[Kurzer Leseeindruck] „Isla. Schwanenmädchen“ von Lucy Christopher

Isla SchwanenmädchenKlappentext:

Jedes Jahr warten wir auf sie. Sie kommen, wenn es kalt wird. Papa sagt, sie kündigen Wundervolles an. Wir stehen ganz früh auf und beobachten, wie sie über dem See kreisen, im Wasser landen und dann weiterziehen. Sie sind so schön und stolz – und auch ein bisschen unheimlich. Aber in diesem Jahr ist gar nichts wundervoll. Papa muss ins Krankenhaus, weil er was Schlimmes am Herzen hat. Und ein einzelner Schwan bleibt einfach auf dem See zurück, ganz allein. Irgendwas stimmt nicht mit ihm, so wie bei Papa. Wenn ich es schaffe, dass der Schwan wieder fliegt und seine Familie findet, vielleicht wird Papa dann ja wieder gesund. (Quelle)

Mein Eindruck:

Lucy Christopher konnte mich bisher mit und „Stolen“ und „Kiss me, kill me“ voll und ganz überzeugen. Während sich diese beiden Bücher eher an ältere Jugendliche richten, ist „Isla. Schwanenmädchen“ sicherlich vor allem etwas für Leser im Alter von 11-14 Jahre. Die Geschichte, die Lucy Christopher hier erzählt, ist so vieles: Traurig und mutmachend. Sanft und aufregend. Und vor allem: magisch! Ich mag ihren einnehmenden Schreibstil. Beim Lesen fühle ich mich immer so, als stände ich unmittelbar neben der Hauptperson und würde das selbe fühlen, sehen und riechen wie sie. Von mir eine absolute Leseempfehlung!

stern 9

Das Buch ist aktuell nur gebraucht zu erstehen.

Isla. Schwanenmädchen – Lucy Christopher – Hardcover – 336 Seiten – 12,95 € – ISBN: 9783551520173 – erschienen: August 2011 (Carlsen)

[Rezension] „Kiss me, kill me“ von Lucy Christopher

Kiss me kill meKlappentext:

Das kann nicht sein! Niemals hat Emilys Vater das Mädchen umgebracht, auch wenn alles gegen ihn spricht. Emily ist von seiner Unschuld überzeugt, aber sie weiß nicht, was wirklich im Wald passiert ist. Der Wald, in dem ihr Vater die tote Ashlee gefunden hat. Der Wald, in dem es dunkle Pfade und verbotene Spiele gibt. Der Wald, in dem Damon sich plötzlich mit ihr treffen will, obwohl er sie bisher keines Blickes gewürdigt hat. Emily muss vorsichtig sein, denn Damon war Ashlees Freund. Vielleicht will er sich rächen. Vielleicht ist da aber auch tatsächlich etwas – zwischen ihm und ihr. Und vielleicht kann Emily sogar herausfinden, was wirklich geschehen ist. (Quelle)

Meine Meinung:

Schon von „Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ von Lucy Christopher war ich total beeindruckt, vor allem, weil mich die Autorin durch ihre Art zu Schreiben total in den Bann gezogen hat. „Kiss me, kill me“ klang total interessant und auch das Cover hat mich überzeugt, also war klar, dass ich es über kurz oder lang lesen musste.

Das Szenario ist wirklich gelungen: Zum einen ist die Grundsituation spannend: Emily möchte die Unschuld ihres Vaters beweisen. Ihres geliebten Vaters, der mit ihr früher so viel durch den Wald gestreift ist, in dem Ashlee tot aufgefunden wurde. Ihres Vaters, der, seit er im Krieg aus Versehen eine Zivilstin getötet hat, einfach nicht mehr der selbe und auch manchmal für sie angsteinflößend ist. Ihres Vaters, der aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung an Flashbacks leidet und sich selbst nicht mehr an die entsprechende Nacht erinnern kann. Auf der anderen Seite steht Damon, der Freund von Ashlee. Auch er kann sich an die entsprechende Nacht nicht mehr erinnern, was vor allem daran liegt, dass er berauscht von Alkohol und Drogen das „Spiel“ gespielt hat. Was genau das Spiel ist, weiß man als Leser anfangs nicht. Damon, der sich plötzlich gar nicht mehr so sicher ist, dass er Ashlee tatsächlich nach Hause gebracht. Und der nicht mehr weiß, was er von seiner eigenen Rolle bei dem Verbrechen zu halten hat.

Die Geschichte spielt zu großen Teilen in dem großen düsteren Wald – dem Darkwood -, in dem Ashlee tot aufgefunden wurde. In einem Nachwort beschreibt die Autorin, dass dies auch die Grundlage für den kompletten Roman war. Sie wusste als allererstes, dass ihre Geschichte, welche auch immer es sein würde, im Wald spielen sollte. Das klingt vielleicht erst einmal merkwürdig, hat sich im Nachheinein aber als ziemlich genial herausgestellt, denn die Atmosphäre, die dort entsteht, ist nicht nur einnehmend, sondern auch für den Leser stellenweise unheimlich und erdrückend.

Lucy Christopher erzählt die Geschichte kapitelweise abwechselnd aus der Sicht von Emily und Damon: ein in Thrillern beliebtes und auch hier sehr wirkungsvolles Stilmittel. Stück für Stück entrollt sich die Geschichte vor dem Leser. Ich war schon nach wenigen Seiten total gebannt und konnte nicht anders, als weiterzulesen.

„Kiss me, kill me“ knüpft in meinen Augen nahtlos an den Erfolg von „Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ an. In einem unheimlichen Szenario führt die Geschichte den Leser an die Abgründe der menschlichen Psyche. Das Buch ist gut geschrieben, richtig gut! Die Autorin scheut sich allerdings auch nicht davor, die Dinge beim Namen zu nennen und Tabuthemen aufzugreifen. Das sollte man vor dem Lesen wissen. Ich persönlich bin begeistert und vergebe sehr gute 8 von 10 Sternen!

stern 8

Kiss me, kill me – Lucy Christopher – Klappbroschur – 384 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-551-52033-3  – erschienen: Januar 2014 (Chicken House) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Stolen“ von Lucy Christopher

stolenInhalt:

„It’s funny, but I always thought I could trust your blue eyes. I thought they were safe somehow. All the good guys have baby blue eyes.“ (S. 1)

Die sechzehnjährige Gemma wird auf einem Flughafen entführt. Ihr Entführer, der sie gut zu kennen scheint, ist auf den ersten Blick gar nicht so unsympathisch. Gemma hat sich vor ihrer Entführung sogar mit ihm unterhalten. Doch dann bringt er sie mitten ins Nirgendwo von Australien. In einem Brief an ihren Entführer beschreibt Gemma, wie alles aus ihrer Sicht passiert ist, was sie gefühlt und gedacht hat.

„‚I hate you‘, I screamed. ‚I fucking hate you,‘

You moved your hand away immediately, as if I’d suddenly burnt ist.

‚Maybe that’ll change,‘ you said softly.“ (S. 38)

Meine Meinung:

Bisher habe ich zu diesem Buch, bzw. zur deutschen Variante „Ich wünschte, ich könnte dich hassen“ nur positive Rezensionen gelesen. Und weil das Cover einfach auch so wunderschön ist, musste ich das Buch selber lesen. Ich kann vorweg nehmen, dass das eine gute Entscheidung war.

Dieses Buch ist anders. Nicht nur, weil es ein besonderes Thema, nämlich eine fiktionale Entführung aus der Sicht des Opfers schildert, sondern vor allem auch durch den Schreibstil. Durch die Ich-Erzählung liegt der Fokus nicht auf den Gedanken und Plänen des Entführers, sondern stellt die Emotionen von Gemma in den Mittelpunkt.

Des Weiteren ist das komplette Buch als ein langer Brief an den Entführer verfasst, was sich erstmal etwas gewöhnungsbedürftig liest, denn der Entführer wird immer mit „Du“ angesprochen. Dies bewirkt meiner Meinung nach, dass sofort klar wird, welch enge Beziehung zwischen Gemma und Ty – dem Entführer – besteht. Vielleicht aber ist die Anrede, die mich als Leser ja indirekt auch anspricht, auch der Grund, warum mir Ty nie wirklich unsympathisch war. Interessanterweise waren meine Emotionen immer gegensätzlich zu denen von Gemma. Wenn sie sich von ihm distanzierte, wünschte ich mir eine Annäherung, und umgekehrt. Ob es auch anderen Lesern so ging, weiß ich nicht.

Das Buch ist durchweg in einer sehr berührenden Sprache geschrieben. Der Autorin gelingt es, den Schauplatz Australien so faszinierend zu beschreiben, dass ich gut verstehen kann, warum Ty dort in der Einsamkeit den Rest seines Lebens verbringen will.

Trotz aller Begeisterung muss ich mich fragen, ob dieses Buch der Realität, einer realen Entführung gerecht wird, und ob es nicht vielleicht etwas zu beschönigend ist. Ich für meinen Teil hatte zwischenzeitlich große Sympathie mit dem Entführer. Und ob dies das schlussendliche Gefühl nach einer solchen Geschichte sein sollte, ist natürlich immer fraglich.

Deswegen gibt es einen Stern Abzug: 9 von 10 Sternen für dieses wortgewaltige Buch.

 stern 9

Stolen – Lucy Christopher – Taschenbuch – 320 Seiten – 7,30 € – ISBN-13: 978-1906427139 – erschienen: Mai 2009 (Scholastic)