[Rezension] „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey! – Aus dem Leben einer Familienpsychologin“ von Sophie Seeberg

Die Schakkeline ist voll hochbegabtKlappentext:

Sophie Seeberg kriegt es hautnah mit, das Leben, denn die Psychologin begutachtet Familien fürs Gericht. Sie erlebt dabei schockierende und traurige, aber auch komische und skurrile Geschichten. Wenn zum Beispiel der Vater nicht zum Termin erscheint, weil er betrunken auf der Straße eingeschlafen ist – neben dem Bollerwagen voller Diebesgut. Oder wenn die Mutter ihren erwachsenen Sohn behandelt, als wäre er ein Kleinkind. Seeberg zeigt uns den ganz normalen Familienwahnsinn und behält dabei immer einen unnachahmlichen Sinn für Humor. (Quelle)

Meine Meinung:

Der Titel des Buches ist definitiv ein Hingucker, etwas reißerisch allerdings auch. Und vor allem wird der Titel dem Buch nicht gerecht. Denn es ist nicht nur reißerisch, sein Humor gründet nicht nur darauf, etwas schlichtere Menschen auf die Schippe zu nehmen.

Doch erstmal der Reihe nach: Ich bin auf das Buch aufmerksam geworden, weil eine liebe Freundin von mir es gelesen und danach eine wirklich tolle Rezension dazu geschrieben hat. Diese hat mich dann dazu gebracht, die Leseprobe des Buches zu lesen – etwas, was ich wirklich eher selten tue.

Die Leseprobe beginnt mit dem Vorwort der Autorin, aus dem man sofort erkennen kann, dass Frau Seeberg eine Familienpsychologin ist, die ihren Job gerne macht und stets das Beste für die Kinder möchte. Man versteht auch, dass Humor an manchen Stellen die einzige Möglichkeit ist, nicht an der Realität zu verzweifeln.

Das Spannende an den einzelnen kleinen Anekdoten ist, dass sie den Leser ein wahres Auf und Ab der Gefühle durchleben lassen. Habe ich auf der einen Seite noch geschmunzelt, musste ich drei Zeilen weiter laut lachen, hatte auf der nächsten Seite Tränen der Rührung in den Augen, um am Ende eines Kapitels erleichtert aufzuatmen. Ja, nicht alle Geschichten sind lustig, viele sind traurig oder machen wütend. Manchmal möchte man die beschriebenen Eltern schütteln, manchmal auch nur fest in den Arm nehmen.

Und damit ist Frau Seeberg etwas wirklich Erstaunliches gelungen: Sie hat es geschafft, dem Leser ihre Arbeit auf unterhaltsame, aber auch bewegende Weise nahe zu bringen – und zwar jede einzelne Facette! Ich habe die einzelnen Geschichten wirklich gerne gelesen, denn sie haben in meinen Augen das, was eine gute Familienpsychologien auch haben sollte: Herz und einen liebevollen Blick auf die Kinder! 8 von 10 Sternen!

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Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey! – Sophie Seeberg – Taschenbuch – 256 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-426-78603-1 – erschienen: Dezember 2013 (Knaur)

[Rezension] „Schab nix gemacht – Geschichten aus der Hauptschule“ von Kai Lange

Schab nix gemachtKlappentext:

Obwohl die Schüler sein Nervenkostüm oft sehr strapazieren, gibt es für Kai Lange keinen schöneren Beruf, als Lehrer zu sein. Zwar gilt es, nicht zu verzweifeln, wenn man jede Pause erneut herausfinden soll, wer denn nun zuerst »Hurensohn« gesagt hat. Oder wenn Schüler Akin nach vier Jahren Englischunterricht immer noch glaubt, „I would“ heiße auf Deutsch „Ich bin wötend“. Aber Kai Lange nimmt seinen Job mit Humor. Seit Jahren notiert er sich die ebenso aberwitzigen wie lustigen Geschichten, die er tagtäglich erlebt. So schafft er es nicht nur, im Chaos des Alltags einen kühlen Kopf zu bewahren, sondern auch, seinen Schülern tatsächlich etwas beizubringen. (Quelle)

Meine Meinung:

Geschichten aus der Schule sind immer interessant und unterhaltend. Das ist spätestens seit dem erfolgreichen Blog von Frl. Krise und dem darauf folgenden gemeinsamen Buch mit Frau Freitag bekannt. Wenn man selber Lehrerin ist und vor allem mit ähnlichen Schülern arbeitet, wie Kai Lange es tut, dann kommt beim Lesen zur Unterhaltung und dem Amüsement noch eine gehörige Portion „Jaa, so ist es bei mir auch…“, garniert mit ein bisschen „Oh Gott, hoffentlich passiert mir das nie!“ dazu.

Bei solchen kleinen Anekdoten, Kurzgeschichten und Zitaten von Hauptschülern ist es mir immer wichtig, dass ich trotz der Tatsache, dass so mancher Fehler und so manche nicht allzu kluge Antwort auf die Schippe genommen wird, das Gefühl habe: Derjenige, der schreibt, mag seine Schüler, hat ein Verständnis für sie und ihre Lebenswelten und sieht vor allem nicht nur das Negative, sondern auch das Liebenswerte in so ziemlich jedem einzelnen.

Dieser Spagat – wobei: Ist es überhaupt ein Spagat – gelingt Kai Lange gut. An vielen Stellen musste ich schmunzeln, an einigen sogar laut lachen, so abstrus und witzig sind manche der Begebenheiten und Antworten der Schüler. Andere Geschichten haben bei mir wirklich eine Gänsehaut hervorgerufen, weil Kai Lange die Schicksale und Lebensumstände einzelner Schüler hervorragend beschreibt.

„Simon“, sag ich bei der Rückgabe der Klassenarbeit verzweifelt, „wie soll ich dir denn jemals richtig Englisch beibringen?“
Er nickt so verständnisvoll, als wenn er mich trösten wollte, und kommt zu der einzig richtigen Antwort: „Ich weiß es auch nicht.“ (S. 76)

Ja, Kai Lange hat nicht nur Witziges und Berührendes zu erzählen, er tut dies auch auf eine sehr gekonnte Weise, kann Situationen und Menschen so beschreiben, dass man als Leser das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein und Amara, Akin und Basima wirklich zu kennen. Kurzweilig, absolut unterhaltsam und mitten aus dem Leben! 9 von 10 Sternen!

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Schab nix gemacht – Geschichten aus der Hauptschule – Kai Lange – Taschenbuch – 256 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-426-78621-5 – erschienen: August 2013 (Knaur)

„Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin“ von Simone Dalbert

PapiergeflüsterInhalt:

Wenn Bücher erzählen könnten, was sie in einem Buchgeschäft so alles mitbekommen! Simone Dalbert plaudert mit viel Humor aus dem persönlichen Nähkästchen und erzählt von unberechenbaren Kunden, Plüsch-Bakterien, Schaufenster-Yoga und bayerischen Mathematikbüchern. (Quelle)

Über die Autorin:

Simone Dalbert, geboren 1977, wuchs im Saarland auf und studierte dort Biologie. Inzwischen lebt sie in Würzburg, wo sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin absolvierte und noch immer in diesem Beruf arbeitet. Auf ihrem Blog papiergefluester.com und dem Twitteraccount @Buchgeflüster schreibt sie zudem privat über ihren Alltag als Buchhändlerin. (Quelle)

Eigene Meinung:

Welche Leseratte hat es sich noch nicht gewünscht: ein Mal im Leben Buchhändler(in) sein; oder – weil das ja nicht geht – zumindest hinter die Kulissen dieses so spannenden und wundervollen Berufs blicken.

Dank Simone Dalbert wird Lesern ihres Blogs „Papiergeflüster“ dieser Wunsch schon seit längerem erfüllt. Sie erzählt dort kurze Anekdoten des Buchhändler-Daseins. Das Ganze gibt es nun auch als Buch, in dem nicht nur bekannte Artikel aus ihrem Blog zusammengefasst sind, sondern auch neue Alltagsbegebenheit zur Unterhaltung des Lesers beitragen.

So berichtet die Autorin zum Beispiel von dem bewundernswerten Kollegen, der Kunden, die nur noch die Farbe des gewünschten Buchs kennen, trotzdem den richtigen Titel nennen kann. Oder bringt den Leser durch Schilderungen des typsichen Buchhändlersports zum Lachen: dem Dekorieren eines Schaufensters.

Und wenn Frau Dalbert dann noch einen jungen Leser zitiert, der nach ihrer Beratung zwei neue Buchserien für sich entdeckt hat und findet „So viele tolle Bücher. Oh Gott, ich komme hier gar nicht mehr raus.“, dann geht zumindest mir das Herz auf und ich bin froh, mich hier zumindest ein bisschen wie eine Buchhändlerin zu fühlen.

Ich habe „Papiergeflüster“ übrigens als E-Book gelesen. Da ich bekennende E-Book-Blöd-Finderin bin – das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich keinen Reader, sondern nur ein Smartphone habe –, hatte ich erwartet, dass mir das Lesen eher schwer fallen und ich lange dafür brauchen würde. Doch gerade weil es immer nur kurze Geschichten von wenigen Seiten sind, habe ich das Buch während meiner morgendlichen Bahnfahrten in Nullkommanichts durchgelesen und war wirklich enttäuscht, als ich viel zu schnell das Ende erreicht hatte.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch: Am Ende mancher Kapitel hat Simone Dalbert Auszüge aus ihrem Twitter-Account eingefügt, die meiner Meinung nach mal mehr, mal weniger zum eigentlich Thema des jeweiligen Artikels passen. Ich bin mehr als ein Mal über diese kurzen und für mich nicht stimmigen Einschübe gestolpert.

Doch insgesamt bleibt mein Gesamtfazit durchaus positiv. „Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin“ ist mit seinen etwa 100 Seiten (die Seitenangaben schwanken je nach Anbieter) ein kleines feines Büchlein, das dem Leser einen schönen und vor allem humorvollen Einblick in das Buchhändlerleben mit allen seinen Höhen und Tiefen gibt. Also, wer so wie ich schon immer den Wunsch, mal für einen Tag Buchhändler zu sein, aber nie die Möglichkeit dazu hatte, bekommt hier die Chance… Ich vergebe gut unterhaltene und amüsierte 7 von 10 Sternen, aber gestehe auch, dass mir 10,90 € für die gedruckte Ausgabe zu viel wären.

stern 7

Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin – Simone Dalbert – eBook 978-3-95595-001-9