[Rezension] „Der Schein“ von Ella Blix

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Oftmals beginne ich eine Rezension mit einem Zitat aus dem Buch. Ein prägnanter Satz, der für mich das Gefühl während des Lesens widerspiegelt. Dieses Mal möchte ich mich gerne selbst zitieren. Nicht weil das Buch nicht auch viele tolle Sätze beinhaltet, sondern weil dieser Satz einfach alles ausdrückt, was das Buch für mich ausgemacht hat.

„Puh, die beiden Autorinnen schreiben einfach unfassbar gut!“ (Ich, atemlos und mit Gänsehaut)

Die Autorinnen? Ja, genau! Ella Blix ist das gemeinsame Pseudonym des Autorinnenduos Antje Wagner und Tania Witte. Dies ist das erste gemeinsame Buch der beiden. Antje Wagner kenne ich als Autorin schon recht lange und habe einige ihrer Bücher gelesen, besonders begeistern konnten mich bisher „Vakuum“ und „Unland“.

In „Der Schein“ geht es um die knapp siebzehnjährige Alina, die mitten im Schuljahr auf das Internat „Hoge Zand“ auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun wechselt. Auf Griffiun gibt es so gut wie nichts: einen kleinen Stadtkern, Strand und das große Naturschutzgebiet direkt hinter dem Internat. Doch dies zu betreten, ist den Schülern strengstens verboten. Umso merkwürdiger findet Alina es, dass sie eines Nachts einen hellen Schein genau aus dem Naturschutzgebiet leuchten sieht. Und dann ist da noch das schwarze Schiff, das urplötzlich wie aus dem Nichts vor ihren Augen auftaucht und wieder verschwindet. Neugierig macht sich Alina doch auf den Weg in das verbotene Gebiet und trifft dort auf Tinka, die eindeutig ein Geheimnis verbirgt. Warum fühlt Alina sich auf unerklärliche Weise so sehr mit Tinka verbunden?

„Meine Hände fingen an zu zittern, und ich krampfte sie fester um das Fernglas.
Das schwarze Etwas, das meinen Blick verdunkelt hatte, war ein Schiff. Und es war riesig! An der Spitze des Mastes befand sich eine große Kugel.
Eine Kugel …?“ (S. 159)

Eigentlich liegen mir Geschichten, in denen sich zwei Genre miteinander mischen, nicht so gut. Die Bücher von Antje Wagner haben da schon oft eine Ausnahme gemacht. Und dies scheint auch für „Der Schein“ zu gelten: Denn zu dem ganz normalen Jugendroman, in dem es um eine Gruppe Jugendlicher, eine geheimnisvolle Legende und Alinas persönliche Geschichte geht, kommt eine gehörige Portion Mystery und ein wenig Science-Fiction dazu. Und ich habe es geliebt!

Ich bin förmlich über die Seiten geflogen, gebannt von den liebevoll gezeichneten Charakteren – Alina trifft dort nämlich auf die Lonelies, eine Gruppe Jugendlicher, die alle aus verschiedenen Gründen an den Wochenende und in den Ferien nicht nach Hause fahren – und der fesselnden Schreibweise des Autorenduos. Ich habe oben nicht übertrieben: Die Geschichte hat mich so mitgerissen, dass mir beim Lesen an manchen Stellen wirklich der Atem stockte und mein Herz raste.

Von mir gibt es für „Der Schein“ eine ganz deutliche Leseempfehlung und ich hoffe sehr, dass dies nicht das letzte Buch sein wird, das ich von Ella Blix lesen darf! 10 von 10 Sternen!

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Der Schein – Ella Blix – Hardcover mit SU – 472 Seiten – 18,00 € – ISBN: 978-3-401-60413-8 – erschienen: Januar 2018 (Arena) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

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[Rezension] „Aquarius“ von Thomas Finn

AquariusKlappentext:

Bei den Bergungsarbeiten an einer alten Seemine geschieht ein Unglück: Die Mine explodiert. Als Berufstaucher Jens Ahrens wieder zu Bewusstsein kommt, findet er sich in einem Keller wieder, gefangen mit anderen Männern, die unter Drogen gesetzt und so wehrlos gemacht wurden. Nur mit Mühe kann er sich befreien und flüchtet nach Egirsholm, eine kleine, wohlhabende Küstensiedlung. Diese aber wird zum Schauplatz rätselhafter Todesfälle. Menschen ertrinken – und das sogar auf der Landstraße oder in ihrem Haus! Etwas geht vor sich, in das Jens so schnell und tief hinab gesogen wird, dass er sich nicht mehr entziehen kann. Das Meer ist unruhig. Und es ist wütend. (Quelle)

Meine Meinung:

„Aquarius“ ist ein Mistery Thriller.
Grundsätzlich lese ich keine Mystery Thriller und mag sie auch nicht besonders.
Ich fand „Aquarius“ genial.

Diese drei Aussagen sollen deutlich machen, wie gut dieses Buch ist und wie toll Thomas Finn schreiben kann. Denn er hat es tatsächlich geschafft, mich ein Stückchen von diesem Genre zu überzeugen.

Vielleicht stellt sich jetzt zunächst die Frage, warum ich dieses Buch überhaupt gelesen habe, wenn es mich doch gar nicht so sehr zu Mystery Thriller hinzieht. Das liegt vor allem daran, dass ich Thomas Finn auf der Frankfurter Buchmesse live erleben durfte und von ihm und allem, was er zu diesem Buch erzählte, begeistert war. Ich glaube, besonders beeindruckt hat mich seine Schilderung, wie genau er für seine Bücher grundsätzlich und für „Aquarius“ im Speziellen recherchiert hat. Und wenn zu diesem Zeitpunkt noch Überzeugungsarbeit nötig gewesen wäre, dann tat die Tatsache, dass die Handlung in der Nähe meiner Heimatstadt Husum spielt, ihr Übriges.

Zurück zum Buch: Man merkt der Geschichte wirklich die lange und genaue Recherchezeit an. Finn verknüpft gekonnt alte Sagen und Mythen mit der heutigen Zeit. Er beschreibt Schauplätze und den besonderen Schlag Menschen glaubwürdig. Und wenn mir morgen jemand erzählen würde, dass es Sirenen tatsächlich gibt, dann wäre ich gar nicht mal abgeneigt, der Person zu glauben.

Ich hoffe, dies liest sich nicht so, als würde das Buch eine Aneinanderreihung verschiedener Sagen und historischer Fakten sein, denn dem ist nicht so. „Aquarius“ ist unheimlich spannend und mitreißend geschrieben. Ich konnte das Buch wirklich nicht aus der Hand legen und das – das möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen – , obwohl es ja gar nicht unbedint meinem üblichen Lesefutter entsprach.

Kurz und knapp (Ich habe nämlich das Gefühl, gar nicht richtig in Worte fassen zu können, wie gut ich dieses Buch fand): „Aquarius“ ist super! Es glänzt durch Spannung, Innovation (endlich mal keine Zwerge, Drachen, Elfen, sondern Sirenen), sympathische Charaktere und dem Gefühl, dass sich der Autor wirklich gut mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Ich bin schon auf der Suche nach dem nächsten Buch des Autors und vergebe erstmal gute 9 von 10 Punkten.

stern 9

Hier findet ihr übrigens einen sehr spannenden Werkstattbericht des Autors.

Aquarius – Thomas Finn – Klappbroschur – 416 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-492-70337-6 – erschienen: Oktober 2014 (Piper)

„Das Tal 2.3. Die Jagd“ von Krystyna Kuhn

Das Tal Die JagdReiheninfo:

  1. „Das Tal 1.1. Das Spiel“
  2. „Das Tal 1.2. Die Katastrophe“
  3. „Das Tal 1.3. Der Sturm“
  4. „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“
  5. „Das Tal 2.1. Der Fluch“
  6. „Das Tal 2.2. Das Erbe“
  7. „Das Tal 2.3. Die Jagd“
  8. „Das Tal 2.4. Die Entscheidung“

Achtung, die Rezension enthält evtl. Spoiler zu den ersten Bänden!

Klappentext:

Das Tal liegt düster zwischen den Berghängen der Rocky Mountains. Ben und die anderen Studenten am Grace College, die seit zwei Jahren merkwürdigen und unerklärlichen Ereignissen ausgesetzt sind, scheinen am Ende ihrer Kräfte. Wer spielt dieses geheimnisvolle und tödliche Spiel mit ihnen? Und was haben ihre Eltern und Großeltern mit der Vergangenheit des Tals zu tun? Während sich überall auf der Welt die Katastrophen häufen, stoßen die acht Studenten endlich auf das Geheimnis. Nun müssen sie ihr ureigenes Erbe antreten. Doch sie kämpfen gegen die Zeit. (Quelle)

Meine Meinung:

„In Filmen soll das Ende immer eine Logik haben. Alles folgt einem Plan. Unser Film hat keine Logik. Nichts, was hier im Tal geschieht, macht irgendeinen Sinn. Tausend Fäden und überall lose Enden.“ (S. 253)

Als ich dieses Zitat im Buch gelesen habe, musste ich ein wenig schmunzeln. Hat die Autorin an dieser Stelle schon ihre eigene Rezension geschrieben?

Mit dem Tal geht es immer weiter: in jedem Buch wird eine andere Hauptperson mit ihrer Vergangenheit konfrontiert; in jedem Buch kommt ein kleines Puzzleteil zum großen Ganzen hinzu. Und bei jedem Buch bin ich mit dabei – aber schon längst nicht mehr mit der gleichen Begeisterung wie am Anfang, sondern eher mit dem Gefühl: Jetzt bin ich schon so weit mit der Autorin gegangen, nun ist das Ziel schon in Sichtweite, da lohnt das Aufgeben auch nicht mehr.

Schade! Zu Beginn dieser Reihe war ich noch wirklich gefesselt von der neuartigen Idee, dem Schreibstil und dem Gefühl des Mystischen. Mittlerweile ist der Bogen überspannt, die Neugier bleibt aus. Ich werde den letzten Band zwar auch noch lesen, aber wirklich nur noch aus den oben genannten Gründen. Leider kann ich nur 5 von 10 Sternen vergeben.

stern 5

Das Tal 2.3. Die Jagd – Krystyna Kuhn – Taschenbuch – 264 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3401066332 – erschienen: Mai 2013 (Arena)

„Dancing Jax: Auftakt“ von Robin Jarvis

Dancing Jax 1Reiheninfo:

  • „Dancing Jax: Auftakt“
  • „Dancing Jax: Zwischenspiel“
  • engl. Titel: „Dancing Jax: Fighting Pax“

Klappentext:

Einige Bücher sind schädlich, sogar gefährlich. Sie verdrehen einem den Kopf und geben den dunkelsten Seiten der menschlichen Seele Nahrung. Sie sollten verbannt oder vernichtet werden. Diese Geschichte handelt von solch einem Buch. Ich hoffe, es gibt noch genug von euch da draußen, die das hier lesen und mir glauben und sich zur Wehr setzen können – bevor es zu spät ist.

Ein altertümlich wirkendes und zunächst harmlos erscheinendes Buch taucht in einer englischen Kleinstadt auf und ergreift Besitz von seinen Lesern. Immer mehr Menschen werden von dem Buch befallen und zu willenlosen Charakteren der Geschichte. Der diabolische Plan des Autors scheint aufzugehen. (Quelle)

Meine Meinung:

Und plötzlich las jeder dieses Buch. Ja, wirklich jeder. Zumindest wirkte es auf mich so. Ich habe mir das Cover angesehen und fand es komisch. Und immer noch las jeder „Dancing Jax“. Ich habe mir den Klappentext durchgelesen und fand auch diesen komisch. Und nicht nur, dass jeder „Dancing Jax“ las: Alle fanden das Buch toll. Also kaufte auch ich es mir…!

Obwohl ich mir den Klappentext durchgelesen hatte, war ich nicht so ganz auf das vorbereitet, was das Buch für mich bereit hielt. Eine skurrile Mischung aus einem herrlich sarkastischen, gnadenlos gesellschaftskritischen Jugendbuch mit vielen Spannungselementen und einer abgehobenen, beinahe schon ins Horrorgenre abdriftenden Geschichte.

Der etwas schmierige, aber nicht unintelligente Kleinganove Jezza findet gemeinsam mit einiger Mitgliedern seiner Bande in einem alten, vermoderten Haus eine Kiste mit Büchern. Und dieser Fund verändert alles, denn die Bücher scheinen eine merkwürdige Wirkung auf ihre Leser zu haben:

„Howie senkte den Blick auf das Buch in seinen Händen. Jezzas Stimme schien ihn langsam einzulullen, der Rhythmus der Worte sich dem Takt seines Herzens anzupassen. Er empfand Zuversicht, ein Gefühl von Geborgenheit, wie er es seit… Er konnte sich nicht erinnern, wann er so etwas zuletzt gespürt hatte. […] Unter seinem roten Bart fingen seine eigenen Lippen, wie die von Tommo, an, sich zu bewegen.“ (S. 67)

Wenn man mich fragt, wie ich das Buch fand, fällt mir eine Antwort wirklich schwer: „Merkwürdig, komisch, anfangs ohne erkennbaren roten Faden!“ könnte ich sagen. Aber dennoch ließ mich das Buch gedanklich nicht los. Denn in seiner Besonderheit nimmt es den Leser mit auf ein Abenteuer, das er so mit Sicherheit noch nicht erlebt hat. Nach dem Lesen habe ich mir sofort den zweiten Band gekauft, diesen aber noch nicht begonnen. Ich vergebe vorsichtige und gespannte 7 von 10 Sternen für ein in meinen Augen einzigartiges Buch, das mich wunderbar unterhalten, aber auch sehr irritiert hat.

stern 7

Dancing Jax: Auftakt – Robin Jarvis – Klappbroschur – 544 Seiten – 14,95 € – ISBN 978-3-8390-0134-9 – erschienen: September 2012 (Script 5)

„Das Labyrinth erwacht“ von Rainer Wekwerth

Das Labyrinth erwachtReiheninfo:

  1. „Das Labyrinth erwacht“
  2. „Das Labyrinth jagt dich“

Inhalt:

Als Jenna aufwacht, befindet sie sich mitten in einer kargen Steppenlandschaft. Wie sie dorthin gekommen ist, weiß sie nicht. Und auch an ihren Namen kann sie sich nicht sofort erinnern. Doch sie ist nicht allein. Insgesamt sieben Jugendliche finden in der Steppe zueinander. Und für alle gilt die gleiche Botschaft:

„Du musst diese und alle anderen Welten durchlaufen, wenn du heimkehren willst. Viele Prüfungen warten auf dich, aber du wirst nicht allein sein. […] In jeder dieser Welten gibt es Tore, Portale, die euch in die nächste bringen, am Ende des Weges liegt die Freiheit. Derjenige von euch, der alle Welten durchlaufen hat, gewinnt den Preis des Lebens.“ (S. 57/58)

Und damit nicht genug: Schon direkt in der ersten Welt gibt es nur sechs Portale, aber sieben Jugendliche, doch nur gemeinsam erreichen sie das Ziel!

Meine Meinung:

Das Szenario, das Wekwerth durch die Rahmenbedingungen geschaffen hat, ist schon an sich unheimlich spannend und einnehmend. Was würde man selber tun, wenn klar ist, dass in jeder Welt eine Person zurückbleiben muss? Würde man sich für die Gruppe opfern? Würde man anderen helfen? Würde man versuchen, eine faire Lösung zu finden? Oder würde man sogar versuchen, andere am Erreichen der Portale zu hindern?

So verschieden wie diese Möglichkeiten sind, so verschieden sind auch die sieben Jugendliche, die sich in der gleißenden Hitze, gejagt von unbekannten Wesen, auf den Weg durch die Steppe machen.

„Er rannte so schnell er konnte. In seinem Rücken ertönte aufgeregtes Rufen, langgezogenes heiseres Heulen, das sich in seinem Kopf festzusetzen schien und dem bald andere Schreie antworteten. […] Die unmenschlichen Laute dröhnten in seinen Ohren. Er erhöhte das Tempo.“ (S. 20)

Einige eignen sich zum Anführer, andere sind eher Mitläufer. Manche bringen die Gruppe voran, manche behindern sie. Die einen helfen sich gegenseitig, die anderen haben nur ihr eigenes Ziel vor Augen. Und durch eben diese Unterschiede wird das Buch unheimlich interessant, denn die Handlung ist sowieso schon schwer vorhersehbar. Und wegen der verschiedenen Eigenschaften und der nicht immer leicht zu durchschauenden Charaktere ist der Ausgang noch ungewisser.

Hinzu kommt, dass Jenna und die anderen wenig über ihre eigene Vergangenheit wissen. Kurze Gedankenblitze lassen den Leser einiges erahnen, trotzdem bleibt dadurch nicht nur das Hier und Jetzt im Labyrinth, sondern auch das Vergangene jedes Einzelnen sehr geheimnisvoll.

Mit „Das Labyrinth erwacht“ hat Rainer Wekwerth den Auftakt zu einer neuen Trilogie geschrieben, der auf ganzer Linie überzeugt. Mitreißend, fesselnd und interessant sind nur einige Adjektive, die mir direkt einfallen. Durch das Dilemma, dass es immer ein Portal weniger als Jugendliche gibt, wird eine unheimliche Spannung aufgebaut, denn es geht ums nackte Überleben. Ich vergebe begeisterte 9 von 10 Sternen und eine klare Leseempfehlung und kann es kaum erwarten, im Sommer 2013 „Das Labyrinth jagt dich“ zu lesen.

stern 9

Das Labyrinth erwacht – Rainer Wekwerth – Hardcover – 407 Seiten – 16,99 € – ISBN-13: 978-3401067889 – erschienen: Januar 2013 (Arena) – Altersempfehlung: 14-17 Jahre

„Vakuum“ von Antje Wagner

VakuumKlappentext:

Tamara sitzt im Zug nach Mannheim: Sie soll endlich mehr über ihre leibliche Mutter erfahren. Kurz dämmert sie ein und als sie die Augen wieder öffnet, steht der Zug und alle anderen Passagiere sind weg. Alissa war auf der kleinen Insel nur kurz eingenickt, aber als sie aufwacht, ist alles anders. Ihre Freunde sind spurlos verschwunden, die Vögel zwitschern nicht mehr. Und als sie 110 wählt, ist die Leitung tot. Tamara. Alissa. Leon. Hannes. Kora. Sie alle haben einen dunklen Fleck in ihrer Vergangenheit und erleben nun, was es heißt, allein zu sein. Denn am 17. August um 15.07 Uhr passiert das Undenkbare: Die Zeit bleibt stehen, und alle Menschen um sie herum sind plötzlich verschwunden. In diesem beängstigenden Vakuum finden die fünf Jugendlichen nach und nach heraus, dass sie auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden sind.

Meine Meinung:

Man stelle sich folgende Situation vor: Ich befinde mich seit Wochen in einem Lesetief. Bücher, die mich sonst begeistern können, locken mich so überhaupt nicht. Doch dann kommt mit der Post das neue Buch von Antje Wagner hereingeflattert und sieht so einladend und schön aus. Obwohl ich mir sicher bin, auch dieses Buch nach kurzer Zeit wegzulegen, setze ich mich gemütlich mit „Vakuum“ hin. Und lese. Und lese. Und lese.

Wenn man schon nach wenigen Seiten die Welt um sich herum komplett vergessen hat, in der Handlungen versunken ist und meint, die Geschichte durch die Augen der Charaktere zu sehen, hält man ein wirklich gutes Buch in den Händen.

„Was?“, sagte er und seine Stimme kippte in der Mitte der Silbe ab. Er hasste es, wenn er sich so piepsig anhörte, aber die Panik war wie ein Mageninfekt. Ihm war schlecht, hundeübel.

„Ich sagte, bei 110 hebt keiner ab“, wiederholte Alissa. Ihre Stimme klang ruhig und kalt.

„Aber das…“, fing er an, dann knickte seine Stimme wieder um.

Aber das kann nicht sein, hatte er sagen wollen. Bei 110 hebt immer jemand ab. Das war so etwas wie ein Naturgesetz. (S. 140)

Antje Wagner hat an sich selbst den Anspruch, literarische Jugendbücher zu schreiben, so dass es bei ihren Werken meist mehr als nur die eine offensichtliche Ebene gibt. Liest man ihre Bücher aufmerksam und mit diesem Wissen, lassen sich schnell psychologische Feinheiten ausmachen, die die Bücher eben auch für Erwachsene so spannend machen. „Vakuum“ ist meiner Meinung nach auch ohne diese zweite Ebene durchaus lesenswert. Es ist ein spannendes Jugendbuch mit Tiefgang, der sich dem Leser aber nicht aufdrängt (außer vielleicht ein wenig am Ende).

Das Ende ist bei Antje Wagners Büchern ja immer eine Überraschung. Bei „Unland“ gefiel es mir sehr gut, bei „Schattengesicht“ hatte ich bereits im Voraus zu viel geahnt und war – im Gegensatz zu vielen anderen Lesern – nicht ganz zufrieden.

Wie ist nun das Ende von „Vakuum“? Ich kann nur sagen: grandios! Mir persönlich hat es sehr gut gefallen. Es hat mich fast ein wenig verwirrt zurückgelassen, ich musste die Geschichte noch einmal neu durchdenken und diese Gedanken ordnen. Es ist ein Schluss, der dem Leser definitiv im Kopf bleiben wird. Nebenbei bemerkt liebe ich die kleine Moral, bzw. die kleine Lebensweisheit, die sich mir am Ende aufgetan hat.

Also: Dass Antje Wagner wunderbar bildhaft schreiben kann, war schon lange klar. Dass sie ihre Charaktere vielschichtig, komplex und mitreißend beschreibt, weiß ich seit meinem ersten Buch von ihr. Während des Lesens musste ich lachen, hatte Gänsehaut, war angespannt und habe mit den Charakteren gelitten. Und auch der Schluss hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich wüsste nicht, was ich an „Vakuum“ anders hätte haben wollen. Und so gibt es die volle Punktzahl: 10 von 10 Sternen!

stern 10

Vakuum – Antje Wagner – Hardcover – 304 Seiten – 14,99 € – ISBN-13: 978-3827054371 – erschienen: September 2012 (Bloomsbury) – Altersempfehlung: 12-15 Jahre

„Das Tal 2.2. Das Erbe“ von Krystyna Kuhn

Das ErbeReiheninfo:

  1. „Das Tal 1.1. Das Spiel“
  2. „Das Tal 1.2. Die Katastrophe“
  3. „Das Tal 1.3. Der Sturm“
  4. „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“
  5. „Das Tal 2.1. Der Fluch“
  6. „Das Tal 2.2. Das Erbe“
  7. „Das Tal 2.3. Die Jagd“
  8. „Das Tal 2.4. Die Entscheidung“

Achtung, die Rezension enthält evtl. Spoiler zu den vorherigen Bänden!

Inhalt:

Robert ist ganz aufgeregt: Seine Forschungen haben ergeben, dass heute im Tal etwas ganz besonderes passieren wird. Doch gerade als er gemeinsam mit David in den Höhlen unter dem College etwas Besonderes entdeckt, erreicht ihn eine SMS: Im College herrscht Code 111 – Amokalarm. Die restlichen Freunde sind gemeinsam mit dem Täter eingeschlossen und dieser will nur eins: David! Was hat David vor seinen Freunden zu verbergen?

Meine Meinung:

Zweite Teile scheinen Frau Kuhns Stärke zu sein: Wie auch schon im zweiten Teil der ersten Season („Die Katastrophe“) ist die Handlung in diesem Buch spannungsgeladen und actionreich.

Ein Amoklauf bietet das ideale Szenario, um die verschiedenen Charaktereigenschaften der Freunde vom Grace-College nochmal ganz deutlich zu machen: so habe ich mich wieder an der trotzigen Stärke von Katie und der sensiblen, aber dennoch bestimmten Art von Rose gefreut. Ja, mittlerweile ist es so, dass ich das Gefühl habe, alte Bekannte wieder zu treffen.

Zwei Dinge haben mich an diesem Band allerdings ganz besonders begeistert: Zum einen spielt die Handlung fast vollständig in der Gegenwart, zum anderen scheint es endlich einen Lichtblick der Auflösung zu geben, Robert sieht einen größeren Zusammenhang:

[Robert:] „Du begreifst, was das alles bedeutet. Heute bist du an der Reihe. Das darfst du nicht vergessen. Du musst überleben, verstehst du? Wir sind nicht zufällig hier. Etwas verbindet uns. Und es gibt jemanden, der alles genau geplant hat und uns auf die Probe stellt.“ (S. 73)

Und obwohl der zweite Teil der zweiten Season sehr vorhersehbar blieb, gefällt er mir doch sehr gut: Die Handlung spielt wieder mehr in der Gegenwart und es scheint auch endlich mal eine Auflösung in Sicht zu sein. Ich vergebe 7 von 10 Sternen und werde – natürlich (Frau Kuhn, Sie machen das echt geschickt) – den nächsten Band lesen.

stern 7

Das Tal 2.2. Das Erbe – Krystyna Kuhn – Taschenbuch – 251 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3401066103 – erschienen: April 2012 (Arena)

„Blutpakt“ von Kim Harrison

BlutpaktReiheninfo:

  1. „Blutspur“
  2. „Blutspiel“
  3. „Blutjagd“
  4. „Blutpakt“
  5. „Blutlied“
  6. „Blutnacht“
  7. „Blutkind“
  8. „Bluteid“
  9. „Blutdämon“
  10. „Blutsbande“
  11. „Blutschwur“

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten.

Inhalt:

Kaum ist ein bisschen Ruhe in Rachels Leben eingekehrt, da bekommt sie Besuch von Matalina, die sie um Hilfe bittet: Ihr ältester Sohn Jax schwebt in großer Gefahr. Gemeinsam mit Nick, Rachels Exfreund, ist er in einen Diebstahl verwickelt und in Gefangenschaft geraten. Und obwohl Jinx sich anfangs gegen Rachels Hilfe wehrt, kann sie ihn doch überzeugen, ihn auf seiner Rettungstour zu begleiten.

Meine Meinung:

Zunächst einmal: Yeah, Jinx is back!

Wie habe ich den kleinen Pixie vermisst und in diesem Band spielt er endlich wieder eine größere Rolle – wortwörtlich!

Da dies die Rezension zum vierten Teil ist, damit eigentlich schon eine ganze Menge zu den Büchern gesagt wurde, wird meine Meinung relativ kurz ausfallen.

Dass ich die Bücher um Rachel Morgan mag, ist ganz klar. Sie vereinen interessante Genre miteinander und weichen trotz der vampirischen Charaktere klar vom derzeitigen Fantasy-Mainstream ab.

Es gibt aber auch etwas, das mich von Band zu Band mehr stört: Oft wirft man Büchern einer Reihe vor, dass sie sich in ihrer Handlung zu sehr ähneln. Gerade das ist bei dieser Reihe nicht der Fall. Jedes Mal wartet ein neues, fast schon abgeschlossenes Abenteuer auf die ehemalige I.S.-Runnerin Rachel.

Ich hätte gerne etwas mehr Kontinuität in der Handlung: Personen, an die ich mich gerade im letzten Band gewöhnt habe, spielen im nächsten schon kaum mehr eine Rolle. Handlungsfelder, die noch mehr Potenzial hätten, werden verlassen, um sich wieder ganz neuen zuzuwenden.

Ich mag an Buchserien gerade das Gefühl, wieder etwas Altbekanntes und Liebgewonnenes zu lesen. Das fehlt mir bei dieser ansonsten wirklich spannenden und unterhaltsamen Reihe. Ich vergebe 7 von 10 Sternen.

stern 7

Blutpakt – Kim Harrison – Taschenbuch – 736 Seiten – 13,00 € – ISBN-13: 978-3453532908 – erschienen: Dezember 2008 (Heyne)

[Rezension] „Blutjagd“ von Kim Harrison

BlutjagdReiheninfo:

  1. „Blutspur“
  2. „Blutspiel“
  3. „Blutjagd“
  4. „Blutpakt“
  5. „Blutlied“
  6. „Blutnacht“
  7. „Blutkind“
  8. „Bluteid“
  9. „Blutdämon“
  10. „Blutsbande“
  11. „Blutschwur“

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten.

Inhalt:

Nachdem Rachel Morgan den Dämonen Algaliarept durch einen Pakt dazu verpflichtet hat, gegen den Meistervampir Piscary auszusagen, wird dieser tatsächlich verhaftet. Doch damit hören Rachels Probleme selbstverständlich nicht auf:

Algaliarept fordert seine Schuld ein. Ivy weigert sich, als Nachkomme von Piscary aufzutreten. Nick entfernt sich immer mehr von Rachel. Und dann tritt auch noch Trents Sicherheitsbeauftragte Quen mit einer Bitte an Rachel heran.

Meine Meinung:

Nachdem ich Teil eins dieser Reihe gelesen habe, musste ich unbedingt Teil zwei lesen. Genauso erging es mir nach der Lektüre des zweiten Bandes: Der dritte Teil musste unbedingt her.

Mit hohen Erwartungen habe ich also „Blutjagd“ begonnen. Beendet habe ich es mit gemischten Gefühlen:

Einerseits wird mir die Handlung an manchen Stellen zu wirr und zu komplex. Andererseits liebe ich die Charaktere der Geschichte und möchte unbedingt wissen, wie sie sich weiterentwickeln.

Schon in meiner letzten Rezension habe ich angedeutet, dass die Handlung stellenweise in die Dark-Fantasy-Richtung geht. In diesem Band kommt vermehrt ein mysteriöser, fast schon science-fiction-hafter Einschlag hinzu. Und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich die Handlungsstränge nicht ganz unkompliziert finde. Es gab beim Lesen Stellen, insbesondere die sich mit den Dämonen und dem Jenseits beschäftigen, die ich tatsächlich zwei Mal lesen musste.

Aber das ganz große Plus: Ich liebe die Charaktere. Ich mag Rachels nach außen hin selbstbewusste, innerlich aber manchmal zweifelnde, schnodderige Art. Ich liebe Jenks, der mit seinen 10 cm innerlich viel größer ist als alle anderen. Ich mag Ivy, obwohl ich sie schwer einschätzen kann. Und ich mag es, dass man sich nie sicher sein kann, in welche Richtung sich die Protagonisten entwickeln.

Trotzdem ist dieser Band in meinen Augen bisher der schwächste Teil. Und obwohl ich die Reihe definitiv weiter lesen werde, vergebe ich insgesamt nur 6 von 10 Sternen, d.h.: immer noch eine Leseempfehlung, aber keine total überschwängliche.

stern 6

Blutjagd – Kim Harrison – Taschenbuch – 688 Seiten – 13,00 € – ISBN-13: 978-3453532793 – erschienen: August 2008 (Heyne)

[Rezension] „Das Tal 2.1. Der Fluch“ von Krystyna Kuhn

Reiheninfo:

  1. „Das Tal 1.1. Das Spiel“
  2. „Das Tal 1.2. Die Katastrophe“
  3. „Das Tal 1.3. Der Sturm“
  4. „Das Tal 1.4. Die Prophezeiung“
  5. „Das Tal 2.1. Der Fluch“
  6. „Das Tal 2.2. Das Erbe“
  7. „Das Tal 2.3. Die Jagd“
  8. „Das Tal 2.4. Die Entscheidung“

 

Achtung, die Rezension enthält evtl. Spoiler zu den ersten Bänden!

Inhalt:

„Muriel, du musst wach bleiben. Bitte schlaf nicht ein. Ich bin es, Rose.“

Wieder halte ich das Display direkt über ihr Gesicht. Sie blinzelt, als das Licht sie trifft, fährt sich mit der Zunge über die Lippen und dann wispert sie etwas. Ich kann sehen, wie viel Mühe es sie kostet. Es ist nur ein Wort. Nein, kein Wort. Ein Name.

Der Name, den ich am wenigsten hören will.“ (S. 14)

Die Freunde sind jetzt seit einem Jahr auf dem Grace College und alles geht mehr oder weniger seinen gewohnten Gang. Nur Robert versucht immer noch, das Geheimnis um das Tal zu lösen.

Und dann erlebt Rose ihren ganz eigenen Albtraum…

Meine Meinung:

Die Mystery-Jugendthriller-Reihe „Das Tal“ geht in die zweite Runde. Nach den ersten vier Bänden beginnt nun die zweite Season. Natürlich musste ich mir so schnell wie möglich den ersten Band der zweiten Season (wie kompliziert) kaufen: „Das Tal 2.1. Der Fluch“.

Der letzte Band der ersten Season hat für mich einige Fragen und Geheimnisse aufgelöst, aber mich immer noch neugierig und erwartungsvoll zurückgelassen. Ein wenig habe ich gehofft, in diesem Band mehr zu erfahren und tiefer in die Besonderheiten des Tals vordringen zu können. Aber eigentlich war mir auch schon klar: Krystyna Kuhn wird mir wenig Auflösung präsentieren.

Doch wie wenig wir als Leser in der Geschichte des Tals voranschreiten, war mir vor dem Lesen nicht klar. Denn dieses Buch ist anders als seine Vorgänger. Während in den ersten vier Bänden stets die Gruppe oder ein Teil der Gruppe im Mittelpunkt stand, widmet sich dieses Buch vollkommen Rose. Denn natürlich hat auch die stille, schweigsame und sanfte Rose ihre Vergangenheit. Und diese holt sie dort ein, wo Rose am wenigsten damit gerechnet hat: am Grace College – ihrem Zufluchtsort.

Die Geschichte wird vor allem dadurch spannend, dass sie in verschiedenen Zeitebenen spielt: Ein Teil der Erzählung findet zwei Jahre vor der eigentlichen Handlung statt und auch in der Gegenwart gibt es zwei Erzählstränge. So wird man als Leser zuerst durch eine Art Prolog auf das Geschehen neugierig gemacht, um dann in der Handlung eine Woche zurückzuspringen, um zu sehen, wie es überhaupt zu dieser Situation kam.

Lange ist nicht klar, wer welche Rolle spielt. Für mich blieb dadurch die Spannung bis kurz vor Schluss wirklich aufrecht.

Und doch muss ich sagen, dass mich das Buch zwar nicht enttäuscht, aber auf jeden Fall irritiert: Bisher wurde keine Geschichte einer der Hauptpersonen so exklusiv und ohne Zusammenhang zur Rahmenhandlung präsentiert. Natürlich werde ich die Reihe weiter lesen, denn ich bin viel zu neugierig und mag den Schreibstil der Autorin viel zu sehr, um aufzuhören. Dennoch vergebe ich hier nur 7 von 10 Sternen.

stern 7

Das Tal 2.1. Der Fluch – Krystyna Kuhn – Broschiert – 245 Seiten – 9,99 € – ISBN-13: 978-3401066073 – erschienen: November 2011 (Arena) – Altersempfehlung: 14-17 Jahre