[Rezension] „Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard“ von Neil Gaiman (illustriert von Chris Riddell)

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„Es war einmal ein Junge, der wurde Odd gerufen, was heutzutage merkwürdig oder ungewöhnlich bedeutet. Aber damals, zu jener Zeit, an jenem Ort, bezeichnete Odd die Spitze einer Klinge, und es war ein Name, der Glück bringen sollte. (S. 11 – Beginn des Buches)

collagemaker_20190819_163634497.jpgSo beginnt das Kinderbuch von Neil Gaiman, das ich in dieser ganz besonders schönen Ausgabe zu Hause habe. Schnell zeigt sich: Der Wikingerjunge Odd hat gar nicht so viel Glück, wie er mit seinem Namen eigentlich haben sollte. Er hat schon früh seinen Vater verloren und sich dann beim Holzhacken im Wald sein Bein so verletzt, dass er seitdem humpelt. Nun ist er das Gespött der anderen Dorfbewohner. Als dann auch noch der Winter scheinbar niemals enden will und alle Leute im Dorf nur noch streitlustiger werden, beschließt Odd in die einsame Hütte im Wald zu ziehen. Doch dort trifft er auf drei Götter in Tiergestalt: Odin, Thor und Loki. Die drei brauchen Odds Hilfe, denn ein Eisriese hat Asgard eingenommen und die schöne Freya gefangen genommen. Allerdings glauben Odin, Thor und Loki eigentlich gar nicht daran, dass ihnen ausgerechnet der lächelnde Odd helfen kann.

„Wenn es hoffnungslos ist“, sagte Odd, „warum begleitet ihr mich dann?“ (S. 55)

Der lächelnde Odd wird übrigens so genannt, weil er wirklich immer lächelt. Und das obwohl ihm bereits so viel Schlimmes widerfahren ist. Doch Odd scheint einfach nicht aufzugeben und sein Lächeln verwirrt nicht nur die Bewohner aus seinem Dorf.

„Ich bin hier, um die Eisriesen aus Asgard zu vertreiben“, erklärte Odd. Dann schenkte er dem Eisriesen ein großes, glückliches, verwirrendes Lächeln. (S. 86)

Ein wahres Highlight sind die tollen Zeichnungen von Chris Riddell, die etwa die Hälfte der Seiten füllen und sehr atmosphärisch und beeindruckend sind. Ich werde mir an dieser Stelle nicht nur Neil Geiman als Autoren, sondern vor allem auch den Illustrator merken. Mal sehen, ob ich nicht noch weitere von ihm illustrierte Bücher finde.

Mir hat die kurze Geschichte um den tapferen und so zielstrebigen Odd wirklich gut gefallen. Sie ist tatsächlich vor allem für Kinder geschrieben und in ihrem Handlungsverlauf sehr gradlinig. Trotzdem hält sie auch für uns Erwachsenen eine Moral bereit: Gib niemals auf – egal, wie schwer die Situation gerade ist. (Oder aber: Verwirr alle deine Feinde mit einem freundlichen Lächeln!)

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Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard – Neil Gaiman (Autor) und Chris Riddell (Illustrator) – Hardcover mit Stanzungen und Silber-Druck – 124 Seiten – 15,00 € – ISBN: 978-3-401-60362-9  – erschienen: September 2017 (Arena) – Übersetzung: Andreas Steinhöfel – Altersempfehlung: ab 10 Jahren

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[Rezension] „Verflucht – Ära der Götter 1“ von Ben Peek

VerfluchtReiheninfo:

  1. „Verflucht“
  2. „Gefallen“ (erscheint im März 2015)
  3. – Titel bisher noch unbekannt –

Klappentext:

Fünfzehntausend Jahre nach der verheerendsten Schlacht, die die Welt je gesehen hat: Der Krieg der Götter ist vorüber, doch ihre Körper haben die Zeiten überdauert. Sie liegen verstreut über dem Antlitz der Welt in einem ewig währenden Todeskampf. Zugleich erwachen manche Menschen mit seltsamen, magischen Fähigkeiten, die der Kraft der sterbenden Götter entsprungen sind. Unter ihnen die junge Kartographin Ayae, die durch Feuer nicht verletzt werden kann. Dies macht sie zum Ziel einer grausamen Armee, die in ihr Heimatland einfällt. Gemeinsam mit dem unsterblichen Zaifyr muss Ayae erfahren, dass das Erbe der Alten gefährlicher ist, als sie alle ahnten. Und dass die Ära der Götter möglicherweise noch lange nicht vorüber ist … (Quelle)

Meine Meinung:

Fantasyneuerscheinungen aus dem Piper Verlag sind für mich grundsätzlich Must-Have’s, bisher wurde ich noch nie enttäuscht. Und auch der Auftakt zur neuen Trilogie „Ära der Götter“ von Ben Peek sah mehr als vielversprechend aus: ein tolles Cover und ein Klappentext, der neugierig machte.

Leider muss ich direkt sagen, dass das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen konnte. Fast die kompletten knapp 450 Seiten lesen sich so, als würden sie erst den Grundstein für die eigentliche Geschichte legen. Es wird unheimlich viel erklärt und es gibt viele Zeitsprünge, die dazu dienen, die Vergangenheit näher zu erläutern.

Auch während der Handlung in der Gegenwart streut der Autor immer mal wieder ein paar Rückblenden ein. Dies war wirklich sehr verwirrend, weil ich manchmal nicht direkt wusste, welcher Zeit ich die Gedanken und Beschreibungen zuordnen sollte. Es war wirklich schwer, den Überblick zu behalten.

Außerdem kam der Autor mit der Handlung nicht wirklich auf den Punkt, mir fehlte der bekannte rote Faden, das Ziel beim Lesen. Etwas mehr Gradlinigkeit hätte der Geschichte nicht geschadet. An dieser Stelle erinnerte mich das Buch ein wenig an „Das Licht hinter den Wolken“ von Plaschka.

Was ich am Klappentext besonders verlockend fand, war, dass es eine weibliche Heldin geben sollte. Das kommt in Fantasyromanen immer noch eher selten vor – so zumindest mein Eindruck.

„‚Nein‘, sagte Olcea leise. ‚Ich kann mit meinem Blut von den Kräften der Toten zehren, aber was du in die hast, ist Schöpferkraft, die Macht, die alles entstehen ließ, was wir sind, und dieser Macht kann jemand wie ich nichts anhaben.'“ (S. 149)

Ayae ist also nicht nur eine spannende, sondern auch mächtige Heldin, denn sie trägt als Verfluchte einen Teil eines Gottes in sich, und weiß in Ansätzen ebenso zu begeistern wie der unsterbliche Zaifyr oder der Hauptmann der Söldnertruppe Nacht Bueralan Le. In Ansätzen! Leider bekommen all die toll angelegten Figuren keinen Tiefgang, was vielleicht auch daran liegt, dass sich der Autor mit seinen Handlungssträngen, Innovationen und Rückblicken verzettelt.

„Verflucht“ ist kein schlechtes Buch. Trotz der Kritik habe ich es relativ zügig gelesen. Aber es ist leider absolut auch kein gutes Buch. Es braucht viel zu lange, um in die Gänge zu kommen. Ich möchte keine 400 Seiten lesen, bis ich weiß, worauf die Handlung wohl in den folgenden beiden Bänden hinauslaufen wird. Es kann gut sein, dass sich die Geschichte noch interessant entwickelt, das Potenzial hat sie auf jeden Fall. Ich werde es allerdings nur noch von anderen erfahren, denn dies ist vorerst mein letztes Buch des Autors. Ich vergebe 4 von 10 Sternen.

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Verflucht – Ära der Götter 1 – Ben Peek – Taschenbuch – 448 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-492-26971-1 – erschienen: Juli 2014 (Piper)