einreden. Und das ist dumm, denn ich suche doch jetzt den großen Georg – den ich niemals gesehen habe, mit dem ich niemals richtig sprechen konnte.“ (S. 20)

Ich würde gerne all meine Gedanken zur Geschichte des Orangenmädchens aufschreiben und euch daran teilhaben lassen, aber dann würde ich euch die Möglichkeit nehmen, diese wundervolle und märchenhafte Geschichte selbst zu entdecken. Eine Geschichte, die so schön und so traurig ist, dass in ihrer ein wahrer Zauber inne wohnt:

„Als sie aufschaute und mir sozusagen zunickte, ohne auch nur die kleinste Kopfbewegung zu machen, lächelte sie frech und verschmitzt, fast als wären wir alte Bekannte oder – das sage ich jetzt ganz offen – als hätten wir vor langer, langer Zeit ein ganzes Leben zusammen gelebt, sie und ich.“ (S. 29)

„Das Orangenmädchen“ ist so vieles: eine Liebesgeschichte, von der man nur träumen kann; ein Buch über den Tod und das Wissen darum, die Liebsten bald verlassen zu müssen; die Geschichte zwischen einem Vater und seinem Sohn; ein philosophisches Buch voller Weisheit. In erster Linie aber ist „Das Orangenmädchen“ eine kleine Welt zwischen zwei Buchdeckeln, die jeder für sich entdecken sollte. Ich vergebe 10 von 10 Sternen.

stern 10

„Das Orangenmädchen“ wurde 2004 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Das Orangenmädchen – Jostein Gaarder – Taschenbuch – 192 Seiten – 8,90 € – ISBN-13: 978-3423133968 – erschienen: Oktober 2005 (dtv)

[Rezension] „East End, West End und dazwischen Maniac Magee“ von Jerry Spinelli

East End, West EndInhalt:

Als Jeffery „Maniac“ Magee drei Jahre alt ist, sterben seine Eltern bei einem Zugunglück und Maniac wächst bei seinem Onkel und seiner Tante auf. Aber auch dort kann er nicht glücklich aufwachsen, denn seine Verwandten sprechen nicht mehr miteinander. So haut Maniac mit acht Jahren von zuhause ab und taucht ein Jahr später schließlich in Two Mills auf.

Und damit nicht genug: Maniac Magee scheint sich an keine der vorherrschenden Konventionen zu halten: er spaziert als weißer Junge gemütlich durch das East End (den Stadtteil der Schwarzen), ohne sich der Ungeheuerlichkeit auch nur bewusst zu sein. Als er sich dann auch noch mit einer farbigen Familie anfreundet, steht das East End Kopf…

Meine Meinung:

Das erste, was ich von diesem Buch wusste, war, dass es für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. Als ich mir dann den Klappentext durchgelesen habe, musste ich das Buch einfach kaufen. Ein Jugendbuch, das sich auf humoristische Weise mit der Rassentrennung beschäftigt, muss ja einfach gut sein. Oder?

Nein, muss es nicht unbedingt. „East End, West End…“ ist zwar auf jeden Fall kein schlechtes Buch im eigentlichen Sinne, aber es hat mich auch nicht wirklich überzeugt. Für meinen Geschmack passiert zu wenig und das wichtigste zu schnell. Zwar verbindet das Buch einige wirklich anrührende Geschichten, doch seltsamerweise gingen mir die nicht wirklich nah.

Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass das Buch eher für jüngere Jugendliche gedacht ist und deswegen nicht ganz so in die Tiefe geht, wie ich es mir gewünscht hätte. Kinder ab zehn oder zwölf Jahren haben sich wahrscheinlich noch nicht so mit dem Thema beschäftigt wie ich und werden durch die Denkanstöße, die das Buch auf jeden Fall bietet, mehr überrascht und angeregt.

Und obwohl ich insgesamt mit einem „Naja“-Gefühl zurückbleibe, habe ich ein wirklich schönes Zitat entdeckt, dass ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte:

„In ihnen erwachte ein Gefühl, das sie vorher nie hatten. Das Gefühl von Wichtigkeit.

Was für eine wunderbare Sache das war, diese Wichtigkeit. Sie erwartete sie schon morgens beim Aufstehen, pumpte Luft in sie hinein wie in einen Basketball, ließ sie springen.“ (S. 141)

Ich schwanke bei meiner Bewertung sehr zwischen 5 und 6 Sternen. Das Buch ist sicherlich für jüngere Leser gut geeignet, um in die Abstrusität der Rassentrennung einzuführen. Auch als Schullektüre in einer 5. oder 6. Klasse kann ich mir die Geschichte sehr gut vorstellen. Das würde für 6 Sterne sprechen. Da es mir aber dann doch zu sehr an der Oberfläche blieb, vergebe ich 5 von 10 Sternen.

stern 5

„East End, West End und dazwischen Maniac Magee“ war 2001 in der Sparte „Jugendbuch“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

East End, West End und dazwischen Maniac Magee – Jerry Spinelli – Taschenbuch – 192 Seiten – 6,95 € – ISBN-13: 978-3423707275 – erschienen: Oktober 2002 (dtv) – Altersempfehlung: 12-14 Jahre (eher auch jünger)

[Rezension] „Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers“ von Sherman Alexie

Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-IndianersKlappentext:

Arnold Spirit, genannt Junior, wächst im Reservat auf. Weil er stottert, lispelt und eine überdimensionale Brille trägt, wird er verprügelt und gehänselt als „der niedrigste Indianer am Totempfahl“. Als er mit 14 Jahren beschließt, als Erster seines Stammes auf eine „weiße“ Highschool außerhalb des Reservats zu gehen, hat dies weitreichende Folgen…

Über den Autor:

Sherman Alexie, 1966 geboren, gehört dem Stamm der Spokane-Indianer an. Er wuchs in Wellpinit, Washington, in einem Reservat auf. Mit drei Jahren lernte er lesen und konnte so der Armut und dem Elend seiner Umgebung entfliehen. Als Verfasser von u.a. Romanen, Gedichten und Drehbüchern gilt Alexie international als Stimme des »anderen« Amerikas. Für seinen ersten Jugendroman ›Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers‹ erhielt er 2007 den National Book Award und 2008 den Boston Globe-Horn Book Award. (Quelle)

Meine Meinung:

„Gäbe es eine Profiliga der Onanisten, ich wäre garantiert in der Nationalmannschaft und würde mich dumm und dusselig verdienen. Vielleicht denkst du jetzt: ‚Hör mal. Du sollst nicht in aller Öffentlichkeit übers Onanieren reden.’ Mir doch egal. Ich rede trotzdem darüber, weil nämlich JEDER onaniert. Und JEDEM macht es Spaß. Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass wir onanieren, dann hätte er uns keine Daumen gegeben. Deshalb danke ich Gott für meine Daumen.“ (S. 34/35)

Vielleicht mag der ein oder andere von euch jetzt denken: Warum zum Teufel schreibt die so ein Zitat in eine Rezension? Kann ich euch sagen: Weil dieses Zitat genau das zeigt, was dieses Buch für mich ausmacht, nämlich der Humor.

Das Buch liest sich unheimlich schnell, aber diese wenigen Lesestunden waren wirklich lustig und unterhaltsam. Der Schreibstil des Autors ist für einen vierzehnjährigen Ich-Erzähler wirklich sehr gut gewählt. Meistens erzählt Junior witzig und mit einer unschlagbaren Selbstironie, teilweise dann wieder sehr ehrlich und traurig von seinem Leben im Reservat und seinen Erfahrungen an der „weißen Highschool“.

Eben mit dem teilweise autobiographischen Hintergrund sollte sich das Buch etwas ernsthafter lesen, doch eine richtige Botschaft hat mich irgendwie nicht erreicht. Ich hatte zwar damit gerechnet, ein unterhaltsames und auch humorvolles Jugendbuch zu lesen, aber ich dachte ehrlich gesagt, dass mich die Thematik mehr berühren würde. Aber nichts da: keine Gänsehaut, keine Tränen, noch nicht mal mehr viele Gedanken nach dem Zuklappen.

Ein kleines Schmankerl im Buch: Die ganze Geschichte ist gespickt mit kleinen Zeichnungen, die die Handlung und die Erzählung von Junior unterstreichen, verdeutlichen oder humorvoll auf die Schippe nehmen.

„Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers“ ist ein lustiges, wirklich nettes Buch für vergnügliche Lesestunden. Mehr hat es mir persönlich allerdings nicht gegeben. Ich weiß, dass andere das anders sehen. Vielleicht auch deswegen habe ich zwischen 6 und 7 Sternen geschwankt, aber da ich meine Bewertungsskala insgesamt wieder etwas runterschrauben möchte, vergebe ich fröhliche 6 von 10 Sternen und empfehle das Buch jedem, der für ein paar Stunden gut unterhalten werden möchte.

stern 6

Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers – Sherman Alexie – Taschenbuch – 272 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3423782593 – erschienen: Oktober 2011 (dtv) – Altersempfehlung: 12-14 Jahre

[Rezension] „Nennt mich nicht Ismael!“ von Michael Gerard Bauer

Nennt mich nicht IsmaelReiheninfo:

  1. „Nennt mich nicht Ismael!“
  2. „Ismael und der Auftritt der Seekühe“
  3. „Ismael: Bereit sein ist alles“

Inhalt:

Eigentlich hätte Ismael ein ganz normaler Junge werden können. Doch seine Eltern nannten ihn Ismael Leseur und damit begann – so zumindest meint er selber – sein Schicksal:

Aufgrund seines Namens wird der 14-jährige Ismael in der Schule gehänselt, gemobbt, geschubst:

„Im Grunde war die wichtigste Lektion, die ich letztes Jahr lernte, ein möglichst kleines Ziel abzugeben. […] Für Barry Bagsley und seine Kumpels wurde ich praktisch unsichtbar. Manchmal konnte ich mich selbst kaum erkennen.“ (S. 31)

Doch das ändert sich urplötzlich, als ein neuer Junge in seine Klasse kommt: James Scoobie ist, wenn man genau hinsieht, genauso ein Opfertyp wie Ismael – mit dem Unterschied, dass er sich nicht zum Opfer machen lässt. Scoobie zeigt allen, dass Wörter mehr Macht haben können als Gewalt. Und für Ismael beginnt eine neue Zeit:

„Es würde das härteste, verrückteste, peinlichste, schrecklichste und beste Jahr meines Lebens werden.“ (S. 31)

Meine Meinung:

Kennt ihr diese Bücher, die ihr während des Lesens voller Zuneigung anlächeln müsst, weil ihr die Figuren der Geschichte einfach unheimlich gern habt?

„Nennt mich nicht Ismael!“ ist genauso ein Buch!

Kennt ihr diese Bücher, die euch beim Lesen dazu bringen, laut loszuprusten und euch gleichzeitig ein Tränchen aus dem Augenwinkel zu wischen?

„Nennt mich nicht Ismael!“ ist genauso ein Buch!

Kennt ihr diese Bücher, die euch nach dem Lesen voller Tatendrang, Optimismus und dem Glauben an das Gute im Menschen zurücklassen?

„Nennt mich nicht Ismael“! ist genauso ein Buch!

Zum Schluss bleibt mir nur noch eins: das Buch nach der letzten Seite zu schließen, noch einmal darüber zu streichen und halblaut zu murmeln: „Was für ein schönes Buch!“

Volle Punktzahl, ein absolutes Highlight! 10 von 10 Sternen!

stern 10

Nennt mich nicht Ismael – Michael Gerard Bauer – Taschenbuch – 304 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3423624350 – erschienen: Dezember 2009 (dtv) – Altersempfehlung: 7-11 Jahre (meiner Meinung nach auch älter)

[Rezension] „Das zweite Leben des Cassiel Roadnight“ von Jenny Valentine

Das zweite Leben des Cassiel RoadnightInhalt:

Als der Obdachlose Chap in einer Notunterkunft für schwierige Kinder beharrlich für den vermissten Cassiel Roadnight gehalten wird, der ihm erschreckend ähnlich sieht, kann er schließlich nicht anders: Er nimmt seine Identität an.

„Ich überlegte, in was für einem Haus Cassiel wohl lebte, in was für einem Zimmer, und wie es sich anfühlen würde, wenn es mir gehörte. Ich dachte an das Frühstück am Küchentisch, an Pfannkuchen und schlechte Witze und Orangensaft und die gelbe Sonne auf unseren Gesichtern. Ich dachte, wie es sein würde, zur Schule zu gehen und Freunde zu haben und normal zu sein.

Ich sehnte mich nach dem, was Cassiel Roadnight hatte. Mit jedem Atemzug sehnte ich mich danach.“ (S. 18-19)

Aber während Chap noch versucht, als vermeintlicher Cassiel nicht aufzufliegen und das neue Familienleben zu genießen, muss er herausfinden, auch in der neuen Familie nicht alles normal ist. Und was war vor zwei Jahren der Grund für das Verschwinden des echtes Cassiels?

Meine Meinung:

Nachdem ich von Jenny Valentine „Die Ameisenkolonie“ gelesen habe, bin ich begeisterter Fan der Autorin. Selten habe ich ein Buch gelesen, das auf so wenigen Seiten so viel Gefühl übermitteln kann.

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich nun das neue Buch von ihr in den Händen hielt, das als „atemberaubender Thriller über Familie, Identität und Selbstfindung“ gehandelt wird.

Das Buch startet in altbekannt guter Manier: Schon auf den ersten Seiten, wird sehr beeindruckend und glaubwürdig das Bedürfnis eines vermutlich jeden Jugendlichen nach einem Zuhause, nach einer liebenden Familie und vor allem nach Identität und Zugehörigkeit beschrieben.

Ich mag die Charakterzeichnungen der Autorin, die Personen erschafft, die gleichzeitig beeindruckend stark, aber dann doch auch wieder so schwach und liebebedürftig sind.

Im Verlauf des Buches wird die Geschichte aber mehr und mehr zu einem wirklichen Jugendthriller: es geht um die Aufklärung von Ungewissheiten und plötzlich steht ein gefährlicher Gegner im Raum. Und so sehr ich Thriller sonst auch lesen mag: Wenn ich ein Buch von Valentine lese, möchte ich keine spannungsgeladenen Erlebnisse geschildert bekommen, sondern ich möchte zwischen Lachen und Weinen schwanken.

Ich glaube, dass ich aufgrund meiner besonderen Erwartungshaltung durch „Die Ameisenkolonie“ etwas enttäuscht von der Geschichte war: Sie ist weniger bewegend und mehr spannend.

Das soll aber nicht heißen, dass ich das Buch nicht geradezu verschlungen habe. Jenny Valentine ist durchaus ein Jugendroman gelungen, der sich von anderen Jugendbüchern abhebt. Sie greift auf eine ganz eigene Weise das Thema der Identitätsfindung auf. Ich vergebe 7 von 10 Sternen und damit eine klare Leseempfehlung.

stern 7

Das zweite Leben des Cassiel Roadnight – Jenny Valentine – Klappbroschur – 240 Seiten – 12,90 € – ISBN-13: 978-3423248839 – erschienen: 1. Oktober (dtv) – Altersempfehlung: 14-16 Jahre

[Rezension] „Fat Cat“ von Robin Brande

Fat CatKlappentext:

Catherine ist witzig, schlau und hat ein großes Herz – dünn ist sie allerdings nicht. Schokoriegel sind ihre Seelentröster und Chips die beste Gesellschaft beim Fernsehen. Als sie sich an der Schule für einen Wissenschaftswettbewerb ein Projekt überlegen soll, hat sie einen genialen Einfall: Von nun an wird sie sieben Monate lang das Leben eines Homo erectus führen. Das heißt Leben wie in der Steinzeit: keine Chips, keine Schokolade, kein Fernsehen – und alle Strecken zu Fuß zurücklegen. Die ersten Tage sind die Hölle. Doch die Pfunde purzeln und das Selbstbewusstsein steigt. Und dann gibt es da auch noch einen anderen Antrieb außer dem Gewinnen des Wettbewerbs … (Quelle)

Meine Meinung:

Hach, schön! Es gibt so Bücher, die einfach herzerwärmend sind. Und „Fat Cat“ gehört definitiv zu dieser Sorte.

Und das obwohl es bei diesem Thema sicherlich viele Klippen zu umschiffen galt. Denn oftmals bewegen sich Jugendbücher bei diesem Thema zwischen zwei Extremen: „Nur wer dünn ist, ist schön und beliebt“„Das Aussehen zählt nicht, allein die inneren Werte sind wichtig“

Robin Brande ist es vor allem durch die absolut tolle Ich-Erzählerin Cat gelungen, weder dem einen noch dem anderen Klischee zu entsprechen: Cat ist von Anfang an toll: Witzig, klug und schlagfertig. Sie hat eine tolle, sympathische beste Freundin. Doch trotzdem fühlt sie sich manchmal unwohl, denn es ist nicht zu leugnen, dass sie dick ist.

Und dennoch wandelt sich ihr Leben nicht parallel zu den purzelnden Pfunden in eitel Sonnenschein.

Von der ersten bis hin zur letzten Seite habe ich dieses Buch verschlungen. Für mich hatte es nie auch nur ansatzweise irgendwelche Längen. Im Gegenteil: es hat mich vollkommen mitgerissen. Während des Lesen habe ich meine eigenen Essgewohnheiten hinterfragt und überlegt, ein wenig vollwertiger zu essen. Und das ist noch ein positiver Punkt: „vollwertig und gesund“ zu essen wird hier nicht mit „wenig essen“ gleichgesetzt.

Während ihres Projekts muss sich Cat intensiv mit ihrer eigenen Person auseinander setzen. Und so geht es vor allem auch um die Identitätsfindung, um die beste Freundin, um das Gefühl, manchmal dann doch das dritte Rad am Wagen zu sein. Und wie sollte es auch anders sein: Es geht um Jungen.

Ein Jugendbuch, das eine neuartige Idee und damit genau meinen Geschmack getroffen hat: unterhaltsam und trotzdem zum Nachdenken anregend – lebendig durch authentische Figuren, die man gerne auch im echten Leben kennen würde. Ich vergebe gute 9 von 10 Sternen.

stern 9

Fat Cat – Robin Brande – Taschenbuch – 368 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3423782562 – erschienen: September 2011 (dtv) – Altersempfehlung: 12-14 Jahre