[Rezension] „Blutrosen“ von Monika Feth

Blutrosen von Monika FethReiheninfo:

  1. „Teufelsengel“
  2. „Spiegelschatten“
  3. „Blutrosen“

„Blutrosen?“
„Oft schenken Männer einer Frau rote Rosen, nachdem sie sie misshandelt haben. Und manchmal auch, bevor sie sie töten.“ (S. 441)

Bei ihren Recherchen zum Thema Frauenhäuser lernt Romy die junge Fleur kennen. Fleur heißt eigentlich Bea, doch niemand soll sie hier erkennen. Fleur ist nämlich auf der Flucht. Auf der Flucht vor ihrem Freund – ihrer großen Liebe.

Mit fünfzehn Jahren flieht Bea das erste Mal – damals noch vor dem sexuell übergriffigen Stiefvater und ihrer lieblosen Mutter. Das Leben auf der Straße ist hart. Umso wohler fühlt sie sich zunächst bei Mikael, der sie aufnimmt, für sie sorgt und schwört, sie immer zu liebe. Eine Liebe, die in Eifersucht und Hass umschlägt. Eine Liebe, die einengt und Schmerzen zufügt. Eine Liebe, die Bea dazu zwingt, zu fliehen. Zu Fleur zu werden.

Monika Feth geligt es jedes Mal auf’s Neue, mich mit ihren Büchern zu berühren. Dafür sorgen ihre starken Charaktere und die einnehmenden Themen. Dass die Geschichten nebenher noch spannend sind, ist eigentlich nebensächlich. Ich mag es, auf Themen gestoßen zu werden, die mir nicht alltäglich präsent sind: Frauenhäuser. Häusliche Gewalt. Die Angst vor jedem Schatten. Das Gefühl, verfolgt zu werden. Nie entkommen zu können, egal wohin man flieht.

Vielen Dank, Frau Feth, für ein Buch, das mich  sehr eingenommen hat. Wie immer.
10 von 10 Sternen!

stern 9

Blutrosen – Monika Feth – Hardcover mit SU – 512 Seiten – 17,99 € – ISBN: 978-3-570-16315-3  – erschienen: April 2017 (cbt)

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[Rezension] „Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch

Klappentext:

Klamotten, Partys, Jungs und Schule: Diese Welt ist Carey und ihrer kleinen Schwester Jenessa völlig fremd. Die Geräusche des Waldes, das beengte und doch so vertraute Zusammenleben im Wohnwagen und die oft tagelange Abwesenheit ihrer Mom – das ist der Alltag der Mädchen, die in einem Trailer tief versteckt inmitten eines Naturschutzgebietes leben. Als Careys und Jenessas Vater die Mädchen zu sich und seiner neuen Familie holt, finden die Tage im Wald ein jähes Ende. Doch ihr altes Leben lässt sie noch nicht los.

Meine Meinung:

Carey und ihre kleine Schwester Jenessa wachsen im Wald auf. Mitten im Wald. Ihre Mutter ist psychisch krank und drogenabhängig. Immer wieder lässt sie ihre Töchter wochen- und teilweise monatelang alleine; mit nur wenigen Konservendosen als Essensreserve. Und so musste Carey schon früh erwachsen werden, viel zu früh: Sie sorgt für Nessa, bringt ihr Lesen und Schreiben bei, tröstet sie, wenn diese mal wieder nach ihrer Mutter schreit, und jagt Kaninchen und andere Tiere, um zumindest ab und an gehaltvolle Nahrung auf den Tisch zu bekommen.

Eines Tages dann, ihre Mutter ist mittlerweile über drei Monate weg, werden Carey und Nessa dann von einer Jugendamtsmitarbeiterin und ihrem Vater im Wald gefunden. Der Vater nimmt die beiden zu sich, wo sie mit seiner neuen Frau und Stieftochter gemeinsam ein normales Leben führen sollen. Doch das ist gar nicht so leicht, denn insbesondere Carey wird immer wieder von den Erinnerungen an ihr früheres Leben eingeholt.

Die Publishers Weekly hat diesen Jugendroman mit den Worten kommentiert, dass man sich in diese Heldinnen sofort verlieben muss. Und das ist so wahr, dass ich mich der Meinung einfach anschließen muss. Von Carey und Nessa geht ein großer Charme aus. Die beiden, die die meiste Zeit ihres Lebens nur sich selbst hatten. Zu gerne würde man sie als Leser in den Arm nehmen. Ganz kurz nur und behutsam, denn Nähe, Liebe und Vertrauen von Erwachsenen sind sie nicht gewohnt.

Das Schicksal der beiden hat mich so gefesselt, dass ich mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören mochte. Ich wollte die beiden unbedingt in Sicherheit wissen. Wollte mich davon überzeugen, dass es ihnen in ihrem neuen Heim gut geht, dass sie klar kommen. Denn da gibt es immer noch Zweifel und ein großes Geheimnis. Was hat damals in der Nacht der weißen Sterne dazu geführt, dass Jenessa ihre Sprache verloren hat?

Lange Zeit hat mich dieses Buch wirklich umgehauen und sprachlos immer weiter lesen lassen. Das Schicksal der Mädchen, aber auch die Hoffnung auf ein Zuhause, auf Liebe und Fürsorge haben mich total ergriffen. Zum Ende hin gehen mir manche Handlungsstränge allerdings etwas zu schnell, manche Zufälle finde ich nicht glaubhaft genug – zu passend. Das ist schade, denn das Buch an sich hätte diesen Teil der Geschichte (Carey lernt in der Schule einen Jungen kennen und fühlt sich schnell zu ihm hingezogen) nicht nötig gehabt. Ob die Entwicklung überhaupt realistisch ist, wage ich auch zu bezweifeln. Trotzdem vergebe ich 8 von 10 Sternen für eine sehr besondere Geschichte.

stern 8

„Wenn ihr uns findet“ wurde 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Wenn ihr uns findet – Emily Murdoch – Hardcover mit SU – 304 Seiten – 15,99 € – ISBN: 978-3-453-53434-6 – erschienen: März 2014 (Heyne fliegt) – Übersetzung: Julia Walther – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Kurzer Leseeindruck] „Bitter Love“ von Jennifer Brown

Klappentext:

Nie hat Alex so stark für jemanden empfunden wie für Cole. Er ist geheimnisvoll, romantisch und spielt für sie Lieder auf der Gitarre. Alex verbringt jede freie Minute mit ihm – trotzdem scheint Cole sich zurückgesetzt zu fühlen, wenn sie sich ab und zu mit ihren besten Freunden trifft. Und irgendwann lernt Alex den zärtlichen Cole plötzlich von einer ganz anderen Seite kennen: Er wird ausfallend, verletzend und scheint von unbändigem Zorn getrieben. Allen Warnungen zum Trotz steht Alex zu ihm, doch ihre bedingungslose Liebe führt sie in einen Teufelskreis, den sie allein nicht mehr durchbrechen kann. (Quelle)

Meine Meinung:

Schon mit „Die Hassliste“ und ihrer sehr differenzierten Sicht auf einen Amoklauf an einer Highschool konnte mich Jennifer Brown begeistern. Auch ihr zweites Buch „Bitter Love“ greift ein ernstes Thema auf: Was tun, wenn man merkt, dass der Freund der besten Freundin ihr gar nicht gut tut? Was tun, wenn Liebe in Eifersucht umschlägt, wenn aus Zärtlichkeiten Gewalt wird? Was tun, wenn man den Jungen, der einem Angst macht, über alles liebt?

“Er ließ meinen Finger frei und rieb seinen dagegen. ‘Ich bin nur … Ich mag dich wirklich gern, Alex. Aber ich kann dich mit niemandem teilen.’ Seine Stimme klang rau.” (S. 102)

„Bitter Love“ ist (leider) auf jeder einzelnen Seite glaubhaft und authentisch. Obwohl ich sehr hoffe, dass ich mich nie auf so eine Beziehung einlassen würde, konnte ich Alex Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen. Zum Ende musste ich weinen. Im Nachwort findet die Autorin noch ein Mal ganz besondere Worte zu diesem wichtigen Thema. Das einzige, was ich mir noch gewünscht hätte, wäre ein Hinweis darauf, dass nicht zwingend Männer die Täter und Frauen die Opfer sind, aber das ist auch nur ein klitzekleiner Kritikpunkt. Grundsätzlich ist „Bitter Love“ ein bewegendes und gut geschriebenes Jugendbuch, das durch die schonungslose Art schockiert und aufwühlt. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Bitter Love – Jennifer Brown – Hardcover – 408 Seiten – 14,95 € – ISBN 978-3-423-76048-5 – erschienen: April 2012 (dtv) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Elefanten sieht man nicht“ von Susan Kreller

Elefanten sieht man nichtInhalt:

Und als ich durch das Fenster blickte und etwas sah, das viel mehr war als ein sekundenlang fleckiger Bauch und eine sekundenlang klaffende Wunde an der Stirn, da kriegte ich zum ersten Mal in meinem Leben keine Luft, sie wollte nicht in mich hinein, sondern blieb mit einem Pfeifen in meinem Hals stecken, atmen, dachte ich, atmen […]. (S. 38)

Wie jedes Jahr verbringt Mascha die Sommerferien bei ihren Großeltern in einem kleinen Dorf, in dem alles seinen gewohnten Gang geht: die Vorgärten sind immer gut gepflegt, der Rasen gemäht und jede Woche wird mindestens eine goldene Hochzeit gefeiert.

Mascha langweilt sich zu Tode. Die einzigen beiden Kinder, die mit ihr reden, sind die neunjährige Julia und ihr siebenjähriger Bruder Max. Doch schnell stellt sich heraus, dass die beiden anders sind. Und dann entdeckt Mascha auch noch auf Julias Bauch viele blaue Flecken und an der Stirn von Max eine große, klaffende Wunde. Beunruhigt spricht sie ihre Großeltern darauf an, aber die wollen von allem gar nichts hören – Herr Brandner, der Vater von Julia und Max, sei schließlich ein angesehener Autohändler. Vollkommen allein gelassen mit ihrem furchtbaren Verdacht, greift Mascha schließlich zu einer eher ungewöhnlichen Lösung…

Meine Meinung:

The elephant in the room (englische Redewendung): großes Thema, dessen sich jeder bewusst ist, über das aber – aus Angst oder Bequemlichkeit – niemand spricht

Diese kurze Erklärung stellt Susan Kreller, die Autorin dieses wirklich bewegenden Jugendromans, ihrer Geschichte voraus. Sie erklärt dadurch vor allem den ungewöhnlichen Titel und fasst in meinen Augen sehr gelungen zusammen, worum es in diesem Buch geht: Mascha hat den begründeten Verdacht, dass Julia und Max von ihrem Vater misshandelt werden, aber obwohl alle im Dorf Ähnliches ahnen, will dies keiner so wirklich wahrhaben, denn in ihrem Dorf passiert so was schließlich nicht.

– Du bist verrückt, Mascha, meine Güte.
– Oma, wenn ich’s dir sage. Die schlagen ihre Kinder, das weiß ich.
– Das kann gar nicht sein! Hast du mich verstanden? Das kann nicht sein, Schluss, hör auf damit.
(S. 39/40)

Der Schreibstil ist der Thematik angemessen: sehr eindringlich, manchmal langsam, dann wieder hektisch und etwas wirr; wirr oft dann, wenn es um die Gedanken und Gefühle von Mascha und Julia geht. Julia ist verständlicherweise gehemmt und zurückhaltend und Mascha mit der Situation vollkommen überfordert, insbesondere weil sie eben keine Unterstützung von Erwachsenen bekommt.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht viel mehr zu dem Buch sagen, denn ich finde die Geschichte um Mascha, Julia und Max sollte jeder selber lesen. Lesenswert ist sie nämlich definitiv! In meinen Augen beschreibt die Autorin sehr realistisch einen Fall von häuslicher Gewalt und dem verzweifelten Versuch einer Dreizehnjährigen, dafür eine Lösung zu finden. Ich vergebe volle 10 Sterne, insbesondere weil ich auch das Ende für sehr gelungen halte.

stern 10

„Elefanten sieht man nicht“ war 2013 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Jugendbuch nominiert.

Elefanten sieht man nicht – Susan Kreller – Hardcover mit SU – 208 Seiten – 14,90 € – ISBN-13: 978-3551582461 – erschienen: März 2012 (Carlsen)
Altersempfehlung: 14-17 Jahre

„Die Legenden der Albae: Vernichtender Hass“ von Markus Heitz

Die Legenden der Albae 2Reiheninfo:

  1. „Legenden der Albae: Gerechter Zorn“
  2. „Legenden der Albae: Vernichtender Hass“
  3. „Legenden der Albae: Dunkle Pfade“
  4. Titel und Erscheinungsdatum noch unbekannt

Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler zum ersten Band!

Inhalt:

„Keine Armee vollbrachte Größeres!“, sprach er inbrünstig. „WIR haben die Unterirdischen niedergeworfen und vernichtet. Und WIR werden die Elben niederwerfen und nicht nur sie vernichten, sondern alles, was von ihnen existiert. Nichts darf mehr an sie erinnern. WIR sind ihr TOD!“ (S. 21)

Auf diese Art feuern Sinthoras und Caphalor ihre Albae-Truppen an. Die beiden Nostàroi sind unbestrittene Helden, doch ob das immer so bleiben wird?

Sinthoras und Caphalor haben gemeinsam mit ihrem Albae-Heer und den Verbündeten den steinernen Torweg überwunden, nun soll das restliche Tark Draan – oder das Geborgene Land, wie die Bewohner es nennen – erobert werden. Die Karten stehen gut, doch schon bald droht unerwartete Gefahr und nicht nur der Feldzug gegen die Elben, auch das heimische Albae-Reich ist in Gefahr.

Meine Meinung:

Ich muss ganz ehrlich sagen: Es fällt mir nach wie vor schwer, mit den Albae mitzufiebern, denn sie sind nun mal absolut keine Sympathieträger. Szenen, wie die folgende, lassen mich heimlich wünschen, dass doch die Elben die große Schlacht um das Verborgene Land gewinnen mögen:

„Auf den Feldern arbeiteten weiß gekleidete Elben, holten die Ernte ein, warfen das Korn auf lange Wagen und transportierten es zu einem Fluss, an dem sich eine Mühle an die nächste reihte. Dem Klang nach wurde in den Scheunen gedroschen. Gelegentlich sah man nach Morana, sie wurde mit einem erhobenen Arm gegrüßt.

Die Albin erwiderte die freundliche Geste mit Hass. Die Vernunft hinderte sie daran, ihr Schwert zu ziehen und durch die Ähren zu jagen, um die Elben niederzustrecken. Die goldene Ebene wird man bald Blutebene nennen, wenn wir mit euch fertig sind, schwor sie stumm.“ (S. 165)

Und doch kam ich im zweiten Teil der Albae-Trilogie besser mit den Hauptpersonen zurecht, als es beim Vorgänger der Fall war. Es gibt eben doch einige Albae, die etwas weniger grausam als andere sind. Und man gewöhnt sich an die Blutdurst, den Knochenschmuck und die Nachtmahle mit den leuchtenden Augen und spitzen Zähnen.

Allerdings verteilt sich die Handlung auch auf viele Nebenschauplätze, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. So stehen nicht nur die Albae im Fokus, sondern auch andere Rassen.

Grundsätzlich habe ich beim Lesen festgestellt, dass man die Bücher von Markus Heitz dann am besten genießen kann, wenn man viele Seiten am Stück lesen kann. Nur denn gelingt es mir wirklich, die detaillierten Beschreibungen zu würdigen und in der komplexen Handlung zu versinken.

Am Ende des Buches gibt Heitz einen kleinen Ausblick auf den dritten Teil. Dieser Ausblick macht mich als Leserin von „Die Zwerge“ auf jeden Fall neugierig (die Handlung von „Dunkle Pfade“ ist zwischen dem dritten und vierten Zwerge-Band angesiedelt), lässt mich aber auch ein bisschen unbefriedigt zurück, denn ich vermute, dass viele Handlungsstränge aus diesem Band nicht weitergeführt werden.

„Vernichtender Hass“ hat mir sehr viel besser gefallen als „Gerechter Zorn“. Das lag vor allem daran, dass ich mich mit diesen doch nicht so leicht zu mögenden Charakteren angefreundet habe. Aber auch die Handlung auf den vielen Nebenschauplätzen hat mir gut gefallen. Ich bin gespannt, was mich im dritten Teil erwartet. 8 von 10 Sternen für spannende und mitreißende Fantasy-Unterhaltung.

stern 8

Die Legenden der Albae: Vernichtender Hass – Markus Heitz – Klappbroschur – 652 Seiten – 16,99 € – ISBN-13: 978-3492701976 – erschienen: Augsut 2011 (Piper)

„Todesmelodie“ von Andreas Franz & Daniel Holbe

TodesmelodieZur Reiheninfo der Julia-Durant-Bücher möchte ich auf die Auflistung der Krimi-Couch HIER verweisen!

Inhalt:

Nach ihrer Entführung hatte sich Julia Durant ein Jahr Auszeit genommen, um wieder zu Kräften zu kommen. Nun ist sie gerade wieder in den Außendienst berufen worden, als sie und ihr Team eine furchtbar zugerichtete Leiche finden: Ein junges Mädchen wurde mehrfach vergewaltigt, danach schnitt jemand ihre Kehle durch.

Zwei Jahre später – die Täter sind schon längst hinter Gittern – wird das K11 zu einem neuen Tatort gerufen, der erst auf den zweiten Blick erschreckende Parallelen zum Mord an der jungen Studentin aufweist…

Meine Meinung:

Wenn ein Mensch stirbt, ist dies so oder so traurig. Wenn es dann noch einer der eigenen Lieblingsautoren ist, ist man sich nicht sicher: Darf man den Tod betrauern, weil es nun keine weiteren Bücher mehr geben wird?

So etwa ging es mir nach dem Tod von Andreas Franz, von dem ich fast alle Bücher in meinem Regal stehen habe. Umso größer war die Freude, als ich erfahren habe, dass Daniel Holbe ein bereits von Franz begonnenes Manuskript zu einem fertigen Buch vollendet.

Holbe hat es sicherlich nicht leicht: Franz hat etliche Bücher verfasst und die Reihe um die toughe Ermittlerin Julia Durant ist sicherlich nicht nur mein Liebling. Es sind also große Fußstapfen, in die der junge Autor treten muss.

Nach dem Lesen kann ich sagen: bis auf einen kleinen Kritikpunkt ist es Holbe unheimlich gut gelungen, die Reihe fortzusetzen. Die Charaktere von Durant und Hellmer sind unheimlich gut getroffen. Es kommt wieder zu sehr typischen Szenen zwischen diesen beiden Sturköpfen. Mehr als ein Mal hätte ich beide gerne schütteln wollen. Aber genau das sind eben Szenen, die die Bücher von Andreas Franz ausmachen.

Ebenso wie die Hauptermittlerin hat man das Gefühl, zwar eine Zeit weg gewesen zu sein, sich nun aber schnell wieder im K11 heimisch zu fühlen. Besonders schön finde ich, wie ich als Leser an den Ermittlerarbeiten teilhaben kann, obwohl ich oft mehr weiß, als das Team. Ich sehe genauso ihre Notizen vor mir und kann mir ihre Whiteboards gut vorstellen. Das erinnert mich ein wenig an die Thriller von Jeffery Deaver.

Doch nun zur Kritik: Die Bücher von Franz waren schon immer schonungslos ehrlich und nicht für zarte Gemüter gemacht. Doch wenn mir jemand über „Todesmelodie“ sagen würde, er fände das Buch an manchen Stellen unnötig grausam und brutal, würde ich zumindest wissen, was er meint. Ob das nun der Einfluss von Holbe ist oder ob Franz selber die Beschreibungen der Morde und die Thematik an sich so geplant hatte, werden wir Leser wohl eher nicht erfahren. Fakt ist: Dieses Buch sollte niemand lesen, dem bei dem Gedanken an Blut, brutale Vergewaltigungen und erschreckend perverse Abnormitäten übel wird.

Ich persönlich habe „Todesmelodie“ unheimlich gerne gelesen und konnte das Buch zwischenzeitlich nicht beiseite legen. Doch obwohl ich eigentlich gerne Thriller lese, bei denen es durchaus auch mal brutal und psychopathisch zugehen darf, haben mich manche Szenen, bzw. viel mehr das hinter den Morden stehende Motiv (ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten) geschockt. So viele und detaillierte Beschreibungen wären nicht immer notwendig gewesen. Trotzdem vergebe ich 7 von 10 Sternen und bin erfreut darüber, dass Holbe auch noch einen weiteren Durant-Krimi verfasst hat: „Tödlicher Absturz“.

stern 7

Todesmelodie – Franz & Holbe – Taschenbuch – 432 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3426639443 – erschienen: Mai 2012 (Knaur)

„Der Unsichtbare“ von Mats Wahl

Der UnsichtbareKlappentext:

Der junge Hilmer Eriksson ist verschwunden. Eigentlich wollte Hilmer nur etwas mit dem Rad im Nachbardorf abholen. Aber dort ist er nie angekommen. Gab es einen Unfall? Oder wurde er das Opfer eines Verbrechens? Könnte das Verschwinden etwas mit dem Streit zu tun haben, den Hilmer kürzlich mit drei seiner Mitschüler hatte?

In Hilmers Umkreis wird ermittelt. In den Verhören seiner Mitschüler setzt sich Puzzleteilchen für Puzzleteilchen das Bild eines sinnlosen Hasses zusammen, und die Indizien gegen eine Gruppe neonazistischer Jugendlicher verdichten sich.

Meine Meinung:

Als ich die ersten Seiten dieses dünnen Buches gelesen hatte, war ich zunächst sehr irritiert. Hilmer Eriksson, der vermisste Junge, begleitet die ganze Handlung mehr oder weniger als unsichtbare Nebenfigur. Ab und an kommentiert er etwas, meistens leidet er nur still vor sich hin. Denn dass es Hilmer nicht gut geht, wird dem Leser schnell klar.

Aber gerade die Figur des unsichtbaren Hilmer macht den tieferen Sinn der Geschichte aus:

„Der, der verschwunden ist, ist dennoch anwesend und niemand ist so sehr bei uns wie jemand, der verschwunden ist.

Wir können etwas verstecken.

Aber es gibt kein Vergessen.“ (S. 38)

Mich würde es sehr interessieren, wie jugendliche Leser den Unsichtbaren interpretieren.

Die eigentliche Hauptperson ist der Ermittler Fors, der schon sehr früh in die richtige Richtung denkt. Und so weiß auch der Leser schnell, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Das Augenmerk liegt vor allem auf den Motiven und der großen Frage nach dem Warum.

Dies ist sicherlich vom Autor genauso gewollt, nimmt dem Buch aber einen Großteil seiner Spannung, was ich für ein Jugendbuch ein wenig schade finde.

„Der Unsichtbare“ ist ein gutes Buch. Kein Buch, was mich vollkommen mitgerissen oder mich tief berührt hat. Aber ein gutes, solides Jugendbuch, das sich auf eine ganz eigene Art und Weise mit dem Thema Rassismus und Zivilcourage auseinander setzt: 6 von 10 Sternen.

stern 6

„Der Unsichtbare“ wurde 2002 im Bereich „Jugendbuch“ für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Hier gibt es das passende Unterrichtsmaterial zum kostenlosen Download für Lehrer oder interessierte Schüler.

Der Unsichtbare – Mats Wahl – Taschenbuch – 208 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3423621649 – erschienen: Dezember 2003 (dtv) – Altersempfehlung: 14-16 Jahre

„Die Legenden der Albae: Gerechter Zorn“ von Markus Heitz

Legenden der AlbaeReiheninfo:

  1. „Legenden der Albae: Gerechter Zorn“
  2. „Legenden der Albae: Vernichtender Hass“
  3. „Legenden der Albae: Dunkle Pfade“
  4. Titel und Erscheinungsdatum noch unbekannt

Klappentext:

Die Albae sind gefährlich, grausam und scheuen keine Krieg. Ihre Feinde fürchten sie, und ihre Sklaven folgen ihnen bedingungslos. Doch die dunklen Geschöpfe bergen ungeahnte Geheimnisse und ihre Macht ist nicht unbegrenzt.

Das Reich der Albae ist bedroht, und die ungleichen Krieger Sinthoras und Caphalor erhalten den Auftrag, einen mächtigen Dämon für ihr Volk zu gewinnen. Es stellt sich aber schnell heraus, dass jeder der Albae eigene Pläne verfolgt. Der Kampf um Ehre, Leidenschaft und Macht bringt sie in höchste Gefahr […].

Meine Meinung:

Leser von der grandiosen Fantasy-Reihe „Die Zwerge“ kennen die Albae schon. In diesen Büchern sind die Albae die unerbittlichen, verhassten Gegner unserer zwergischen Hauptpersonen.

„Die Legenden der Albae“ lassen sich aber eigentlich so gar nicht mit „Die Zwerge“ vergleichen, denn für mich hat die Zwergen-Reihe vor allem durch ihre liebenswerten Charaktere gelebt.

Und Albae sind einfach nicht ganz so liebenswert: sie sind brutal, sie genießen den Tod anderer, sie malen mit Blut und bauen Kunstwerke aus Knochen.

Deswegen fiel es mir auch erst einmal ein bisschen schwer, mich auf das Buch einzulassen, denn ohne sympathische Hauptfiguren fehlt nun mal etwas die Identifikation. Zum Glück gibt es aber Caphalor, der im Vergleich gegen den noch sehr viel grausameren Sinthoras beinahe freundlich und menschlich wirkt.

Wie auch „Die Zwerge“ soll wohl auch diese Reihe vier Bände beinhalten. Und das merkt man beim Lesen auch. Die Geschichte kommt eher langsam zum Rollen. Zunächst werden die Charaktere, ihre Beweggründe und die politische Situation dargestellt. Meiner Meinung nach begann die richtige Handlung erst ab der Mitte des Buches. Doch dann kann man auch schon bald Heitz mitreißenden, sehr bildnerischen Schreibstil genießen und ein neues Abenteuer im Jenseitigen Land erleben.

Umso mehr freue ich mich natürlich, dass ich den zweiten Band „Vernichtender Hass“ schon lesebereit im Regal stehen habe.

Man kann also sagen, dass „Gerechter Zorn“ der etwas behäbig beginnende Auftakt zu einer sicherlich wieder spannenden Fantasyreihe ist und sich durch brutale, selbstsüchtige Charaktere auszeichnet, die man erstaunlicherweise am Ende doch mag. Ich vergebe 6 von 10 Sternen und bin auf die Fortsetzung sehr gespannt.

stern 6

Die Legenden der Albae: Gerechter Zorn – Markus Heitz – Taschenbuch – 592 Seiten – 15,95 € – ISBN-13: 978-3492701549 – erschienen: April 2009 (6. Auflage, Piper)

[Rezension] „Inside the Cage“ von Matt Whyman

Inside the CageInhalt:

Eigentlich wollte Carl doch nur zeigen, dass er als Hacker in eines der bestgesicherten Gebäude der USA einbrechen kann. Dass er kurze Zeit später in einem Gefangenenlager am Polarkreis sitzen würde, unter unwürdigen Bedingungen eingesperrt mit Selbstmordattentätern und Serienmördern, damit hätte er nicht gerechnet. Zudem stellt sich schnell heraus, dass nicht nur die Wärter brutal und grausam mit ihm umgehen, sondern dass auf eine noch nicht erklärliche Weise ein falsches Spiel mit ihm getrieben wird. Und wer ist das einzige Mädchen direkt im gegenüberliegenden Käfig? Warum schaut sie ihn so an, als würde sie ihn kennen, ignoriert ihn aber ansonsten?

Meine Meinung:

Ein US-Gefangenenlager am Polarkreis, kälteste Minusgrade, gesuchte Schwerverbrecher und sadistische Wärter – mittendrin: Carl, der siebzehnjährige Hacker, dem das undenkbare gelungen ist, nämlich sich in Fort Knox – einem Lager für Goldbarren – einzuhacken.

Dieses Szenario liest sich einerseits wie aus einem spannenden Actionfilm, andererseits konnte ich mir beim Lesen auch sehr gut vorstellen, dass die Handlung, so oder in leicht abgewandelter Form, tatsächlich irgendwo auf der Welt geschieht. Packend und erschreckend zugleich.

Die ersten Seiten des Buches dienen dazu, die Basis für die Geschichte zu legen, sie bringen den Leser mit einem klapprigen Flugzeug ins Gefangenenlager, lassen auch ihn die eisige Kälte spüren und setzen ihn den gleichen Grausamkeiten aus wie Carl.

Bis die Handlung und damit die Spannung mich so richtig gepackt hat, hat es allerdings etwas gedauert, aber das Warten lohnt sich. Denn als gar nicht mehr so klar ist, wem Carl vertrauen kann und wem nicht, spitzt sich die Handlung auch schon zu.

„Die ganze Zeit über war ich der Meinung gewesen, ich wäre in den Händen der Guten. Jetzt scheint sich mir die Trennungslinie nicht mehr so scharf ziehen zu lassen. Ich habe Gutes und Böses auf beiden Seiten erlebt, und das macht es so schwierig rauszufinden, wem man trauen kann.“ (S. 232)

Wie in einem guten Jugendthriller kommt es vor allem im Mittelteil zu jeder Menge überraschenden Wendungen. Ich bin zu dem Zeitpunkt nur so über die Seiten hinweg geflogen. Konnte gar nicht schnell genug alles lesen.

Insgesamt also ein spannender, realistischer Jugendthriller, der nicht umsonst das Prädikat „21st century thrill“ trägt: durch das Hacker-Thema und das menschenunwürdigen Gefangenenlager so aktuell wie nie zuvor. Einen Stern muss ich für den etwas schleppenden Anfang und das Ende abziehen, das mir einfach inhaltlich nicht so zugesagt hat. Trotzdem würde ich dieses Buch vor allem Jungen sehr ans Herz legen, denn es kann den spannenden Actionthriller aus dem Fernsehen sehr wohl ersetzen. 7 von 10 möglichen Sternen.

stern 7

Inside the Cage – Matt Whyman – Taschenbuch – 380 Seiten – 8,95 € – ISBN-13: 978-3407742506 – erschienen: Juli 2011

[Rezension] „Das schwarze Blut“ von Jean-Christophe Grangé

Das schwarze BlutInhalt:

Jacques Reverdi ist nicht nur durch seine Leistungen im Tiefseetauchen zur Berühmtheit geworden. Derzeit sitzt er in einem Gefängnis in Malaysia und wartet auf sein Todesurteil, denn er wurde neben einer von Stichen und Schnitten übersäten Frauenleiche gefunden. Es scheint so, als wäre Reverdi von Ritualmorden besessen.

Auch der Reporter Mark Dupeyrat ist besessen – und zwar von der Suche nach dem Sinn des Bösen. Und so beschließt er sich Reverdi auf die einzig mögliche Weise zu nähern: in Form einer Frau. Er nimmt eine Scheinidentität an und per Post Kontakt zu Jacques auf. Der Plan funktioniert und Mark kommt dem Bösen immer näher…

Meine Meinung:

Als ich die letzte Seite des Buches gelesen habe, habe ich es zugeklappt und „Was für ein krankes Buch!“ in mich hineingemurmelt. Und das trifft es auch sehr gut.

Nicht, dass jemand auf falsche Gedanken kommt: Das Adjektiv „krank“ ist in meinen Augen für einen Thriller das absolut beste Attribut überhaupt.

Dabei startet das Buch eher langsam und etwas zermürbend: die Lebensgeschichte von Mark wird auf vielen, unheimlich ermüdenden Seiten haargenau zusammengefasst. Zwar spielt die für den weiteren Verlauf der Geschichte durchaus eine Rolle, doch hätte man die einzelnen Fakten meiner Meinung nach lieber in die Handlung mit einbauen sollen und nicht in Form eines Berichts präsentiert.

Doch dann nimmt die Geschichte schnell an Fahrt auf und birgt alles, was einen guten Thriller für mich ausmacht: einen wahren Psychopathen, eklige Details, überraschende Wendungen und eine gute Portion an kranken Ideen, die alles übertrifft, was man sich selber hätte vorstellen können.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das Ende der Geschichte übertrieben oder genial finde, deswegen vergebe ich nicht die volle Punktzahl, sondern 8 von 10 Sternen für einen wirklich andersartigen Thriller, der mein Dafürhalten bisher zu wenig Beachtung bekommen hat.

stern 8

Das schwarze Blut – Jean-Christophe Grangé – Taschenbuch – 544 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3404158089 – erschienen: November 2010 (3. Auflage, Lübbe)