[Rezension] „Königsjäger“ von Joe Abercrombie

Reiheninfo:

  1. „Königsschwur“
  2. „Königsjäger“
  3. „Königskrone“ (Mai 2016)

Achtung, diese Rezension enthält leichte Spoiler  zum ersten Band.

Klappentext:

In den kalten Nordländern rund um das Splittermeer werden Krieger entweder aus Legenden geboren oder aus Verzweiflung. Das gilt erst recht für eine Kriegerin wie die junge Dorn, deren einziger Wunsch es ist, Rache für den heimtückischen Mord an ihrem Vater zu nehmen. Als ihr Weg sich mit dem von Prinz Yarvi kreuzt, wird Dorn in eine Welt der Kämpfe und Intrigen gegen den grausamen Hochkönig hineingezogen. Eine Welt, für die sie geboren zu sein scheint …

Meine Meinung:

„Königsschwur“, der Vorgänger zu diesem Buch, war das erste Werk aus der Feder von Joe Abercrombie, das ich gelesen habe. Besonders gefallen hatten mir die Charaktere, die der Autor geschaffen hat. Das Buch endete in sich ziemlich abgeschlossen, so dass man als Leser gar nicht so recht wusste, worum es im zweiten Band gehen würde.

Abercrombie macht in dem zweiten Band seiner Reihe etwas, das ich bisher selten so erlebt habe: Er führt einen komplett neuen Hauptcharakter ein – eigentlich sogar zwei: Dorn ist eine junge Kämpferin, besser und stärkere als ihre männlichen Gegner. Und doch wird ihr der Weg zur Soldatin verwehrt, eben weil sie eine Frau ist. Ihr Ausbilder geht sogar so weit, ihr den Tod eines Mitkämpfers anzulasten, nur um sie aus dem Weg zu räumen. Und so wird Dorn zum Tode verurteilt und nur in letzter Minute von Yarvi, der mittlerweile Vater Yarvi ist, gerettet.

So wild und voller Zorn und Ungestüm Dorn ist, so voller Herzensgüte und dem unbändigen Willen Gutes zu tun ist Brand, die zweite neue Hauptfigur. Beide haben mir unheimlich gut gefallen, ihr Zusammenspiel fand ich durchweg gelungen. Zum Glück tauchen aber auch einige der liebgewonnenen Charaktere aus dem ersten Band wieder auf; allen voran natürlich Yarvi und Rulf, den ich besonders ins Herz geschlossen habe.

„Königsjäger“ ist ein Heldenepos, wie er sehr viel besser nicht geschrieben werden konnte: Spannende Kämpfe, gemeine Intrigen, interessante Charaktere und vielen Gänsehautmomente. Ich habe gemeinsam mit Dorn Bathu bei ihren zahlreichen Übungskämpfen gelitten, wurde aber immer wieder durch ihre tolle Entwicklung (kämpferisch, aber auch charakterlich) belohnt. Ich hoffe sehr, dass ich im nächsten Band wieder mehr von ihr und den anderen liebgewonnenen Figuren lesen darf.

In „Königsjäger“ begleiten wir die beiden jungen Helden Dorn und Brand an der Seite von Vater Yarvi zu neuen Abenteuern. Ich konnte während des Lesens wunderbar in der Geschichte versinken und habe beschlossen, dass Abercrombie ein Autor ist, den ich unbedingt weiter verfolgen möchte. 9 von 10 Sternen.

stern 9

Königsjäger – Joe Abercrombie – Klappbroschur – 480 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-453-31600-3  – erschienen: August 2015 (Heyne) – Übersetzung: Kirsten Borchard

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[Rezension] „Königsschwur“ von Joe Abercrombie

Reiheninfo:

  1. „Königsschwur“
  2. „Königsjäger“
  3. engl.: „Half a War“

Klappentext:

Prinz Yarvi von Gettland ist ein Krüppel, ein Schwächling, ein Niemand. Mit nur einer funktionstüchtigen Hand geboren und von seinem Vater verachtet, muss er sich mit einem bedeutungslosen Diplomatenposten zufriedengeben. Als sein Vater und sein Bruder eines Tages brutal ermordet werden, überwindet Yarvi seine Schwäche und besteigt den Schwarzen Thron von Gettland. Und er legt einen Eid ab: denjenigen, der seine Familie getötet hat, zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen! Doch dann wird Yarvi von seinen engsten Vertrauten verraten … (Quelle)

Meine Meinung:

Yarvi wurde mit nur einer funktionstüchtigen Hand geboren – für einen zukünftigen König undenkbar. Von seinem Vater wurde er meist ignoriert oder aber gedemütigt und auch seine Mutter hat kaum ein liebendes Wort für ihn. So gefiel es Yarvi ganz gut, als Gelehrter ausgebildet zu werden und dem Kampfplatz den Rücken zu kehren. Doch all seine Pläne werden zunichte gemacht, als sein Vater und sein Bruder überraschend ermordet werden. Yarvi, der nun König ist, schwört Rache – doch der Verrat kommt aus ganz unerwarteter Richtung…

Rache – kein ehrenwertes Motiv! Und doch kann man Yarvi sehr gut verstehen. Der Verrat, den er erleiden musste, ist hart und trifft ihn sehr. Nachdem er einen Anschlag auf sein Leben nur knapp überlebt, landet Yarvi mehr tot als lebendig im Meer und wird dort von Sklavenhändlern herausgefischt. Als Gefangener kann Yarvi wohl kaum seine Rache ausüben und so muss er geduldig sein – und über sich hinauswachsen.

Wenn man mich fragen würde, was mich an diesem Trilogieauftakt am meisten überzeugt hat, wäre meine Antwort ganz eindeutig: „Die Charaktere!“ Yarvi und die Gefährten, die er im Laufe der Geschichte kennenlernt, haben Ecken und Kanten, Geheimnisse und werden dadurch sehr schnell interessant. Hinter mancher rauen Schale steckt ein weicher und liebenswerter Kern. Und wie in Fantasyromanen so üblich macht sich ein kleiner Haufen bunt zusammengewürfelter Personen gemeinsam auf den Weg. Das Ziel der Reise ist an dieser Stelle klar: Rache an dem Mörder von Yarvis Vater!

Was mich während des Lesens etwas irritiert hat: Es gibt in der Geschichte keine fantastischen Elemente. Die Erzählweise ist zwar immer mal wieder angehaucht von Mythen und Gottheiten, aber ansonsten wartet man umsonst auf Magie oder fantastische Wesen. Das tut der Geschichte zwar keinen Abbruch, ich hatte aber dennoch etwas Anderes erwartet.

„Königsschwur“ ist der Auftakt zu einer neuen Fantasy-Reihe des renommierten Autors Joe Abercrombie und gleichzeitig das erste Buch, aber mit Sicherheit nicht das letzt, das ich von ihm lese. Es überzeugt durch ein geschickt angelegtes Setting und interessante, mitreißende Charaktere. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird und werde die Reihe ganz bestimmt weiter verfolgen. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Königsschwur – Joe Abercrombie – Klappbroschur – 368 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-453-31599-0 – erschienen: Januar 2015 (Heyne)