[Rezension] „Winger“ von Andrew Smith

9783551560278Ryan Dean West ist klug. So klug, dass er zwei Schuljahre überspringen konnte und nun jünger ist als alle seine Klassenkameraden. Das ist nicht gerade hilfreich, wenn man unsterblich verliebt ist, denn Annie, seine beste Freundin, sieht in Ryan Dean scheinbar nur für einen kleinen, süßen Jungen. Außerdem macht die Tatsache, dass er jünger und kleiner ist als alle aus seinem Jahrgang, es Winger – wie er aufgrund seiner Position im Rugby-Team genannt wird – auch nicht leichter, sich gegen seine Mitschüler durchzusetzen. Und einige von ihnen scheinen es ganz schön auf Winger abzugesehen zu haben.

Freundschaft, Liebe, Sex – Darum dreht es sich nicht nur in Ryan Deans Leben, sondern auch in diesem Buch. Sein Leben ist mal alltäglich, mal spektakulär. Mal läuft alles ganz wunderbar und dann steckt er wieder mittendrin in der Patsche.

Diese Höhen und Tiefen gibt es vermutlich in dem Leben eines jeden Jugendlichen. Man muss lernen, sich zu behaupten. Man verliebt sich und wird enttäuscht. Man muss herausfinden, wer seine wahren Freunde sind.

„Winger“ kommt mitten aus dem Leben. Und genauso ist es geschrieben. Die Sprache ist unmittelbar, eindringlich und manchmal ungewohnt derb. Voller Schimpfwörter, obwohl Ryan Dean im wahren Leben eigentlich nicht flucht. Das tut er nur, wenn er seine Geschichte aufschreibt. Und ich liebe es. 10 von 10 Sternen – mal wieder ein echtes Highlight!

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Winger – Andrew Smith – Hardcover – 464 Seiten – 19,99 € –  978-3-551-56027-8 – erschienen: September 2016 (Königskinder) – Übersetzung: Hans-Ullrich Möhring

 

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„Der Vorhang fällt“ – Die Königskinder verabschieden sich im Frühjahr 2018

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Letzten Freitag ging eine Meldung durch die Buchbloggerszene, die mich wirklich traurig gemacht hat: Das Carlsen-Imprint „Königskinder“ wird im Frühjahr 2018 seine letzte Verlagsvorschau veröffentlichen. Danach ist Schluss. (Quelle)

„Der positiven Wahrnehmung, der Unterstützung vieler wichtiger Wegbegleiter, der Anerkennung für ein ungewöhnliches und innovatives Projekt steht leider die fehlende Resonanz aus dem Markt gegenüber. Angesichts der Verkaufszahlen ist eine Fortsetzung der Programmarbeit nach dem Frühjahr 2018 nicht mehr zu verantworten“. (Herre, verlegerische Geschäftsführerin des Carlsen Verlags, Quelle)

Wirklich sehr schade, denn für mich hat sich der Verlag durch spannende Geschichten, oftmals abseits des Mainstreams, und durch eine toller und vor allem besondere Gestaltung ihrer Bücher positiv von anderen Verlagen abgehoben.

Bisher haben mich besonders „Wörter auf Papier“, „Milchmädchen“, „Jane & Miss Tennyson“ und „Winger“ begeistern können, aber ich bin mir sicher, dass auch noch weitere Titel ihren Weg in mein Regal finden werden. Jetzt erst recht – da bin ich ja etwas trotzig!

Bisher erschienene Titel aus dem Königskinder Verlag

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[Eine Woche mit den Königskindern] „Wörter auf Papier“ von Vince Vawter

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Inhalt:

„Mam ist mein allerbester Freund auf der Welt, außer wenn es ums Baseballspielen geht, dann ist es Rat. Sein richtiger Name ist Art.“ (S. 10)

Es sind Sommerferien und Victor hat seinem besten Freund Rat versprochen, vier Wochen lang für ihn die Zeitungen auszutragen. Rat heißt eigentlich Art, aber das auszusprechen, ist für Victor zu schwer. Denn Victor hat ein großes Problem: Er stottert.

Freitags muss Victor auf seiner Zeitungsroute immer das Geld der Abonnenten kassieren. Für ihn eine furchtbare Vorstellung, denn dann muss er mit vollkommen Fremden sprechen. Die vier Wochen, die vor Victor liegen, stellen ihn also vor ganz neue Herausforderungen. Und vielleicht gerade deswegen werden sie sein Leben verändern.

Meine Meinung:

Herzerwärmend! Ja, so ist dieses Buch. Und dass trotz (oder gerade wegen?) des ernsten Themas und der vielen weniger schöner Dinge, die in diesem Buch passieren.

Woran das liegt? Ich glaube, dieses Buch ist so herzerwärmend, weil es so tolle Charaktere hat wie zum Beispiel Victors Vater, der sich nach einem langen Arbeitstag trotzdem immer die Zeit nimmt, um mit seinem Sohn ein paar Bälle zu werfen, oder Mam, die farbige Hausangestellte von Victors Familie, die für ihn viel mehr ist als das. Aber vor allem hat Mr. Spiro mein Herz berührt. Er ist so herrlich liebenswert und schrullig zugleich, so verständnisvoll und weise.

„Ich wusste, die Leute meinten es nicht böse. […] Aber noch nie hatte irgendein Erwachsener außer Mam und meine Sprachlehrerin mit mir über mein Stottern geredet. Es war, als würde ich mit einem dressierten Affen auf dem Kopf einen Raum betreten und alle täten so, als wäre der Affe nicht da. Mr Spiro kannte ich kaum und doch saßen wir auf seiner Veranda und unterhielten uns über mein Stottern.“ (S. 83)

Diese wundervolle Geschichte wird genau dann noch ein kleines Stückchen wundervoller, wenn man weiß, dass sie zu einem Großteil autobiografisch ist. Vince Vawter selbst ist bis zum heutigen Tag Stotterer. In einem Nachwort schreibt er:

„’Wörter auf Papier‘ ist meine Geschichte, sicher mehr Autobiografie als Fiktion. Während der Protagonist also mit einem schier übermächtigem Sprachproblem kämpft, lernt er auch, dass es im Leben noch viel mehr als Stottern gibt.“ (S. 286)

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen, dass „Wörter auf Papier“ ein wirklich tolles Buch ist, das ich uneingeschränkt empfehlen kann: Verbringt gemeinsam mit Victor vier heiße, aufregende und bewegende Wochen, begleitet ihn beim Austragen der Zeitungen und lernt tolle Figuren wie Mam und Mr. Spiro kennen! 9 von 10 Sternen!

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Caroline und ich haben uns ausführlich über das Buch ausgetauscht. Am Freitag könnt ihr dann hier unser kleines Gespräch über das Buch nachlesen. Wir freuen uns sehr, wenn ihr ein wenig mitdiskutiert.

Wörter auf Papier – Vince Vawter – Hardcover mit SU – 288 Seiten – 16,90 € – ISBN: 978-3-551-56001-8 – erschienen: Oktober 2014 (Königskinder) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

[Eine Woche mit den Königskindern] Der Königskinder Verlag – Interview mit dem Lektorat

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In einer Themenwoche zum Königskinder Verlag wollen Caroline und ich euch das Imprint an sich, aber vor allem das Buch „Wörter auf Papier“ von Vince Vawter näher vorstellen.

Der Königskinder Verlag ist spätestens seit dem Herbst letzten Jahres so ziemlich jedem Leser von tollen Jugendbüchern ein Begriff. Als Imprint des Carlsen Verlags veröffentlichte der Verlag bisher sieben Jugendbücher, unter anderem von namenhaften Autoren wie Andreas Steinhöfel, aber auch tolle Debüts wie beispielsweise das von Vince Vawter.

Bereits erschienene Titel

Bereits erschienene Titel aus dem Königskinder Verlag

Im April werden die nächsten fünf Bücher des Verlags erscheinen. Es wird also dringend Zeit, sich dieses Imprint genauer anzusehen. Einen kleinen Eindruck gibt uns netterweise Frau Kopper, die Lektorin des Verlags:

Liebe Frau Kopper, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein kleines Interview nehmen, um uns das neue Imprint des Carlsen Verlags etwas näher zu bringen!
Wie können wir uns den Königskinder Verlag denn vorstellen? Wie viele Personen arbeiten beispielsweise dort und wie kam es zu dem besonderen Namen?

Kerstin Kopper: Vielen Dank für das Interesse!
Vor etwas mehr als einem Jahr wurde unter dem Dach des Carlsen Verlags dieses Imprint, sozusagen ein „Verlag im Verlag“ gegründet. Wir arbeiten in einem sehr kleinen Team: Die ganze Woche hier sind nur die Verlegerin, Barbara König (daher kommt übrigens auch der Verlagsname), und ich. Aber wir werden unterstützt von einer Herstellerin, einer Grafikerin und einer Assistentin.

Die Buchcover des aktuellen Verlagsprogramms sind alle einheitlich in schlichten und vor allem in wenigen Farben gehalten. Wer hat sich dieses Konzept überlegt? Wird es auch bei den weiteren Büchern, die im Königskinder Verlag erscheinen, so fortgeführt?

Kerstin Kopper: Barbara Königs Idee, dass unser erstes Programm schwarz-weiß-gold sein sollte, entstand bei einem der ersten Königskinder-Treffen überhaupt. Da saßen wir zu viert zusammen: die Grafikerin, die Herstellerin, die Verlegerin und ich. Es ging uns um einen geschlossenen Auftritt, alle Bücher sollen unter einer ästhetischen Klammer erscheinen. Die wird nicht immer gleich sein – im nächsten Programm zum Beispiel wird es sehr bunt! Und im übernächsten gibt es dann wieder eine neue Überraschung.

Titel im April 2015

Die Neuerscheinungen des Verlags für April 2015

Und nun konkret zu dem Buch, um das es sich bei unseren Königskinder-Tagen vor allem dreht: Warum wollten Sie „Wörter auf Papier“ auf jeden Fall im Königskinder Verlagsprogramm dabei haben?

Kerstin Kopper: Das Buch ist so ein typisches Königskinder-Buch, das auf vielen Ebenen funktioniert und die unterschiedlichsten Leser anspricht. Es ist ja stark autobiographisch (und historisch – es spielt in den 50-ern), was v.a. die älteren Leser interessieren dürfte. Jüngere Leser wird eher die spannende Geschichte von Victor selbst fesseln und die Frage, ob und wie er die Herausforderung meistert.
Darüber hinaus ist es natürlich auch literarisch überzeugend und hervorragend erzählt. Eine tolle Geschichte über einen bewundernswerten Jungen, der sich nicht unterkriegen lässt.

Am Mittwoch geht es dann hier und auf Carolines Blog weiter mit unseren Rezensionen zu „Wörter auf Papier“.