[Rezension] „Der Schmetterlingssammler“ von Joel Haahtela

Der SchmetterlingssammlerInhalt:

Als dem Ich-Erzähler eröffnet wird, dass er von einem Mann namens Henri Ruzicka ein Haus geerbt hat, kann er mit diesem Namen nichts anfangen. Um eine mögliche Verbindung zwischen ihm und dem Verstorbenen zu finden, sucht er im Haus von Henri nach Hinweisen. Doch neben ein paar Briefen und einer Postkarte mit seinem eigenen Namen darauf, findet er vor allem eine überwältigende Schmetterlingssammlung.

Doch er gibt nicht auf und versucht, mehr aus dem Leben des unbekannten Henri Ruzicka zu erfahren. Auf der Suche nach der geheimnisvollen Verbindung befindet er sich gleichzeitig auf der Suche nach sich selbst.

Meine Meinung:

Lange Zeit liegt dieses Buch, das ich irgendwann einmal von einem Mängelexemplartisch gerettet habe, schon auf meinem SUB. Vor einiger Zeit habe ich schon mal begonnen es zu lesen und es dann doch wieder ins Regal gestellt.

Denn für dieses Buch muss man in der richtigen Stimmung sein. Das Buch ist sehr sanft, die Geschichte darin zart und besteht mehr aus Erinnerungen als auch tatsächlicher Handlung. Während seinen Bemühungen, Henri Ruzicka etwas näher zu kommen, trifft der Ich-Erzähler auf Anna, deren Namen er von Briefen aus Henris Haus kennt. Annas Geschichte gestaltet einen wunderschönen Teil des Buches, der vor Weisheit nur so strotzt. Ich habe deswegen insbesondere die Mitte des Buches unheimlich gern gelesen. Mehrere Male sogar habe ich meiner Mutter Zitate aus dem Buch vorgelesen, denn sie bergen so viel Wahres oder einfach auch nur kleine Anekdoten, die mich zum Schmunzeln gebracht haben.

Zum Schluss hin möchte man auch als Leser unbedingt wissen, ob es eine Verbindung zwischen den beiden Männern gibt und welcher Art diese sein kann.

Das tatsächliche Ende der Geschichte kam für mich zwar sehr überraschend, hat mich allerdings dennoch überzeugt.

Ich denke, dass dieses Buch nicht für jeden Lesegeschmack geeignet ist. Man darf keine zu großartige Handlung erwarten. Doch wer in der richtigen Stimmung für dieses Buch ist, bekommt eine zarte Atmosphäre, viel Weisheit und eine bemerkenswerte Lebensgeschichte geboten. Ich vergebe gute 6 von 10 Sternen.

stern 6

Der Schmetterlingssammler – Joel Haahtela – Taschenbuch – 176 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3492253901 – erschienen: März 2009 (Piper)

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[Rezension] „Gute Geister“ von Kathryn Stockett

Gute GeisterInhalt:

Die farbige Aibileen zieht in ihrer Funktion als Haushaltshilfe mittlerweile das siebzehnte weiße Kind auf. Ihr einziger eigener Sohn ist allerdings vor einiger Zeit gestorben.

Auch Minny ist Hausmädchen und eine hervorragende Köchin. Doch trotzdem will keine Minny anstellen, weil ihre große Klappe von allen gefürchtet wird. Und weil die Tochter ihrer letzten Arbeitgeberin – Hilly – ihren Ruf durch böse Verleumdungen ruiniert hat.

Skeeter, eigentlich Hillys beste Freundin, hat im Gegensatz zu ihren anderen weißen Freundinnen modernere und liberalere Ansichten: Sie will nach ihrem Studium nicht den erstbesten Mann heiraten, ist freundlich zu den Hausangestellten und möchte nur eins: ein Buch schreiben.

Das Schicksal führt diese drei so verschiedenen Frauen zusammen und aus den verschiedenen Geschichten wird schließlich eine: Der Kampf gegen die vorherrschenden Vorurteile und Konventionen in Mississippi, 1962-1963!

Meine Meinung:

„I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character.“ (Martin Luther King, 1963)

Diesen Satz aus der berühmten Rede von Martin Luther King hat vermutlich jeder schon ein Mal gehört. Doch wie die Umstände für farbige Menschen insbesondere in den Südstaaten zu dieser Zeit waren, kann man sich schwerlich vorstellen. Genau in diese Zeit und zu dieser Problematik führt Kathyrin Stockett ihre Leser.

Doch liest sich das Buch auf gar keinen Fall wie eine Geschichtsstunde. Insbesondere durch ihre drei liebenswerten Hauptcharaktere ist es der Autorin gelungen mich schon gleich auf den ersten Seiten in ihren Bann zu ziehen. Zwischendurch dachte ich immer wieder, ich hätte nun meine Lieblingsperson gefunden: mal gefiel mir die schnottrige Art von Minny am besten, mal habe ich die Großherzigkeit von Aibileen bewundert. Und dann wieder mochte ich die unsichere, aber doch so mutige Skeeter am liebsten.

Bis mir irgendwann klar wurde: Alle drei Frauen sind einfach toll! Das ganze Buch ist toll!

Die Geschichte wird in der Ich-Form von Aibileen, Minny und Skeeter erzählt. Jede Frau bekommt immer wieder einige Kapitel Zeit, um die Geschehnisse aus ihrer Sicht zu berichten und zu kommentieren. Bei jedem Erzählerwechsel war ich gleichzeitig traurig, die aktuell erzählende Person zu verlassen, aber auch froh wieder ein Stückchen gemeinsam mit dem nächsten Charakter zu erleben.

Insbesondere die Kapitel von Minny sind lustig zu lesen, denn Minnys Charakter drückt sich nicht nur in ihrer grummeligen, aber durchaus liebevollen Art aus, sondern schlägt sich auch in der etwas derberen, nicht allzu hoch gestochenen Sprache wieder. Dieser Wechsel ist der Autorin wunderbar gelungen und wirkt nie aufgesetzt.

Kurzum: Ein tolles, absolut lesenswertes Buch. Definitiv Buch des Monats April (was sollte das noch toppen?) und ein heißer Anwärter auf den Titel „Buch des Jahres 2011“)! Lesen, lesen, lesen!!!! (Natürlich 10 von 10 Sternen)

 stern 10

Gute Geister – Kathryn Stockett – Hardcover – 608 Seiten – 21,99 € – ISBN-13: 978-3442752409 – erschienen: März 2011 (btb)

[Rezension] „Schloss aus Glas“ von Jeannette Walls

Schloss aus GlasKlappentext:

Jeannette Walls ist ein glückliches Kind: Ihr Vater geht mit ihr auf Dämonenjagd, holt ihr die Sterne vom Himmel und verspricht ihr ein Schloss aus Glas. Was macht es da schon, mit leerem Bauch ins Bett zu gehen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Doch irgendwann ist das Bett ein Pappkarton auf der Straße, und eine Adresse gibt es schon lange nicht mehr. (Quelle)

Meine Meinung:

Gerade habe ich das Buch zugeklappt und bin immer noch überwältigt von den Emotionen, den Gedankenanregungen und der Geschichte, die durch dieses Buch transportiert werden.

Als Leser steigt man an der Stelle in die Handlung ein, als die Autorin auf dem Weg zu einer Party in einer Limousine sitzend ihre Mutter auf der Straße erblickt, wie diese im Müll wühlt. Die Geschichte wird ab dann chronologisch ausgehend von der frühesten Kindheit von Jeannette erzählt.

Zuerst habe ich das Buch als amüsierend und unterhaltend empfunden. Aber schnell weicht dieses Gefühl dem wirklichen Erschrecken und der Fassungslosigkeit über das, was Jeannette mit ihrer Familie durchmachen muss. Und trotz der Verzweiflung und der Wut, die Jeannette über das Verhalten ihrer Eltern empfindet, kann sie trotzdem auch die tief sitzende Liebe vermitteln, die nie ganz verschwunden ist.

Die Beschreibung der Kindheit nimmt den Hauptanteil der Geschichte ein und ist für mein Dafürhalten etwas zu lang geraten. Doch denke ich mir an der gleichen Stelle: Genau so ist es der Autorin nun mal ergangen und alles, was sie für erzählenswert hält, ist es auch!

Zum Ende hin nimmt die Handlung nochmal wieder Fahrt auf. Genau wie das Leben von Jeannette geht auch endlich die Handlung in eine andere Richtung. Ich als Leser war beinahe genauso erleichtert, nicht den immer wiederkehrenden Hunger, die Armut und die Fassungslosigkeit erleben zu müssen, sondern gemeinsam mit der Hauptfigur einen Schritt in die richtige Richtung machen zu können.

Obwohl ich das Buch nicht in einem Rutsch durchlesen konnte und es schon nicht ganz einfach zu lesen war, würde ich es jedem empfehlen, der einen Sinn für Lebensgeschichten anderer Menschen hat. Außerdem steckt eine Menge Weisheit in der Geschichte. 8 von 10 möglichen Sternen!

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