[Blick ins Regal] Krimis und Thriller

Vor einer Woche konntet ihr in diesem Beitrag meine komplette Regalwand angucken und vor allem einen genaueren Blick auf die noch zu rezensierenden Bücher und meine recht kleine Belletristik-Sammlung werfen.

Heute gibt es dann das nächste kleine Regal und auch in diesem Genre habe ich ziemlich viel aussortiert. Außerdem sind einige der Bücher, die hier stehen müssten, gerade verliehen.

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Krimis & Thriller I

Krimis & Thriller II

Krimis & Thriller II

Mir fällt gerade auf, dass das Buch von Hjorth & Rosenfeldt dort nicht ganz richtig eingeordnet ist. Das muss ich gleich mal umstellen.

Von Jeffery Deaver hatte ich eigentlich viel mehr Bücher, die ich aber alle bis auf „Die Menschenleserin“ aussortiert habe. Dann hatte ich vorher noch seeehr viel von Andreas Franz, aber auch die habe ich allesamt verschenkt. Wenn ich das Regal noch weiter reduzieren müsste, würden bestimmt vor allem die Bücher von Ursula Poznanski, Michael Quandt, Kristina Ohlsson, Stieg Larsson und Hjort & Rosenfeldt im Regal bleiben.

Beim nächsten Mal gibt es etwas mehr zu sehen, da kommen wir nämlich zu den Jugendbüchern – dem Genre, das am meisten Platz in meinen Regalen einnimmt. 🙂

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[Rezension] „Sterntaler“ von Kristina Ohlsson

SterntalerReiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. -dt. Titel noch unbekannt-

Klappentext:

Seit vielen Jahren hat die einst gefeierte Kinderbuchautorin Thea Aldrin mit niemandem mehr gesprochen. Doch jeden Samstag schickt ihr ein Fremder einen Strauß Blumen und eine Karte, auf der ein einziges Wort steht: Danke. Dann besucht eine Studentin sie im Pflegeheim – und verschwindet kurz danach spurlos. Zwei Jahre später wird die Leiche der jungen Frau in einem Waldstück in Midsommarkransen gefunden. Daneben: eine weitere Leiche, die schon deutlich länger tief in der Erde liegt. Und schließlich: eine dritte. Welches Geheimnis verschweigt die stumme Autorin? (Quelle)

Meine Meinung:

Seit ich vor zweieinhalb Jahren das erste Buch dieser Reihe gelesen habe, freue ich mich immer auf die Winterzeit. Denn etwa dann erscheint im jährlichen Rhythmus ein neuer Band der Krimireihe um das Ermittlerteam von Fredrika Bergmann, Alex Recht und Peter Rydh . Im letzten Jahr habe ich das Erscheinen irgendwie verpasst und mich dann im Frühjahr sehr gefreut, denn ich hatte ja schließlich noch ein ungelesenes Buch vor mir. Juhu!

Ich bin eigentlich längst aus dem Krimi- und Thrillerfieber raus, aber die Bücher von Ohlsson stellen genauso wie die des auch aus Schweden stammende Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt eine Ausnahme dar. Sie bieten für mich die perfekte Mischung aus einem interessanten Fall und dem Privatleben der Ermittler.

Bei dieser Reihe finde ich es besonders gelungen, dass die drei Hauptermittler von Buch zu Buch eine Entwicklung durchmachen. Sie bleiben sich treu, aber treten dabei nicht auf der Stelle. Es ist wirklich so, als würde man alten Bekannten begegnen, die man länger nicht gesehen hat: Man erkennt sich wieder, fühlt sich wohl und ist gespannt, was im Leben des Gegenübers passiert ist.

Ein kleines Manko in diesem Buch war für mich die Tatsache, dass die Vermischung vom Privatleben und dem Fall etwas sehr extrem und für mich nicht unbedingt glaubwürdig war.
Dies wurde aber definitiv dadurch ausgeglichen, dass die Autorin auf eine geniale Idee in der Erzählstruktur gekommen ist: Die eigentliche Handlung und die Aufdeckung des Falls wurden linear erzählt – unterbrochen allerdings durch kurze Befragungen der obigen Ermittler durch eine Art Untersuchungsausschuss. Man weiß als Leser also von Anfang an, dass bei den Ermittlungen etwas gewaltig schief gelaufen ist. Außerdem erfährt man Stück für Stück schon einige prägnante Details, die neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte machen. Ein wirklich genialer Schachzug!

„Sterntaler“ weiß durch Altbewährtes wie einem interessanten Ermittlerteam und der fesselnden Schreibweise der Autorin zu begeistern. Außerdem ist Kristina Ohlsson in Bezug auf die Erzählstruktur der Geschichte ein Geniestreich gelungen. Ich freue mich sehr auf den vierten Band dieser Reihe und vergebe 9 von 10 Sterne!

stern 9

Sterntaler – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 544 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-8090-2617-4 – erschienen: Oktober 2013

[Rezension] „Der Mann, der kein Mörder war“ von Hjorth & Rosenfeldt

Der Mann, der kein Mörder warReiheninfo:

  1. „Der Mann, der kein Mörder war“
  2. „Die Frauen, die er kannte“
  3. „Die Toten, die niemand vermisst“

Klappentext:

In einem Waldstück bei Västerås entdecken Kinder die Leiche eines Jungen –brutal ermordet, mit herausgerissenem Herzen. Der Tote ist schnell identifiziert: Roger war Schüler eines Elitegymnasiums und seit Tagen vermisst.

Die Polizei vor Ort ist überfordert, und so reist der Stockholmer Kommissar Höglund mit seinem Team in die Provinz. Dort trifft er überraschend einen alten Bekannten: Sebastian Bergman, ein brillanter Kriminalpsychologe und berüchtigter Kotzbrocken. Seit Bergman Frau und Tochter bei einem Unglück verlor, hat man kaum noch von ihm gehört. Nun bietet er Höglund seine Hilfe an. Das Team zeigt sich wenig begeistert. Doch schon bald ist der hochintelligente Bergman unverzichtbar. Denn in dem kleinen Städtchen Västerås gibt es mehr als eine zerstörte Seele … (Quelle)

Meine Meinung:

Eigentlich lese ich im Moment gar keine Krimis oder Thriller. Doch als ich neulich im Buchladen stand und dort eine Frau nach einem Krimi fragte, der so ähnlich sei wie die von Stieg Larsson, wurde ich doch hellhörig und kaufte schließlich das gleiche Buch: „Der Mann, der kein Mörder war“ – eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe.

„Der Mann, der kein Mörder war“ ist eines dieser Bücher, das mich gepackt und bis zum Schluss nicht wieder losgelassen hat, ohne dass ich genau sagen könnte, warum.

Einmal angefangen konnte ich einfach nicht wieder aufhören.

Das Autorenduo Hjorth und Rosenfeldt hat also alles richtig gemacht: ein interessanter Fall, spannende Ermittler und ein toller Schreibstil tragen zum Lesevergnügen bei. Einzig und allein eine Kleinigkeit am Schluss war mir zu überzufällig, aber ich kann sehr gut damit leben und bin gespannt, wie in den nächsten Bänden damit umgegangen wird.

Kurz und knapp: Wo ist die Fortsetzung? 8 von 10 Sternen!

stern 8

Der Mann, der kein Mörder war – Hjorth & Rosenfeldt – Taschenbuch – 624 Seiten – 9,99 € – ISBN 978-3-499-25670-7 – erschienen: Januar 2013 (Rowohlt)

[Rezension] „Tausendschön“ von Kristina Ohlsson

TausendschönReiheninfo:

  1. “Aschenputtel”
  2. “Tausendschön”
  3. “Sterntaler” 
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

In einer Wohnung in Stockholm werden ein Pfarrer und seine Frau tot aufgefunden. Im Fall eines überfahrenen Einwanderers ermittelt die Polizei wegen Fahrerflucht. Und dann gibt es noch eine Drogentote, die Tochter des verstorbenen Ehepaars.

Ob all diese Fälle und eine Vergewaltigung vor vielen Jahren tatsächlich zusammenhängen?

Meine Meinung:

Schon von „Aschenputtel“ war ich letztes Jahr sehr begeistert. Ohlsson hat eine Art, Thriller zu schreiben, die mich sehr fesselt. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, dass die schwedische Autorin ihr Ermittlerteam um Alex Recht, Peder und Fredrika weiterarbeiten lässt. Um es schon vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.

„Die Wolken am Himmel sahen aus, als würden sie Fangen spielen. Um sie herum schien alles seinen unveränderten Weg zu gehen, während ihre eigene Welt soeben auf ewig in Scheiben geschlagen worden war. Sie blieb auf der Wiese liegen, bis man sie vermisste und sie suchen ging. Und als man sie endlich fand, war sie bereits eine andere geworden.“ (S. 11)

Schon der Prolog, der übrigens wieder gänsehauterweckend ist, hat mich gefesselt. Und diese Spannung und das Gefühl, unbedingt weiter lesen zu müssen, ließ mich auch bis zum Schluss nicht los. In „Tausendschön“ geht es nicht nur um einige Todesfälle, sondern vor allem auch um das Thema der illegalen Einwanderungen und Flüchtlinge aus dem nahen Osten. Kristina Ohlsson war selber im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium tätig und ich habe das Gefühl, man merkt ihr an, dass das ihr dieses Thema wichtig ist.

Es gibt einige Handlungsstränge, neben dem Beruflichen geht es auch wieder um das Privatleben der Ermittler, so dass mir wirklich nie langweilig wurde. Immer wieder habe ich selber versucht, den Fall zu lösen und durch geschickte Andeutungen meint man, den Figuren auch manchmal ein Stück voraus zu sein. Doch spannend blieb es für mich bis zum Ende.

„Tausendschön“ ist ein Buch, das mir mal wieder deutlich macht, warum ich vor einigen Jahren so viele Thriller gelesen habe. Es hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht wieder losgelassen. Dass es nebenher auch noch um ein hochinteressantes Thema geht, war das Tüpfelchen auf dem I. Ich möchte behaupten – aber das auch nur ganz vorsichtig -, dass dieses Buch von Ohlsson eine gewisse Ähnlichkeit mit der Millenium-Trilogie von Larsson hat. Und das ist aus meinem Mund ein hohes Lob. Ich vergebe gerne 9 von 10 Sterne.

stern 9

Tausendschön – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 19,95 € – ISBN-13: 978-3809025924 – erschienen: September 2012 (Limes)

„Vango – Zwischen Himmel und Erde“ von Timothée de Fombelle

VangoReiheninfo:

  1. „Vango – Zwischen Himmel und Erde“
  2. „Vango – Prinz ohne Königreich“

Klappentext:

Paris, 1934. Zusammen mit vierzig anderen weiß gekleideten Männern wartet Vango, 19 Jahre, ausgestreckt auf den Pflastersteinen vor Notre-Dame auf seine Priesterweihe. Doch dazu kommt es nicht. Vango muss fliehen. Mord wird ihm vorgeworfen. Eine waghalsige Verfolgungsjagd beginnt, die Vango über die Dächer von Paris bis an den Bodensee und an Bord eines Zeppelins nach Sizilien führt, weiter auf die äolischen Inseln seiner Kindheit und schließlich nach Schottland zu seiner großen Liebe, der geheimnisvollen Ethel. Immer auf der Flucht und getrieben von der Frage: Wer bin ich? Denn Vangos Herkunft ist auch ihm selbst ein Rätsel … und scheint doch der Schlüssel, um dahinterzukommen, wer genau ihm nachsetzt und vor allem warum seine Verfolger so umbarmherzig sind. (Quelle: Gerstenberg Verlag)

Meine Meinung:

Der Klappentext hörte sich für mich nicht wirklich spannend an. Auch dieses Buch habe ich eigentlich nur gelesen, weil es für den DJLP nominiert wurde. Zum Glück wurde es nominiert, denn sonst hätte ich ein wirklich grandioses Buch verpasst.

Schon nach wenigen Seiten war mir klar, dass hinter der Geschichte um Vango viel mehr steckte, als zunächst angenommen. Der Autor hat die wunderbare Fähigkeit, mit wenigen Worten unendlich viel auszudrücken. Er kreiert eindringliche Personen- und Situationsbeschreibungen und damit eine unheimlich einnehmende Atmosphäre.

Obwohl die Geschichte in vielen kleinen Zeitsprüngen geschildert wird, ist das Einordnen der einzelnen Kapitel nie schwer. Sie sind alle immer mit Jahreszahlen überschrieben und auch ohne diese, findet man als Leser leicht die richtige Zeit und den richtigen Zusammenhang. Die Zeitsprünge haben mich also gar nicht gestört. Im Gegenteil: Sie tragen nur zur Spannung und zu dem Gefühl bei, einzelne Puzzle-Teile zusammenzusetzen.

Was mich an dem Buch am meisten fasziniert hat, ist die Tatsache, dass es sich so gar nicht in eine der typischen Genre-Schubladen stecken lässt. Es ist gleichzeitig Roman und Jugendbuch, Kriegsgeschichte und Abenteuerroman, Krimi und Liebesgeschichte. Und eigentlich noch vieles mehr! Und so habe ich Seite um Seite mit Vango mitgefiebert, war mit ihm gemeinsam auf der Suche nach der Vergangenheit und dem Grund für seine Verfolgung.

Ich bin vollauf begeistert von diesem tollen, vielschichtigen Buch und kann nur jedem raten, es auch zu lesen. Denn so komplex wie es ist, spricht es sicherlich eine große Bandbreite an Lesern an. Ich freue mich auf den zweiten und finalen Band „Vango – Prinz ohne Königreich“ und auf die „Tobie Lolness“-Reihe, die ich schon oft gesehen, aber bisher nicht diesem Autor zugeordnet habe. 9 von 10 Sternen.

stern 9

Dieses Buch wurde 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Vango – Zwischen Himmel und Erde – Timothée de Fombelle – Hardcover – 400 Seiten – 16,95 € – ISBN-13: 978-3836953658 – erschienen: März 2012 (Gerstenberg) – Altersempfehlung: ab 12 Jahre

[Rezension] „Aschenputtel“ von Kristina Ohlsson

AschenputtelReiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

Eigentlich wollte die junge Mutter, während der Zug unerwartet am Bahnhof warten muss, nur kurz auf dem Gleis ein Telefonat führen. Früher als angegeben geht die Fahrt dann doch weiter, allerdings ohne Sara. Als der Zug im Zielbahnhof ankommt, ist die kleine Tochter von Sara spurlos verschwunden.

„’Lillian, zieh deine Schuhe aus, wenn du mit den Füßen auf den Sitz willst’, hörte er die Frau zu dem Kind sagen, als er sich umdrehte, um die Fahrtkarte des nächsten Reisenden abzustempeln. Als er ihnen danach noch einen Blick zuwarf, hatte das Kind die kleinen Sandalen bereits abgeschüttelt und die Beine unter sich gezogen. Die Sandalen würden dort noch liegen, als das Mädchen schon verschwunden war.“ (S. 18)

Das dreiköpfige Ermittlerteam um Alex Recht ist sich in seinen Ermittlungen uneinig: Alex und Peder verfolgen Spuren, die sich mit dem gewalttätigen Vater des Kindes beschäftigen. Einzig Frederika ist der Meinung, dass man andere Hinweise nicht außer acht lassen sollte.

Doch dann passiert etwas, das die Ermittler zur Eile zwingt…

Meine Meinung:

Dieses Buch lag etwas länger als nötig auf meinem SUB. Irgendwie hatte ich nicht die höchsten Erwartungen an das Debüt der schwedischen Jungautorin. Meine Erfahrung hat bisher gezeigt, dass Thriller aus skandinavischen Ländern mehr in Richtung Krimi gehen und damit meinen Geschmack oft nicht ganz treffen.

Doch schon die ersten Seiten des Buches zeigten mir, dass ich mit meiner Einschätzung falsch gelegen habe. Der Epilog aus Sicht des Täters macht direkt neugierig, erzeugt eine ungemeine Spannung und erweckte in mir die beliebte Faszination des Ekels.

„Er lag im Dunkeln, lächelte und betrachtete die neue Puppe, die er sich ausgesucht hatte. […] Vorsichtig strich er ihr über den Rücken. Aus Versehen – oder vielleicht auch weil der die Verletzungen, die er ihr zugefügt hatte, wirklich nicht sah – strich er über einen der ganz frischen Blutergüsse. Wie ein dunkler, kleiner See lag er auf ihrem Schulterblatt. Sie wachte mit einem Ruck auf und drehte sich zu ihm um. Ihre Augen glänzten vor Angst. Sie wusste nie, was sie erwartete, wenn die Dunkelheit kam.“ (S. 13)

Besonders interessant wird dieses Buch durch die Figurenkonstellation: Alex und Peder sind erfahrene, intuitiv handelnde Ermittler. Frederika ist die Neue. Sie verlässt sich weniger auf ihr Bauchgefühl, sondern geht akribisch jedem Hinweis nach. Alex und Peder finden, dass sie nicht für die Polizeiarbeit geeignet ist, und zeigen ihr dies auch mehr oder weniger deutlich. Insbesondere Peder steht in einem ständigen Konkurrenzkampf mit ihr, denn er buhlt um die Anerkennung seines Chefs.

Und obwohl meine Sympathien eindeutig auf Frederika liegen, sind mir die beiden anderen Ermittler, die übrigens auch eine interessante Entwicklung durchmachen, nicht unsympathisch.

Ingesamt sind die Charaktere so konzipiert, dass dem Leser viele persönliche Hintergründe geboten werden und Stoff für weitere Bände vorliegt. Ein kurzer Blick ins Internet bestätigt meine Hoffnung: Im Schwedischen gibt es bereits drei weitere Bände um Frederika Bergmann und Alex Recht. Man kann nur auf eine schnelle deutsche Übersetzung hoffen. (Für alle, die hierbei zusammenzucken: Man kann „Aschenputtel“ wunderbar als abgeschlossenen Einzelband lesen.)

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, hat mich erstaunlich wenig gestört: Mir war schon sehr früh klar, worauf die Geschichte hinauslaufen würde. Den Ermittlern war ich leider meilenweit voraus. Ein bisschen mehr Spannung bezüglich der Auflösung des entsprechenden Falls wäre schön gewesen.

Ich bin von „Aschenputtel“ und Kristina Ohlsson absolut positiv überrascht worden: ein schwedischer Thriller, der sich nicht vor seinen amerikanischen Kollegen verstecken muss. Durch den fesselnden Schreibstil und interessante Charaktere weiß das Buch zu überzeugen. Einzig wegen der zu großen Vorhersehbarkeit ziehe ich zwei Sterne ab und vergebe so 8 von 10 Sternen.

stern 8

Aschenputtel – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3809025917 – erschienen: Oktober 2011 (Limes)

[Rezension] „Déjà Dead“ von Kathy Reichs

Deja DeadReiheninfo:

  1. „Déjà Dead“ (dt.: „Tote lügen nicht“)
  2. „Death du Jour“ (dt.: „Knochenarbeit“)
  3. „Deadly Décisions“ (dt.: „Lasst Knochen sprechen“)
  4. „Fatal Voyage“ (dt.: „Durch Mark und Bein“)
  5. „Grave Secrets“ (dt.: „Knochenlese“)
  6. „Bare Bones“ (dt.: „Mit Haut und Haar)
  7. „Monday Mourning“ (dt.: „Totenmontag“)
  8. „Cross Bones“ (dt.: „Totgeglaubte leben länger“)
  9. „Break No Bones“ (dt.: „Hals über Kopf“)
  10. „Bones to Ashes“ (dt.: „Knochen zu Asche“)
  11. „Devil Bones“ (dt.: „Der Tod kommt wie gerufen“)
  12. „206 Bones“ (dt.: „Das Grab ist erst der Anfang“)
  13. „Spider Bones“ (dt.: „Blut vergisst nicht“)
  14. „Flash and Bones“ (dt.: „Fahr zur Hölle“)
  15. „Bones are Forever“ (dt.: „Knochenjagd“)
  16. „Bones of the lost“ (dt.: „Totengeld“)

 

Inhalt:

Als die Pathologin Tempe Brennan eine Frauenleiche obduzieren muss, meint sie eine Verbindung zu früheren, bisher ungeklärten Morden zu sehen. Doch keiner glaubt ihr. Tempe beschließt auf eigene Faust zu ermitteln und bringt damit nicht nur sich selbst in große Gefahr.

Meine Meinung:

Nachdem ich vor einigen Monaten den ersten Teil der Jugendthrillerreihe von Kathy Reichs gelesen habe, habe ich nun den ersten Band der Krimi-Reihe um die Pathologin Temperance Brennan gelesen, die Inspiration für die bekannte Fernsehserie „Bones“ ist.

Hauptfigur und Ich-Erzählerin ist die kongeniale Pathologin Tempe, die nicht nur auf ihrem Fachgebiet glänzt, sondern in diesem Buch auch entscheidende ermittlerische Fähigkeiten beweist. Vielleicht wird hier schon deutlich, dass es mich ein bisschen gestört hat, wie gut Tempe in fast allem ist. Dazu kommt, dass sämtliche Detectives, die tatsächlich als Ermittler in den oben genannten Fällen arbeiten, die simpelsten Zusammenhänge nicht sehen können oder nicht sehen wollen. Doch dann kommt Tempe, kann alles, weiß alles und bekommt alles heraus.

Auf der anderen Seite stellt sich die Pathologin an vielen Stellen unglaublich doof an und bringt damit sich in große Gefahr. Man kennt dieses Phänomen auch aus anderen Thrillern oder Filmen. Man merkt, die Hauptperson macht einen entscheidenden Fehler und möchte sie unbedingt schütteln und zur Vernunft rufen. Doch noch nie war mein Bedürfnis danach so stark wie in diesem Buch.

Ein weiterer Schwachpunkt der Geschichte ist die Langatmigkeit. Insbesondere am Anfang des Buches hatte ich enorme Schwierigkeiten einen Bezug zur Handlung und zu den Personen aufzubauen. Erst ab Seite 100 etwa hatte mich die Story so wirklich gefesselt. Aber auch im weiteren Verlauf des Buches beschreibt die Autorin sämtliche Umgebungen, Untersuchungsmethoden, Straßen und Menschen sehr genau. Teilweise birgt dies wirklich spannende Einblicke in die forensische Arbeit, teilweise haben die Ausschweifungen meinen Lesefluss ziemlich gestört.

Trotz dieser ganzen Kritikpunkte konnte ich ab einer bestimmten Stelle mit dem Lesen nicht mehr aufhören und habe gespannt auf die Auflösung des Ganzen gewartet.

Die Geschichte hat meiner Meinung nach Potenzial für ein wirklich gutes Buch. Schade, dass dies ein wenig durch die mir zu detaillierte Schreibweise der Autorin und der Unglaubwürdigkeit der Handlung (in Bezug auf Tempes Fähigkeiten und den Unfähigkeiten sämtlicher anderer Ermittler) etwas geschmälert wurde. Ich vergebe 6 von 10 Sternen und bin gespannt, wie sich die Reihe weiter entwickelt.

stern 6

[Rezension] „Eine respektable Leiche“ von Peter Robinson

Eine respektable LeicheReiheninfo:

Inspector-Banks-Romane:

  1. “Augen im Dunkeln”
  2. “Eine respektable Leiche”
  3. “Ein unvermeindlicher Mord”
  4. “Verhängnisvolles Schweigen”
  5. “In blindem Zorn”
  6. “Das verschwundene Lächeln”
  7. “Die letzte Rechnung”
  8. “Der unschuldige Engel”
  9. “Das blutige Erbe”
  10. “In einem heißen Sommer”
  11. “Kalt wie das Grab”
  12. “Wenn die Dunkelheit fällt”
  13. “Ein seltener Fall”
  14. “Kein Rauch ohne Feuer”
  15. “Eine seltsame Affäre”
  16. “Im Sommer des Todes”
  17. “Wenn die Dämmerung naht”

Inhalt:

Im zweiten Teil der Inspektor Banks-Reihe wird Harry Steadman ermordet – ein Mann, der anscheinend durch und durch ein guter Mensch war und keine Feinde hat. Banks findet kaum Mordmotive oder Verdächtige. Die einzigen Hinweise und Zusammenhänge scheinen in die Vergangenheit zu weisen.

Doch dann stellt sich heraus, dass die Schülerin Sally bei einem nächtlichen Treffen mit ihrem Freund einen möglichen Hinweis entdeckt haben könnte. Kann Banks den Fall jetzt lösen.

Meine Meinung:

Uff, an diesem Buch habe ich endlos lange gelesen. An keiner einzigen Stelle hat mich die Geschichte gepackt. Ich hab letztendlich nur noch gelesen, um das Buch durchzubekommen. Auch das Ende tat wenig, um mich zu entschädigen.

Nachdem ich den ersten und letzten Teil dieser Reihe gelesen hatte, freute ich mich schon, eine neue Krimireihe für mich entdeckt zu haben. Aber dies wird vorerst mein letztes Buch von Peter Robinson bleiben.

Schade! Nur 1 von 10 möglichen Sternen. 😦

stern 1

[Rezension] „Immer wieder Gandhi“ von Vikas Swarup

Immer wieder GandhiInhalt:

Vikas Swarup ist vor allem durch sein Buch „Rupien, Rupien“ bekannt, das unter dem Titel „Slumdog Millionaire“ verfilmt wurde. Auch „Immer wieder Gandhi“ spielt in Indien. Am Anfang des Buches erfährt der Leser, dass der Sohn eines Politikers, der ein Monat zuvor zu Unrecht von einem Gericht des Mordes freigesprochen wurde, auf seiner Gartenparty erschossen wurde. Die Polizei nimmt daraufhin alle Gäste fest, die eine Pistole bei sich trugen. So ergeben sich insgesamt sechs Verdächtige, die unterschiedlicher nicht sein könnten: der Vater des ermordeten Vicky, ein besessener Politiker im Ruhestand, Indiens bekannteste Schauspielerin, ein etwas schlicht gestrickter Amerikaner, ein Handydieb und ein Stammesangehöriger.

Meine Meinung:

Eine befreundete Buchhändlerin empfahl mir dieses Buch als die Entdeckung des Frühjahrs 2010. Mitten im Sommer war es dann endlich soweit: auch ich hatte das Buch zuhause liegen und endlich Zeit für diesen 600-Seiten-Krimi.

Innerhalb relativ kurzer Zeit hatte ich das Buch durch. Dadurch dass am Anfang kurz die Vorgeschichten der einzelnen Verdächtigen dargestellt werden, war bei mir die Neugier auf ihre Geschichten und Motive geweckt. Die Geschichten eines jeden Verdächtigen werden in unterschiedlichen Schreibstilen und Perspektiven erzählt. So gibt es Tagebucheinträge, Ich-Erzählungen oder Kapitel, die nur aus wörtlicher Rede – nämlich Telefongesprächen – bestehen. Insbesondere letztgenannte zu lesen, fiel mir schwer. Andere wiederum hatte ich im Nu durch.

Ingesamt gefiel mir die Grundidee, nämlich die Geschichten von sechs Verdächtigen, die doch mehr oder weniger miteinander zusammenhängen, sehr gut. Der Schluss allerdings hat mich etwas enttäuscht, da er die Krimileserin in mir nicht ganz befriedigt hat. Mehr kann ich dazu, ohne zu viel zu verraten, hier nicht sagen.

Leider prägt der Schluss meine gesamte Bewertung immer sehr, so dass ich diesem Buch nur 6 von 10 Sternen geben kann.

stern 6

[Rezension] „Miss Lizzie“ von Walter Satterhwait

Miss LizzieInhalt:

„Lizzie Borden mit dem Beile

Hackt Mama in vierzig Teile.

Das Ergebnis freut sie sehr;

Bei Papa wird’s ein Teil mehr.“

Diesen Reim kennt in den USA jedes Kind. Die dreizehnjährige Amanda natürlich auch. Umso spannender ist es natürlich, als Amanda feststellt, dass ihre Nachbarin eben genau diese Lizzi Borden ist, die vor 30 Jahren mangels Beweisen vom Gericht freigesprochen wurde.

Amanda ist fasziniert von der alten Frau und freundet sich mit ihr an. Miss Lizzie bringt ihr Kartentricks bei, lädt sie zu Teegesellschaften ein und behandelt Amanda wie eine Erwachsene. Doch dann geschieht der erste Mord, direkt in Amandas Umfeld. Die Mordwaffe? Natürlich ein Beil!

Meine Meinung:

Uff, meine Meinung zu dem Buch ist dieses Mal nicht einfach in wenigen Sätzen zu beschreiben. Anfangs war ich begeistert. Aus der Sicht von Amanda bekommt der Leser die Ereignisse im Sommer 1912 geschildert. Die sympathische Naivität der Jugendlichen, sowie zum Beispiel die ehrlichen Schilderungen ihrer Gefühle zu potentiellen Heiratskandidaten (dem Jungen vom Kaufmannsladen) machen das Buch sehr unterhaltsam. Viele Charaktere des Buches sind sehr liebevoll und liebenswürdig gezeichnet, so dass ich oft beim Lesen schmunzeln musste. Insgesamt enthält das Buch einiges an Lebensweisheiten und behandelt das Thema „Freundschaft“ auf eine ganz andere Weise.

Der Schluss allerdings gefiel mir leider nicht mehr gut. Das Buch wird als Kriminalroman bezeichnet, er beschäftigt sich schließlich auch mit der Aufklärung des Mordes. Doch meiner Meinung nach gibt es in dem Buch viel zu viele Zufälle, zu viele Irrwege und zu verstrickte Fäden. Ich hätte mir gewünscht, dass der Fokus noch weniger auf den Ermittlungen gelegen hätte oder diese besser ausgereift gewesen wären.

Gerade habe ich noch mal das Buch aufgeschlagen und ein paar Zeilen gelesen; zum Beispiel:

„Er [der Sohn des Lebensmittelhändlers] war unser Heathcliff, Annies und meiner, und wir hätten uns ihm beide mit Wonne hingegeben, selbst dann, wenn wir genau gewusst hätten, was das bedeutete.“

Solche Zitate rufen mir wieder die netten und lustigen Seiten dieses Buches in Erinnerung, so dass ich auch gerne 6 von 10 Sternen vergeben mag.

stern 6