[Rezension] „Tigermilch“ von Stefanie de Valesco

TigermilchKlappentext:

Nini und Jameelah leben in derselben Siedlung, sie sind unzertrennlich und mit ihren vierzehn Jahren eigentlich erwachsen, finden sie. Deswegen kaufen sie sich Ringelstrümpfe, die sie bis zu den Oberschenkeln hochziehen, wenn sie ganz cool und pomade auf die Kurfürsten gehen, um für das Projekt Entjungferung zu üben.
Sie mischen Milch, Mariacron und Maracujasaft auf der Schultoilette. Sie nennen das Tigermilch und streifen durch den Sommer, der ihr letzter gemeinsamer sein könnte […] (Quelle)

Meine Meinung:

„Manchmal weint Mama,wenn ich ihr die Haare kämme, aber ich tue so, als ob ich das nicht merke, ich glaube, das ist besser so. Jameelahs Mutter sagt, einen Schlafenden kann man aufwecken, aber jemanden, der nur so tut, als ob er schläft, den kriegt man niemals wach.“ (S. 37)

„Tigermilch“ ist kein leichtes Buch: sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Schon auf den ersten Seiten erfährt man, dass Nini und Jameelah mit ihren vierzehn Jahren einiges tun, was nicht gut für sie ist: Sie trinken regelmäßig ihre Tigermilch, rauchen und  lassen sich von fremden Männern mit aufs Hotelzimmer nehmen. Auch der weitere Verlauf des Buches erzählt keine schöne Geschichte: Nini hat keine sorgende und liebevolle Familie hinter sich, stattdessen eine Mutter, die den ganzen Tag auf dem Sofa liegt und vor sich hinvegetiert. Jameelah und ihrer Mutter droht die Abschiebung: ein Problem, das Nini gar nicht so ganz greifen kann. Und dann passiert etwas Schreckliches in der Siedlung…

Ich finde den Roman insofern sprachlich schwierig, als dass die wörtliche Rede gar nicht gekennzeichnet ist. Es gibt keine Anführungszeichen oder ähnliches, die gesprochenen Sätze gehen direkt in die Ich-Erzählung von Nini über. Man gewöhnt sich zwar mit der Zeit daran, trotzdem frage ich mich aber, warum Stefanie de Valesco das so gemacht hat. Meine einzige Erklärung bisher: Das Lesen soll für mich nicht leicht sein, denn das Leben ist es für Nini und Jameelah ja auch nicht.

„Tigermilch“ zu lesen, war für mich nicht leicht. Das Thema ist nicht einfach, lässt einen auch nach dem Lesen nicht so leicht los und schockiert. Den Schreibstil fand ich anfangs sehr anstrengend, zum Ende hin hatte ich mich daran gewöhnt. Die besprochenen Themen sind sicherlich wichtig und realitätsnah, in ihrer Anhäufung erschienen sie mir aber etwas übertrieben. Insgesamt vergebe ich deswegen gute 6 von 10 Sternen!

stern 6

„Tigermilch“ war 2014 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Tigermilch – Stefanie de Valesco – Hardcover mit SU – 288 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-462-04573-4 – erschienen: August 2013 (KiWi)

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[Rezension] „Die Dienstagsfrauen“ von Monika Peetz

Die DienstagsfrauenInhalt:

Seitdem sie vor fünfzehn Jahren gemeinsam einen Französischkurs gemacht haben, treffen sich Caroline, Judith, Eva, Kiki und Estelle jeden ersten Dienstag im Monat in ihrem Stammlokal, wo sie als die Dienstagsfrauen bekannt sind.

Die fünf könnten unterschiedlicher nicht sein: Caroline ist die erfolgreiche Strafverteidigerin und das heimliche Oberhaupt der Gruppe. Judith hat vor kurzem ihren Mann verloren und ist deswegen immer noch am Boden zerstört. Die ehemalige erfolgreiche Medizinstudentin Eva ist nun Hausfrau und Mutter und ordnet sich und ihr Leben ganz der Familie unter. Kiki ist die jüngste in der Truppe: ewig auf der Suche nach dem perfekten Mann und dem perfekten Entwurf, denn Kiki ist Designerin. Estelle ist etwa so, wie man schon dem Namen nach vermuten kann: sie hat in eine reiche Apothekerfamilie eingeheiratet, ist verwöhnt und sagt immer was sie denkt. Aber sie lacht nicht nur über die anderen, sondern vor allem auch über sich selbst.

Jedes Jahr unternehmen die Dienstagsfrauen einen gemeinsamen Kurzurlaub. Dieses Jahr wird dieser – gegen den ausdrücklichen Wunsch der luxusverwöhnten Estelle – spontan auf den Jakobsweg verlegt, auf dem Judith die letzten Routen ihres verstorbenen Mannes nachempfinden und vollenden möchte. Auf dieser Reise lernen die Frauen Seiten an ihren Freundinnen und vor allem an sich selbst kennen, von denen sie bisher nichts geahnt hatten.

Meine Meinung:

Nett, seicht, nichts Neues! Ich denke, sehr viel treffender kann man dieses Buch nicht beschreiben. Cover und Inhalt sprachen schon für einen eher anspruchslosen Frauenroman, der sich leicht lesen lässt, unterhält, aber nicht viel bewegt. Und genau so war es auch. Die Geschichte der fünf Frauen plätschert so dahin. Es werden jede Menge Klischees erfüllt, die Handlung ist zu großen Teilen vorhersehbar. Für jede Leserin (ich denke, es wird wenig männliche Leser geben) ist eine passende Identifikationsfigur vorhanden. Man nehme sich, welche man mag. Das alles ist ja schön und gut. Das Buch hält, was es verspricht und wem so was nicht gefällt, der muss es ja auch nicht lesen.

Der Schreibstil allerdings gefiel mir nicht wirklich. Die Sätze wirkten auf mich häufig künstlich verdreht und in sich nicht stimmig. Woran genau das lag, kann ich schwer benennen. Vielleicht ist die Erklärung darin zu sehen, dass die Autorin eigentlich sonst nur Drehbücher schreibt. Dieses ist ihr erster Roman.

Ich will das Buch gar nicht unbedingt schlecht reden. Ich denke, dass es vielen Frauen gefällt. Auch ich mochte die Dienstagsfrauen und ihre typischen Eigenheiten, aber vom Hocker gehauen hat mich das Buch absolut nicht. 5 von 10 möglichen Sternen.

stern 5

[Rezension] „Immer wieder Gandhi“ von Vikas Swarup

Immer wieder GandhiInhalt:

Vikas Swarup ist vor allem durch sein Buch „Rupien, Rupien“ bekannt, das unter dem Titel „Slumdog Millionaire“ verfilmt wurde. Auch „Immer wieder Gandhi“ spielt in Indien. Am Anfang des Buches erfährt der Leser, dass der Sohn eines Politikers, der ein Monat zuvor zu Unrecht von einem Gericht des Mordes freigesprochen wurde, auf seiner Gartenparty erschossen wurde. Die Polizei nimmt daraufhin alle Gäste fest, die eine Pistole bei sich trugen. So ergeben sich insgesamt sechs Verdächtige, die unterschiedlicher nicht sein könnten: der Vater des ermordeten Vicky, ein besessener Politiker im Ruhestand, Indiens bekannteste Schauspielerin, ein etwas schlicht gestrickter Amerikaner, ein Handydieb und ein Stammesangehöriger.

Meine Meinung:

Eine befreundete Buchhändlerin empfahl mir dieses Buch als die Entdeckung des Frühjahrs 2010. Mitten im Sommer war es dann endlich soweit: auch ich hatte das Buch zuhause liegen und endlich Zeit für diesen 600-Seiten-Krimi.

Innerhalb relativ kurzer Zeit hatte ich das Buch durch. Dadurch dass am Anfang kurz die Vorgeschichten der einzelnen Verdächtigen dargestellt werden, war bei mir die Neugier auf ihre Geschichten und Motive geweckt. Die Geschichten eines jeden Verdächtigen werden in unterschiedlichen Schreibstilen und Perspektiven erzählt. So gibt es Tagebucheinträge, Ich-Erzählungen oder Kapitel, die nur aus wörtlicher Rede – nämlich Telefongesprächen – bestehen. Insbesondere letztgenannte zu lesen, fiel mir schwer. Andere wiederum hatte ich im Nu durch.

Ingesamt gefiel mir die Grundidee, nämlich die Geschichten von sechs Verdächtigen, die doch mehr oder weniger miteinander zusammenhängen, sehr gut. Der Schluss allerdings hat mich etwas enttäuscht, da er die Krimileserin in mir nicht ganz befriedigt hat. Mehr kann ich dazu, ohne zu viel zu verraten, hier nicht sagen.

Leider prägt der Schluss meine gesamte Bewertung immer sehr, so dass ich diesem Buch nur 6 von 10 Sternen geben kann.

stern 6

[Rezension] „Scherbenpark“ von Alina Bronsky

ScherbenparkInhalt:

Sascha wohnt mit ihrer beiden kleinen Geschwistern und einer fernen Verwandten in einem Viertel voller russischer Einwanderer nahe Frankfurt. Sascha ist die einzige dort, die gut deutsch spricht und eine bessere Schule besucht. Und sie ist auch die einzige dort, die noch Träume hat.

„Manchmal denke ich, ich bin die Einzige in unserem Viertel, die noch vernünftige Träume hat. Ich habe zwei, und für keinen brauche ich mich zu schämen. Ich will Vadim töten. Und ich will ein Buch über meine Mutter schreiben.“ (S. 7)

Saschas Mutters ist tot. Und Vadim ist der Mörder.

Mitten in Saschas Planungen, wie sie Vadim am besten töten kann, lernt sie den Journalisten Volker und seinen Sohn Felix kennen. Die sonst so kühle und gefühlskalte Sascha muss erkennen, dass auch sie sich einen Retter in der Not wünscht.

Meine Meinung:

Es sei gleich vorweg gesagt: Dieses Buch zu bewerten fällt mir sehr, sehr schwer. Die Geschichte an sich ist interessant und mitreißend. Allerdings ist mir die Handlung teilweise etwas zu zufällig und zu konstruiert. Auch die Handlungen von Sascha kann ich nicht immer nachvollziehen. Dies kann allerdings auch Absicht der Autorin sein, die mit Sascha eine Hauptfigur kreiert hat, die beeindruckt. Gezeichnet durch das Schicksal versucht sie auf ihrem Weg, einem Weg der kaum Blick für die Mitmenschen übrig hat, sich durchs Leben zu schlagen. Dadurch handelt sie auch nicht immer so rational wie ich es vielleicht erwartet hätte.

Sehr gut gefallen hat mir hingegen die Sprache und der Stil des Buches. Durch die Ich-Perspektive befindet sich der Leser mittendrin und muss/kann die Geschichte mit Sascha gemeinsam erleben. Er wird förmlich mitgerissen und bekommt auch keine Pause eingeräumt. Dies wird auch noch dadurch verstärkt, dass es in diesem Buch keine einzelnen Kapitel und nur wenige größere Absätze gibt. Der Leser hat keine Zeit zum Luftholen und muss sich der fiktiven Realität im Scherbenpark genauso stellen wie Sascha auch.

Das Buch bekommt von mir 8 von 10 Sternen. Der Abzug ist für die oben schon angedeutete Überzufälligkeit der Ereignisse.

stern 8