[Rezension] „Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch

Klappentext:

Klamotten, Partys, Jungs und Schule: Diese Welt ist Carey und ihrer kleinen Schwester Jenessa völlig fremd. Die Geräusche des Waldes, das beengte und doch so vertraute Zusammenleben im Wohnwagen und die oft tagelange Abwesenheit ihrer Mom – das ist der Alltag der Mädchen, die in einem Trailer tief versteckt inmitten eines Naturschutzgebietes leben. Als Careys und Jenessas Vater die Mädchen zu sich und seiner neuen Familie holt, finden die Tage im Wald ein jähes Ende. Doch ihr altes Leben lässt sie noch nicht los.

Meine Meinung:

Carey und ihre kleine Schwester Jenessa wachsen im Wald auf. Mitten im Wald. Ihre Mutter ist psychisch krank und drogenabhängig. Immer wieder lässt sie ihre Töchter wochen- und teilweise monatelang alleine; mit nur wenigen Konservendosen als Essensreserve. Und so musste Carey schon früh erwachsen werden, viel zu früh: Sie sorgt für Nessa, bringt ihr Lesen und Schreiben bei, tröstet sie, wenn diese mal wieder nach ihrer Mutter schreit, und jagt Kaninchen und andere Tiere, um zumindest ab und an gehaltvolle Nahrung auf den Tisch zu bekommen.

Eines Tages dann, ihre Mutter ist mittlerweile über drei Monate weg, werden Carey und Nessa dann von einer Jugendamtsmitarbeiterin und ihrem Vater im Wald gefunden. Der Vater nimmt die beiden zu sich, wo sie mit seiner neuen Frau und Stieftochter gemeinsam ein normales Leben führen sollen. Doch das ist gar nicht so leicht, denn insbesondere Carey wird immer wieder von den Erinnerungen an ihr früheres Leben eingeholt.

Die Publishers Weekly hat diesen Jugendroman mit den Worten kommentiert, dass man sich in diese Heldinnen sofort verlieben muss. Und das ist so wahr, dass ich mich der Meinung einfach anschließen muss. Von Carey und Nessa geht ein großer Charme aus. Die beiden, die die meiste Zeit ihres Lebens nur sich selbst hatten. Zu gerne würde man sie als Leser in den Arm nehmen. Ganz kurz nur und behutsam, denn Nähe, Liebe und Vertrauen von Erwachsenen sind sie nicht gewohnt.

Das Schicksal der beiden hat mich so gefesselt, dass ich mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören mochte. Ich wollte die beiden unbedingt in Sicherheit wissen. Wollte mich davon überzeugen, dass es ihnen in ihrem neuen Heim gut geht, dass sie klar kommen. Denn da gibt es immer noch Zweifel und ein großes Geheimnis. Was hat damals in der Nacht der weißen Sterne dazu geführt, dass Jenessa ihre Sprache verloren hat?

Lange Zeit hat mich dieses Buch wirklich umgehauen und sprachlos immer weiter lesen lassen. Das Schicksal der Mädchen, aber auch die Hoffnung auf ein Zuhause, auf Liebe und Fürsorge haben mich total ergriffen. Zum Ende hin gehen mir manche Handlungsstränge allerdings etwas zu schnell, manche Zufälle finde ich nicht glaubhaft genug – zu passend. Das ist schade, denn das Buch an sich hätte diesen Teil der Geschichte (Carey lernt in der Schule einen Jungen kennen und fühlt sich schnell zu ihm hingezogen) nicht nötig gehabt. Ob die Entwicklung überhaupt realistisch ist, wage ich auch zu bezweifeln. Trotzdem vergebe ich 8 von 10 Sternen für eine sehr besondere Geschichte.

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„Wenn ihr uns findet“ wurde 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Wenn ihr uns findet – Emily Murdoch – Hardcover mit SU – 304 Seiten – 15,99 € – ISBN: 978-3-453-53434-6 – erschienen: März 2014 (Heyne fliegt) – Übersetzung: Julia Walther – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Der Libellenflüsterer“ von Monika Feth

Reiheninfo:

  1. “Der Erdbeerpflücker
  2. “Der Mädchenmaler”
  3. “Der Scherbensammler”
  4. “Der Schattengänger”
  5. “Der Sommerfänger”
  6. “Der Bilderwächter”
  7. „Der Libellenflüsterer“

Klappentext:

Jettes Freundin Merle ist Tierschützerin mit Leib und Seele. Als sie für einen Artikel zum Thema Tierquälerei recherchiert, wird sie mit einem Fall aus ihrer Vergangenheit konfrontiert: Ein Hund, den sie einst vermittelt hatte, starb wenige Wochen später auf grausame Weise. Der neue Besitzer wurde angeklagt und aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nun kreuzen sich ihre Wege erneut und Merle kommt einem weit gefährlicheren Geheimnis auf die Spur… (Quelle)

Meine Meinung:

Dass ich ein riesiger Fan von Monika Feth bin, muss ich vermutlich eigentlich gar nicht mehr schreiben. Ich kann in ihren Büchern wunderbar abtauchen, genieße die Spannung, die Entwicklung der Charaktere von Buch zu Buch und das gleichbleibend hohe Niveau ihres Schreibstils. Um es schon mal vorwegzunehmen: Auch mit „Der Libellenflüsterer“ konnte mich die Autorin vollkommen zufriedenstellen.

Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht Jettes beste Freundin Merle, die sich seit jeher für den Tierschutz engagiert und auch im Tierheim arbeitet. Nun bekommt sie die große Chance, für eine renommierte Zeitschrift einen Artikel zum Thema Tierquälerei zu schreiben. Dabei erinnert sie sich an einen ganz besonderen Fall: Vor Jahren vermittelte sie einem Familienvater und jungen Förster einen Hund. Kurz darauf wurde dieser tot aufgefunden. War der Mann damals wirklich so unschuldig, wie es vor Gericht schien? Kurzentschlossen macht sich Merle auf den Weg zum Forsthaus, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Was sie nicht ahnt: Sie begibt sich dadurch direkt in die Arme eines Psychopathen…

„Mama hat ihre Sonnenbrille aufgesetzt. Obwohl die Sonne im Haus gar nicht scheint. Obwohl es hier nicht mal besonders hell ist.“ (S. 49)

Monika Feth widmet sich in ihren Büchern immer ganz besonderen Themen wie zum Beispiel Stalking, multiplen Persönlichkeitsstörungen oder Schwulenhass. In diesem Buch geht es um häusliche Gewalt, ein schwieriges Thema. Mein Eindruck ist, dass die Autorin auch hier wieder ein Mal viel Zeit auf die Recherche verwandt hat. Ihre Beschreibungen sind glaubhaft und eindringlich. Was mir besonders gut gefällt ist, dass der Täter auch in diesem Buch nicht nur eindimensional als böse dargestellt wird, sondern ich ihn als Leser zunächst in einer sehr sympathischen Rolle kennenlernen durfte. Diese verschiedenen Perspektiven auf und Facetten des Täters machen Monika Feths Thriller nur noch faszinierender.

Ich liebe die Bücher von Monika Feth: Ich weiß, dass ich sie – einmal begonnen – in einem Stück verschlinge, vollkommen in der Geschichte abtauche und das Buch am Ende zufrieden (und ein kleines Stückchen traurig) zuklappe. „Der Libelleflüsterer“ macht hier keine Ausnahme. Mir bleibt nichts mehr als festzustellen, dass die Thriller der Autorin ein Garant für gute und spannende Leseunterhaltung sind. 9 von 10 Sternen!

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Der Libellenflüsterer – Monika Feth – Klappbroschur – 528 Seiten – 10,99 € – ISBN: 978-3-570-30957-5 – erschienen: August 2010 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren