[Rezension] „Tanz der Tiefseequalle“ von Stefanie Höfler

Niko ist intelligent. Er ist mutig und steht tapfer über den Spötteleien seiner Mitschüler. Niko liebt es, sich in Tagträumen zu verlieren und dabei geniale Dinge zu erfinden. Er ist selbstironisch und besitzt einen mitreißenden Wortwitz. Seine Mitschüler sehen allerdings nur eins: Niko ist unglaublich dick!

Sera findet es meistens gar nicht so lustig, wenn ihre Mitschüler Niko ärgern, doch sie setzt sich auch nicht für ihn ein. Sera klettert gerne auf Bäume, aber davon darf niemand etwas wissen. Ihre Mitschüler sehen nur eins: Sera ist unglaublich schön!

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Es gibt Bücher, die berühren einen beim Lesen, ohne dass man genau in Worte fassen kann, was der Grund dafür ist. „Der Tanz der Tiefseequalle“ ist so ein Buch!

Als Sera auf der Klassenfahrt von einem Mitschüler begrapscht wird, geht Niko mutig dazwischen. Quasi der erste echte Kontakt zwischen den beiden, denn ansonsten haben die scheinbar so gegensätzlichen Jugendlichen nichts miteinander zu tun. Abends dann fordert Sera Niko zum Tanz auf, wobei sie selbst nicht genau weiß, warum sie dies tut. Zwischen den beiden entwickelt sich eine verrückte Freundschaft, in der beide lernen müssen, dass der äußere Schein manchmal trügt …

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Niko und Sera erzählt, so dass man als Leser die Gedanken und Gefühle, Sorgen und Hoffnungen von beiden gut mitbekommt. Stefanie Höfler gibt den beiden ganz eigene und authentische Erzählstimmen. Ich hätte mit dem Lesen am liebsten gar nicht aufgehört.

„Tanz der Tiefseequalle“ ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und ich weiß jetzt schon, dass ich dem Titel ganz fest die Daumen drücken werden, denn es ist gleichzeitig eine schöne, witzige und tiefgründige Geschichte. Ich wünsche ganz vielen Lesern das Vergnügen, Niko und Sera kennenzulernen!

stern 10

Dieses Buch wurde 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, mittlerweile ist es auch als Taschenbuch erschienen.

Tanz der Tiefseequalle – Stefanie Höfler – Hardcover – 190 Seiten – 12,95 € – ISBN: 978-3-407-82215-4 – erschienen: April 2018 (Beltz & Gelberg) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

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[Rezension] „Schweigen ist Goldfisch“ von Annabel Pitcher

Klappentext:

Tess hatte nie das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Als sie eines Nachts am Computer ihres Vaters die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt – nämlich dass er eben nicht ihr Vater ist – weiß sie auch, warum das so ist. Sie ist Pluto, aber ihre Eltern wollten einen Mars. Oder wenigstens eine Venus.
Was soll Tess dazu noch sagen? Ihr fehlen die Worte. Und so schweigt sie. Schweigend sucht sie ihren richtigen Vater. Schweigend unterhält sie sich mit ihrem Plastikgoldfisch, Mister Goldfisch. Schweigend verliert sie ihre beste Freundin und findet einen neuen Seelenverwandten. Und sie gewinnt die allerwichtigste Erkenntnis überhaupt: nämlich, dass Schweigen Macht verleiht – aber Reden noch viel mehr. (Quelle)

Meine Meinung:

„Meine Schwester lebt unter dem Kaminsims“ von Annabel Pitcher ist eines dieser ganz besonderen Bücher. Ein echter Schatz! Jetzt gibt es nach „Ketchuprote Wolken“ ein weiteres neues Buch der Autorin, das natürlich ganz weit oben auf meiner Must-Read-Liste stand. Zu Recht?

Tess ist zwar absolut nicht das beliebteste Mädchen der Schule, doch sie hat eine beste Freundin und liebende Eltern. Aber als sie eines Tages herausfindet, dass ihr Vater gar nicht ihr richtiger Vater ist, bricht ihre Welt zusammen. Sie hat einfach keine Worte mehr für all das, was in ihrem Kopf vorgeht. Und so beginnt sie zu schweigen. Ihr einziger Gesprächspartner bleibt eine Taschenlampe in Goldfischform.

„Vielleicht muss man die Wahrheit lauter herausschreien, um all die Lügen zu übertönen? Oder man klinkt sich ganz aus, so wie Tess. Vielleicht ist Schweigen die beste Form des Protests.“ (S. 391)

Ich glaube, die wenigsten von uns können sich vorstellen, wie es ist, zu erfahren, dass der Mann, den man immer für seinen Vater gehalten hat, gar nicht der eigene Vater ist. Tess‘ Situation ist sogar noch etwas schwieriger, denn sie findet auf dem Laptop ihres Vaters einen Beitrag, den er für die Website einer Samenbank geschrieben hat. Dort beschreibt er, dass er Tess‘ nicht lieben konnte und sich sogar von ihr abgestoßen fühlte. Das zu lesen, bringt Tess komplett durcheinander. Verständlicherweise.

Ich mag das Thema, das Annabel Pitcher mit dieser Geschichte aufgreift. Es geht um den Identitätsverlust und die verzweifelte Suche nach einem neuen Vater. Doch geht Tess dabei für meinen Geschmack etwas zu verzweifelt und irrational vor: Der nächstbeste Mann, der ihr halbwegs ähnlich sieht, wird als neuer Vater auserkoren. Die Nebengeschichte, die sich um diesen Mann entwickelt, hat mich ehrlich gesagt nicht wirklich interessiert.

Auch Tess‘ innere Dialoge mit Mister Goldfisch fand ich gewöhnungsbedürftig. Es ist natürlich äußerst praktisch, dass wir so an ihren Gedanken teilhaben können und auch mitbekommen, wie sehr sie innerlich eigentlich zerrissen ist, aber trotzdem fand ich die Vorstellung, dass sich eine Fünfzehnjährige mit einer Taschenlampe in Goldfischform unterhält etwas skurril. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich andere Leser nicht daran stören, aber wer mich kennt, weiß, dass solche Skurrilitäten immer nichts für mich sind.

Insgesamt bin ich ein klein wenig enttäuscht von dem neuen Buch von Annabel Pitcher. Obwohl ich das Thema und die erzählte Geschichte grundsätzlich mochte, konnte mich die Handlung nicht mitreißen. Das kann natürlich auch daran liegen, dass ich allgemein gerade nicht sehr leselustig bin. „Schweigen ist Goldfisch“ ist trotzdem ein gutes Buch, das steht außer Frage, aber es kann in meinen Augen nicht mit ihrem Debüt mithalten. Gute 6 von 10 Sternen!

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Schweigen ist Goldfisch – Annabel Pitcher – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-7373-5375-5 – erschienen: Mai 2016 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren – Übersetzung: Susanne Hornfeck

[Rezension] „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell

Klappentext:

Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die pummelige Eleanor und der gut aussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann. (Quelle)

Meine Meinung:

„Eleanor & Park“ habe ich schon vor langer Zeit gelesen und es dann in mein „Möchte ich noch rezensieren“-Regal gestellt. Und dort stand das Buch. Und stand. Und stand. Dass es für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, hat dazu geführt, dass ich heute doch versuchen möchte, meinen Eindruck zu schildern. Ich habe nämlich nur so lange gebraucht, eine Rezension zu beginnen, weil ich jetzt schon weiß, dass meine Worte nicht ausreichen und dieser Geschichte nicht gerecht werden.

Eleanor und Park haben es beide zu Hause nicht leicht – und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Ich finde es beeindruckend, dass es der Autorin gelingt, jedem der beiden ihr eigenes Schicksal zu lassen, ohne diese gegeneinander aufzuwerten und miteinander zu vergleichen. Ich möchte gar nicht viel näher darauf eingehen, was für Probleme die beiden haben, denn das sollte jeder Leser meiner Meinung nach selbst erfahren.

Als sich die beiden Jugendlichen im Bus begegnen, verbindet sie zunächst nichts. Park macht Eleanor nur neben sich Platz, weil er gut erzogen ist. Und bereut es sofort. Was sollen denn die anderen denken? Ja, auch er ist irgendwie ein Außenseiter, aber Eleanor ist wirklich unbeliebt. Und doch nähern sich die beiden irgendwann an. Und aus dieser Annäherung wird eine der schönsten Liebesgeschichte, die ich je gelesen habe.

Nach dem Lesen habe ich mit Nanni über dieses Buch gesprochen und ihr war es wichtig, zu betonen, dass die Geschichte von Eleanor und Park nicht nur schön, sondern eben auch wirklich traurig ist. Ja, das ist sie. So traurig, dass es beim Lesen weh tut. Aber dennoch überwiegt für mich das Schöne und Hoffnungsvolle.

„Eleanor & Park“ ist einfach ein wahrer Bücherschatz. John Green sagte, dass er in dieses Buch verliebt ist. Und ich bin es auch! 10 von 10 Sternen!

stern 10

Eleanor & Park – Rainbow Rowell – Hardcover – 368 Seiten – 16,90 € – ISBN 978-3-446-24740-6 – erschienen: Februar 2015 (Hanser) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren – Übersetzung: Brigitte Jakobeit

„Schlachtfeld“ von Luca Bloom

BGTB_Bloom-Schlachtfeld 040411.inddInhalt:

Johannes ist 15 Jahre alt und in der Schule ein Außenseiter. Er hat zwar gute Freunde, doch die besuchen nicht wie er das Gymnasium. Das Hauptziel von Johannes ist es, nicht aufzufallen, damit er keinen Ärger bekommt: Nicht von Mick, der andere Schüler drangsaliert und dem niemand Einhalt gebietet. Aber auch nicht von Herrn Zinn, seinem Geschichts- und Lateinlehrer, der mit spitzen und beleidigenden Bemerkungen oft genug auf seinen Schülern rumhackt.

Mick und Herr Zinn führen seit einiger Zeit einen Kleinkrieg, der immer mehr auszuarten droht. Und ausgerechnet Johannes gerät irgendwann zwischen die Fronten.

Meine Meinung:

„Na, mein Hübscher, wo soll’s denn hingehen?“

„In d… d… den U… U… Unterricht“, stotterte der Junge.

„In den U… U… Unterricht! Was für `ne Überraschung. Ach ss… ss… so, na dann wollen w… w… wir dich mal nicht a… a… aufhalten, was“, äffte Mick ihn nach. (S. 15)

Aber es gab natürlich auch solche Lehrer wie Herrn Zinn. Der kam rein, holte Luft und sagte: „Sven, bist du das, der so stinkt?“ Svens Eltern hatten einen Bauernhof. Und Sven kein Selbstbewusstsein. Nach diesem Satz wurde es nicht besser. (S. 19)

Die beiden Zitate zeigen hoffentlich, was mir an diesem Buch wirklich gut gefallen hat: Sowohl Herr Zinn, als auch Mick sind wirklich unangenehme Zeitgenossen, so dass es dem Leser schwer fällt, sich bei ihrem Kleinkrieg auf einer Seite positionieren. Es gibt hierbei keinen Schuldigen und keinen Unschuldigen. Es gibt nur Schuldige.

Das war für mich eine ganz ungewohnte Lese-Erfahrung, denn meistens wird einem vom Autor ja schon größtenteils vorgegeben, wie man gegenüber den Charakteren fühlen muss und soll.

Das und auch der Schreibstil der Geschichte haben mir gut gefallen. Johannes tritt fast nur als Erzähler auf, hat wenig Eigenanteil an der Handlung. Aber das Erzählen übernimmt er sehr gut. Kurze, knackige Sätze schildern realistisch das Leben eines Schülers, der versucht unsichtbar zu werden. Und er zeigt auch, was es heißt, wenn die Schule zum Schlachtfeld wird.

Ein großer Kritikpunkt ist für mich, dass dieses Buch in jeglicher Hinsicht extrem ist. Die Charaktere sind extrem und teilweise etwas überspitzt gezeichnet. Der Autor hat tief in die Klischeekiste gegriffen und einige Vorurteile hervorgezogen. Und auch die Handlung ist sehr extrem. Zwar konnte ich mir beim Lesen schon vorstellen, dass so etwas an einer Schule tatsächlich passiert, doch gipfelt alles in einem Höhepunkt, der schon sehr besonders ist.

Es mag sein, dass dieses Buch, um als Schullektüre wirken zu können, seine Extreme braucht. Um deutlich auf das hinzuweisen, was erzählt werden soll. Mir als erwachsener Leserin war es allerdings ein bisschen zu viel.

Ich denke, dass das Buch dazu führen kann, sowohl Lehrer als auch Schüler noch mehr dafür zu sensibilisieren, was sich im Klassenzimmer und Schulflur so alles abspielt. Die Schreibe des Autors und die interessante Figurenkonstellation haben mir gut gefallen. Da mir die Charaktere und die Handlung selber stellenweise aber zu extrem sind, vergebe ich insgesamt 5 von 10 Sternen.

stern 5

Schlachfeld – Luca Bloom – Taschenbuch – 142 Seiten – 6,95€ – ISBN-13: 978-3407742520 – erschienen: Juli 2011 (Beltz)

[Rezension] „Freihändig“ von Bettina Belitz

FreihändigInhalt:

Josh wird von seinem großen Bruder ständig und überall geärgert, aufgezogen und gemobbt. Besonders schlimm wird das, als Micha dann auch noch sitzen bleibt und in Joshs Klasse kommt. Und dann auch noch gemeinsam mit Micha zum Sportkurs gehen? Da hat Josh keine Lust zu und entschließt sich kurzerhand für den „Mädchensport“ Voltigieren. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich, dass Josh auf dem Pferderücken seine Sorgen vergessen kann und auch tatsächlich talentiert ist. Doch die Hänseleien von seinem Bruder gehen weiter und auch der Vater kann das „Ballett auf dem Pferd“ so gar nicht ernst nehmen. Aber zum ersten Mal in seinem Leben kämpft Josh für das, was er gerne tun möchte.

Meine Meinung:

Beim Lesen dieses Buches habe ich mich direkt wieder in meine Jugend versetzt gefühlt: ein absolutes Pferdebuch. Allerdings wirklich geschickt kombiniert mit der Thematik des Außenseiters, Mobbing, der Konkurrenz unter Geschwistern und der Frage nach geschlechtsspezifischen Sportarten. Ist man wirklich direkt schwul, nur weil man Pferde mag?

Vor dem Lesen des Buches habe ich selber ein bisschen skeptisch überlegt, wie männlich voltigieren eigentlich ist. Doch der Autorin gelingt es sehr geschickt, es als das natürlichste der Welt darzustellen, dass auch Josh als einziger Junge voltigieren möchte.

Ein wenig enttäuscht war ich allerdings vom Ende des Buches, das mir dann doch zu teeniemäßig „Happy End“ geraten ist. Leider macht das die restliche Handlung zumindest in meinen Augen etwas unglaubwürdig. Auch Josh ist mir an manchen Stellen etwas zu naiv. Er nimmt zumindest anfangs die Grausamkeiten seines großen Bruders hin, ohne sich zu wehren, und vor allem ohne den Grund dafür zu hinterfragen. Da Josh ansonsten als ein nachdenklicher Junge dargestellt wird, erscheint mir diese Naivität etwas unwahrscheinlich.

Im Großen und Ganzen allerdings hat Frau Belitz ein wirklich schönes Buch geschrieben, das sicherlich viele Mädchen- und vielleicht auch einige Jungenherzen höher schlagen lässt und auch mich als erwachsene Leserin sehr gut unterhalten hat. Insgesamt: 8 von 10 Sternen!

 stern 8

Freihändig – Bettina Belitz – broschiert – 298 Seiten – 12,95 € – ISBN-13: 978-3522201063 – erschienen: August 2010 (Thienemann)

[Rezension] „Der Tag, an dem ich starb“ von Anthony McGowan

Der Tag, an dem ich starbInhalt:

Paul, der Ich-Erzähler dieser Geschichte, befindet sich mitten in einem Kampf, denn jemand zielt mit einem Messer auf seine Kehle. Wie es zu dieser Situation gekommen ist, schildert Paul dem Leser auf seine ganz eigene Art und Weise im Rest des Buches.

Paul geht auf eine Schule, an der viel Gewalt, Unterdrückung und Mobbing herrscht. Paul ist Außenseiter, doch scheint er langsam zu einer Gruppe anderer Außenseiter – den Freaks – dazuzugehören. Wäre da nicht noch Roth, der unangefochtene Anführer und Schläger an der Schule. Paul muss sich entscheiden: Möchte er Ruhe vor Roth, was bedeuten würde, dass er sich diesem unterwirft und zu seiner Handpuppe wird? Oder möchte Paul zu der Gruppe der Freaks gehören, die eigentlich recht sympathisch sind? Dies würde bedeuten, dass er sich gegen Roth auflehnt und diesen gegen ihn aufbringt. Denn: „Man war entweder der Schläger oder der Geschlagene. Eine dritte Möglichkeit gab es nicht.“

Meine Meinung:

Um das Gesamtfazit schon vorweg zu nehmen: Endlich ein Buch ganz nach meinem Geschmack.

Mit einer Offenheit, Ehrlichkeit und auch Brutalität wird in diesem Buch ein Schulleben geschildert, von dem man nur hoffen kann, dass es in unseren Schulen möglichst selten vorkommt. Als Leser kann man den Konflikt, in dem sich Paul befindet, sehr gut nachempfinden. Mir wurde nochmals beim Lesen bewusst, wie schwer es in der heutigen Zeit für Jugendliche ist. Zu viele Einflüsse, Ängste und Wünsche zerren an Paul, so dass er nicht weiß, in welche Richtung sich sein Leben entwickeln kann und sollte. Auch wenn ihm deutlich bewusst ist, was richtig oder falsch ist, hat er oftmals keine andere Möglichkeit, als sich falsch zu verhalten. Und genau dies wird dem Leser deutlich. Allerdings versucht das Buch auch ein solches Verhalten nicht zu entschuldigen.

Ich denke, dieses Buch sollte unbedingt zur Schullektüre werden. Es schildert schülernah die oben genannten Probleme, ist dabei aber auch angemessen lustig. Insbesondere das Ende eignet sich sehr gut, um verschiedene Diskussionen zu entfachen.

Aber auch erwachsene Leser können aus diesem Buch eine Menge lernen und werden trotzdem gut unterhalten.

Ich bin wirklich begeistert, ein Buch, das sich ein wenig mit „Evil“ vergleichen lässt, aber mich noch mehr gefesselt hat: 9 von 10 Sternen.

stern 9

[Rezension] „Die Hassliste“ von Jennifer Brown

Die HasslisteInhalt:

Valerie und Nick sind an ihrer Schule eher Außenseiter, werden von vielen Schülern gemobbt. Doch als die beiden ein Paar werden, fühlen sie sich wie Seelenverwandte und alles ist leichter zu ertragen. Gemeinsam führen sie eine Hassliste, auf der all die Personen verzeichnet sind, die ihnen in der Schule besonders gemein mitspielen. Valerie nimmt diese Liste nicht ganz so ernst, für sie ist es mehr eine weitere Gemeinsamkeit mit Nick.

Doch Nick eröffnet eines Tages in der Cafeteria ihrer Schule das Feuer und schießt um sich. Ziel sind dabei insbesondere die Personen, die auf der Hassliste stehen.

Der Amoklauf wird nur dadurch beendet, dass sich Valerie vor eine Mitschülerin wirft und angeschossen wird. Daraufhin nimmt sich Nick das Leben. Nicht nur Valerie stellt sich danach die Frage, ob sie Heldin oder Mittäterin ist.

Meine Meinung:

Um es direkt vorweg zu sagen: Dieses Buch hat bei mir Gänsehaut und Tränen hervorgerufen. Ich habe bisher noch kein Buch über das sehr sensible Thema „Amoklauf an Schulen“ gelesen. Doch Jennifer Brown gelingt es meiner Meinung nach sehr gut, die einzelnen Fragen nach den Täter, den Opfern und den Hintergründen darzustellen. Mit Valerie hat sie eine Figur geschaffen, die ganz klar nicht eindeutig einer Gruppe (nämlich den Tätern oder den Opfern) zuzuordnen ist. Dies regt sehr zum Nachdenken an und bietet auch innerhalb des Buches Diskussionspotenzial. Sehr einfühlsam und mitfühlend beschreibt die Autorin die Situation von Valerie, die nicht mehr weiß, wer sie ist oder mal war. Ich konnte zu jeder Zeit Valeries Gedankengänge nachvollziehen und war von den Handlungen im Buch genauso mitgerissen und erschüttert wie die weibliche Hauptperson.

Die Geschichte verläuft eigentlich auf drei verschiedenen Zeitebenen: der Gegenwart (einige Monate nach dem Amoklauf), der Vergangenheit direkt am Tag des Amoklaufs und der noch früheren Vergangenheit, die vor dem Amoklauf liegt und die gemeinsame Geschichte von Valerie und Nick darstellt. Dadurch, dass diese drei Zeitebenen immer wieder abwechselnd dargestellt werden, ergibt sich nach und nach einer differenziertes Bild der Situation und eröffnet dem Leser immer wieder neue Blickwinkel.

Eigentlich möchte ich das Buch auch nicht weiter zerreden. Es ist eindeutig ein Buch, das man lesen sollte. Ich denke auch als Schullektüre ist es gut geeignet, aber auch als Freizeitlektüre kann ich „Die Hassliste nur empfehlen“! Ich gebe diesem absolut lesenswerten Buch die volle Punktzahl: 10 Sterne! 🙂

stern 10

[Rezension] „Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher

Tote Mädchen lügen nichtInhalt:

„There are thirteen reasons why your friend died. You are one of them.“

Clay erhält eines Tages ein Päckchen. Es enthält 7 Kasetten. Als Clay anfängt, die erste Kasette zu hören, traut er seinen Ohren nicht. Er hört die Stimme von Hannah Baker, einer Schulkameradin, die sich vor kurzem das Leben genommen hat. Auf den Kasetten erklärt Hannah, was die Gründe dafür waren und nennt vor allem auch Personen aus ihrem Umfeld, die eine Mitschuld an ihrem Selbstmord tragen.

Meine Meinung:

Puh, ein heftiges Buch mit einem interessanten, lesenswertem Thema. Anfangs störte es mich, dass der Leser in sehr kurzen Abständen zwischen Hannahs Kasetten und Clays Gedanken hin und her springen muss. Doch im Laufe des Buches gewöhnt man sich daran.
Ohne zu viel vom Inhalt verraten zu wollen, muss ich sagen, dass dieses Buch absolut lesens- und auch diskussionswürdig ist. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass es in der Schule ab etwa der 9. Klasse behandelt werden könnte. Das Buch spricht das Thema Selbstmord und eventuelle Gründe dafür an. Hierbei präsentiert es meiner Meinung nach viele verschiedene Seiten und es zeigt auf, dass manchmal eine Handlung, die einem eher unwichtig erscheint, für jemand anderen der oft genannte Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt, sein kann.

Ich gebe diesem Buch 9 von 10 Sternen.

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