[Glücksmomente] Der eigene kleine Garten mit dem Lieblingsmann

Ich hatte euch ja in meinem letzten Geplauder schon erzählt, dass mein Freund zu mir zieht. Gemeinsam haben wir jetzt in den letzten zwei Wochen aus dem wirklich verwahrlosten Beet neben unserer Terrasse unseren eigenen kleinen Garten gestaltet – mit vielen Kräutern, Rosen, einem hoffentlich bald blühenden Fliederbusch, kleinen Zäunchen und vor allem mit ganz viel Liebe.

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Der Anfang – das pure Durcheinander!

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Harte Arbeit

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Ein Zwischenergebnis, das glücklich macht

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Hach ja …

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So schön!

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[Rezension] „Eine Handvoll Lila“ von Ashley Herring Blake

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„Über Mom zu sprechen, fühlt sich irgendwie an wie Verrat. Es klingt alles so tragisch, fast klischeehaft, wie aus einer Seifenoper. Und meine Mutter … na ja, sie ist eben meine Mutter. Und so schlimm ist nun auch wieder nicht. So schlimm nicht.“ (S. 109/110)

Grace geht es gut. Okay eben. Naja, eigentlich geht es ihr nicht gut. Tatsächlich geht es ihr sogar schlecht. Grace‘ Vater ist gestorben, als sie zwei Jahre alt war, aber das ist nicht der Grund dafür, dass es ihr nicht gut geht. Eigentlich kann sie sich nämlich gar nicht mehr richtig an ihn erinnern. Anders als ihre Mutter. Die trauert seitdem – und das auf ihre Art und Weise: mit viel Alkohol, ständig wechselnden Männern und Wohnungen. Mehr als ein Mal musste Grace ihre Mutter betrunken aus einer Bar nach Hause verfrachten – wo auch immer das auch gerade ist.

Aber ihre Mutter ist eben doch ihre Mutter. Was macht es da schon, dass sie in dem einen Jahr Grace‘ Geburtstag am falschen Tag feiern wollte? Immerhin wollte sie ihn doch feiern, oder? Und oft genug macht ihre Mutter ja auch nette Kleinigkeiten für ihre Tochter, da sollte Grace schon darüber hinwegsehen können, dass ihre Mutter ihr regelmäßig das Trinkgeld aus der Schatulle stiehlt. Und überhaupt: Wie sollte ihre Mutter überhaupt ohne sie zurecht kommen? Ihre Mutter braucht sie! Und so stellt Grace ihre eigenen Pläne und Wünsche hintenan. Immer und immer wieder.

Doch dann ist da plötzlich Eva. Eva, die ihre Mutter vor kurzem verloren hat. Eva, die so todtraurig und wunderschön zugleich ist. Eva, mit der sich Grace so wohl fühlt. So entspannt. Und wenn sie mit Eva zusammen ist, kann Grace für einen kurzen Moment sogar ihre Mutter vergessen. Doch reicht das?

„‚Ich mag Mädchen, Grace.‘
Es ist, als flattern ihre Worte im Wind, würden erst in die eine und dann in die andere Richtung geworfen, um dann zwischen uns zu landen.“ (S. 115)

Ich denke, die wenigsten Leser können sich in Grace‘ Lage versetzen. Die wenigsten wissen, wie es ist, von der eigenen Mutter viel zu sehr gebraucht zu werden, viel zu früh erwachsen werden zu müssen, sie ein Stück weit zu hassen und sie doch so sehr zu lieben. Es ist der Autorin sehr gut gelungen, diese widersprüchlichen Gefühle von Grace deutlich zu machen.

Anfangs habe ich mich nicht ganz in der Geschichte zurecht gefunden. Es ging mir alles etwas schnell: Sehr abrupt wurde ich in das Leben von Grace und ihrer Mutter hineingeworfen. Und auch die erste Begegnung von Grace und Eva kam ziemlich plötzlich. Zunächst passten die beiden Geschichten für mich nicht ganz zusammen. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht aufhören konnte zu lesen. An dem ich mir Tränen aus den Augen wischen musste, um im nächsten Augenblick leise in mich hinein zu lachen.

Vermutlich kann eine Rezension diesem Buch gar nicht gerecht werden. Und auch was es mit der Farbe Lila auf sich hat und wie toll Grace‘ bester Freund ist, müsst ihr selbst nachlesen. Ich kann nur sagen, dass dies ein Geschichte ist, die mich sehr berührt hat. 9 von 10 Sternen!

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Eine Handvoll Lila – Ashley Herring Blake – Hardcover – 18,00 € – 352 Seiten – ISBN: 978-3-7348-5030-1 – erschienen: Januar 2018 (Magellan Verlag) – Übersetzung: Birgit Salzmann – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Geplauder] Jahresabschluss 2017

Ein weiteres Jahr geht zu Ende, mittlerweile gibt es meinen Blog seit knapp 8 Jahren. Fast jedes Jahr habe ich einen kleinen Jahresabschluss geschrieben, oft mit der Blogparade, die ehemals von Buchsaiten ins Leben gerufen wurde. Dieses Jahr werde ich zwar sicherlich auch ein paar der Fragen beantworten, aber insgesamt habe ich ein bisschen mehr zu sagen. 😉

Spaggn und ich am Meer

2017 war für mich ein tolles Jahr – in vielerlei Hinsicht. Ich bin nicht nur außerhalb der Bücherwelt mehr als glücklich (Freunde, Familie und Liiiebe ❤ ), ich lese auch wieder viel mehr. Und die Lust zum Bloggen ist auch zurück gekommen.

Allerdings blogge und lese ich mittlerweile anders. Ich frage kaum noch nach Rezensionsexemplaren, da ich spontan nach dem Lesen entscheiden möchte, ob ich ein Buch rezensieren mag oder nicht. Ich lese, wann und worauf ich Lust habe. Ich kümmere mich beim Bloggen nicht mehr um Follower und Likes. Natürlich freue ich mich nach wie vor, wenn es Kommentare zu meinen Beiträgen gibt und ich das Gefühl habe, sie werden von euch gelesen. Aber ich verlinke nicht mehr an abertausend Stellen oder habe das Gefühl, eine gewisse Blogfrequenz einhalten zu müssen. Das tut gut und befreit.

Gelesen habe ich in diesem Jahr – TADAAA – genau 50 Bücher. Ich habe gestern insgesamt zwei Mal nachgezählt und am Ende tatsächlich den Taschenrechner bemüht, aber ich habe mich nicht vertan: Genau 50, wie cool ist das denn, bitte? 😀 Meine Leseliste mit allen gelesenen Bücher findet ihr übrigens hier.

Wenn ich das Lesejahr noch ein Mal Revue passieren lasse, sind mir vor allem die folgenden fünf Bücher positiv im Kopf geblieben:

Top 5 2017

„So wüst und schön sah ich noch keinen Tag“ erzählt zwei ganz besondere Liebesgeschichten, auf eine ganz besondere Art und Weise. In „Isla. Schwanenmädchen“ konnte mich Lucy Chrisopher ein weiteres Mal von ihrer grandiosen Fähigkeit mit Wörtern umzugehen überzeugen. „Winger“ von Andrew Smith erzählt eine eindrucksvolle und nicht immer schöne Geschichte auf eine sehr unmittelbare Art. „Café Morelli“ hat mich am Ende zu Tränen gerührt und macht auf eine wunderschöne Art deutlich, dass man für das kämpfen sollte, an das man glaubt. Und „Faceless“ konnte mich durch eine sehr authentische Protagonistin und einer tollen Umsetzung des Themas begeistern.

Interessanterweise sind alle Highlights Jugendbücher. Im Fantasybereich habe ich in diesem Jahr zwar auch einige Bücher gelesen, die mich aber insgesamt nicht ganz so begeistern konnten wie erhofft. Trotzdem müssen hier noch ein Mal die Chroniken den eisernen Druiden von Kevin Hearne erwähnt werden. Ich liebe die Bücher einfach.

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Außerdem freue ich mich schon sehr auf zwei tolle Reihenfortsetzungen aus 2017, die ich bisher noch nicht gelesen habe: „Splitterwelten – Nachtsturm“ von Michael Peinkofer (die langersehnte Fortsetzung zu „Splitterwelten“) und „Das Leuchten der Magie“ von Peter V. Brett (endlich wieder neues von Arlen Strohballen).

Im neuen Jahr erscheinen einige tolle Bücher, auf die ich mich sehr freue. Eine Auswahl besonders interessanter Neuerscheinungen findet ihr hier. Wenn ich mich auch hier auf fünf Bücher beschränken müsste, denen ich am meisten entgegen fiebere, wären es wohl diese hier:

Neuerscheinungen Top 5 2018

In diesem Sinne: Ich wünsche euch ein wundervolles 2018 – mit tollen Büchern, entspannten Lesestunden und ganz vielen Glücksmomenten auch außerhalb unserer geliebten Bücherwelt.

[Rezension] „Faceless“ von Alyssa Sheinmel

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„Zerstört. Was für ein unpassendes Wort. Zerstört sind Dörfer, über die ein Tsunami hereingebrochen ist. Oder Gebäude, die von einer Bombe getroffen wurde. Schiffe, die auf den Meeresgrund sinken. Aber etwas so Kleines, Unbedeutendes wie das Gesicht eines einzelnen Menschen kann doch nicht zerstört werden.“ (S. 28)

Maisie ist sechszehn Jahre alt, als ihr Gesicht durch einen Blitzeinschlag und einen dadurch resultierenden Elektrobrand zerstört wird. Sie hat nicht nur Vebrennungen dritten oder vierten Grades. Nein, die Ärzte mussten komplette Teile ihres Gesichts entfernen.

Maisie ist nun das Mädchen ohne Gesicht: Faceless. Und das ist nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne gemeint. Wer ist sie nun noch, nachdem ihr Kinn, Nase und eine Wange fehlen? Maisie hat zwar das Glück (obwohl sie selbst dieses Wort hasst), dass sie eine Gesichtstransplantation bekommt, aber trotzdem: Es ist nicht mehr ihr eigenes Gesicht, das sie mit sich herumtragen muss.

Vor dem Unfall (so nennen ihre Eltern das) war Maisie eine normale, glückliche Sechzehnjährige. Sie hatte einen Freund, der mit ihr zum Abschlussball gehen wollte, und eine beste Freundin. Sie war eine Einserschülerin und eine erfolgreiche Läuferin. Was davon ist jetzt noch geblieben?

Ich bin auf dieses Buch vor allem durch sein Cover aufmerksam geworden. Es ist so simpel und doch bezeichnend. Ein Mädchen ohne Gesicht und gleichzeitig ohne Identität. Was Maisie widerfährt, ist sicherlich für die wenigsten Leser nachvollziehbar. Und dennoch ist es der Autorin ganz ausgezeichnet gelungen, mich auf Maisies Suche nach sich selbst mitzunehmen. Sie schildert sehr glaubwürdig und authentisch Maisies Gefühle und Gedanken. Ja, manchmal verliert sich Maisie etwas zu sehr in ihrem Selbstmitleid. Ja, machmal ist sie unfair zu anderen. Aber wer kann es ihr verübeln?

Was ich an diesem Buch so mag, ist, dass tatsächlich Maisies eigene Geschichte im Vordergrund steht. Es geht zwar auch um ihre Beziehung zu ihrer besten Freundin, zu ihren Eltern und vor allem zu ihrem festen Freund, aber im Mittelpunkt steht doch immer sie selbst. So lesen wir keine rosarote Liebesgeschichte und kein Familiendrama, sondern es geht immer nur um die Frage: Wer ist die Maisie nach dem Unfall? Wer ist Maisie 2.0?

Ich mag Bücher, die beim Lesen etwas in mir bewegen. Die Gedanken in mir anstoßen und mich ein klein wenig verändern. So ein Buch ist „Faceless“ auf jeden Fall gewesen. Dazu noch einfühlsam erzählt und auf seine Art unterhaltsam. Von mir gibt es 9 von 10 Sternen!

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Faceless – Alyssa Sheinmel – Klappbroschur – 352 Seiten – 18,00 € – ISBN 978-3-446-25802-0  – erschienen: September 2017 (Hanser) – Übersetzung: Jessika Komina, Sandra Knuffinke

[Reihenrezension] „Bigtime“ von Jennifer Estep

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Reiheninformation:

  1. „Karma Girl. Bigtime 1“
  2. „Hot Mama. Bigtime 2“
  3. „Jinx. Bigtime 3“ (erscheint am 3.4.2018)
  4. „A Karma Girl Christmas. Bigtime 3.5“ (bisher nur auf englisch erschienen)
  5. „Nightingale. Bigtime 4“ (bisher nur auf englisch erschienen)
  6. „Fandemic. Bigtime 5“ (bisher nur auf englisch erschienen)

 Bigtime – Die Stadt der Superhelden und Superschurken

Zugegebenermaßen – das Ganze hier eine Reihenrezension zu nennen, obwohl ich bisher nur die ersten beiden Bände gelesen habe, ist etwas mutig. Allerdings finde ich es bei Büchern einer Reihe immer schwierig, jeden Titel einzeln zu rezensieren. Und trotzdem möchte ich euch auch diese Reihe von Jennifer Estep schon jetzt vorstellen.

Wie die Überschrift schon sagt, spielt die Handlung in einer Zeit, in der jede Stadt mindestens einen eigenen Superhelden und einen Superschurken hat. Manche größere Städte wie Bigtime haben sogar mehrere.

Hauptperson des ersten Bandes ist Carmen, eine Zeitungsreporterin. Am Tag ihrer Hochzeit musste Carmen feststellen, dass ihr Verlobter ein Superheld ist. Und ihre Trauzeugin eine Superschurkin. Und dass die beiden Supersex miteinander haben. Seitdem hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Superhelden zu demaskieren. Und Carmen ist erfolgreich. Superheld um Superheld wird von ihr erkannt und seine wahre Identität veröffentlicht. Den Superschurken ergeht es nicht besser. Doch in Bigtime kommt Carmen an ihre Grenzen: Wer steckt hinter den Fearless Five und wer verbirgt sich hinter dem Trio der Terrible Trinity? Dass Carmen dann noch von der Trinity entführt und für deren Zwecke missbraucht wird, erschwert ihr die Arbeit genauso sehr wie die Tatsache, dass sie sich zu einem der Superhelden der Fearless Five sehr hingezogen fühlt …

Bigtime

Klingt das für euch etwas kitschig und klischeehaft? So ging es mir zumindest. Die Bigtime-Reihe ist anders als die bisherigen deutschen Bücher von Jennifer Estep nicht bei Piper ivi veröffentlicht worden, sondern im Erwachsenenprogramm des Verlages. Das hat vermutlich vor allem mit den vielen leidenschaftlichen Sexszenen zu tun, die es in den Büchern gibt. Diese klingen zwar eher nach einem billigen Groschenroman, sind aber auf jeden Fall unterhaltsam:

„Johnny tauchte in mich ein, als sei ich ein köstliches Dessert, das nur darauf wartete, von ihm verputzt zu werden. Seine Zunge. Seine Finger. Streichelnd. Liebkosend.“ (Hot Mama. Bigtime 2, S. 156)

Eigentlich ging es mir beim Lesen durchgängig so: Die Handlung ist manchmal etwas seicht und die Demaskierung der Superhelden und – schurken gelang mir häufig schneller als z.B. Carmen. Nichtsdestrotz habe ich mich gut unterhalten gefühlt und direkt nach dem ersten Band zum nächsten Teil gegriffen, der dann übrigens nicht mehr Carmen als Hauptperson hat. Soweit ich das bisher erkennen kann, bekommt jedes Buch eine eigene Protagonistin. Das war für mich zwar etwas gewöhnungsbedürftig, brachte dann aber auch nette Abwechslung.

Ich habe „Karma Girl“ und „Big Mama“ wirklich gerne gelesen. Und obwohl ich nicht voll und ganz begeistert bin, freue ich mich schon auf das Erscheinen von „Jinx“ – dem dritten Band der Bigtime-Reihe. Bisher vergebe ich 7 von 10 Sternen!

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Karma Girl – Jennifer Estep – Taschenbuch – 400 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-492-28037-2 – erschienen: April 2017 (Piper) – Übersetzung: Vanessa Lamatsch 
Hot Mama – Jennifer Estep – Taschenbuch – 400 Seiten – 13,00 € – ISBN: 978-3-492-28038-9 – erschienen: Oktober 2017 (Piper) – Übersetzung: Michaela Link

 

[Rezension] „Winger“ von Andrew Smith

9783551560278Ryan Dean West ist klug. So klug, dass er zwei Schuljahre überspringen konnte und nun jünger ist als alle seine Klassenkameraden. Das ist nicht gerade hilfreich, wenn man unsterblich verliebt ist, denn Annie, seine beste Freundin, sieht in Ryan Dean scheinbar nur für einen kleinen, süßen Jungen. Außerdem macht die Tatsache, dass er jünger und kleiner ist als alle aus seinem Jahrgang, es Winger – wie er aufgrund seiner Position im Rugby-Team genannt wird – auch nicht leichter, sich gegen seine Mitschüler durchzusetzen. Und einige von ihnen scheinen es ganz schön auf Winger abzugesehen zu haben.

Freundschaft, Liebe, Sex – Darum dreht es sich nicht nur in Ryan Deans Leben, sondern auch in diesem Buch. Sein Leben ist mal alltäglich, mal spektakulär. Mal läuft alles ganz wunderbar und dann steckt er wieder mittendrin in der Patsche.

Diese Höhen und Tiefen gibt es vermutlich in dem Leben eines jeden Jugendlichen. Man muss lernen, sich zu behaupten. Man verliebt sich und wird enttäuscht. Man muss herausfinden, wer seine wahren Freunde sind.

„Winger“ kommt mitten aus dem Leben. Und genauso ist es geschrieben. Die Sprache ist unmittelbar, eindringlich und manchmal ungewohnt derb. Voller Schimpfwörter, obwohl Ryan Dean im wahren Leben eigentlich nicht flucht. Das tut er nur, wenn er seine Geschichte aufschreibt. Und ich liebe es. 10 von 10 Sternen – mal wieder ein echtes Highlight!

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Winger – Andrew Smith – Hardcover – 464 Seiten – 19,99 € –  978-3-551-56027-8 – erschienen: September 2016 (Königskinder) – Übersetzung: Hans-Ullrich Möhring

 

[Rezension] „We could be heroes“ von Laura Kuhn

9783551316912Klappentext:

Der Umzug aufs Land kommt für Lou gerade recht. Denn seit sie ihre beste Freundin geküsst hat und von ihr zurückgewiesen wurde, weiß Lou gar nicht mehr, was los ist. Doch dann trifft sie in ihrer neuen Schule die schöne und geheimnisvolle Elia und es ist, als hätte ein Blitz in ihrem Leben eingeschlagen. Lou fällt es nicht leicht, mit ihren Gefühlen umzugehen, doch sie will zu ihnen stehen – egal, was passiert. (Quelle)

Meine Meinung:

Lou ist froh, als sie umziehen muss und einige Kilometer sie von ihrer besten Freundin in der alten Heimat trennen. Denn obwohl sie die furchtbar vermisst, kann sie ihr nur schwer in die Augen sehen. Warum? Lou empfindet mehr für Nathalie als nur Freundschaft. So viel mehr, dass sie sie neulich auf einer Party einfach geküsst hat.

Im neuen Haus auf dem Land meint Lou ihren Gefühlen erstmal aus dem Weg gehen zu können – bis sie plötzlich Elia an ihrer Schule sieht! Elia, die so wunderschön ist und Lou einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.

„Was soll ich bloß tun? Seit Tagen und Wochen geht mir diese Frage nicht mehr aus dem Kopf. Es ist erstaunlich, dass sie da überhaupt noch ein bisschen Platz gefunden hat – neben Elias Lächeln, Elias Gesicht, Elias Stimme.“ (S. 121)

Lou muss nun an der neuen Schule nicht nur Freunde finden und herausfinden, ob und wie sie die Freundschaft zu ihrer besten Freundin Nathalie aufrecht erhalten möchte. Nun muss sie auch noch eine Möglichkeit finden, wie sie Elia näher kennenlernen kann. Und sie muss sich mit ihren eigenen Gefühlen auseinander setzen.

An manchen Stellen des Buches könnte man der Autorin sicherlich vorwerfen, dass sie etwas zu kitschig und gefühlsduselig geschrieben hat. Mich hat dies aber gar nicht gestört. Im Gegenteil: Während des Lesens war ich selbst auch sehr fasziniert von Elia – vielleicht sogar ein bisschen verliebt. Und trotzdem ist das Buch, zumindest in meinen Augen, keine klasse Liebesgeschichte, denn viel von der Handlung findet in Lous Innerem statt. Diese Entwicklung zu begleiten, hat mir wirklich viel Freude gemacht.

Die Geschichte, die sich zwischen den Buchdeckeln befindet, ist genauso schön wie das Cover: Man spürt Wärme, Lebensfreude und die Freiheit der Gefühle! 8 von 10 Sternen!

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We could be heroes – Laura Kuhn – Taschenbuch – 256 Seiten – 7,99 € – ISBN: 978-3-551-31691-2 – erschienen: März 2017 (Carlsen)

 

[Rezension] „Daniel is different“ von Wesley King

„Es war an einem Dienstag, als mir zum ersten Mal klar wurde, dass ich verrückt war. Na ja, die Vermutung war mir schon früher gekommen, war ja unvermeidlich, aber ich hatte gehofft, es wäre nur eine Phase, so wie damals mit drei, als ich ein Feuerwehrauto sein wollte.“ (S. 5)

Ja, Daniel ist wirklich anders. Er hasst es, Football zu spielen. Viel lieber sitzt er auf der Reservebank und arrangiert die Getränke für seine Teamkollegen in akkuraten geometrischen Mustern. Daniel hat eigentlich nur einen besten Freund, im Kontakt mit anderen Mitschülern ist er sehr unsicher. Obwohl Daniel hochbegabt ist, ist der Matheunterricht für ihn der pure Stress. Denn die meisten Zahlen sind in seinen Augen schlechte Zahlen. Sie führen dazu, dass er das Gefühl bekommt, sterben zu müssen. Die Neun ist übrigens die schlimmste Zahl.

Schnell wird dem Leser das klar, was Daniel noch nicht weiß: Er leidet an einer Zwangsstörung. Jeden Abend muss Daniel ein gewisses Programm ausführen, bis er einschlafen kann. Dies kann manchmal mehrere Stunden Zeit in Anspruch nehmen und auch dann weint er sich häufig in den Schlaf. Doch mit einem einzigen, unerwarteten „Hallo“ beginnt sich seine Welt zu verändern.

Die Geschichte um Daniel ist unglaublich berührend und schön. Aber auch unglaublich traurig. Denn das Nachwort des Autors macht deutlich: Dies ist nicht einfach nur eine Geschichte. Für viele Menschen ist das, was Daniel Tag für Tag mitmachen muss, Realität:

„Der Daniel dieser Geschichte ist in vieler Hinsicht ein recht exaktes Abbild von mir selbst, als ich in diesem Alter war. Auch ich habe bis zu fünf Stunden jede Nacht gebraucht, um ins Bett zu gehen. […] Mehrmals am Tag hatte ich das Gefühl zu sterben – was, wie ich später erfuhr, durch die Angstzustände und Panikattacken ausgelöst wurde – und ich begann mit ritualisierten Zwangshandlungen, um mit der grauenvollen Angst klarzukommen.“ (S. 301)

Und trotzdem macht dieses Buch Hoffnung. Es sagt: Du bist nicht allein. Ja, du bist anders, aber das bedeutet auch, dass du einzigartig bist. Es erzählt nicht nur die Geschichte einer Freundschaft und einer ersten, zarten Liebe. Es macht auch Mut, zu sich selbst zu stehen. 9 von 10 Sternen!

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Daniel is different – Wesley King – Hardcover – 304 Seiten – 17,00 € – ISBN 978-3-7348-4710-3 – erschienen: Januar 2017 (Magellan) – Übersetzung: Claudia Max

[Rezension] „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon

Klappentext:

Wenn ihr Leben ein Buch wäre, sagt Madeline, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern: Heute ist genau wie gestern und morgen wird sein wie heute. Denn Madeline hat einen seltenen Immundefekt und ihr Leben lang nicht das Haus verlassen. Doch dann zieht nebenan der gut aussehende Olly ein – und Madeline weiß, sie will alles, das ganze große, echte, lebendige Leben! Und sie ist bereit, dafür alles zu riskieren. (Quelle)

Meine Meinung:

„Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern. Heute ist genauso wie gestern. Morgen wird genauso sein wie heute. Im Buch von Maddy sind alle Kapitel gleich.“ (S. 178)

Madeline ist krank. Sie leidet an einem Immundefekt und darf deswegen das Haus nicht verlassen. Die meiste Zeit geht es ihr aber gut: Sie liebt ihre Mutter und Carla, ihre Krankenpflegerin. Sie liest unheimlich gerne und arbeitet mit Eifer an ihren Onlinekursen.
Doch dann zieht Olly gegenüber ein. Olly, der einfach so die Wand hochklettert. Olly, der immer schwarz trägt. Olly, der plötzlich vom gegenüberliegenden Zimmer mit ihr zu kommunizieren beginnt. Olly mit den meeresblauen Augen.

„Kribbeln meine Fingerspitzen? Tun sie das sonst auch? Wieso bin ich so atemlos? Wie viele Saltos kann ein Magen machen, bevor er sich hoffnungslos verknotet?“ (S. 93)

Anfangs wehrt sich Madeline noch gegen ihre Gefühle, denn sie hat Angst, sich zu verlieben. Hat Angst, verletzt zu werden. Doch genauso wie der Leser ahnt auch Maddy, dass sie sich nicht lange schützen kann. Denn jeder von uns würde sich in Olly verlieben. Wie sich die Beziehung der beiden entwickelt, hat mir wirklich gut gefallen. Selten habe ich so viele Zitate aus einem Buch geschrieben, wie aus diesem hier. Die Liebe zwischen den beiden hat etwas sehr Anrührendes und Zartes.

„Ich war glücklich, bevor ich ihm begegnet bin. Aber jetzt bin ich lebendig und das ist etwas ganz anderes.“ (S. 199)

Bis kurz vor Schluss war ich also wirklich verliebt. Nicht nur in Olly, sondern in die ganze Geschichte. In das Buch. In die Worte.

Aber – ja, es muss leider ein Aber folgen – der Schluss hat mir das Buch leider ein wenig kaputt gemacht. Die Autorin macht es sich mit dem Ende ziemlich leicht, finde ich. Außerdem gibt es eine interessante Nebenhandlung, die Olly betrifft, doch an dieser Stelle bleibt Nicola Yoon viel zu oberflächlich. Es scheint so, als wollte sie Olly etwas Tiefgang verleihen, indem auch er seine eigene Geschichte bekommt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass diese dann auch mehr Raum bekommt.

„Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ konnte mich in vielen Aspekten überzeugen. Ich mochte Maddy und Olly. Die Liebesgeschichte, die sich langsam und vorsichtig zwischen den beiden entspannt, konnte mich sehr berühren, was vor allem daran lag, dass die Autorin sie wundervoll bildhaft beschrieben hat. Doch das Ende und auch die Geschichte um Olly und seine Familie haben mich nicht wirklich zufriedengestellt. Deswegen vergebe ich trotz großer Begeisterung über weite Teile des Buches hinweg nur 7 von 10 Sternen.

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„Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ war 2016 für den DJLP nominiert.

Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt – Nicola Yoon – Hardcover – 336 Seiten – 16,99 € – ISBN-13: 978-3-7915-2540-2 – erschienen: September 2015 (Dressler) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Nur ein Tag“ & „Und ein ganzes Jahr“ von Gayle Forman

Inhalt:

„‚Ja, ich bin hier‘, wiederhole ich. Und das bin ich. Hier. Auf dem Weg nach Paris. Mit ihm.“ (Nur ein Tag, S. 53)

Allyson ist bisher in ihrem Leben immer die Brave gewesen, hat immer das getan, was ihre Eltern für sie geplant haben. Sie geht einen vorgegebenen Weg, wird nach der Europareise mit dem Medizinstudium beginnen. Doch dann begegnet sie in Europa Willem, dem gutaussehenden Schauspieler, der sie für einen Tag mitnimmt nach Paris. Für ihn ist sie Lulu – ein verrücktes Mädchen, das einfach mit einem Fremden in die Stadt der Liebe fährt und dort Dinge tut, die sie vorher nie für möglich gehalten hätte. Ein Tag in Paris. Ein Tag, der das Leben der beiden von Grund auf verändern wird.

Meine Meinung:

Die beiden Bücher zu rezensieren, ist schwer. Und zwar aus dem einzigen Grund, dass ich nichts Inhaltliches verraten möchte. Die Geschichte aus „Nur ein Tag“ gehört mehr Allyson, wohingegen „Und ein ganzes Jahr“ vor allem Willem gehört.

Das macht vielleicht schon deutlich, dass diese Romanzweiteiler zwar durchaus eine Liebesgeschichte ist, sich aber eigentlich hauptsächlich mit der Entwicklung der beiden Hauptfiguren beschäftigt. Sowohl Allyson als auch Willem sind eigentlich mit ihrem Leben nicht wirklich zufrieden. Allyson merkt dies relativ schnell, während Willem für diese Erkenntnis mehr Zeit braucht. Beide suchen sie nach der großen Liebe – aber vor allem nach sich selbst.

Nur einen Tag verbringen Allyson und Willem zusammen in Paris und als Leser wünscht man sich für die beiden, dass dieser Tag nie enden wird. Ich habe so gerne miterlebt, wie Allyson als Lulu plötzlich eine ganz andere wird, fröhlich, mutig und glücklich.

„Wieder lacht Willem, und sein Lachen klingt voll und klar wie eine Glocke und erfüllt mich mit Freude, und es ist, als würde ich zum ersten Mal im Leben erkennen, dass dies der Sinn des Lachens ist. nämlich Freude zu verbreiten.“ (Nur ein Tag, S. 101)

Schon die ersten Duologie („Wenn ich bleibe“ und „Lovesong“) von Gayle Forman war toll und ein besonderer Lesegenuss. Auch hier hat die Autorin den Leser mit auf eine Reise genommen, die er so teilweise nicht erwartet hat. In ihren Büchern ist nicht alles rosarot, man bekommt die große Liebe nicht einfach auf dem Silbertabelett serviert, sondern muss wie ihre Protagonisten darum kämpfen – Seite um Seite auf der Suche nach der eigenen Identität.

„Manchmal lässt das Schicksal, das Leben oder wie immer du es nennen willst, eine Tür einen Spalt offen, und du gehst hindurch. Aber manchmal schließt es die Tür, und du musst den Schlüssel suchen, das Schloss aufbrechen oder das verdammte Ding eintreten. Und manchmal zeigt es dir nicht mal die Tür, und du musst dir selbst eine bauen.“ (Und ein ganzes Jahr, S. 159)

„Nur ein Tag“ und „Und ein ganzes Jahr“ hat mich positiv überrascht. Ich hatte schon hohe Erwartungen an die beiden Bücher und doch wurden diese noch übertroffen. Wer eine reine Liebesgeschichte erwartet, ist vielleicht nach dem Lesen enttäuscht. Ich allerdings hatte das Gefühl, dass ich so viel mehr bekommen habe als das. Ich habe Allyson und Willem bekommen – zusammen und einzeln; in all ihren Facetten. 10 von 10 Sternen!

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Nur ein Tag – Gayle Forman – Klappbroschur – 432 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8414-2106-7 – erschienen: März 2016 (Fischer) – Übersetzung: Stefanie Schäfer

Und ein ganzes Jahr – Gayle Forman – Klappbroschur – 368 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8414-2107-4 – erschienen: März 2016 (Fischer) – Übersetzung: Stefanie Schäfer