[Interview] Kathrin Schrocke

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Kathrin Schrocke

Liebe Kathrin, schön, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Du bist Kinder- und Jugendbuchautorin und veröffentlichst sowohl unter deinem echten Namen als auch unter dem Pseudonym Amina Paul. Damit wir dich ein bisschen besser kennenlernen können: Beschreibe dich selbst als Mensch, als Autorin und als Leserin jeweils mit zwei Adjektiven!

KS:

Mensch: neugierig, tolerant

Autorin: rastlos, selbstkritisch

Leserin: süchtig, genussvoll

Ich kenne bisher vier deiner Bücher („Freak City“, „Verdammt gute Nächte“, „Mein Leben und andere Katastrophen“ und „Finding Alex“). Die Bücher behandeln sehr unterschiedliche Themen. Wie entscheidet sich, worum es in deinen Büchern geht? Gibt es ein Thema, das dir besonders am Herzen liegt, das du bisher noch nicht in einem Buch verwirklichen konntest?

KS: Ich schreibe fast immer über Themen, die es so im Jugendbuch bislang nicht oder ganz selten gab. Nischenthemen, die es erst einmal schwer auf dem Markt haben, weil scheinbar keine Zielgruppe existiert. Es macht mir Spaß zu beweisen, dass man Jugendliche auch für Stoffe interessieren und begeistern kann, die kein Mainstream sind. Außerdem liebe ich Außenseiter – oder besser gesagt: die unfreiwillige Außenseiterrolle. Der Clou in meinen Geschichten nämlich ist, dass es meist die ganz „normalen“ 0815-Typen sind, die ungewollt zu Sonderlingen werden. In „Freak City“ ist nicht die gehörlose Figur die Hauptprotagonistin, sondern ein ganz durchschnittlicher Junge, der durch seine Verliebtheit in ein taubes Mädchen plötzlich der Kritik der Außenwelt ausgesetzt ist. In „Mein Leben und andere Katastrophen“ kommt zwar ein schwules Väterpaar vor – die Geschichte aber handelt von einem völlig normalen Mädchen, das eben in diese Familienverhältnisse hineingeboren wurde. Zwei Themen über die ich seit Jahren schreiben will – und einfach nichts aufs Papier bekomme: Umweltaktivisten und Flüchtlinge.

Jugendbücher

Jugendbücher von Kathrin Schrocke

Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass deine Geschichten sowohl männliche als auch weibliche Ich-Erzähler haben. Gibt es eine Perspektive, die dir leichter fällt zu schreiben? Warum ist das so?

KS: Mir fällt es komischerweise leichter aus männlicher Perspektive zu schreiben. Vielleicht weil diese Sichtweise komplett auf Beobachtung, Interpretation und Fiktion basiert. Bei einer weiblichen Perspektive mache ich unbewusst immer den Realitätscheck: war das bei mir damals so? Habe ich als Mädchen wirklich so oder so gedacht?

Dein aktuelles Buch „Mein Leben und andere Katastrophen“ beschäftigt sich mit Themen wie Regenbogenfamilien (Kinder leben mit zwei gleichgeschlechtlichen Erwachsenen als Eltern zusammen) und Teenagerschwangerschaften. Was war für dich der Anlass dieses Buch zu schreiben und warum sind dir gerade diese Themen wichtig?

KS: Es gab zwei Auslöser für das Schreiben des Buches. Zum einen die Bürgerbewegung, die sich in Baden-Württemberg formiert hat, nachdem das Thema „sexuelle Vielfalt“ in die Lehrpläne aufgenommen werden sollte. Mich hat schockiert, wie viele Menschen der Meinung sind, dass es schädlich für Jugendliche sein könnte, im Unterricht über Themen wie Homosexualität oder Transsexualität zu sprechen. Die tollste Entwicklung der letzten Jahre ist doch gerade, dass man offen über solche Dinge diskutieren darf. Denn es gibt all das, egal wie man dazu stehen mag: schwule und lesbische Teenager, Mütter mit Lebensgefährtinnen und Väter mit Partnern. Kinder, die in diesen Familien aufwachsen. Menschen, die sich falsch in ihrem biologischen Körper fühlen. Sie haben ein Recht darauf, dass man sie nicht unsichtbar macht und totschweigt. Im gleichen Jahr der Debatte in Deutschland entstanden Gesetze in Russland, die es gesetzlich verboten, mit Jugendlichen über Homosexualität zu sprechen. Mein Gedanke damals war ganz einfach: Worüber du nicht sprechen darfst, darüber musst du schreiben! Diese Macht haben wir Autoren.

Die Hauptperson der Geschichte, die 13-jährige Barnie, hat zwei Väter: Dad und Papa. Für sie ist das völlig normal und kein besonderes Thema. Glaubst du, dass das in der Realität auch so ist? Hast du vielleicht sogar mit Kindern aus Regenbogenfamilien über dieses Thema gesprochen?

KS: Ja, natürlich habe ich Kinder aus Regenbogenfamilien kennen gelernt. Es ist immer die Realität, in die man hineinwächst, die man als „richtig“ und als „normal“ auffasst. Die Kinder von Michael Jackson wachen ja auch nicht jeden Morgen auf und denken sich als erstes: „Wow! Ich bin ein Promi-Kind!“ Für die ist das Normalität. Ein Thema wird es erst, wenn andere ein Problem damit haben und es thematisieren oder gar kritisieren. Barnie findet ihre Familie völlig ok – erst als ihr Freund Sergej sich abfällig äußert, gibt sie sich dem Gedankenspiel hin, wie es wäre, in einer Familie mit Mutter und Vater aufzuwachsen. Vermutlich gibt es viele Kinder aus Regenbogenfamilien, die im Lauf der Pubertät plötzlich Unbehagen empfinden, einfach weil keiner aus der Reihe tanzen will oder seltsam beäugt werden möchte. Aber das betrifft ja nahezu alle menschlichen Bereiche. Als Teenager ist es einem auch peinlich, wenn der Vater Hausmann ist, wenn die Mutter Übergewicht hat, die Eltern ein uncooles Auto fahren. Erwachsene Kinder aus Regenbogenfamilien sind meiner Erfahrung nach meist sehr stolz auf ihre Mütter und Väter, selbstbewusst – und natürlich nicht zwangsweise selbst homosexuell 🙂

Wenn ich mir vorstelle, dieses Buch mit meinen Achtklässlern zu lesen, kämen sicherlich sehr unterschiedliche Reaktionen von den Schülern. Meiner Erfahrung nach haben oft insbesondere Jungen mit wenig Selbstbewusstsein ein Problem mit Homosexualität. Wie sind da deine Eindrücke?

KS: Es ist spürbar, dass sich in den letzten 10 Jahren enorm viel getan hat. Ich habe damals den Roman „Finding Alex“ geschrieben – über einen transsexuellen Jungen. Wenn ich damit vor Klassen auftrat, herrschte erst mal schockiertes Schweigen oder peinliches Lachen. Es fielen dann tatsächlich Sätze wie: „Das ist total krank!“ oder „Igitt! Ist der etwa schwul?“ Vor zwei Wochen hatte ich eine Lesung aus meinem Buch „Mein Leben und andere Katastrophen“ vor einer 6. Klasse. Vor allem die Jungs waren begeistert vom Text. Fast jeder kannte jemanden, der homosexuell ist – und es ist kein einziges abfälliges Wort gefallen. Das fand ich schon richtig erstaunlich. Und bin hoch erfreut aus der Veranstaltung gegangen.

Ausgewählte Kinderbücher

Einige Kinderbücher, die unter dem Pseudonym Amina Paul erschienen sind

Meiner Einschätzung nach spricht „Mein Leben und andere Katastrophen“ eine sehr viel jüngere Zielgruppe an als beispielsweise „Verdammt gute Nächte“. War das beim Schreiben auch deine Absicht? Wie stellst du dich auf unterschiedliche Zielgruppen ein, worauf achtest du?

KS: „Verdammt gute Nächte“ beinhaltet explizite sexuelle Inhalte. Nicht, weil ich provozieren oder schockieren wollte, sondern weil es das Thema verlangt. Es geht mir im Buch ganz klar um Identität, Begehren und sexuelle Entwicklung. Damit war aber von Anfang an klar, dass sich die Geschichte eher an ältere Leser/innen richten würde. „Mein Leben und andere Katastrophen“ hingegen behandelt, auch wenn es viel um Aufklärungsunterricht geht und die Teenager bei einem Babyprojekt mitmachen, um das Thema Familie. Was macht Familie eigentlich aus? Sind zwei Schüler mit einer Plastikpuppe eine Familie? Zwei Männer mit einer Tochter? Eine alleinstehende Frau mit Hund? Ich versuche, den unterschiedlichen Zielgruppen auf einer unterschiedlichen sprachlichen Ebene zu begegnen. Auch der Humor ist ein völlig anderer. Als 13-jährige lacht man über gänzlich andere Dinge als als 16-jähriger. Auf diese beiden Bereiche lege ich meinen Fokus.

Zum Abschluss noch meine zwei Standardfragen: Welche Frage bekommst du in einem Interview viel zu oft gestellt und von welcher Frage wünscht du dir seit jeher, dass sie dir endlich mal gestellt wird?

KS: Ich werde erstaunlich oft gefragt, ob ich die Geschichten in meinen Büchern selbst erlebt habe. Was ich hingegen nie gefragt werde und mich manchmal selbst frage: Würde ich meiner 16-jährigen Tochter raten, selbst einmal Autorin zu werden? Da ich aber keine 16-jährige Tochter habe, erübrigt sich die Antwort 🙂

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[Rezension] „Mein Leben und andere Katastrophen“ von Kathrin Schrocke

Klappentext:

Bernadette, genannt Barnie, ist eine ganz normale 13-Jährige mit einer beeindruckenden Radiergummisammlung, einer Vorliebe für SeaLife und ein bisschen Herzweh, wenn sie an Sergej aus ihrer Klasse denkt. Das einzig Ungewöhnliche an ihr (zumindest aus Sicht der anderen): Barnie hat zwei Väter – Dad und Papa.
Das »Babyprojekt« in der Schule bringt Aufregung in Barnies beschauliches Leben: Jeweils zwei Schüler müssen gemeinsam eine Babypuppe rund um die Uhr betreuen, wie ein richtiges Kind. Als Sergej sich anbietet, der Vater von Barnies Puppe zu werden, könnte eigentlich alles perfekt sein. Eigentlich. (Quelle)

Meine Meinung:

„Ich wollte ein iPad zum 13. Geburtstag. Und alles, was ich bekam, ist dieses doofe Notizbuch.“ (S. 7)

Mit diesen Worten beginnt die unterhaltsame, aber auch stellenweise bewegende Ich-Erzählung der 13-jährigen Barnie. In ihrem Leben gibt es vor allem ein Thema: Jungen! Und dieses Thema wird noch brisanter, als in ihrer Klasse das Babyprojekt anfängt. Alle Schüler sollen sich jeweils zu zweit zusammen tun und gemeinsam ein künstliches Baby betreuen, das so programmiert ist, dass es Hunger hat, Zuwendung braucht usw. Barnie kann nicht anders: Sie lässt ihre beste Freundin, mit der sie das Babyprojekt eigentlich durchführen wollte links liegen, und tut sich mit Sergej zusammen – eigentlich sehr praktisch, denn der wohnt direkt in ihrer Nähe und hat total süße Sommersprossen – goldene!

Was für Barnie gar kein besonderes Thema ist, ist die Tatsache, dass sie zwei Väter hat. Für sie ist das völlig normal.

„Du könntest doch zum Beispiel Tagebuch schreiben! Immerhin bist du ein Mädchen, das in einer besonderen Familie lebt. In hundert Jahren lesen Schüler vielleicht im Unterricht darüber, wie dein Alltag war. Dein Alltag mit zwei Vätern.“
„Echt spannend.“ Ich gähnte leise. (S. 15)

Ich muss sagen: Ich bewundere Kathrin Schrocke! Ich kenne jetzt drei Bücher von ihr und alle drei sind so grundverschieden. Mit „Mein Leben und andere Katastrophen“ hat sie ein Buch für eine etwas jüngere Zielgruppe geschrieben, das zwar wichtige Themen wie zum Beispiel die erste große Liebe oder Toleranz behandelt, dabei aber vor allem wunderbar unterhält. Ihr Schreibstil ist absolut angemessen. Das Buch liest sich locker flockig und ich musste beim Lesen einige Male kichern.

Für mich persönlich ist dieses Buch bisher das beste von Frau Schrocke, denn ich glaube, wichtige Themen so zu verpacken, dass sie einem eigentlich gar nicht ins Auge stechen, sondern nur im Hintergrund „mitwabbern“, und ein Jugendbuch schreiben, was vor allem unterhält und lustig ist, ist unheimlich schwierig, ohne dass es besonders auffällt.

„Mein Leben und andere Katastrophen“ ist wie sein Cover: Frisch, modern und lustig! Ich habe es unheimlich gerne gelesen und war wirklich traurig, als ich mit der letzten gelesenen Seite auch die sympathische, bodenständige Barnie verlassen musste. Ohne, dass es sich aufdrängt, behandelt dieses Buch auch wichtige Themen, die jeden Jugendlichen beschäftigen: die erste Liebe, der erste Kuss, Toleranz und Schule. Ich vergebe absolut begeisterte 9 von 10 Sternen!

stern 9

Mein Leben und andere Katastrophen – Kathrin Schrocke – Hardcover – 192 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-7373-5211-6 – erschienen: März 2015 (Sauerländer) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Rezension] „Verdammt gute Nächte“ von Kathrin Schrocke

Verdammt gute NächteKlappentext:

Jojo ist 15 und zählt zu den einsamsten Geschöpfen auf diesem Planeten. Sein Freund Michael steht auf schlechte Pornos, sein Freund Sushi ist ein adoptierter Japaner und Musterschüler, und seine erste große Liebe Lilli ist – seit einem Monat mit Michael zusammen. Dann taucht plötzlich Puma auf. Sie ist hübsch, cool, witzig und fährt einen roten Alfa Romeo Spider. Aber das Wichtigste ist: Sie nimmt ihn ernst. Die Sache hat nur einen Haken: Puma ist doppelt so alt wie er … (Quelle)

Meine Meinung:

„’Ist das nicht strafbar?‘, fragte Sushi verstört.“ (S. 138)

Es ist kurz vor den Sommerferien, als Jojo Puma kennenlernt. Puma ist eine Freundin seiner Mutter aus dem Yogakurs, aber irgendwie ganz anders: Sie ist viel lockerer, trägt coole Klamotten und vor allem löst sie in ihm ein bisher so noch nicht gekanntes Gefühl aus:

“Mein Atem ging schneller, die Schwerelosigkeit war schlagartig zurück. Ich fühlte mich auf einmal glühend und fiebrig.” (S. 124)

Wow, Kathrin Schrocke kann schreiben. Das durfte ich schon bei „Freak City“ genießen, aber in diesem Buch wird ihre Fähigkeit, den Leser mit auf eine ganz besondere Reise zu nehmen, noch deutlicher. Ich konnte so sehr mit Jojo mitfühlen, wie es ihm ging, wenn er aus seinem Fenster gesehen und dabei Puma erblickt hat, die im Garten unter dem großen Apfelbaum ihre Yogaübungen macht. Und auch in mir hat die Autorin eine beinahe atemlose Stimmung erzeugt.

Gleichzeitig tauchte immer wieder die leise Stimme auf, die das gleiche sagte wie Sushi oben: Ist das nicht strafbar? Darf sich ein Junge in eine viel ältere Frau verlieben? Und was ist mit der älteren Frau? Darf auch sie sich zu dem Jungen hingezogen fühlen?

Die Autorin hat ihrem Protagonisten ein spannendes Alter gegeben: Jojo ist fünfzehn, fast sechzehn. Dieses Alter macht es dem Leser umso schwerer, Stellung zu beziehen und sich zu entscheiden: Genießt man das Buch, das eine aufregende und kribbelnde beginnende Beziehung beschreibt, oder hofft man darauf, dass sich Jojo – wie durch ein Wunder – doch noch in ein gleichaltriges Mädchen verliebt?

„Verdammt gute Nächte“ ist kein einfaches Jugendbuch, denn es behandelt ein Tabuthema. Ich selber habe die Geschichte um Puma und Jojo unheimlich gerne gelesen und mich oft mitreißen lassen. Und trotzdem bin ich mir noch nicht im Klaren darüber, wie ich über die Geschichte an sich oder das Ende im Speziellen denken soll. Außerdem frage ich mich, mit welcher Intention die Autorin das Buch geschrieben hat. „Verdammt gute Nächte“ ist also nicht nur verdammt gut geschrieben, sondern setzt sich auch im Kopf fest und regt zum Nachdenken an und dafür gibt es sehr gute 7 von 10 Sternen.

stern 7

Verdammt gute Nächte – Kathrin Schrocke – Hardcover – 208 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-7373-6713-4 – erschienen: Februar 2014 – (Sauerländer) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Freak City“ von Kathrin Schrocke

Freak CityInhalt:

Mika ist fünfzehn und seit zwei Wochen, drei Tagen und fünf Stunden wieder Single. Doch hängt er immer noch sehr an seiner ersten großen Liebe Sandra. Als er Lea kennenlernt, sieht er in ihr zunächst nur die Möglichkeit Sandra eifersüchtig und sich selbst interessant zu machen. Doch schon bald wird ihm klar, dass Lea und ihre eigene stille Welt ihn faszinieren. Denn Lea ist seit ihrer Geburt gehörlos und kommuniziert in Gebärdensprache.

Mika beginnt ihre Sprache zu lernen und stößt doch immer wieder an seine Grenzen, denn die Welt der Gehörlosen unterscheidet sich, mehr als er denkt, von der Welt der Hörenden.

Meine Meinung:

Ich bin auf dieses Buch aufmerksam geworden, weil es aktuell für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert ist. Erst nach einer Weile habe ich dann festgestellt, dass eine der Hauptpersonen gehörlos und genau das Thema des Buches ist. Sofort war mir klar, dass ich dieses Buch lesen muss, denn ich habe selber Hörgeschädigtenpädagogik studiert und einige Gebärdensprachkurse besucht.

Und so habe ich das Buch selbstverständlich nicht nur unter einem neutral interessierten Blick gelesen, sondern fand es vor allem spannend, wie realistisch die Autorin die Welt der Gehörlosen, ihre Schwierigkeiten im Umgang mit hörenden Mitmenschen und die Gebärdensprache geschildert hat.

Ich kann, nachdem ich das Buch heute in einem Rutsch durchgelesen habe, ganz klar sagen: Es lohnt sich die Geschichte von Mika und Lea zu lesen. Sowohl die Handlung an sich, als auch die vermittelten Informationen zum Thema Hörschädigung haben mich voll und ganz überzeugt. An dieser Stelle muss betont werden, dass das Buch keineswegs vordergründig auf Wissensvermittlung aus ist, sondern wirklich die Story im Vordergrund steht. Mit Mika und Lea gibt es zwei faszinierende Hauptpersonen, die man schnell ins Herz schließt. Und Sandra, als Mikas sehr von sich selbst überzeugte Exfreundin, bietet einen interessanten Gegenpart.

Die verschiedenen Nebenfiguren des Buches dienen vor allem dazu, den Unterschied zwischen Hörenden und Gehörlosen, zwischen ignoranten und interessierten, zwischen lautsprachlich und gebärdensprachlich orientierten Menschen deutlich zu machen.

Wer also Interesse daran hat, in die stille Welt von Gehörlosen einzutauchen, wer durch Mika hindurch ein klein wenig die Faszination von Gebärdensprache kennenlernen will oder wer einfach nur ein schönes Jugendbuch lesen möchte, das zufällig ein gehörloses Mädchen als Hauptperson hat, der sollte zu „Freak City“ greifen.

Von mir gibt es 9 von 10 möglichen Sternen. Den einen Stern musste ich abziehen, da mir das Ende etwas zu jugendbuchmäßig war.

stern 9

Freak City – Kathrin Schrocke – Taschenbuch – 203 Seiten – 13,90 € – ISBN-13: 978-3794170814 – erschienen: Januar 2010 (Sauerländer)