[Rezension] „Enders Spiel“ von Orson Scott Card

Enders SpielKlappentext:

Nur dem äußeren Anschein nach ist Andrew Wiggin, genannt Ender, ein ganz normaler Junge. Tatsächlich hat man ihn dazu auserwählt, zu einem militärischen Genie zu werden, das die Welt braucht, um einen übermächtigen Feind zu besiegen. Aber Enders Geschichte verläuft anders, als es die Militärs geplant haben. Völlig anders … (Quelle)

Meine Meinung:

Darf man das Leben eines einzelnen Menschen beeinflussen, manipulieren und ihn beinahe zerstören, nur um das Leben vieler zu retten?

So denken zumindest die Erwachsenen, die Enders – einen sechsjährigen Jungen – in die Kampfschule schicken und ihn dazu ausbilden, den bevorstehenden Krieg gegen die Krabbler (insektenähnliche Außerirdische) zu gewinnen. Und um das Beste aus ihm herauszuholen, damit Ender irgendwann die Menschheit retten kann, isolieren sie ihn von allen anderen, lassen ihn nie in Ruhe und manipulieren seine komplette Umwelt.

„Sobald er also mit einer Situation fertigwerden kann, versetzen Sie ihn in eine, mit der er nicht fertigwerden kann. Bekommt er denn nie Ruhe?“ (S. 95)

Das mit anzusehen, die Pläne der Erwachsenen mitzubekommen und in Ansätzen sogar verstehen zu können, Ender aber auf der anderen Seite leiden zu sehen, allein und ohne Freunde – ich glaube, das macht die Besonderheit dieses Buches aus.

Ich fand die Geschichte durchweg spannend und interessant. Ich habe gerne verfolgt, wie Ender sich wieder und wieder mit neuen Situationen arrangieren konnte, wie er sich selbst und das Spiel, das die Erwachsenen mit ihm spielen, hinterfragt und versucht, sich nicht manipulieren zu lassen.

Faszinierend finde ich, dass dieses Buch bereits 1985 geschrieben wurde und in seiner Aktualität durchaus mit anderen gerade erst erschienenen Sci-Fi-Dystopien mithalten kann.

Es gab nur zwei Dinge, die mich an „Enders Spiel“ gestört haben. Zum einen sprechen die Kinder, die übrigens sehr viel älter wirken, als sie sein sollen, in der Kampfschule teilweise in einem merkwürdigen ungrammatischen Slang miteinander, der mir auf die Nerven ging. Zum anderen gefiel mir das Ende nach dem Ende nicht. Das muss ich vielleicht kurz erklären. Der Schluss war genial, super konzipiert und hätte nicht anders sein können. Danach folgte noch ein letztes Kapitel, das ich sehr merkwürdig und zu großen Teilen überflüssig fand. Ich kann mir vorstellen, warum der Autor es geschrieben hat; trotzdem gefällt es mir nicht.

„Enders Spiel“ ist eine interessante Science-Fiction-Dystopie, die durch eine spannende, wenn auch an manchen Stellen grausame Handlung zu überzeugen weiß. Ich habe Ender gerne bei seiner Ausbildung begleitet, auch wenn ich oft mit ihm mitgelitten habe. Wirklich gestört hat mich nur das letzte Kapitel, vielleicht sollte man es einfach überlesen. Ich vergebe sehr gut 7 von 10 Sternen!

stern 7

„Enders Spiel“ ist in sich abgeschlossen, es gibt aber noch einen zweiten Band: „Enders Schatten“.

Enders Spiel – Orson Scott Card – Taschenbuch – 464 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-453-31420-7 – erschienen: Dezember 2012 (Heyne) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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