[Rezension] „Enders Spiel“ von Orson Scott Card

Enders SpielKlappentext:

Nur dem äußeren Anschein nach ist Andrew Wiggin, genannt Ender, ein ganz normaler Junge. Tatsächlich hat man ihn dazu auserwählt, zu einem militärischen Genie zu werden, das die Welt braucht, um einen übermächtigen Feind zu besiegen. Aber Enders Geschichte verläuft anders, als es die Militärs geplant haben. Völlig anders … (Quelle)

Meine Meinung:

Darf man das Leben eines einzelnen Menschen beeinflussen, manipulieren und ihn beinahe zerstören, nur um das Leben vieler zu retten?

So denken zumindest die Erwachsenen, die Enders – einen sechsjährigen Jungen – in die Kampfschule schicken und ihn dazu ausbilden, den bevorstehenden Krieg gegen die Krabbler (insektenähnliche Außerirdische) zu gewinnen. Und um das Beste aus ihm herauszuholen, damit Ender irgendwann die Menschheit retten kann, isolieren sie ihn von allen anderen, lassen ihn nie in Ruhe und manipulieren seine komplette Umwelt.

„Sobald er also mit einer Situation fertigwerden kann, versetzen Sie ihn in eine, mit der er nicht fertigwerden kann. Bekommt er denn nie Ruhe?“ (S. 95)

Das mit anzusehen, die Pläne der Erwachsenen mitzubekommen und in Ansätzen sogar verstehen zu können, Ender aber auf der anderen Seite leiden zu sehen, allein und ohne Freunde – ich glaube, das macht die Besonderheit dieses Buches aus.

Ich fand die Geschichte durchweg spannend und interessant. Ich habe gerne verfolgt, wie Ender sich wieder und wieder mit neuen Situationen arrangieren konnte, wie er sich selbst und das Spiel, das die Erwachsenen mit ihm spielen, hinterfragt und versucht, sich nicht manipulieren zu lassen.

Faszinierend finde ich, dass dieses Buch bereits 1985 geschrieben wurde und in seiner Aktualität durchaus mit anderen gerade erst erschienenen Sci-Fi-Dystopien mithalten kann.

Es gab nur zwei Dinge, die mich an „Enders Spiel“ gestört haben. Zum einen sprechen die Kinder, die übrigens sehr viel älter wirken, als sie sein sollen, in der Kampfschule teilweise in einem merkwürdigen ungrammatischen Slang miteinander, der mir auf die Nerven ging. Zum anderen gefiel mir das Ende nach dem Ende nicht. Das muss ich vielleicht kurz erklären. Der Schluss war genial, super konzipiert und hätte nicht anders sein können. Danach folgte noch ein letztes Kapitel, das ich sehr merkwürdig und zu großen Teilen überflüssig fand. Ich kann mir vorstellen, warum der Autor es geschrieben hat; trotzdem gefällt es mir nicht.

„Enders Spiel“ ist eine interessante Science-Fiction-Dystopie, die durch eine spannende, wenn auch an manchen Stellen grausame Handlung zu überzeugen weiß. Ich habe Ender gerne bei seiner Ausbildung begleitet, auch wenn ich oft mit ihm mitgelitten habe. Wirklich gestört hat mich nur das letzte Kapitel, vielleicht sollte man es einfach überlesen. Ich vergebe sehr gut 7 von 10 Sternen!

stern 7

„Enders Spiel“ ist in sich abgeschlossen, es gibt aber noch einen zweiten Band: „Enders Schatten“.

Enders Spiel – Orson Scott Card – Taschenbuch – 464 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-453-31420-7 – erschienen: Dezember 2012 (Heyne) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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[Rezension] „Die Flammen der Dämmerung“ von Peter V. Brett

Die Flammen der DämmerungReiheninfo:

  1. “Das Lied der Dunkelheit”
  2. “Das Flüstern der Nacht”
  3. “Die Flammen der Dämmerung”
  4. (engl. Arbeitstitel: “The Skull Throne”)
  5. (engl. Arbeitstitel: “The Core”)

Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen Bänden!

Inhalt:

Während Jadir und seine Gefolgschaft den Krieg gegen die Städte des Nordens vorbereiten, macht sich Leesha auf den Weg ins Tal des Erlösers, um vor dem bevorstehenden Angriff der Krasianer zu warnen. Auch Arlen befindet sich gemeinsam mit Renna auf dem Weg in die Stadt, um sich auf den großen Kampf gegen die Dämonen vorzubereiten. Er ist stärker denn je und auch Renna tut bald alles, um im Kampf gegen die Horclinge auf übernatürliche Kräfte zurückgreifen zu können. Bald wird sich zeigen, ob es den einen wahren Erlöser gibt…

Meine Meinung:

Die Dämonen-Reihe von Peter V. Brett gehört zu meinen allerliebsten Fantasyzyklen. Ich mag die Andersartigkeit der Geschichte, die komplexe Handlungsstruktur und das Gefühl, beim Lesen mittendrin zu sein im ewigen Kampf gegen die Dämonen.

Schon zu Beginn des zweiten Teils musste ich feststellen, dass Peter V. Brett seine Geschichte nicht immer linear und geordnet erzählt, sondern gerne in der Zeit und vor allem auch zwischen verschiedenen Orten hin und her springt – oder auch beides… Und das ist bei „Die Flammen der Dämmerung“ nicht anders, denn als Leser lernt man zunächst ein junges Mädchen namens Inevera kennen und begleitet sie auf ihrer Reise von der Tochter eines einfachen Korbflechters hin zur Anwärterin auf die Rolle der Damaji’ting, der obersten heiligen Frau in Krasia.

Ich bin ganz ehrlich: Es hat wirklich ein bisschen gedauert, bis ich die neunjährige, tapfere, kleine Inevera und die intrigante und verbissen kämpfende, erwachsene Inevera zusammenbringen konnte. Dann aber war ich fasziniert, denn Peter V. Brett vollbringt hier wirklich Großes: Obwohl Arlen, Jadir und Inevera Gegenspieler sind, die zwar das gleiche, dies aber auf ganz unterschiedlichen Wegen wollen, macht er es dem Leser nicht einfach und lässt die einen die Guten und die anderen die Schlechten sein. Durch geschickte Rückblenden beleuchtet er die Entwicklung und Beweggründe jedes einzelnen und lässt die Geschichte dadurch komplex und facettenreich erscheinen.

Ich weiß, dass einige Leser die besonderen Fähigkeiten von Arlen und Renna bemängeln. Ohne inhaltlich zu sehr darauf eingehen zu wollen, kann ich nur sagen, dass ich anfangs auch irritiert war, mich aber schnell damit anfreunden konnte und vor allem großes Potenzial für die nächsten Bücher darin sehe.

Ein wenig geschockt hat mich hingegen das Ende des Buches: Was für ein Schluss, was für ein Cliffhanger! Ich bin sehr gespannt, wie der nächste Teil weiter geht und ob der Autor das durchzieht, was er hier andeutet.

„Die Flammen der Dämmerung“ habe ich trotz seines Umfangs von mehr als tausend Seiten sehr zügig gelesen, was daran liegt, dass die Story einfach unheimlich fesselnd ist. Ich kann nachvollziehen, dass manche Leser etwas irritiert waren, statt des erwarteten Schlussteils einer Trilogie plötzlich nur den dritten Band einer Reihe vor sich zu haben. Ich wusste es zum Glück schon vorher und freue mich sehr darüber, auch noch mindestens zwei weitere Bücher lang in die Welt von Thesa eintauchen zu dürfen. (Ach und das Arlen Strohballen der heißeste aller Buchcharaktere überhaupt ist, muss ich nicht nochmal erwähnen, oder?) 9 von 10 Sternen!

stern 9

Flammen der Dämmerung – Peter V. Brett – Klappbroschur – 1056 Seiten – 15,99 € – ISBN: 978-3-453-52474-3 – erschienen: März 2013 (Heyne)

[Rezension] „Das Mädchen mit dem Flammenherz“ von Kady Cross

Das Mädchen mit dem FlammenherzReiheninfo:

  1. “Das Mädchen mit dem Stahlkorsett”
  2. “Das Mädchen mit dem Flammenherz”
  3. engl.: “The Girl with the Iron Touch”

Klappentext:

New York im Jahr 1897: Die 16-jährige Finley Jayne und ihre Gang erobern Manhattan. Ihre Mission: Jasper aus der Gewalt eines Mannes zu befreien, der vor nichts zurückschreckt. Ihre Waffen: übernatürliche Fähigkeiten, Freundschaft und Mut. Ihre Erfolgsaussichten: tendieren gegen null. Also genau die Art von Auftrag, bei der Finley Jaynes Herz höherschlägt. Dass es dies gelegentlich auch tut, wenn der geheimnisvolle Griffin sie nur lang genug anschaut, ignoriert sie geflissentlich. Dafür hat sie wahrlich keine Zeit … (Quelle)

Meine Meinung:

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nachdem ich „Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ gelesen habe, habe ich nun den Folgeband gelesen:

Dieses Mal geht die Reise nach New York, denn Jasper ist von Reno Dalton, einem gewissenlosen Gangster und seinem früheren Boss, entführt worden. Gemeinsam mit Griffin, Sam und Emily versucht Finley, nicht nur die Gründe dafür herauszufinden und ihren Freund zu befreien, sondern auch ein gefährliches Verbrechen zu verhindern. Und das alles natürlich mit ihren besonderen, durch den Aether veränderten Fähigkeiten…

Ich muss gestehen, dass ich mich kaum noch an den ersten Band erinnern konnte. Abgespeichert war er bei mir unter „Steampunk“, „nett zu lesen“ und „ich mochte die Charaktere“. Tatsächlich war es so, dass mir zu Beginn von „Das Mädchen mit dem Flammenherz“ nicht mehr alle Namen der Hauptpersonen bekannt waren. Dies war aber gar nicht schlimm, denn die Geschichte versteht man auch gut, ohne die Inhalte des ersten Bandes noch genau zu kennen.

Ansonsten waren meine Erinnerungen an den ersten Band sehr passend: Die Charaktere sind sehr einfach, aber eben wirkungsvoll gestaltet, es gibt viele Identifikationsfiguren und durch ihre Verschiedenheit reichlich Potenzial für nette Dialoge und lustige Situationen. Die Story an sich ist keine besondere und auch relativ schnell zu durchschauen, was mich aber gar nicht gestört hat, denn sie lässt sich nett und in einem Rutsch lesen.

„Nett“ ist eigentlich eine Beschreibung, die mich persönlich in einer Rezension abschrecken würde. „Nett“ ist eben nicht „überragend“, „fesselnd“ oder „poetisch“. Aber manchmal gibt es einfach auch den perfekten Zeitpunkt für ein nettes Buch mit einer netten Geschichte. Und um genau so ein Buch handelt es sich hier. 7 von 10 Sternen!

stern 7

Das Mädchen mit dem Flammenherz – Kady Cross – Taschenbuch – 352 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3453534322 – Mai 2013 (Heyne) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Blutjagd“ von Kim Harrison

BlutjagdReiheninfo:

  1. „Blutspur“
  2. „Blutspiel“
  3. „Blutjagd“
  4. „Blutpakt“
  5. „Blutlied“
  6. „Blutnacht“
  7. „Blutkind“
  8. „Bluteid“
  9. „Blutdämon“
  10. „Blutsbande“
  11. „Blutschwur“

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten.

Inhalt:

Nachdem Rachel Morgan den Dämonen Algaliarept durch einen Pakt dazu verpflichtet hat, gegen den Meistervampir Piscary auszusagen, wird dieser tatsächlich verhaftet. Doch damit hören Rachels Probleme selbstverständlich nicht auf:

Algaliarept fordert seine Schuld ein. Ivy weigert sich, als Nachkomme von Piscary aufzutreten. Nick entfernt sich immer mehr von Rachel. Und dann tritt auch noch Trents Sicherheitsbeauftragte Quen mit einer Bitte an Rachel heran.

Meine Meinung:

Nachdem ich Teil eins dieser Reihe gelesen habe, musste ich unbedingt Teil zwei lesen. Genauso erging es mir nach der Lektüre des zweiten Bandes: Der dritte Teil musste unbedingt her.

Mit hohen Erwartungen habe ich also „Blutjagd“ begonnen. Beendet habe ich es mit gemischten Gefühlen:

Einerseits wird mir die Handlung an manchen Stellen zu wirr und zu komplex. Andererseits liebe ich die Charaktere der Geschichte und möchte unbedingt wissen, wie sie sich weiterentwickeln.

Schon in meiner letzten Rezension habe ich angedeutet, dass die Handlung stellenweise in die Dark-Fantasy-Richtung geht. In diesem Band kommt vermehrt ein mysteriöser, fast schon science-fiction-hafter Einschlag hinzu. Und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich die Handlungsstränge nicht ganz unkompliziert finde. Es gab beim Lesen Stellen, insbesondere die sich mit den Dämonen und dem Jenseits beschäftigen, die ich tatsächlich zwei Mal lesen musste.

Aber das ganz große Plus: Ich liebe die Charaktere. Ich mag Rachels nach außen hin selbstbewusste, innerlich aber manchmal zweifelnde, schnodderige Art. Ich liebe Jenks, der mit seinen 10 cm innerlich viel größer ist als alle anderen. Ich mag Ivy, obwohl ich sie schwer einschätzen kann. Und ich mag es, dass man sich nie sicher sein kann, in welche Richtung sich die Protagonisten entwickeln.

Trotzdem ist dieser Band in meinen Augen bisher der schwächste Teil. Und obwohl ich die Reihe definitiv weiter lesen werde, vergebe ich insgesamt nur 6 von 10 Sternen, d.h.: immer noch eine Leseempfehlung, aber keine total überschwängliche.

stern 6

Blutjagd – Kim Harrison – Taschenbuch – 688 Seiten – 13,00 € – ISBN-13: 978-3453532793 – erschienen: August 2008 (Heyne)

[Rezension] „Blutspiel“ von Kim Harrison

Reiheninfo:

  1. „Blutspur“
  2. „Blutspiel“
  3. „Blutjagd“
  4. „Blutpakt“
  5. „Blutlied“
  6. „Blutnacht“
  7. „Blutkind“
  8. „Bluteid“
  9. „Blutdämon“
  10. „Blutsbande“
  11. „Blutschwur“

 

Achtung, die Rezension kann Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten!

Inhalt:

Nachdem das FIB Rachel endlich aus ihrem Vertrag mit dem I.S. (Inderland Security) gekauft hat, sollte man meinen, dass Rachel keine Sorgen mehr hat. Doch ihr Erzfeind Trent Kalamack ist immer noch auf freiem Fuß.

Als eine Mordserie an Kraftlinienhexen die Stadt erschüttert, ist sich Rachel sicher, dass Trent dahinter steckt, und setzt alles daran, dies zu beweisen.

Meine Meinung:

Wenn von der Rachel-Morgan-Serie die Rede ist, wird oftmals von einer neuen Vampir-Reihe gesprochen. Ich möchte das an dieser Stelle gerne mal richtig stellen: Die Hauptperson, nämlich Rachel Morgan, ist kein Vampir, sondern eine Hexe. Zwar spielen Vampire in der Handlung keine geringe Rolle, doch gibt es auch Pixies, Fairies, Tiermenschen, Dämonen und allerlei andere fantastische Wesen. Es muss sich also niemand Sorgen machen, noch einen vermeintlichen „Biss“-Nachfolger zu lesen.

Und auch vom Genre ist dieses Buch absolut nicht mit den gängigen Vampirbüchern auf dem Markt zu vergleichen. Im zweiten Teil wird langsam deutlich, dass die Bücher zwei Bereiche miteinander verknüpfen, wie ich es selten mal gelesen haben: Es handelt sich nämlich um Fantasy-Thriller. Wow, Thriller und Fantasy in einem Buch. Toll!

Nachdem ich nun den zweiten Teil beendet habe, kann ich ganz klar sagen, dass die Serie Suchtpotenzial hat. Unerwartete Wendungen und Handlungsstränge haben mich bis wirklich spät in die Nacht lesen und mir direkt den dritten Band bestellen lassen.

Ich kann schwer greifen, was mich an diesen Büchern so fasziniert, aber obwohl die Handlung oftmals schon fast in die Dark-Fatasy-Richtung geht, bin ich einfach total gefesselt.

Ich mag die meisten der Hauptcharaktere und die Tatsache, dass mich die Autorin mehr als einmal komplett überrascht hat. Ich mag die sonderbare Mischung der Genres und die Einzigartigkeit dieser Bücher.

Um immer noch ein bisschen Luft nach oben zu haben, vergebe wieder ich 7 von 10 Sternen.

stern 7

Blutspiel – Kim Harrison – Taschenbuch – 640 Seiten – 13,00 € – ISBN-13: 978-3453433045 – erschienen: November 2007 (Heyne)

[Rezension] „Blutspur“ von Kim Harrison

BlutspurReiheninfo:

  1. „Blutspur“
  2. „Blutspiel“
  3. „Blutjagd“
  4. „Blutpakt“
  5. „Blutlied“
  6. „Blutnacht“
  7. „Blutkind“
  8. „Bluteid“
  9. „Blutdämon“
  10. „Blutsbande“
  11. „Blutschwur“

Inhalt:

Das Nachtleben von Cincinatti ist aufregend, abwechslungsreich – und tödlich: Vampire, Hexen und andere Untote machen die Straßen unsicher.

Dies ist die Geschichte der Hexe und Kopfgeldjägerin Rachel Morgan, deren Job es ist, diese finsteren Kreaturen zur Strecke zu bringen. Eines Tages hat Rachel jedoch genug von ihrem wenig aussichtsreichen Job in der magischen Sicherheitsbehörde von Cincinnati und kündigt. Gemeinsam mit der abgeklärten Vampirin Ivy, auf deren Enthaltsamkeitsgelübde man sich nicht verlassen sollte, und Jenks, einem vorlauten Pixie, gründet sie eine eigene Agentur.

(Quelle)

Meine Meinung:

Lange, lange Zeit lag dieses Buch auf meinem SUB. Während dieser mehreren Monate, vielleicht sogar Jahre habe ich das Buch zwei Mal in die Hand genommen und angefangen, es zu lesen. Und beide Male habe ich es wieder ins Regal gestellt.

Die Welt von Rachel Morgan war mir zu ungewohnt, denn es gibt nicht nur Vampire und Hexen, sondern auch Pixies und Werwölfe.

Doch am letzten Wochenende habe ich mir das Buch dann endlich noch einmal vorgenommen. Unter anderem, weil eine liebe Bücherfreundin dieses Buch immer wieder begeistert gelobt hat. Und sie hatte zum Glück recht.

Wenn man sich erstmal an diese ungewöhnliche Welt und an die Tatsache, dass die Inderlander gemeinsam mit den Menschen die Erde bevölkern, gewöhnt hat, liest sich die Geschichte wirklich gut.

Ich mag besonders den etwas sarkastischen Humor der Autorin, der mich an wirklich vielen Stellen zum Lachen gebracht hat.

„Meine schmalen Hüften und flachen Brüste machten mich ebenfalls nicht zur idealen Prostituierten. Bevor ich die Outlets der Leprechauns fand, hatte ich in ‚Dein erster BH‘ gekauft. Es ist schwierig, dort etwas zu finden, auf dem keine Herzen oder Einhörner sind.“ (S. 9)

Der erste Band dieser mittlerweile elfteiligen Rachel-Morgan-Serie dient anscheinend erst einmal dazu, die Charaktere einzuführen und das Setting für die die nächsten Bände zu erläutern, aber trotzdem hat auch schon „Blutspur“ viel Lust auf die nächsten Bände gemacht, so dass der zweite Teil bereits in meinem Regal liegt.

Ich vergebe erstmal 7 von 10 Sternen und lasse bewusst noch Potenzial nach oben offen, denn ich denke, dass die Serie diese Lücke noch füllen kann.

stern 7

Blutspur – Kim Harrison – Taschenbuch – 576 Seiten – 13,00 € – ISBN-13: 978-3453432239 – erschienen: Dezember 2006 (Heyne)

[Rezension] „Ayla und das Lied der Höhlen“ von Jean M. Auel

!! Abgebrochen !!Ayla

Reiheninfo:

  1. „Ayla und der Clan des Bären“
  2. „Ayla und das Tal der Pferde“
  3. „Ayla und die Mammutjäger“
  4. „Ayla und das Tal der großen Mutter“
  5. „Ayla und der Stein des Feuers“
  6. „Ayla und das Lied der Höhlen“

Klappentext:

Obwohl Ayla als junge Mutter alle Hände voll zu tun hat, lässt ihr die Heilerin und spirituelle Anführerin der Neunten Höhle eine gewaltige Ehre zuteilwerden: Sie nimmt Ayla als ihre Gehilfin an. Voll Eifer stürzt sich Ayla in die Jahre währende Ausbildung und die verschiedenen Reisen, die dazugehören. Doch die dauernde hohe Belastung zehrt auch an der Beziehung zu Jondalar, der sich vernachlässigt fühlt. Bis er sich verletzt von ihr abwendet. (Quelle)

Meine Meinung:

Jahre habe ich auf dieses Buch gewartet. Ich habe die Serie um das Steinzeitmädchen Ayla nur so verschlungen, habe Jondalar geliebt und die bisherigen Bände in rasender Geschwindigkeit hintereinander weg gelesen. Doch dann nach dem letzten Buch („Ayla und der Stein des Feuers“) kam die lange Wartezeit. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich oft in Buchhandlungen nachgefragt habe, wann denn endlich, endlich der letzte Teil erscheinen würde. Als es jetzt, neun Jahre nach Erscheinen des fünften Bandes, endlich soweit war, habe ich mich riesig auf das Buch gefreut.

Leider muss ich sagen, dass ich sehr enttäuscht wurde. Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass die Autorin selber kaum noch Inhaltsstoff für den Abschlussband ihrer ansonsten grandiosen Erdkinder-Zyklus hatte: In vielfachen Rückblenden beschreibt sie immer wieder die bisherigen Abenteuer von Ayla und ihrem Gefährten Jondalar. Und auch in der Gegenwart passiert nicht viel. Ayla besucht eine Höhle nach der anderen, begutachtet die verschiedensten Höhlenmalereien und entdeckt die Heiligkeit und Verbindungen zur Großen Mutter. Von der auf dem Klappentext beschriebenen Handlung habe ich bisher nur die langen Reisen mitbekommen.

Vielleicht wollte die Autorin aber auch nur ihr vermutlich großes Wissen um die landschaftliche Beschaffenheit des prähistorischen Europas während der Eiszeit darlegen. Genauestens beschreibt sie nicht nur die Natur und die Lebens- und Essgewohnheiten, sondern auch Kleidung, Tier- und Pflanzenwelt.

Ich muss gestehen, dass ich in den vorherigen Bänden auch immer wieder die Schilderung von der sexuellen Spannung zwischen Ayla und Jondalar gelesen habe. In diesem letzten Band ist davon nichts mehr zu merken. Es gibt insgesamt wenig Interaktion zwischen den einzelnen Charakteren, die Dialoge wirkten auf mich gestellt.

Nachdem ich mich sehr lange an diesem Buch aufgehalten, es immer wieder für interessantere Bücher zur Seite gelegt und mich Seite für Seite durchgequält habe, habe ich es nun auf Seite 599 abgebrochen. Schade: Was lange währt, wird nicht immer gut! Vielleicht wird das Buch ja ab der 600. Seite grandios, vielleicht braucht man auch noch mehr Durchhaltevermögen als ich, aber bis zur Hälfte des Buches kann ich vom Lesen leider nur abraten!

stern 1

Ayla und das Lied der Höhlen – Jean M. Auel – Hardcover mit SU – 1120 Seiten – 27,99 € – ISBN-13: 978-3453265431 – erschienen: März 2011 (Heyne)

[Rezension] „Stadt der Diebe“ von David Benioff

Stadt der DiebeInhalt:

Es ist tiefster Winter 1942: Leningrad wird von der deutschen Armee belagert, es gibt kaum noch Nahrung, Wärme oder Licht.

Zu dieser Zeit geraten der siebzehnjährige Lew und Kolja, ein gebildeter Soldat, durch ungünstige Umstände in die Hände eines russischen Oberst, der sie aufgrund von Plünderei und Desertierens hinrichten könnte. Doch der Oberst schlägt ihnen einen Deal vor: Gelingt es den beiden innerhalb einer Woche ein Dutzend Eier für die Hochzeit seiner Tochter zu besorgen, so werden sie nicht nur begnadigt, sondern erhalten auch noch Lebensmittelkarten der ersten Klasse.

Und so beginnt für die beiden so verschiedenen jungen Männer die Suche nach einem Dutzend Eiern. Im besetzten Russland scheinbar eine Sache der absoluten Unmöglichkeit.

Meine Meinung:

David Benioff hat für seine Geschichte einen Schauplatz erschaffen, der den Leser sofort vereinnahmt. Durch seine bildhafte, eindringliche, oftmals brutal offene Sprache habe ich mich sofort in den tiefsten Winter nach Russland versetzt gefühlt.

Dort begegne ich zwei Charakteren, die verschiedener nicht sein können: auf der einen Seite dem jungen, unerfahrenen, schüchternen Lew, der nicht wirklich weiß, was es bedeutet im Krieg in einer besetzten Stadt zu leben und zu überleben; auf der anderen Seite der selbstbewusste, eloquente Kolja, der bei jeder Frau gut anzukommen scheint, mit allen gefährlichen Situationen umgehen kann, aber doch auf seine Art und Weise sehr verletzlich ist. Zwischen diesen beiden entwickelt sich nun sehr langsam und zögernd eine Art Freundschaft.

Der Autor setzt diese Freundschaft meiner Meinung nach aber nicht in den Vordergrund der Geschichte, sondern verwebt sie kunstvoll mit den Vorkommnissen in Russland im Jahr 1942. Sehr schonungslos werden die Leiden des Krieges, des Winters und der Besatzung beschrieben. Es werden Leichen beschrieben, von Vergewaltigungen berichtet und auch die sexuellen Aktivitäten der Personen werden nicht selten erwähnt. Ein Faktor, der sicherlich dazu führt, dass dieses Buch nicht für jeden Leser ansprechend und geeignet ist.

Die Sprache ist wirklich oft derb und roh. Ebenso wie die Zeit, in der die Geschichte spielt.

Durch einen kurzen Prolog, in dem David Benioff selber auftritt und seinen Großvater bittet, über seine Zeit im zweiten Weltkrieg zu berichten, lässt der Autor den Leser im Unklaren, ob und wie viele autobiographische Züge dieser Roman enthält. Ich allerdings habe die Geschichte gelesen mit der Vorstellung, dass Lew der Großvater von Benioff sein könnte.

Ein Buch über Freundschaft zu Zeiten des Krieges und der Besetzung, das mir wirklich gut gefallen hat, mich aber nicht in Begeisterungsjubel versetzt. Ich vergebe sehr gute 7 von 10 Sternen.

stern 7

Stadt der Diebe – David Benioff – Taschenbuch – 384 Seiten – 9,95 € – ISBN-13: 978-3453407152 – erschienen: Mai 2010 (Heyne Verlag)

[Rezension] „Das Flüstern der Nacht“ von Peter V. Brett

Das Flüstern der NachtReiheninfo:

  1. „Das Lied der Dunkelheit“
  2. „Das Flüstern der Nacht“
  3. „Die Flammen der Dämmerung“
  4. (engl. Arbeitstitel: „The Skull Throne“)
  5. (engl. Arbeitstitel: „The Core“)

Inhalt:

Endlich hab ich ihn gelesen, den zweiten Teil des großen Fantasyepos um Arlen, Leesha und Rojer. Im Gegensatz zu dem ersten Teil „Das Lied der Dunkelheit“ wird hier nicht nur die Seite der Menschen aus dem grünen Land beleuchtet. Der Autor widmet sich vor allem auf den ersten 200 Seiten des Buches dem Oberhaupt des Wüstenvolks Jadir. Ausführlich wird beschrieben, wie Jadir zu dem Mann wurde, der er jetzt ist. Auch die Begegnung zwischen Jadir und Arlen, die schon im ersten Band aus Arlens Sicht dargestellt wird, wird nochmals aufgegriffen.

Jadirs Plan ist es, die Bewohner des grünen Lands zu beherrschen und aus ihnen eine riesige Armee im Kampf gegen die Dämonen zu formen. Anfangs ist das Tal der Holzfäller, das nun das Tal des Erlösers genannt wird, nur damit beschäftigt den Flüchtlingen Unterschlupf zu bieten. Doch dann müssen sich die Bewohner, allen voran Arlen, Leesha und Rojer, immer mehr mit dem drohenden Krieg beschäftigen.

Meine Meinung:

Die Fantasyreihe von Peter V. Brett gehört meiner Meinung nach zu den besten Fantasywerken überhaupt. Frei von Elfen, Zwergen und Drachen schließt sich der Autor nicht dem allgemeinen Trend an, Tolkiens Figuren auch in anderen Werken zum Leben zu erwecken. Er schafft durch die Dämonen, die bei Sonnenuntergang aus dem Boden steigen eine ganz neue Gefahr, die mit ganz neuen Mitteln, nämlich den verschiedensten Siegeln, bekämpft werden.

Auch der zweite Teil dieses Epos hat mich begeistert. Im Gegensatz zu vielen anderen Lesern haben mich auch die ersten Seiten in den Bann gezogen, obwohl es schon irritiert, erst ab Seite 200 bekannten Hauptfiguren wieder zu begegnen. Insbesondere ab der Hälfte des Buches (also etwa ab Seite 500 wohlgemerkt) hatte mich das Buch wieder voll und ganz in seinen Bann gezogen, so dass ich die Seiten nur verschlungen habe.

Voller Ungeduld auf den dritten Band, wann auch immer der erscheinen wird, gebe ich 10 von 10 möglichen Punkten.

stern 10

[Rezension] „Der Sohn des Teufels“ von Jonathan Nasaw

Der Sohn des TeufelsReiheninfo:

  1. „Die Geduld der Spinne“
  2. „Angstspiel“
  3. „Seelenesser“
  4. „Der Kuss der Schlange“
  5. „Der Sohn des Teufels“

Inhalt:

Dies ist das fünfte Buch von Nasaw, in dem der etwas extravagante Ermittler Pender die Hauptrolle spielt. Es lässt sich meiner Meinung nach aber auch gut unabhängig von den anderen Büchern lesen.

Vor zehn Jahren sorgte Pender dafür, dass Luke Sweet, Sohn eines grausamen Mörders, festgenommen und schließlich in eine Psychiatrie überwiesen wird. Luke wiederum hat nur ein Ziel. Er will mit all den Menschen abrechnen, die ihm seiner Meinung nach Unrecht getan haben. Ganz oben auf Lukes Liste steht natürlich Ed Pender.

Meine Meinung:

Puh, ein sehr merkwürdiges Buch, das einiges offen lässt. Es hat nicht nur ein offenes Ende, sondern birgt auch in sich einige Unklarheiten, bzw. Dinge, die vom Autor bewusst zweideutig gehalten wurden. Das ist der Teil an dem Buch, der mir gut gefiel. Außerdem bekommt der Leser Einblicke in mehr oder weniger kranke Persönlichkeiten. Auch das ist nach meinem Geschmack… 🙂

Insgesamt ist mir das Buch allerdings zu handlungsarm und zu ziellos. Beinahe hätte ich in der Mitte aufgehört zu lesen. Dass ich das nicht getan habe, kann man sicherlich den angenehm kurzen Kapiteln zuschreiben, die mich doch immer noch ein bisschen weiter gelockt haben.

Wenn ich dieses Buch zum Beispiel „Der Kuss der Schlange“ vergleiche, bin ich absolut enttäuscht. Schade eigentlich, denn das Nasaw die Fähigkeit zu einer besseren Story hat, konnte ich vorher schon erleben.

Ich gebe diesem Buch gut gemeinte 4 von 10 Sternen.

stern 4