„Spiegelkind“ von Alina Bronsky

SpiegelkindReiheninfo:

  1. „Spiegelkind“
  2. „Spiegelriss“
  3. – Titel noch unbekannt –

Inhalt:

Julis Eltern haben sich vor einigen Monaten getrennt. Abwechselnd versorgen sie nun jeder eine Woche lang die fünfzehnjährige Juli und ihre beiden Geschwister. Als Juli eines Tages in einer Mutter-Woche stattdessen ihren Vater und eine völlig verwüstete Wohnung vorfindet, wird ihr klar, dass etwas nicht stimmen kann.

„Ich lag unter meiner Decke und grübelte und hatte noch keine Ahnung, dass in dieser Nacht, in dieser Sekunde, in der ich nach Hause gekommen war und an Mamas Stelle Papa entdeckte, dass genau dann meine Welt begann sich auf den Kopf zu stellen. Es war nur eine leise Ahnung, dass mein Leben bis jetzt vielleicht gar nicht mein richtiges Leben gewesen war. Die Vorstellung machte mir Angst. Ich zog mir eine Decke über den Kopf, einen Vorhang über jene meiner Gedanken, die mich verstörten.“ (S. 19)

Und dann passiert das unvorstellbare: Durch ihren Vater erfährt Juli, dass ihre Mutter eine Phee ist. Das Wort kennt Juli bisher nur als Schimpfwort oder als Bezeichnung von grausamen, verabscheuungswürdigen Wesen in Kinderbüchern. Und nun soll ihre Mutter eine Phee sein? Gemeinsam mit ihrer neuen Freundin Ksü versucht Juli mehr über die Pheen und damit auch über den Verbleib ihrer Mutter zu erfahren.

Meine Meinung:

Bekannt wurde die Autorin Alina Bronsky mit ihrem Jugendroman „Scherbenpark“. Als ich den Klappentext von „Spiegelkind“ gelesen habe, war ich zunächst überrascht. Ich hatte nicht damit gerechnet, von Frau Bronsky ein Jugendbuch zu lesen, das grob unter das Genre „Fantasy“ zu fallen scheint.

Um all den Zweiflern an diesem Buch und dem Genrewechsel der Autorin direkt den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ein Bronksy bleibt ein Bronsky, auch wenn die Geschichte mal fantastisch, mal fast märchenhaft wirkt.

Denn neben dem Fantasy-Anteil weist dieses Buch immer noch einen gesellschaftskritischen Teil auf. Es wirkt sogar fast dystopisch:

Die Welt, in der diese Geschichte spielt, ist mit der unseren nicht unbedingt zu vergleichen: Die Bevölkerung unterteilt sich in Freaks und Normale, wobei lange Zeit nicht klar ist, was überhaupt den Unterschied ausmacht. Alle Normalen sind mit Armbändern ausgestattet, auf denen sämtliche ihrer Daten gespeichert sind.

Die Leute bleiben unter sich, haben kaum Kontakt zu anderen, geschweige denn, dass sich wahre Freundschaften bilden. Dieses Szenario bietet eine interessante Basis für den Rest der Geschichte.

Der Schreibstil ist genauso gut, wie man es von Frau Bronsky gewohnt ist, zwar etwas weniger hart, aber immer noch mitreißend und fesselnd.

Die Geschichte lebt für mich aber vor allem durch Ksü, die im Laufe der Geschichte Julis einzige Freundin wird. Ksü lässt sich in kein Schema stecken: sie sieht zwar aus wie ein Freak, kann sich aber benehmen wie eine Normale. Außerdem ist sie die beste Freundin, die man sich nur wünschen kann.

Zum Ende hin wurde die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu märchenhaft. Ich bin nun mal so gar keine Märchentante. Außerdem bleibt man mit einem ganz schönen Cliffhanger vor dem zugeklappten Buch sitzen, denn dies ist der erste Teil der Spiegel-Trilogie. Ich werde also mit Sicherheit den zweiten Band lesen, denn ich möchte unbedingt wissen, wie es mit Juli, Ksü und Ivan (Ksüs Bruder) weiter geht.

Da mich das Buch gut unterhalten und der Genremix mich sehr fasziniert hat, vergebe ich 8 von 10 Sternen. Wenn jemand eine fantastische und gleichzeitig gesellschaftskritische Geschichte lesen möchte, die über lange Zeit ihre Geheimnisse verbirgt und den Leser dadurch neugierig über die Seiten fliegen lässt, sollte zu „Spiegelkind“ greifen.

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Spiegelkind – Alina Bronsky – Hardcover mit SU – 304 Seiten – 14,99 € – ISBN-13: 978-3401067988 – erschienen: Januar 2012 (Arena) – Altersempfehlung: 11-13 Jahre (meiner Meinung nach eher älter)

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[Rezension] „Die Poison Diaries. Liebe ist unheilbar“ von Maryrose Wood

8414_Wood_Poison_Diaries_P03.pdfInhalt:

Um 1880: Jessamine lebt alleine mit ihrem Vater, einem passionierten Kräutergärtner und Heiler, in einer alten Kapelle. Während ihr Vater Patienten besucht oder Studien zu der Wirksamkeit verschiedener Pflanzen durchführt, besteht Jessamines Aufgabe darin, sich um den Garten und die jungen Sprösslinge zu führen. Doch ein Teil des Gartens ist für sie Tabu: der geheime Garten wird durch ein schweres Tor verschlossen und nur ihr Vater hat Zutritt zu den Pflanzen, die dort wachsen.

Insgesamt ist Jessamines Leben ziemlich einsam, oft redet sie mit den Pflanzen, um überhaupt ihre Stimme zu benutzen. Doch dies soll sich eines Tages ändern, als Weed – ein verstörter, verkümmerter Junge in Jassamines Alter – in ihr Leben tritt. Weed scheint Dinge über Heilpflanzen zu wissen, die selbst Jessamines Vater neu sind. Woher hat er dieses Wissen und warum sträubt er sich so, dem geheimen und verbotenen Garten näher zu kommen?

Jessamine hat ein anderes Interesse an Weed als ihr Vater. Sie ist gleich von Anfang an von seinen wunderschönen grünen Augen fasziniert…

Meine Meinung:

Dieses Buch zu bewerten, fällt mir absolut nicht leicht. Vor allem nicht, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten und dadurch eventuelle zukünftige Leser zu spoilern.

Auf der einen Seite lässt sich die Geschichte gut, schnell und flüssig lesen. Abgesehen von der Tatsache, dass mir zu viele blumige- und naturbezogene Adjektive den Text beherrschen, hat die Autorin einen angenehmen Schreibstil, der dazu verführt, das Buch gemütlich draußen in der Sonne zu lesen.

Doch nutzt die Autorin leider wirklich ständig Vergleiche, die sich auf landschaftliche oder pflanzliche Dinge beziehen.

„Seine grünen Augen sind so trübe wie ein schlammiger Teich.“ (S. 90)

„Meine Gedanken sind so verheddert und dornig wie eine Brombeerhecke, …“ (S. 106)

Würden solche Bilder nur ab und an auftauchen, hätte ich sie als schöne Untermalung der eigentlichen Handlung und als gelungene Veranschaulichung ansehen können. So allerdings wirkten sie für mich wie mindestens ein Mal zu oft an den Haaren herbeigezogen.

Doch weiter mit den positiven Aspekten: Die Idee, die hinter diesem Buch steht, ist mir absolut neu. Eine Geschichte, die Pflanzen, ihre Heilwirkung und die Natur an sich in den Vordergrund ihrer Handlung stellt, habe ich bisher noch nicht gelesen. Prinzipiell finde ich den Gedanken interessant. Doch leider muss ich auch hier direkt mit einer Kritik anschließen: Für meinen Geschmack uferte die Idee zum Ende hin zu sehr aus. Mir wurde alles etwas zu abstrus, zu fantastisch (im Sinne des Fantasie-Genres) und zu abgehoben. Weitere Erklärungen kann ich leider an dieser Stelle nicht geben, da sie zu viel vom Inhalt verraten würden.

Ein Buch mit einer neuartigen Idee und einer gut lesbaren Schreibe, das mir allerdings einfach inhaltlich nicht gefallen hat, da es ab einem bestimmten Zeitpunkt für meinen Geschmack zu skurril wurde. Ich bin auf andere Meinungen gespannt, kann aber selber nur 4 von 10 Sternen geben.

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Die Poison Diaries 1: Liebe ist unheilbar – Maryrose Wood – Hardcover mit Schutzumschlag – 272 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3841421241 – erschienen: Juni 2011 (Fischer)