[Rezension] „Eve sieht es anders“ von J. J. Johnson

Klappentext:

Eve ist klug, unabhängig und selbstsicher und um ihr großes Ziel zu erreichen, die Zulassung zum College, auch bereit, eine große Herausforderung anzunehmen: Die Institution Schule. Denn bisher wurde Eve zu Hause unterrichtet. Sie kommt in eine für sie komplett neue Welt mit Regeln, die sie nur schwer nachvollziehen kann – und ändern möchte. Doch ihre Initiative gerät außer Kontrolle und sie ist gezwungen, sich mit der Welt zu arrangieren, die sie gerade erst anfängt zu verstehen. Und dann ist da auch noch Rajas, der es offenbar wirklich ernst mit ihr meint … (Quelle)

Meine Meinung:

Dass sie anders ist als andere Mädchen in ihrem Alter, ist Eve sehr bewusst. Sie wurde bisher zu Hause beschult, lebt in einem nachhaltig gebauten Haus aus Naturmaterialien und wurde von ihrer Mutter dazu erzogen, offen ihre Meinung zu sagen und alles zu hinterfragen, was ihr im Alltag begegnet.
Nun möchte sie aber die Abschlussklasse an einer Highschool absolvieren. Zum Glück lernt sie Jacinda und Raja schon vorher kennen, so dass ihr der Start an der Highschool nicht ganz so schwer fällt. Und trotzdem: Eve sieht vieles anders, eckt einige Male mit ihrer Art an und gefährdet dadurch sogar neue Freundschaften …

Als Leser lernt man Eve in einer ungewöhnlichen Situation kennen: Sie ist gerade im Wald unterwegs, um Schlangen zu fangen, die sie zeichnet und dann wieder frei lässt – ein großes Hobby von ihr. Eve, ihre Art zu denken und ihr Leben in dem selbstgebauten Haus haben mich sehr schnell fasziniert. Ich als Lehrerin fand es sehr spannend die Highschool mit ihren Augen zu sehen und zu hinterfragen: An welchen Stellen haben Schüler tatsächlich Mitspracherecht? Und erziehen wir die Kinder tatsächlich zum eigenenständigen Denken oder vielmehr zu trägen und gehorsamen Schäfchen, die blind einem vorgegeben Pfad folgen?

Eve ist in ihrem Denken sehr extrem: Sie hat eine genaue Vorstellung davon, was richtig und falsch ist, was sie von ihren Mitmenschen erwartet und was sie selbst zu geben bereit ist. Ist so eine klare Einstellung und Haltung gut oder schlecht? Lohnt es sich für die eigenen Überzeugungen Freundschaften und Beziehungen aufs Spiel zu setzen? Mit solchen Fragen beschäftigt sich „Eve sieht es anders“ und gibt zum Glück auch keine eindeutigen Antworten, so dass der Leser selbst denken und entscheiden muss.

All dies hat mir wirklich gut gefallen. Ich mag Bücher, die zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Und trotzdem gibt es einen Aspekt, der mich gestört hat und durch den ich das ganze Buch nicht mehr nur total positiv bewerten kann: Die Ereignisse innerhalb der Geschichte sind sehr extrem: Während in der Mitte des Buches sehr viele negative Dinge passieren, endet die Handlung dann total positiv und rosarot. Beides war mir zu unglaubwürdig. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Autorin versucht, den Leser durch solche Extreme wachzurütteln, aber für mich blieb dadurch ein wenig die Authentizität auf der Strecke.

In „Eve sieht es anders“ lernt man die Welt und vor allem die Highschool durch andere Augen zu sehen. Man muss sich Grundsatzfragen wie „Welche Rechte haben Schüler?“ oder „In wie weit verändere ich mich für andere Menschen?“ stellen und bekommt die Antwort nicht auf dem Silbertablett serviert. All dies hat mich begeistert und eignet sich meiner Meinung nach sehr gut als Schullektüre. Die verschiedenen Entwicklungen innerhalb der Geschichte werden aber in meinen Augen sehr überspitzt dargestellt, so dass die Handlung für mich an Glaubwürdigkeit verloren hat. Schade! So sind es „nur“ knappe 6 von 10 Sternen!

stern 6

Eve sieht es anders – J. J. Johnson – Hardcover mit SU – 316 Seiten – 16,95 € – ISBN 978-3868738193 – erschienen: August 2015 (Knesebeck) – Übersetzung: Maren Illinger – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

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[Rezension] „Before I Fall“ von Lauren Oliver

Before I fallInhalt:

Sam gehört zu den beliebten Mädchen an ihrer Highschool. Zusammen mit ihren Freundinnen Lindsay, Ally und Elody bestimmt sie, was und wer ‚in’ ist. Nach einer Party fahren die vier betrunken nach Hause. Die Musik ist laut, eine Zigarette fällt aus dem Mund, es wird gelacht, gerangelt, bis… plötzlich alles weiß wird. Und Sam wacht zu Beginn des exakt gleichen Tages auf. Immer und immer wieder erhält sie die Chance, diesen einen Tag noch ein Mal zu erleben und bemerkt dabei, wie Kleinigkeiten unseres Handelns ganze Lawinen an Reaktionen auslösen können.

Meine Meinung:

Ein Jugendbuch, das auf diese Art und Weise Themen wie das Highschool-Leben, Freundschaft, Beliebtheit, Liebe und Verantwortung thematisiert, hatte ich noch nie gelesen und war dementsprechend gespannt. Schon gleich zu Anfang musste ich feststellen, dass mir die Hauptperson Sam total sympathisch war. Sam macht zwar viele Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann, doch werden sie alle logisch erklärt und ins rechte Licht gerückt, indem Sam selber später feststellt, dass sie nicht sinnvoll waren. Insbesondere die Tatsache, dass Sam selber eine Vergangenheit hat, in der sie unbeliebt war, und auch jetzt noch oft an sich zweifelt, macht sie mir umso sympathischer. Sehr gelungen!

Ihre beste Freundin Lindsay wirkte zumindest auf mich lange Zeit sehr negativ: verwöhnte, allseits beliebte Highschool-Zicke, grausam zu allen Außenseitern. Leider haben die beiden anderen Freundinnen keine so große Rolle in der Geschichte.

Die Handlung an sich ist fesselnd. Man sollte meinen, dass es eventuell langweilig werden könnte, immer und immer wieder den gleichen Tag zu durchleben. Doch die Autorin schafft es dadurch, dass sie jedes Mal neue Aspekte hinzufügt oder sich die Handlung komplett ändert, nie die Spannung zu verlieren.

Als Leser habe ich natürlich schon von Anfang an mitgegrübelt, was Sam an diesem Tag hätte anders bzw. besser machen können. Und so probiert man wie die Hauptperson auch von Tag zu Tag ein kleines bisschen anders zu werden. Sam versucht, jedes Mal ein Stückchen mehr sie selbst zu werden. Gerade diese Entwicklung ist sehr schön zu lesen und hat mich einige Male doch sehr berührt.

„Before I Fall“ ist ein Buch, das fesselt, in den Bann zieht und gut unterhält. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich die Geschichte auch als Schullektüre eignen könnte. Um die volle Punktzahl zu geben, fehlte mir noch das gewisse Etwas, dass ich gerade auch nicht näher benennen kann. Allerdings gebe ich sehr gerne gute 7 von 10 Punkten.

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 Anmerkung: Der deutsche Titel lautet: „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“.

Before I Fall – Lauren Oliver – Taschenbuch – 368 Seiten – 7,30 € – ISBN-13: 978-0340980903 – erschienen: Juli 2010 (Hodder & Stoughton)