[Rezension] „Was wisst ihr denn schon“ von Brock Cole

Was wisst ihr denn schonKlappentext:

Als die 13-jährige Linda in einen Mord verwickelt wird, hat sie der Polizei einiges zu erklären, auch wenn ihrer Meinung nach die Fakten eigentlich für sich selbst sprechen. Doch was sie dann über ihr Leben berichtet, lässt nicht nur der Polizei den Atem stocken. (Quelle)

Meine Meinung:

Im Englischen hat dieses Buch den Titel „The Facts Speak for Themselves“ und der beschreibt das Buch meiner Meinung nach sehr viel besser als der deutsche Titel. Denn obwohl das, was die 13jährige Linda in einer Art Bericht oder Tagebuch für den Leser bereit hält, absolut schockierend und grausam ist, schreibt diese tatsächlich in einem eher nüchternen Tonfall die Fakten nieder.

Nachdem ich das Buch gerade eben zugeklappt habe, war ich mir wirklich sehr unsicher, wie es bewerten soll. Eben aufgrund dieses nüchternen Erzählstils werden relativ wenige Emotionen transportiert. Als Leser ist man durch den Bericht neutraler Beobachter oder Zeuge einer Kindheit, die man sich für niemanden wünscht. Doch habe ich mich beim Lesen gefühlt als wäre ich durch eine dicke Glasscheibe von der Handlung abgeschottet. Ich war nie wirklich mit dabei, war nie mittendrin. Und obwohl ich es gerne gewesen wäre und gerne gemeinsam mit Linda gelitten hätte, kann ich das Stilmittel des Autors sehr gut verstehen.

Denn ich kann mir wohl vorstellen, dass es Linda nur durch diesen nüchternen, fast unbeteiligten Erzählstil gelingt, von ihrer Kindheit zu berichten.

Sollte man dieses Buch in der Schule lesen, kann man sicherlich sehr interessante Schlüsse darüber ziehen, was eben dieser Erzählstil in dem Leser bewirkt.

Auf mich hat dieser Erzählstil aber nun mal etwas hemmend gewirkt, denn ich hatte mir mehr von dem Buch versprochen, vor allem mehr Gefühle. Deswegen vergebe ich nur gute 5 von 10 Sternen.

stern 5

Das Buch war 2003 im Bereich Jugendbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Was wisst ihr denn schon – Brock Cole – Taschenbuch mit SU – 208 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3551310804 – erschienen: Oktober 2011 (Carlsen) – Altersempfehlung: 15-17 Jahre

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[Rezension] „Das wirst du nie mehr los“ von Gail Giles

Das wirst du nie mehr losInhalt:

Wade ist erst 9 Jahre alt, als er die schlimmste Tat seines Lebens begeht. Er steckt einen anderen Jungen in Brand. Dieser stirbt nach drei Tagen.

Wade verbringt die nächsten vier Jahre seines Lebens in einer Psychiatrie in der Abteilung für jugendliche Straftäter. Als er dann letztendlich entlassen wird, beginnt er in einem anderen Staat ein neues Leben. Er ist beliebt, hat eine tolle Freundin und ist erfolgreicher Sportler. … bis zu dem Moment, an dem die Wahrheit ans Licht kommt.

Wade und seine Familie müssen erneut umziehen und der inzwischen 16jährige beschließt, diesmal alles zu tun, um seine Familie zu schützen. Keiner soll je die Wahrheit erfahren. Doch dann lernt er Sam kennen…!

Meine Meinung:

„Ich wurde zehn. Zehn. Ich hätte bei den Pfadfindern sein sollen. Ich wog 31 Kilo. Ich hatte einen lockeren Backenzahn. Ich hatte ein anderes Kind ermordet“ (S. 20)

Die Autorin wählt eindringliche Worte, um die Geschichte von dem kleinen Jungen zu erzählen, der ein noch jüngeres Kind umgebracht hat. Und obwohl hier ein ernstes Thema auf eine meines Erachtens angemessene Art und Weise behandelt wird, liest sich dieses Buch sehr leicht. Dazu ist es stellenweise sogar voller Humor und Ironie. Sehr passend, denn auch Wade muss oft Galgenhumor aufbringen, um mit seinen Schuldgefühlen umgehen zu können.

Während des Lesens habe ich mich oft gefragt, ob die Autorin den kindlichen Straftäter, die Hauptperson ihrer Geschichte, zu sehr in Schutz nimmt. Im Nachhinein muss ich sagen: In meinen Augen ist das nicht der Fall. Die Frage, ob Wade schuldig oder unschuldig ist, stellt sich nie. Im gesamten Verlauf der Geschichte dreht es sich darum, dass Wade lernen muss, mit seiner Schuld zu recht zu kommen. Natürlich werden auch hier Hintergründe beleuchtet, die aufzeigen, warum Wade eventuell diese Straftat begangen hat. Es werden aber nur mögliche Erklärungen gegeben und nie Entschuldigungen. Ein Verhalten, dass sicherlich auch in der Praxis im Umgang mit schwierigen, straffälligen Jugendlichen angebracht ist. Frei nach dem Motto: Ich kann verstehen, warum du so gehandelt hast, aber ich halte es dennoch für falsch.

Ihr seht: ein Buch, das mich sehr bewegt hat und zum Nachdenken anregt. Ich kann es nur jedem, der sich von dem Inhalt angesprochen fühlt, empfehlen. Volle Punktzahl: 10 Sterne!

stern 10