[Rezension] „We could be heroes“ von Laura Kuhn

9783551316912Klappentext:

Der Umzug aufs Land kommt für Lou gerade recht. Denn seit sie ihre beste Freundin geküsst hat und von ihr zurückgewiesen wurde, weiß Lou gar nicht mehr, was los ist. Doch dann trifft sie in ihrer neuen Schule die schöne und geheimnisvolle Elia und es ist, als hätte ein Blitz in ihrem Leben eingeschlagen. Lou fällt es nicht leicht, mit ihren Gefühlen umzugehen, doch sie will zu ihnen stehen – egal, was passiert. (Quelle)

Meine Meinung:

Lou ist froh, als sie umziehen muss und einige Kilometer sie von ihrer besten Freundin in der alten Heimat trennen. Denn obwohl sie die furchtbar vermisst, kann sie ihr nur schwer in die Augen sehen. Warum? Lou empfindet mehr für Nathalie als nur Freundschaft. So viel mehr, dass sie sie neulich auf einer Party einfach geküsst hat.

Im neuen Haus auf dem Land meint Lou ihren Gefühlen erstmal aus dem Weg gehen zu können – bis sie plötzlich Elia an ihrer Schule sieht! Elia, die so wunderschön ist und Lou einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.

„Was soll ich bloß tun? Seit Tagen und Wochen geht mir diese Frage nicht mehr aus dem Kopf. Es ist erstaunlich, dass sie da überhaupt noch ein bisschen Platz gefunden hat – neben Elias Lächeln, Elias Gesicht, Elias Stimme.“ (S. 121)

Lou muss nun an der neuen Schule nicht nur Freunde finden und herausfinden, ob und wie sie die Freundschaft zu ihrer besten Freundin Nathalie aufrecht erhalten möchte. Nun muss sie auch noch eine Möglichkeit finden, wie sie Elia näher kennenlernen kann. Und sie muss sich mit ihren eigenen Gefühlen auseinander setzen.

An manchen Stellen des Buches könnte man der Autorin sicherlich vorwerfen, dass sie etwas zu kitschig und gefühlsduselig geschrieben hat. Mich hat dies aber gar nicht gestört. Im Gegenteil: Während des Lesens war ich selbst auch sehr fasziniert von Elia – vielleicht sogar ein bisschen verliebt. Und trotzdem ist das Buch, zumindest in meinen Augen, keine klasse Liebesgeschichte, denn viel von der Handlung findet in Lous Innerem statt. Diese Entwicklung zu begleiten, hat mir wirklich viel Freude gemacht.

Die Geschichte, die sich zwischen den Buchdeckeln befindet, ist genauso schön wie das Cover: Man spürt Wärme, Lebensfreude und die Freiheit der Gefühle! 8 von 10 Sternen!

stern 8

We could be heroes – Laura Kuhn – Taschenbuch – 256 Seiten – 7,99 € – ISBN: 978-3-551-31691-2 – erschienen: März 2017 (Carlsen)

 

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[Rezension] „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz

Klappentext:

Dante kann schwimmen. Ari nicht. Dante kann sich ausdrücken und ist selbstsicher. Ari fallen Worte schwer und er leidet an Selbstzweifeln. Dante geht auf in Poesie und Kunst. Ari verliert sich in Gedanken über seinen älteren Bruder, der im Gefängnis sitzt. Mit seiner offenen und einzigartigen Lebensansicht schafft es Dante, die Mauern einzureißen, die Ari um sich herum gebaut hat. Ari und Dante werden Freunde. Sie teilen Bücher, Gedanken, Träume und lachen gemeinsam. Sie beginnen die Welt des jeweils anderen neu zu definieren. Und entdecken, dass das Universum ein großer und komplizierter Ort ist, an dem manchmal auch erhebliche Hindernisse überwunden werden müssen, um glücklich zu werden!(Quelle)

Meine Meinung:

Schon nach wenigen gelesenen Seiten hatte ich das Gefühl, dass „Aristoteles und Dante“ ein ganz besonderes Buch ist. Nicht nur, weil ich bis dahin schon unzählige schöne Zitate gefunden hatte, sondern weil die Stimmung und die Figuren im Buch so greifbar waren. Ich spürte zum Beispiel ganz eindeutig die Liebe zwischen Ari und seiner Mutter, die Freundschaft zwischen den beiden Jungen war so offensichtlich, die tiefe Traurigkeit von Ari teilweise förmlich mit den Händen zu greifen.

„Klar, ich hatte alle möglichen Gründe für mein Selbstmitleid. Dass ich fünfzehn war, half auch nicht gerade. Fünfzehn zu sein, dachte ich manchmal, war die schlimmste Tragödie von  allen.“ (S. 18)

Ari hat keine Freunde – nicht einen einzigen. Und obwohl er weiß, dass seine Eltern ihn lieben, ist auch zu Hause nicht alles in Ordnung: Über seinen Bruder, der im Gefängnis sitzt, wird nicht gesprochen, und sein Vater hat ein Stück von sich selbst im Vietnamkrieg verloren. Doch dann lernt er Dante kennen, der all das zu sein scheint, was Ari nicht ist:

„Er war lustig konzentriert und leidenschaftlich. Er konnte wirklich leidenschaftlich sein. Und er hatte nichts Gemeines an sich. Mir war nicht klar, wie man in einer gemeinen Welt leben kann, ohne dass ein bisschen dieser Gemeinheit auf einen abfärbt. Wie konnte jemand ohne einen Hauch von Gemeinheit leben?“ (S. 23/24)

Für kurze Zeit färbt Dantes Sicht auf die Welt, seine offene und fröhliche Art auf Ari ab und er erlebt einige unbeschwerte Wochen. Doch als Leser ahnt man schon, dass die Geschichte nicht unendlich so weiter gehen kann: Ari und Dante haben in ihrer Freundschaft einige Klippen zu umschiffen. Sie müssen lernen, erwachsen zu werden und sich mit sich und den Geheimnissen des Universums auseinander zu setzen. Vor allem müssen sie erkennen, dass die größten Geheimnisse in den Menschen selbst zu finden sind.

Ich weiß nicht, ob ich schon jemals so ein schönes Buch gelesen habe. Wirklich! Die Sprache, die Personen und die Entwicklung, die sie durchmachen… Es geht mir an dieser Stelle wie Ari manchmal: Mir fehlen die Worte!

„Aristoteles und Dante“ ist ein unbeschreiblich tolles Buch und ich bin sehr froh, es entdeckt zu haben. Ich merke, dass meine Worte nicht ausreichen, um dieses Buch zu beschreiben. Ich weiß nur, dass es eines der besten ist, das ich je gelesen habe. Könnte ich mehr als 10 Sterne vergeben, würde ich es tun!

stern 10

„Aristoteles und Dante“ war 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums – Benjamin Alire Sáenz – Hardcover – 384 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-522-20192-6 – erschienen: Juli 2014 (Thienemann) – Übersetzung: Brigitte Jakobeit – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Mein Leben und andere Katastrophen“ von Kathrin Schrocke

Klappentext:

Bernadette, genannt Barnie, ist eine ganz normale 13-Jährige mit einer beeindruckenden Radiergummisammlung, einer Vorliebe für SeaLife und ein bisschen Herzweh, wenn sie an Sergej aus ihrer Klasse denkt. Das einzig Ungewöhnliche an ihr (zumindest aus Sicht der anderen): Barnie hat zwei Väter – Dad und Papa.
Das »Babyprojekt« in der Schule bringt Aufregung in Barnies beschauliches Leben: Jeweils zwei Schüler müssen gemeinsam eine Babypuppe rund um die Uhr betreuen, wie ein richtiges Kind. Als Sergej sich anbietet, der Vater von Barnies Puppe zu werden, könnte eigentlich alles perfekt sein. Eigentlich. (Quelle)

Meine Meinung:

„Ich wollte ein iPad zum 13. Geburtstag. Und alles, was ich bekam, ist dieses doofe Notizbuch.“ (S. 7)

Mit diesen Worten beginnt die unterhaltsame, aber auch stellenweise bewegende Ich-Erzählung der 13-jährigen Barnie. In ihrem Leben gibt es vor allem ein Thema: Jungen! Und dieses Thema wird noch brisanter, als in ihrer Klasse das Babyprojekt anfängt. Alle Schüler sollen sich jeweils zu zweit zusammen tun und gemeinsam ein künstliches Baby betreuen, das so programmiert ist, dass es Hunger hat, Zuwendung braucht usw. Barnie kann nicht anders: Sie lässt ihre beste Freundin, mit der sie das Babyprojekt eigentlich durchführen wollte links liegen, und tut sich mit Sergej zusammen – eigentlich sehr praktisch, denn der wohnt direkt in ihrer Nähe und hat total süße Sommersprossen – goldene!

Was für Barnie gar kein besonderes Thema ist, ist die Tatsache, dass sie zwei Väter hat. Für sie ist das völlig normal.

„Du könntest doch zum Beispiel Tagebuch schreiben! Immerhin bist du ein Mädchen, das in einer besonderen Familie lebt. In hundert Jahren lesen Schüler vielleicht im Unterricht darüber, wie dein Alltag war. Dein Alltag mit zwei Vätern.“
„Echt spannend.“ Ich gähnte leise. (S. 15)

Ich muss sagen: Ich bewundere Kathrin Schrocke! Ich kenne jetzt drei Bücher von ihr und alle drei sind so grundverschieden. Mit „Mein Leben und andere Katastrophen“ hat sie ein Buch für eine etwas jüngere Zielgruppe geschrieben, das zwar wichtige Themen wie zum Beispiel die erste große Liebe oder Toleranz behandelt, dabei aber vor allem wunderbar unterhält. Ihr Schreibstil ist absolut angemessen. Das Buch liest sich locker flockig und ich musste beim Lesen einige Male kichern.

Für mich persönlich ist dieses Buch bisher das beste von Frau Schrocke, denn ich glaube, wichtige Themen so zu verpacken, dass sie einem eigentlich gar nicht ins Auge stechen, sondern nur im Hintergrund „mitwabbern“, und ein Jugendbuch schreiben, was vor allem unterhält und lustig ist, ist unheimlich schwierig, ohne dass es besonders auffällt.

„Mein Leben und andere Katastrophen“ ist wie sein Cover: Frisch, modern und lustig! Ich habe es unheimlich gerne gelesen und war wirklich traurig, als ich mit der letzten gelesenen Seite auch die sympathische, bodenständige Barnie verlassen musste. Ohne, dass es sich aufdrängt, behandelt dieses Buch auch wichtige Themen, die jeden Jugendlichen beschäftigen: die erste Liebe, der erste Kuss, Toleranz und Schule. Ich vergebe absolut begeisterte 9 von 10 Sternen!

stern 9

Mein Leben und andere Katastrophen – Kathrin Schrocke – Hardcover – 192 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-7373-5211-6 – erschienen: März 2015 (Sauerländer) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Über ein Mädchen“ von Joanne Horniman

Über ein MädchenKlappentext:

Anna ist schüchtern und einsam – bis sie Flynn trifft, zuerst mit Gitarre auf der Bühne, dann im Café, dann mit vollen Einkaufstaschen auf der Straße. Beide fühlen sich unwiderstehlich zueinander hingezogen. Zusammen zeichnen sie, essen Bananenkuchen, träumen, baden, lachen – und lieben sich. Doch auch zwischen Liebenden gibt es Geheimnisse …
Eine unsterbliche, romantische Liebesgeschichte über zwei junge Menschen, die noch ihren Platz in der Welt suchen – schön wie ein Gemälde. (Quelle)

Meine Meinung:

Ich muss diese Rezension mit einem Geständnis beginnen, das mir nicht ganz leicht fällt: Als ich das erste Mal gelesen habe, worum es in diesem Buch geht, nämlich um eine lesbische Liebe, habe ich das Buch für mich gedanklich beiseite gelegt. Warum? Ich kann es gar nicht ganz genau sagen. Ich glaube, weil ich dachte: Ich bin selbst nicht lesbisch, warum sollte ich dieses Buch lesen?

Jetzt im Nachhinein finde ich mich selber ein bisschen doof für diesen Gedanken. Das Buch ist wundervoll! Es beschreibt unheimlich einnehmend die Liebe in all ihren Facetten: die erste Verliebtheit, das Prickeln, das körperliche Verlangen, die Nähe, aber auch die Angst um den Verlust, den Schmerz und den Liebeskummer. Wer hier wen liebt, ob Mann oder Frau ist vollkommen unerheblich, denn diese Gefühle bleiben immer die gleichen.

“Sie war voller Wärme und funkelndem Licht. Wenn ich bei ihr war, seufzte meine Haut: Die Mitte der Welt ist genau hier. Nirgendwo sonst.” (S. 7)

Allerdings gibt es auch einen Teil der Geschichte, bei dem es nicht egal ist, dass Anna Mädchen mag: der Teil, in dem Anna davon erzählt, wie es war, sich anders zu fühlen, sich selbst nicht zu mögen und sich niemandem anzuvertrauen.

„Über ein Mädchen“ hat mich mit seiner Intensität vollkommen überrumpelt. Ich bin so froh, dass ich das Buch doch gelesen habe, denn ich hätte sonst wirklich etwas verpasst. Sprachgewaltig, ehrlich und voller Gefühle! Ich vergebe 9 von 10 Sternen!

stern 9

Dieses Buch ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2014 nominiert.

Über ein Mädchen – Joanne Horiman – Hardcover mit SU – 224 Seiten – 15,90 € – ISBN: 978-3-551-58271-3  – erschienen: April 2013 (Carlsen) – Altersempfehlung: 14-17 Jahre

[Rezension] „Naomi & Ely: Die Liebe, die Freundschaft und alles dazwischen“ von Rachel Cohn & David Levithan

Naomi und ElyInhalt:

„Es ist unsinnig, Freundschaft und Liebe für zwei getrennte Dinge zu halten. Das sind sie nicht. Freundschaft und Liebe sind beides Varianten von Liebe. Immer steckt dahinter der Wunsch, einander nahe zu sein.“ (S. 263)

Naomi und Ely sind beste Freunde; schon immer eigentlich. Sie wohnen im gleichen Haus, sind miteinander groß geworden und kennen sich in- und auswendig. Ihre Freundschaft wäre perfekt, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass Naomi eigentlich ein kleines bisschen in Ely verliebt ist. Dass Ely schwul ist, Naomi einen Freund hat und Ely eben diesen plötzlich einfach küsst, macht die Situation auch nicht unbedingt leichter…

Meine Meinung:

Ich lese die Gemeinschaftswerke von Cohn und Levithan unheimlich gerne. Sowohl in „Nick & Norah“, als auch in „Dash & Lily“ geben die Autoren jeweils einem Mädchen und einem Jungen ihre Stimme und erzählen die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der beiden.

Da die Geschichte von Naomi und Ely aber an sich etwas komplizierter ist, ist es passenderweise auch die Erzählweise: neben den beiden Hauptpersonen kommen noch viele verschiedene andere Charaktere zu Wort, die die Geschichte mitgestalten, beobachten und kommentieren. Jede Person zeichnet sich durch ihren ganz eigenen Erzähl- und Schreibstil aus, was einerseits faszinierend, andererseits im Fall von Naomi sehr anstrengend ist, denn ihre Beiträge sind unterbrochen durch Smileys und kleine Pictogramme. Das habe ich persönlich nicht so gerne gelesen.

Insgesamt war mir Naomi die meiste Zeit des Buches sehr unsympathisch, obwohl man ja eigentlich Mitleid mit ihr haben müsste, denn sie ist unglücklich in einen schwulen Jungen verliebt, der auch noch ihren Freund küsst. Aber Naomi versteckt ihre Unsicherheit und Trauer hinter sehr viel Arroganz, Gefühlskälte und einem Netz aus Lügen. Erst zum Schluss konnte ich etwas mehr dahinter blicken und die wahre Naomi erkennen.

Neben der Freundschaft zwischen Naomi und Ely geht es in diesem Buch auch um die Liebe, und zwar in allen möglichen Facetten; so zum Beispiel auch um die erste, zarte Zuneigung zwischen Ely und Bruce. Sehr ausdrucksstark und gefühlvoll schaffen es die Autoren, diesen Handlungsstrang zu erzählen.

„Ich dachte, Ely würde sich in einen Sessel fallen lassen oder sich aufs Bett werfen, aber er legte sich auf das harte Parkett und schaute zur Decke hoch, als wäre sie der Himmel. Er sagte nicht, dass ich mich neben ihn legen sollte, aber ich machte es einfach, spürte den Boden unter meinem Rücken, spürte meinen eigenen Atem, fühlte mich … glücklich.“ (S. 28/29)

„Naomi und Ely“ ist anders als die beiden anderen Bücher der Autoren, die ich schon kenne. Die Geschichte ist nicht ganz so einfach, sie ist vielschichtiger und nicht so rosarot. Das macht sie aber natürlich nicht weniger lesenswert. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Naomi & Ely – Cohn & Levithan – Taschenbuch – 272 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3570306826 – erschienen: September 2010 (cbt) – Altersempfehlung: ab 13 Jahren

„Spiegelschatten“ von Monika Feth

SpiegelschattenReiheninfo:

  1. „Teufelsengel“
  2. „Spiegelschatten“
  3. „Blutrosen“

Klappentext:

Ein Mörder geht um im Raum Köln/Bonn. Seine Opfer sind allesamt junge Männer. Als Romy Berner, Volontärin beim KölnJournal, mit der Recherche beauftragt wird, muss sie feststellen, dass alle Toten dem Freundeskreis ihres Zwillingsbruders Björn angehörten – und dass der Mörder ihr näher ist, als sie ahnt … (Quelle: cbt)

Meine Meinung:

Aufgewühlt habe ich gerade „Spiegelschatten“ zugeklappt. Wie schon in „Der Scherbensammler“ hat mich Monika Feth auch in diesem Buch vor allem durch ihren psychologisch sehr klug konzipierten Täter gefesselt. Ich mag ihre erschreckend realistischen Einblicke in die Gedankengänge und Psyche ihrer Hauptpersonen und vor allem ihrer Täter.

In all ihren Jugendthrillern verleiht die Autorin auch ihren Mördern eine Stimme, doch in diesem Buch war es anders: ich hatte bis kurz vor Ende der Geschichte keine Idee, wer sich hinter dem Mörder verbergen könnte. Spannend und noch mal ganz anders mitreißend.

„Wie einfach es war. Zu töten.
Wie intim der Moment war, in dem es geschah.
Wie nah er dem Tod kam.
Dem Sterbenden.
Er durfte nur kein Mitleid empfinden.
Es war wichtig, zwischen sich selbst und dem Opfer zu trennen. Niemandem war damit gedient, die Ebenen zu vermischen, erst recht nicht der Sache. Er hatte eine Aufgabe zu erfüllen, was nur gelingen konnte, wenn er sich nicht von Emotionen verwirren ließ.“
(S. 105)

„Spiegelschatten“ – der zweite Romy-Thriller – reiht sich meiner Meinung nach nahtlos in die Erfolge der Jette-Bücher ein. Frau Feth brilliert auch hier durch ihre einfach einzigartige Schreibweise. Ich finde es faszinierend, dass sie es schafft, so locker-leicht und mitreißend zu schreiben, und trotzdem scheinbar jedes Wort und jeder Satz für sich kleine Schätze sind. In meinen Augen ist Monika Feth die Grande Dame der Jugendhriller! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Spiegelschatten – Monika Feth – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 17,99 € – ISBN-13: 978-3570161142 – erschienen: Oktober 2012 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Das Lied der Träumerin“ von Tanya Stewner

Das Lied der TräumerinInhalt:

Als ihr Vater an Krebs verstirbt, fühlt Angelina nur noch eine große Leere in sich. Zu ihrer Mutter hatte sie nie ein so gutes Verhältnis, außerdem hält diese Pläne für Angelina bereit, die absolut nicht dem entsprechen, was Angelia will. Anstatt Jura zu studieren, würde sie lieber ihren Traum verwirklichen und Sängerin werden. Denn die Liebe zur Musik ist das Vermächtnis ihres Vaters. Und so zieht Angelina kurzerhand nach London, um dort ihre Musikkarriere zu verwirklichen. In ihrer WG leben noch die beiden so ungleichen Brüder Josh und Jeremy, die wie Tag und Nacht sind. Während sie zu Josh direkt eine intuitive Verbindung spürt (er ist ein genauso fröhlicher Träumer wie sie) begegnet ihr Jeremy stets mit einer herablassenden Überheblichkeit und übt trotzdem eine unerklärliche Anziehungskraft auf Angelina aus.

Meine Meinung:

Anders als das beinahe sanft anmutende Cover vermuten lässt, ist dieses Buch kein Mädchenroman, sondern ein All-Age-Buch, das sich vor allem an junge Erwachsene wendet. Es geht in diesem Buch um wirklich brisante Themen: Das Leben, die Liebe, Sex, Drogen, Identitätsprobleme und Lebensmüdigkeit. Dies sei der Rezension direkt vorweg gestellt, um die Zielgruppe zu verdeutlichen.

Tanya Stewner hat es geschafft, ein Buch zu schreiben, dass mich – trotz der Tatsache, dass mich viele Dinge stören – in den größten Teil komplett in seinen Bann gezogen hat.

In der Geschichte erhält die Musik als Angelinas Lebenselixier einen absolut hohen Stellenwert. Und ich, die sonst nie so viel mit Musik am Hut hat, habe während der ersten zwei Drittel der Geschichte ständig ein Lied auf den Lippen gehabt. Habe ständig nach Songtexten gesucht und bin fröhlich durch die Gegend getanzt. Und dass obwohl mir die streckenweise doch sehr überfröhliche und etwas zu lebenslustige Art von Angelina auf die Nerven gegangen ist. Absolut faszinierend, wie sich ihre Liebe zur Musik zumindest für eine Zeit auf mich übertragen hat.

„Für mich ist ein Träumer jemand, der ein festes Ziel vor Augen hat. Jemand, der sich mit Haut und Haaren ins Leben stürzt, um seinen Traum zu verwirklichen. Jemand, der es wagt für seinen Traum zu leben.“ (S. 19)

Auch Angelinas Definition einer Träumerin und der Gedanke, dass es wichtig ist, den eigenen Traum zu leben, hat mich beschäftigt und mich dazu gebracht, über meine eigenen Träume und Wünsche nachzudenken und zu reflektieren, ob und wie ich diese realisiere.

Ich schätze es immer sehr, wenn eine Geschichte etwas in mir bewegen kann und mich dazu bringt, mich selbst genauer zu betrachten. Dies ist der Autorin wirklich ausnahmslos gut gelungen.

Und trotzdem kann ich leider nicht vollkommen euphorisch zum Kauf dieses Buches raten, denn gerade der Schlussteil gefiel mir weniger gut. Das lag nicht am Schluss an sich, sondern mehr daran, dass mir das letzte Drittel zu voll an extremen, teilweise schwer nachzuvollziehbaren Ereignissenist.

Insgesamt sollte dieses Buch von Jugendlichen nicht einfach nur gelesen werden, sondern ich halte es für notwenig, dass man sich mit jüngeren Lesern danach über die Geschichte unterhält, denn sie wirft mich Sicherheit einige Fragen auf.

Frau Stewner hat ein mutiges Buch geschrieben und einige Themen angesprochen, die oft genug in der Jugendliteratur tabuisiert werden. Doch hätte es meiner Meinung nach gereicht, eines dieser Themen zu behandeln, denn sie sind schon komplex genug. Die Ballung von Besonderheiten, Zufällen und Tabuthemen macht die Geschichte für mich etwas unglaubwürdig und überzogen.

Trotz allem gelingt es der Autorin den Leser unmittelbar anzusprechen und mitzureißen. Es ist schon länger her, dass mich ein Buch so sehr in meinem Handeln und Denken beeinflusst hat. Im Großen und Ganzen gebe ich gute 7 von 10 Sternen.

 stern 7

Das Lied der Träumerin – Tanya Stewner – Hardcover mit Schutzumschlag – 388 Seiten – 16,95€ – ISBN-13: 978-3841421166 – erschienen: März 2011 (Fischer)

[Rezension] „Ich dich auch nicht“ von Sacha Sperling

Ich dich auch nichtInhalt:

Sacha ist vierzehn Jahre alt, ein mittelmäßiger Schüler. Er wird von seiner Mutter mehr verwöhnt als erzogen, ist Teil der coolsten Clique an der Schule.

Dann trifft er Augustin und alles in seinem Leben wird sich ändern. Sacha beginnt Drogen zu nehmen, nicht mehr regelmäßig zur Schule zu gehen und Mädchen flachzulegen. Und er verliebt sich in Augustin.

Meine Meinung:

Gerade habe ich das Buch zugeklappt und bin immer noch ganz von dem Buch eingenommen. Sachas Geschichte liest sich größtenteils wie ein Film. Ein Film, der einem in schnellen und harten Szenenwechseln unbarmherzig Bilder aufdrängt. Ein Film, der sich nicht mit Nichtigkeiten aufhält, sondern alle Gefühle, alle noch so armseligen Bilder und Personen ungefragt vor die Nase setzt. Als Leser muss man selber sehen, wie man diese verarbeitet.

Sacha Sperling, der dieses Buch als Vierzehnjähriger begonnen und dann als Siebzehnjähriger überarbeitet hat, präsentiert dem Leser ungeschönt das Leben von seinem Ich-Erzähler Sacha. Die Sprache, die er dafür verwendet, ist hart, oftmals vulgär. Die Sätze sind kurz und werden einem stakkatoartig zugeworfen. Das Lesen ist dementsprechend auch nicht immer ganz einfach, manchmal sogar anstrengend. Und genau dadurch wird die Atmosphäre des Buches so gut vermittelt.

Es geht in dem Buch um die Pubertät, um das Erwachsenwerden, die Identitätsfindung. Urplötzlich und ohne Vorwarnung rutscht der erst vierzehnjährige Sacha in ein Milieu und in ein Leben ab, was man sich für niemanden wünscht. Was zunächst mit Joints beginnt, endet bald darauf in Koks und Wodka. Diese Entwicklung wird von dem Autor kaum eingeführt, kaum konkret thematisiert. Sie passiert einfach. Wie im wahren Leben auch.

„Erwachsenwerden heißt einsehen, dass Fliehen unmöglich ist, dass die Geschichten kurz und bedeutungslos sind, aber aus Gründen, die wir nicht nachvollziehen können, Spuren hinterlassen.“ (S. 211)

Aber es geht in diesem Buch auch um die erste große Liebe und die Gefahren, Ängste und den Kummer, die diese mit sich bringt.

„Seine Hände legen sich auf meinen Schenkel. Meine Hüften. Mein Bauch. Ich erschauere, starr und schläfrig. Ich schwitze, glühe. Fast lache ich, obwohl mir nach Weinen zumute ist. Der Schlagzeuger spielt im Rhythmus meines Herzens. Im Rhythmus unseres Atems. Synchron. Alles ist synchron.“ (S. 81)

Sacha Sperling ist ein Buch gelungen, das nicht unterhält, das einen nicht in wunderbare Welten versetzt. Er hat ein Buch geschrieben, das dem Leser einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlässt. Und das ist gut so! 7 von 10 Sternen.

stern 7

Ich dich auch nicht – Sacha Sperling – Hardcover – 212 Seiten – 17,95 € – ISBN-13: 978-3492053853 – erschienen: 7. März 2011 (Piper)

[Rezension] „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel

Die Mitte der WeltInhalt:

Phil ist siebzehn und hat wie die meisten Siebzehnjährigen kein leichtes Leben. Doch Phils Leben ist anders: In dem Dorf, wo er wohnt, werden er und seine Schwester nur Hexenkinder genannt. Seine Mutter ist als eine Frau mit hohem Männerverschleiß bekannt. Und Phil ist verliebt, aber nicht in seine beste Freundin Kat, sondern in den neuen Jungen an der Schule. Phil ist nämlich schwul.

Als Leser erfährt man, wie sich Phil durchs Leben schlägt, sich Gedanken zu vielerlei Dingen macht, aber auch durch viele Zeitsprünge in die Vergangenheit, wie sich die Familienkonstellation von Phil, seiner Zwillingsschwester und seiner Mutter entwickelt hat.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt, obwohl ich es aufgrund der vielen Zeitsprünge nicht ganz einfach zu lesen fand. Außerdem wusste ich anfangs nicht, wohin mich der Autor führen wollte. Steht Phils Homosexualität im Mittelpunkt oder eher seine familiären Beziehungen oder die Freundschaft zu Kat oder vielleicht Phils sehnlicher Wunsch nach einem Vater? Letztendlich legt der Autor auf keinen dieser Aspekte einen besonderen Schwerpunkt, sondern thematisiert sie alle zusammenhängend, einleuchtend und einfühlsam. Besonders beeindruckend finde ich, dass es diesem Buch nicht wie vielen anderen Büchern nur schwarz oder weiß, gut oder schlecht gibt. Dieses Buch zeigt die vielen Nuancen und Grautöne auf, die es im wahren Leben auch gibt.

Insgesamt ein wirklich empfehlenswertes Buch vor allem auch für Jugendliche, aber auch für Erwachsene. 8 von 10 Sternen.

stern 8