[Rezension] „Hyde“ von Antje Wagner

bgHC_wagner_hyde_u1R.inddKatrina hatte eine wundervolle Kindheit: Gemeinsam mit ihrer Schwester Zoe und ihrem Vater lebte sie in Hyde: einer kleinen, abgelegenen Hütte mitten im Wald. Hier hat sie gelernt die Rufe der Vögel zu verstehen, hat gelernt mit welchen Pflanzen man heilen kann und wie Holz am besten bearbeitet wird. Hier war sie glücklich. Hier war sie lebendig.

Schaut euch das Feuer an, es flüstert.
Papas Stimme.
Wir lagen in unseren Bettennestern, Zoe und ich, die Kerze auf dem Boden flackerte. Alles war weich im Flammenlicht, alles floss und die Wände pulsierten wie etwas Lebendiges. (S. 45)

Jetzt ist Katrina gerade 18 Jahre alt geworden und alles andere als glücklich. Offiziell ist sie auf der Walz – den Wanderjahren nach ihrem Abschluss der Lehre als Tischlerin. Doch eigentlich sinnt sie auf Rache. Rache für den Tod an ihrer Schwester und ihrem Vater. Warum mussten Katrinas Vater und ihre Schwester sterben? Wie hat Katrina die Jahre dazwischen verbracht? Und warum kann sie sich an nicht mehr an alles erinnern?

Antje Wagner gehört zu meinen liebsten Jugendbuchautorinnen. Sie schreibt einfach unfassbar einnehmend und atmosphärisch dicht. Ihre Beschreibungen von Hyde, die Geborgenheit, die Katrina dort empfunden hat, sind beim Lesen zum Greifen nah. Ich konnte beim Lesen förmlich die Blätter rascheln hören, den See und den Wald riechen und den weichen Boden fühlen.

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Antjes Bücher sind aber oft auch anspruchsvoller und literarischer als viele andere Jugendbücher. Die verschiedenen Ebenen werden miteinander verwoben, Gegenwart und Vergangenheit begegnen sich, Erinnerung und Gefühle treffen aufeinander, Reales und Mystisches vermischen sich und sind kaum noch trennbar.

„Hyde“ hat mir in ganz vielen Aspekten gut gefallen. Ich mochte Katrina, die gleichzeitig so tough, aber auch so verletztlich ist. Ich mochte es, Stück für Stück mit Katrina ihre Vergangenheit zu erforschen, in den vielen Rückblenden zu erfahren, wie Katrina zu der liebenswerten Frau wurde, die sie jetzt ist. Die Geschichte hält einige spektakuläre Wendungen für den Leser parat, so dass es schwer fällt, das Buch auch nur für einen kurzen Moment beiseite zu legen.

Wie oben schon angedeutet gibt es in den Büchern von Antje Wagner oft noch eine zweite Ebene, eine mystische, nicht ganz reale Erzählperspektive. Zum Beispiel in „Unland“ oder „Vakuum“ hat mir diese zweite Sichtweise wirklich gut gefallen. In „Hyde“  konnte ich damit nicht so viel damit anfangen, sie hat mein Lesevergnügen allerdings auch nicht geschmälert.

„Hyde“ ist das neue, literarisch hochwertige Jugendbuch der sympathischen Autorin Antje Wagner. Die spannend und sehr einnehmend erzählte Geschichte konnte mich voll und ganz in ihren Bann ziehen, obwohl mir persönlich die leicht mystische Handlungsebene der Geschichte nicht komplett gefallen hat. Antje Wagner weiß mit Worten umzugehen und eine Atmosphäre zu schaffen, die ihre Leser nicht loslässt. Ich vergebe insgesamt 8 von 10 Sternen!

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Hyde – Antje Wagner – Hardcover – 408 Seiten – 17,95 € – ISBN: 978-3-407-75435-6 – erschienen: Juli 2018 (Beltz)

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[Glücksmomente] 10.8.2014

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Ich war heute morgen mit einem Bekannten am Obersee zum Spazieren verabredet. Ich hatte beschlossen dort nicht mit dem Auto hinzufahren, sondern zu laufen – aber nicht meinen üblichen Weg, sondern mal einen kleinen Schlenker.

Mein Glücksmoment heute also: Neue Wege gehen und dabei einen so schön plätschernden Bach entdecken. ♡

„Der Froschflüsterer“ von Carla Gunn

Der FroschflüstererKlappentext:

Irgendwo in Kanada: Der neunjährige Phin hat es nicht leicht. Die Scheidung seiner Eltern läuft auf Hochtouren, der Vater reist pausenlos durchs ferne Europa, Klassenrowdy Lyle hat ihn schwer auf dem Kieker, und als ob das nicht schon genug wäre, nervt ihn auch noch Psychologe Dr. Barrett, zu dem ihn seine besorgte Mutter geschickt hat, da sie seine größte Leidenschaft, den Schutz von Tier und Natur, für zu extrem hält. Phins Traum ist ein Planet, auf dem Menschen und Tiere friedlich zusammenleben – und dafür tut Phin alles, was in seiner Macht steht, wirklich alles … (Quelle)

Meine Meinung:

Ich bin durch eine Freundin auf dieses Buch aufmerksam geworden. Während sie es gelesen hat, hat sie eine Vielzahl an Zitaten gepostet. Mir war sofort klar, dass ich dieses Buch auch lesen muss.

Die Geschichte wird von Phin selber erzählt und Carla Gunn gelingt es sehr überzeugend, die Erzählung auch wirklich so klingen zu lassen, als käme sie von einem neunjährigen Jungen. Phin ist allerdings auch kein normaler Junge. Er denkt viel über alles Mögliche nach, nimmt nichts als gegeben hin und würde alles dafür tun, die Welt und ihr Bewohner zu retten.

„Meine Mutter sagte, dass Leute eben manchmal Fehler machen, auch Lehrer, und dass es in dem Fall nicht klug sei, sie darauf aufmerksam zu machen. Manchmal sei es besser, einfach still zu sein und sich insgeheim zu denken, dass man recht hat, statt es laut kundzutun. Darüber muss ich noch nachdenken. Wollen es die Leute nicht wissen, wenn sie sich irren?“ (S. 15)

Dabei geht er manchmal in den Augen seiner Mutter etwas zu weit und macht sich so sehr Sorgen um die Natur, dass er nachts nicht einschlafen kann. Seine Mutter greift darauf hin zu drastischen Maßnahmen und schickt ihn letztendlich sogar zum Psychologen. Und so hat Phin nicht nur in der Schule Probleme – zum Glück hat er dort auch einen besten Freund – und vermisst seinen Vater, sondern hat auch noch Streit mit seiner Mutter.

Insgesamt passiert in diesem Buch nicht viel, weswegen es mir auch ziemlich schwer fällt, es anständig zu rezensieren. Denn obwohl ein Buch mit wenig Handlung nicht so verlockend klingt, hat „Der Froschflüsterer“ einfach seinen Charme. Es besticht durch liebenswerte Charaktere, einer tollen Sprache und ganz viel Weisheit! 7 von 10 Sternen.

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Hier geht es zu einer Leseprobe des Buches. Vielleicht begeistert euch der Schreibstil ja auch sofort.

Der Froschflüsterer – Carla Gunn – Taschenbuch – 288 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-442-74115-1 – erschienen: Februar 2012 (btb)

[Rezension] „Die Poison Diaries. Liebe ist unheilbar“ von Maryrose Wood

8414_Wood_Poison_Diaries_P03.pdfInhalt:

Um 1880: Jessamine lebt alleine mit ihrem Vater, einem passionierten Kräutergärtner und Heiler, in einer alten Kapelle. Während ihr Vater Patienten besucht oder Studien zu der Wirksamkeit verschiedener Pflanzen durchführt, besteht Jessamines Aufgabe darin, sich um den Garten und die jungen Sprösslinge zu führen. Doch ein Teil des Gartens ist für sie Tabu: der geheime Garten wird durch ein schweres Tor verschlossen und nur ihr Vater hat Zutritt zu den Pflanzen, die dort wachsen.

Insgesamt ist Jessamines Leben ziemlich einsam, oft redet sie mit den Pflanzen, um überhaupt ihre Stimme zu benutzen. Doch dies soll sich eines Tages ändern, als Weed – ein verstörter, verkümmerter Junge in Jassamines Alter – in ihr Leben tritt. Weed scheint Dinge über Heilpflanzen zu wissen, die selbst Jessamines Vater neu sind. Woher hat er dieses Wissen und warum sträubt er sich so, dem geheimen und verbotenen Garten näher zu kommen?

Jessamine hat ein anderes Interesse an Weed als ihr Vater. Sie ist gleich von Anfang an von seinen wunderschönen grünen Augen fasziniert…

Meine Meinung:

Dieses Buch zu bewerten, fällt mir absolut nicht leicht. Vor allem nicht, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten und dadurch eventuelle zukünftige Leser zu spoilern.

Auf der einen Seite lässt sich die Geschichte gut, schnell und flüssig lesen. Abgesehen von der Tatsache, dass mir zu viele blumige- und naturbezogene Adjektive den Text beherrschen, hat die Autorin einen angenehmen Schreibstil, der dazu verführt, das Buch gemütlich draußen in der Sonne zu lesen.

Doch nutzt die Autorin leider wirklich ständig Vergleiche, die sich auf landschaftliche oder pflanzliche Dinge beziehen.

„Seine grünen Augen sind so trübe wie ein schlammiger Teich.“ (S. 90)

„Meine Gedanken sind so verheddert und dornig wie eine Brombeerhecke, …“ (S. 106)

Würden solche Bilder nur ab und an auftauchen, hätte ich sie als schöne Untermalung der eigentlichen Handlung und als gelungene Veranschaulichung ansehen können. So allerdings wirkten sie für mich wie mindestens ein Mal zu oft an den Haaren herbeigezogen.

Doch weiter mit den positiven Aspekten: Die Idee, die hinter diesem Buch steht, ist mir absolut neu. Eine Geschichte, die Pflanzen, ihre Heilwirkung und die Natur an sich in den Vordergrund ihrer Handlung stellt, habe ich bisher noch nicht gelesen. Prinzipiell finde ich den Gedanken interessant. Doch leider muss ich auch hier direkt mit einer Kritik anschließen: Für meinen Geschmack uferte die Idee zum Ende hin zu sehr aus. Mir wurde alles etwas zu abstrus, zu fantastisch (im Sinne des Fantasie-Genres) und zu abgehoben. Weitere Erklärungen kann ich leider an dieser Stelle nicht geben, da sie zu viel vom Inhalt verraten würden.

Ein Buch mit einer neuartigen Idee und einer gut lesbaren Schreibe, das mir allerdings einfach inhaltlich nicht gefallen hat, da es ab einem bestimmten Zeitpunkt für meinen Geschmack zu skurril wurde. Ich bin auf andere Meinungen gespannt, kann aber selber nur 4 von 10 Sternen geben.

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Die Poison Diaries 1: Liebe ist unheilbar – Maryrose Wood – Hardcover mit Schutzumschlag – 272 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3841421241 – erschienen: Juni 2011 (Fischer)