[Rezension] „Das Apfelkuchenwunder oder die Logik des Verschwindens“ von Sarah Moore Fitzgerald

Klappentext:

Ein wunderbares Buch über das Anderssein, über wahre und falsche Freundschaft und darüber, dass die Rettung manchmal von unerwarteter Seite kommt:

Oscar ist Megs bester Freund. Er hat ein besonderes Gespür für seine Mitmenschen und ist mit seinem Apfelkuchen stets zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Doch als er selbst Hilfe braucht, ist Meg am anderen Ende der Welt. Und auch sonst ist niemand für ihn da. Oscar verschwindet spurlos – und alle befürchten das Schlimmste. Alle, bis auf Meg. Sie ist fest entschlossen, herauszufinden, was wirklich passiert ist … (Quelle)

Meine Meinung:

Meg und Oscar sind seit ihrer Kindheit befreundet: Sie sind Nachbarn und ihre Zimmer liegen so, dass sie sich von Fenster zu Fenster unterhalten können. Oscar hat in seinem Zimmer einen Ast liegen, mit dem er  an Megs Fenster kratzen und sie aufwecken kann – für Meg das schönste Geräusch auf der Welt. Um so schlimmer ist es für sie, als ihre Eltern beschließen, für einige Monate nach Neuseeland zu ziehen und ihr Haus unterzuvermieten.

„Oscar hatte ein unverstelltes, fröhliches Lächeln mit Grübchen. Dieses Lächeln war nur eine von tausend tollen Sachen an ihm.“ (S. 35)

Das Buch beginnt mit einem Trauergottesdienst für Oscar, der fast einer Beerdigung gleicht, denn Oscar ist spurlos verschwunden und so ziemlich jeder glaubt, dass er tot ist. Meg und ihre Eltern sind sofort, nachdem sie die Nachricht gehört haben, zurückgekehrt und nun versucht Meg zu begreifen, was in den letzten Monaten ihrer Abwesenheit eigentlich tatsächlich passiert ist…

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Meg und von Oscar, der tatsächlich nicht tot ist, erzählt. Und da es einige Missverständnisse zwischen den beiden gab, ergibt sich für den Leser auch nur durch die beiden Perspektiven das Gesamtbild.

„Ich habe es nicht geschafft, mich umzubringen. Und als mir klar wurde, dass ich nicht einmal das richtig hinkriege, beschloss ich, das Zweitbeste zu tun: fortzubleiben und so zu tun, als wäre ich tot. Ein Teil von mir sehnte sich allerdings nach einer Weile danach, dass jemand kommen und mich finden würde.“ (S. 21)

Eine Freundin von mir beschrieb das Buch mit märchenhaft, was ich spontan verneint habe. Mittlerweile stimme ich ihr aber in manchen Bereichen zu: Die Geschichte und vor allem Oscars sind einfach magisch, denn Oscar hat die Fähigkeit zu spüren, wann Menschen seine Hilfe benötigen: Er backt dann einen Apfelkuchen und schon beim ersten Bissen wissen die Menschen, dass alles wieder gut werden wird. Auch böse Hexen und vor allem eine gute Fee gibt es in dieser Geschichte: Sie sehen nur ganz anders aus, als man es vermutet.

„Das Apfelkuchenwunder oder die Logik des Verschwindens“ ist die magische und stellenweise tatsächlich etwas märchenhafte Version einer Geschichte über eine ganz besondere Freundschaft, über Liebe und Intrigen. Mich konnte vor allem Oscar mit seinem sanften, aber sehr selbstbewussten Charakter begeistern. Insgesamt vergebe ich 8 von 10 Sternen.

stern 8

Das Apfelkuchenwunder oder die Logik des Verschwindens – Sarah Moore Fitzgerald – 256 Seiten – 14,99 € –  ISBN: 978-3-7373-5196-6 – erschienen: August 2015 (Fischer) – Übersetzung: Adelheit Zöfel – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Die Perlmutterfarbe: Ein Kinderroman für fast alle“ von Anna Maria Jokl

Die PerlmutterfarbeKlappentext:

Aus dem Schulranzen von »Maulwurf«, einem der beliebtesten Schüler in der A-Klasse, verschwindet ein Töpfchen mit selbstgemischter Farbe, der Perlmutterfarbe. Die ersten Verdächtigungen werden geäußert, das Mißtrauen gegenüber der B-Klasse wächst, die Jagd nach einem Sündenbock beginnt. (Quelle)

Meine Meinung:

„Ich habe etwas Schreckliches getan. Zuerst war es nicht viel, aber aus einer Lüge sind tausend geworden.“ (S. 270)

Ich kann jetzt schon mal zu Beginn sagen: Jeder sollte dieses wirklich kluge, psychologisch feinsinnige und nebenher auch noch lustige Buch lesen.

Die Geschichte wird zunächst aus der Sicht von Alexander aus der A erzählt. Der nämlich möchte sich gerne vom B-Karli ein Buch leihen. Der B-Karli hat das Buch selber aber noch nicht gelesen und will es Alexander erst ein paar Tage später leihen. Aus einem Impuls heraus nimmt Alexander ihm das Buch weg. Zuhause schämt er sich für sein Verhalten und will das Buch am nächsten Tag zurückgeben. Doch dann passiert ein Missgeschick, das das Unglück erst so richtig ins Rollen bringt: Die Perlmutterfarbe von Maulwurf, die Alexander aus Versehen eingesteckt hat, kippt um und läuft über das Buch vom B-Karli. Alexander weiß nicht mehr, was er tun soll, und traut sich nicht die Wahrheit zu sagen. Und plötzlich steht ausgerechnet der B-Karli unter Verdacht, die Perlmutterfarbe gestohlen zu haben…

„Und jetzt verdächtigst du einfach den B-Karli? Wie soll der das denn gemacht haben? Ich hab ihn noch nie in der A gesehen. Nein, das sagst du nur, weil du dich vor dem langen Gruber groß machen willst, weil der immer von den Bs alles Schlechte sagt. Damit werden wir nicht herauskriegen, wer klaut. Denn jemand, der auf die B hetzt, wird nie die Wahrheit herauskriegen, weil er sie gar nicht wissen will.“ (S. 57)

Nur wenige sehen die Situation so wie Lotte, von der das obige Zitat stammt. Die meisten aus der A möchten gerne die Schüler aus der B als Schuldige sehen. Denn die Bs sind ja grundsätzlich weniger wert. Man merkt schon: Liest man dieses Buch etwas tiefgründiger, findet man viele Parallelen aus der Geschichte und der Gegenwart. Die Autorin beschreibt sehr gekonnt und mit viel Feingefühl die einzelnen Klassenmitglieder aus der A und der B und die Gruppenprozesse, die innerhalb der Klassen und einzelner Kleingrüppchen ablaufen. Als Leser lernt man die einzelnen Jugendlichen sehr schnell kennen und lieben.

„Die Perlmutterfarbe“ fasziniert mich, denn die Geschichte ist klug, witzig, psychologisch sehr überzeugend und voller intelligent gezeichneter Charaktere. Ich bin wirklich froh, dass eine Freundin mir dieses Buch geliehen hat und vergebe die volle Anzahl an Sternen!

stern 10
Die Perlmutterfarbe: Ein Kinderroman für fast alle – Anna Maria Jokl – Taschenbuch – 280 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3518460399 – erschienen: Dezember 2008 (4. Auflage, Suhrkamp)

„Das Lied von Eis und Feuer 2: Das Erbe von Winterfell“ von George R. R. Martin

Das Erbe von WinterfellReiheninfo:

  1. “Die Herren von Winterfell”
  2. “Das Erbe von Winterfell”
  3. “Der Thron der Sieben Königreiche”
  4. “Die Saat des goldenen Löwen”
  5. “Sturm der Schwerter”
  6. “Die Königin der Drachen”
  7. “Zeit der Krähen”
  8. “Die dunkle Königin”
  9. “Der Sohn des Greifen”
  10. “Ein Tanz mit Drachen”

Weitere Bände sind in Arbeit.

Die Rezension kann leichte Spoiler zum ersten Teil enthalten!

Klappentext:

Eddard Stark, der Lord von Winterfell, ist dem Ruf seines Königs und alten Freundes Robert Baratheon gefolgt und hat seine kalte Heimat im hohen Norden verlassen, um als Hand – als Roberts Berater und Stellvertreter – zu dienen. Eddard ist ein geradliniger, tapferer und aufrechter Mann, der sich jeder Gefahr mit dem Schwert entgegenstellen würde – doch die Ränke der Mächtigen bei Hof sind nichts, was man mit einem Schwert bekämpfen kann. Auch dann nicht, wenn man die Hand des Königs ist … (Quelle: Blanvalet)

Meine Meinung:

Ich habe schon angekündigt, dass ich zu den Büchern immer nur – wenn überhaupt – kurze Leseeindrücke schreiben möchte, weil ich mich sonst nur wiederholen werde. Das kommt mir gerade sehr gut zupass, denn das Buch habe ich schon vor einigen Monaten gelesen und kann mich nicht mehr ganz detailliert erinnern.

Was ich noch weiß: Ich habe auch den zweiten Band voller Begeisterung gelesen. Langsam kommt das fantastische Element etwas mehr heraus, aber wirklich immer noch ziemlich dezent. Grundsätzlich liest sich auch dieser Teil noch wie ein spannender Mittelalterroman mit den typischen Intrigen, Kriegen und Bündnissen.

Was ich schon jetzt gleichzeitig zu schätzen und zu fürchten gelernt habe, ist die Tatsache, dass Martin mit seinen Charakteren absolut nicht zimperlich umgeht. So weiß man nie, wem welches Schicksal zustößt, was das Lesen unheimlich spannend macht (aber zuweilen auch traurig).

Insgesamt: ein toller zweiter Band, den ich gerne gelesen habe. Kurz und knapp vergebe ich wieder 8 von 10 Sternen.

stern 8

Das Lied von Eis und Feuer 2: Das Erbe von Winterfell – George R.R. Martin – Taschenbuch – 544 Seiten – 15,00 € – ISBN-13: 978-3442267811 – erschienen: März 2011

„Das Lied von Eis und Feuer 1: Die Herren von Winterfell“ von George R. R. Martin

Die Herren von WinterfellReiheninfo:

  1. „Die Herren von Winterfell“
  2. „Das Erbe von Winterfell“
  3. „Der Thron der Sieben Königreiche“
  4. „Die Saat des goldenen Löwen“
  5. „Sturm der Schwerter“
  6. „Die Königin der Drachen“
  7. „Zeit der Krähen“
  8. „Die dunkle Königin“
  9. „Der Sohn des Greifen“
  10. „Ein Tanz mit Drachen“

Weitere Bände sind in Arbeit.

Inhalt:

„Der Winter naht!“

So heißt es bei den Starks auf Winterfell, wenn wieder düstere Zeiten anstehen. Und das scheint wirklich der Fall zu sein, der Winter naht tatsächlich. Zunächst wird Ned von seinem König in die Hauptstadt befohlen, um als seine rechte Hand tätig zu werden. Doch dort droht ihm mehr Gefahr als Ruhm. Und diese Gefahr scheint vor allem von Seiten der Königin auszugehen. In einem Netz voller Intrigen ist nie klar, wem man wirklich trauen kann.

Meine Meinung:

Jetzt ist es endlich soweit. Diese Fantasy-Reihe wollte ich schon lange lesen, nun ist endlich der richtige Zeitpunkt gekommen. Da es im Deutschen bisher zehn Bände zu dieser Reihe gibt, habe ich mir vorgenommen, die Rezensionen eher knapp zu halten. Vielleicht kann ich so vermeiden, mich zu oft zu wiederholen.

Als ich das Buch aufschlug, habe ich noch kurz überlegt, was ich über diese Reihe überhaupt weiß: Mir war klar, es ist eine Fantasy-Reihe, aber ich wusste überhaupt nicht, worin das fantastische Element überhaupt besteht. Im ersten Band wird es meiner Meinung nach auch nur angedeutet und so bin ich wirklich sehr gespannt auf die Umsetzung in den nächsten Bänden.

Martin kann wirklich toll erzählen. Er schafft ein sehr komplexes Gebilde an interessanten Personen, Handlungssträngen, spannenden Settings und politischen Gegnern. Besonders fasziniert bin ich davon, wir der Autor es schafft, in mir Sympathien für verschiedene Protagonisten zu erwecken, um mir dann ein paar Seiten später deutlich zu machen, dass eben diese erbitterte Gegner sind. Spannend!

Ich bin begeistert und freue mich auf die folgenden Bände. Der zweite ist schon bestellt und wird hoffentlich bald ankommen, die Bände drei und vier habe ich heute vorsichtshalber schon mal in einer Buchhandlung mitgenommen. Es soll ja kein Engpass entstehen.

Ich vergebe erstmal 8 von 10 Sternen für den interessanten Einstieg in eine neue, mittelalterlich angehauchte (Fantasy-)Welt. Die zwei Sterne ziehe ich nur ab, um für die folgenden Bände noch Luft nach oben zu haben, denn ich vermute, die werde ich brauchen.

stern 8

Das Lied von Eis und Feuer 1: Die Herren von Winterfell – George R.R. Martin – Taschenbuch – 576 Seiten – 15,00 € – ISBN-13: 978-3442267743 – erschienen: Dezember 2010 (Blanvalet)

[Rezension] „Splitterwelten“ von Michael Peinkofer

SplitterweltenInhalt:

Die Welt ist in viele einzelne Splitter zersprungen: Nur die Gildemeisterinnen, die über die Gabe der Levitation verfügen, halten die Weltensplitter zusammen und stellen die Verbindung zwischen ihnen her; sowohl räumlich, als auch politisch gesehen.

Doch als auf einem entfernten Weltensplitter eine Gildemeisterin ermordet wird, ist die Gilde in Aufruhr: Droht das Ende der Welten? Soll die Gilde gestürzt werden? Die junge Gildeschülerin Kalliope wird gemeinsam mit ihrer Meisterin zu dem eisigen und düsteren Weltensplitter Jordrak geschickt, um den Mord aufzuklären.

An einem anderen Ort: Nachdem der Menschensklave Kieron von Croy, einem Pantheriden, gerettet wird, fühlt er sich diesem verbunden. Doch schon bald stellt sich heraus, dass es nicht immer von Vorteil ist, an Croys Seite zu sein, denn schon bald sehen sich die beiden gezwungen, einen genauso gefährlichen wie geheimnisvollen Auftrag anzunehmen, der über Leben und Tod entscheidet.

Meine Meinung:

Peinkofer hat für den ersten Band seiner neuen Fantasy-Trilogie eine erfrischend andersartige Welt gewählt – mehrere Welten, um genau zu sein. Die Idee der Weltensplitter, aber auch der Gilde der Levitatinnen waren für mich neu und bilden eine spannendes Setting für eine noch spannendere Handlung.

Zugegeben: Die ersten Seiten des Buches und die ungewohnte, fremde Handlung haben mich ganz kurz verwirrt, doch dann rollt sich langsam – Seite für Seite – wie eine Landkarte die Geschichte von „Splitterwelten“ auf: Es geht um Geheimnisse, Verrat und Intrigen, um Gildemitglieder, Chimären, Tiermenschen und Drachen.

Der komplexe und nicht so einfach zu durchschauende Plot bietet eine gelungene Abwechslung zu vielen anderen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt und lässt den Leser stets miträtseln und überlegen, in welchem Zusammenhängen die einzelnen Personen und Ereignisse stehen könnten. Geschickte Andeutungen machen nur noch neugieriger und haben mich dazu gebracht, viele Stunden am Stück zu lesen.

Doch nicht nur die Handlung, auch die Charaktere sind hervorragend gezeichnet: Viele der Personen sind nicht von Anfang an klar durchschaubar, sie haben teilweise geheimnisvolle Vergangenheiten und wissen oft mehr, als sie dem Leser zu Beginn preisgeben.

Ich mochte insbesondere Kalliope, Kieron und Croy, wobei ich gestehen muss, dass der coole Pantheride mit seiner Diebesvergangenheit und den über der Brust gekreuzten Dolchen am allermeisten mein Herz erobert hat. Dank der hervorragenden Illustrationen von Iris Compiet bekommt der Leser immer mal wieder einen Eindruck davon, wie die Personen, Landschaften und Orte aussehen.

„Splitterwelten“ ist Fantasy vom Allerfeinsten. Die neuartige Idee, die facettenreichen Charaktere und die genial konzipierte, komplexe Handlung haben mich das Buch quasi verschlingen lassen. Ich habe das Gefühl, schon im April einen Anwärter auf das Buch des Jahres gefunden zu haben.

Falls es noch nicht deutlich genug geworden ist: Dieses Buch ist der mehr als gelungene Auftakt zu einer grandiosen neuen Reihe, es beinhaltet alles, was sich mein Leserherz gewünscht hat! 10 von 10 Sternen; ich würde am liebsten 11 vergeben!

stern 10

Splitterwelten – Michael Peinkofer – Hardcover – 576 Seiten – 16,99 € – ISBN-13: 978-3492702072 – erschienen: März 2012 (Piper)