[Geplauder] Eine große Liebe: Das Meer

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Wie Träume liegen die Inseln
Im Nebel auf dem Meer.
(Aus: „Meeresstrand“ von Theodor Storm)

Laut und leise.
Stürmisch und wogend.
Spiegelglatt glitzernd.
Rau und unverzeihlich.
Mächtig und unbändig.
Brausend, wild und mit brechenden Wellen.
Sanft, plätschernd und tröstend.

Das Meer ist so vielfältig wie die Stimmungen von Menschen. Auf viele Menschen übt es eine besondere Faszination aus. Auf mich als Mädchen von der Nordsee natürlich sowieso. Deswegen ziert auch der obige Ausschnitt aus dem Gedicht von Theodor Storm, der wie ich aus Husum kommt, meinen Unterarm.

Ich liebe das Meer mit all seinen Facetten, Farben und Gerüchen. Denn eines schafft das Meer immer:

Mich innerlich ganz friedlich machen. Meinen Herzschlag verlangsamen.
Immer im Takt der ankommenden Wellen.

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen nur Meer
Nur Meer
(Aus: „Meer“ von Erich Fried)

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[Rezension] „Aquarius“ von Thomas Finn

AquariusKlappentext:

Bei den Bergungsarbeiten an einer alten Seemine geschieht ein Unglück: Die Mine explodiert. Als Berufstaucher Jens Ahrens wieder zu Bewusstsein kommt, findet er sich in einem Keller wieder, gefangen mit anderen Männern, die unter Drogen gesetzt und so wehrlos gemacht wurden. Nur mit Mühe kann er sich befreien und flüchtet nach Egirsholm, eine kleine, wohlhabende Küstensiedlung. Diese aber wird zum Schauplatz rätselhafter Todesfälle. Menschen ertrinken – und das sogar auf der Landstraße oder in ihrem Haus! Etwas geht vor sich, in das Jens so schnell und tief hinab gesogen wird, dass er sich nicht mehr entziehen kann. Das Meer ist unruhig. Und es ist wütend. (Quelle)

Meine Meinung:

„Aquarius“ ist ein Mistery Thriller.
Grundsätzlich lese ich keine Mystery Thriller und mag sie auch nicht besonders.
Ich fand „Aquarius“ genial.

Diese drei Aussagen sollen deutlich machen, wie gut dieses Buch ist und wie toll Thomas Finn schreiben kann. Denn er hat es tatsächlich geschafft, mich ein Stückchen von diesem Genre zu überzeugen.

Vielleicht stellt sich jetzt zunächst die Frage, warum ich dieses Buch überhaupt gelesen habe, wenn es mich doch gar nicht so sehr zu Mystery Thriller hinzieht. Das liegt vor allem daran, dass ich Thomas Finn auf der Frankfurter Buchmesse live erleben durfte und von ihm und allem, was er zu diesem Buch erzählte, begeistert war. Ich glaube, besonders beeindruckt hat mich seine Schilderung, wie genau er für seine Bücher grundsätzlich und für „Aquarius“ im Speziellen recherchiert hat. Und wenn zu diesem Zeitpunkt noch Überzeugungsarbeit nötig gewesen wäre, dann tat die Tatsache, dass die Handlung in der Nähe meiner Heimatstadt Husum spielt, ihr Übriges.

Zurück zum Buch: Man merkt der Geschichte wirklich die lange und genaue Recherchezeit an. Finn verknüpft gekonnt alte Sagen und Mythen mit der heutigen Zeit. Er beschreibt Schauplätze und den besonderen Schlag Menschen glaubwürdig. Und wenn mir morgen jemand erzählen würde, dass es Sirenen tatsächlich gibt, dann wäre ich gar nicht mal abgeneigt, der Person zu glauben.

Ich hoffe, dies liest sich nicht so, als würde das Buch eine Aneinanderreihung verschiedener Sagen und historischer Fakten sein, denn dem ist nicht so. „Aquarius“ ist unheimlich spannend und mitreißend geschrieben. Ich konnte das Buch wirklich nicht aus der Hand legen und das – das möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen – , obwohl es ja gar nicht unbedint meinem üblichen Lesefutter entsprach.

Kurz und knapp (Ich habe nämlich das Gefühl, gar nicht richtig in Worte fassen zu können, wie gut ich dieses Buch fand): „Aquarius“ ist super! Es glänzt durch Spannung, Innovation (endlich mal keine Zwerge, Drachen, Elfen, sondern Sirenen), sympathische Charaktere und dem Gefühl, dass sich der Autor wirklich gut mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Ich bin schon auf der Suche nach dem nächsten Buch des Autors und vergebe erstmal gute 9 von 10 Punkten.

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Hier findet ihr übrigens einen sehr spannenden Werkstattbericht des Autors.

Aquarius – Thomas Finn – Klappbroschur – 416 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-492-70337-6 – erschienen: Oktober 2014 (Piper)

[Rezension] „Über uns das Meer“ – Sabine Giebken

Über uns das MeerKlappentext:

Er weckt ihren Ehrgeiz, dieser Apnoetaucher mit dem seltsamen Namen Angel: Mit nur einem Atemzug taucht er in die Tiefe, weiter hinunter als jeder sonst, und Lou geht an ihre Grenzen, um ihn dorthin zu begleiten. Das Risiko reizt sie, ja, aber mehr noch lockt sie das Gefühl der Freiheit, das sie in der Umarmung des Wassers empfindet. Doch Angel sucht noch etwas anderes dort unten. Wie ein Geist folgt ihm seine Vergangenheit ins Meer, und Lou hat Angst, ihn für immer an die Schwärze zu verlieren. […] (Quelle)

Meine Meinung:

„‚Freitauchen bedeutet nicht nur, die Tiefe zu jagen und so lange wie möglich ohne Luft auszuhalten“, stimmte er meinen Gedanken zu. „Es ist viel mehr. Es heißt, der Welt zu entkommen. Frei zu sein. Wenn du unter Wasser bist, hast du die ultimative Kontrolle.“‚ (S. 168)

Frei sein, die Kontrolle haben – genau das möchte Lou, als sie die Abiklausuren hinschmeißt, aus dem Internat abhaut und Zuflucht im Haus ihrer verstorbenen Großmutter sucht. Hier auf Elba scheint zunächst alles anders zu sein. Leichter. Und als sie den gutaussehenden Apnoe-Taucher Angel kennenlernt, ist sie fasziniert: sowohl von ihm als auch vom Tauchen ohne Luft.
Doch bald schon beginnen die Schatten der Vergangenheit sie einzuholen…

‚“Wenn du fliehst“, hörte ich die Stimme aus der Dunkelheit, sacht, glühend, wie eine Kerze, ein akustisches Leuchten, „kommst du dir vor wie ein Held. Unbesigbar. Dann wird auf einmal alles leer, und du fragst dich, warum du eigentlich abgehauen bist. Landest vielleicht voll in der Scheiße und bereust alles, was du je gemacht hast. Bis du merkst, die Geister in deinem Kopf, vor denen du wegläufst, sind alle mitgekommen.“‚ (S. 26)

Eindringlich und faszinierend! – Das sind die ersten Adjektive, die mir einfallen, um dieses Buch zu beschreiben. Lou ist Angel und dem Apnoe-Tauchen sofort verfallen. Mir als Leserin ging es ähnlich. Ich hätte mich gerne ähnlich frei und leicht gefühlt, wäre gerne mit Angel und seinen blauen Augen gemeinsam zum Meeresgrund getaucht.

„Über uns das Meer“ ist ein unheimlich einnehmender Jugendroman, der den Leser auf eine ganz besondere Reise mitnimmt: eine Reise ins tiefe Blau, auf den Meeresgrund und zu sich selbst. Die Geschichte verbindet sehr gekonnt leichte und schwierige Themen und ist einfach rund. Eine Kleinigkeit, die ich hier nicht benennen kann, ohne zu spoilern, hat mich dennoch gestört, weswegen ich „nur“ 8 von 10 Sternen vergeben kann.

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Über uns das Meer – Sabine Giebken – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 18,95 € – ISBN 978-3-7348-5601-3  – erschienen: September 2014 (Magellan) – Altersempfehlung: ab 14 Jahre