[Rezension] „Die Musik der Stille“ von Patrick Rothfuss

Klappentext:

Die Universität von Imre ist weithin bekannt für ihre Gelehrsamkeit. Die besten Köpfe zieht sie an, die Rätsel der Wissenschaft, des Handwerks und der Alchemie zu entschlüsseln. Aber tief unter dem lebendigen Treiben in ihren Hallen erstreckt sich ein Netz verlassener Räume und alter Gänge. Im Herzen dieses höhlenartigen Labyrinths lebt das Mädchen Auri. Das »Unterding« ist ihr Zuhause.

Die kalte, trügerische Rationalität der Menschen, die über ihr leben, hat sie hinter sich gelassen und sie dringt tief in das Geheimnis der Dinge ein. Eine Geschichte voll betörender Bilder und magischer Spuren, wie sie nur Patrick Rothfuss erzählen kann. (Quelle)

Meine Meinung:

Lange haben viele Fantasy-Fans auf Neues aus der Feder von Patrick Rothfuss gewartet. „Die Musik der Stille“ ist aber nicht der lang ersehnte dritte Band der Königsmörder-Chronik, sondern eine kleine relativ isoliert erzählte Geschichte um Auri, die mysteriöse Freundin von Kvothe. Herr Rothfuss selbst schreibt zu Beginn des Buches, dass man die „Die Musik der Stille“ nicht lesen sollte, wenn man die ersten beiden Bände der Königsmörder-Chronik noch nicht kennt. Das sehe ich nicht ganz so. Meiner Meinung nach macht die Geschichte ohne die Vorgänger genauso viel (oder auch wenig) Sinn wie mit den Vorgängern.

„Die Musik der Stille“ ist ein besonderes Buch. Das hat Patrick Rothfuss auch selbst erkannt. Er schreibt in seiner Vorbemerkung: „Du solltest dir dieses Buch vielleicht nicht kaufen.“
Ehrlich gesagt: Ich kann diesen Hinweis nur doppelt unterstreichen. Das Buch ist definitiv seltsam. Es passiert kaum etwas, es gibt keine richtige Handlung und auch kein Ziel. Da Auri die ganze Zeit in ihrer eigenen Welt agiert, gibt es auch keine Interaktion und Kommunikation (eine kleine Ausnahme ist kaum erwähnenswert). Es gibt keinen Spannungsbogen – stattdessen viele Merkwürdigkeiten.

„Die Musik der Stille“ fasziniert trotzdem stellenweise durch schöne Sprache und sehr atmosphärische Beschreibungen. Mir persönlich hat das aber nicht ausgereicht. Ich habe die etwa 170 Seiten relativ zügig gelesen, aber habe daraus nichts mitgenommen. Mir lag Auri vorher nicht sonderlich am Herzen und die wenigen Tage, die ich jetzt gemeinsam mit ihr verbracht habe, haben mich ihr auch nicht näher gebracht.

Ich bin mir sicher, dass „Die Musik der Stille“ seine Leser finden wird. Es gibt sicherlich viele Fans von Rothfuss, die darauf warten, irgendetwas Neues von ihm zu lesen. Und einige dieser Leser werden sicherlich von Auri und ihrer ganz eigenen Welt oder aber von der poetischen Schreibe Rothfuss‘ begeistert sein. Ich persönlich konnte gar nichts mit der (nicht vorhandenen) Geschichte anfangen. Hier eine angemessene Anzahl an Sternen zu vergeben, finde ich sehr schwer. Ich entscheide mich letztendlich für 5 von 10, weil mein Eindruck sicherlich sehr subjektiv ist.

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Die Musik der Stille – Patrick Rothfuss – Hardcover mit SU – 173 Seiten – 17,95 € – ISBN: 978-3-608-96020-4 – erschienen: Februar 2015 (Klett-Cotta)

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[Rezension] „Die Furcht des Weisen 1“ von Patrick Rothfuss

938166_rothfuss_band01.inddReiheninfo:

  1. „Der Name des Windes“
  2. „Die Furcht des Weisen 1“
  3. „Die Furcht des Weisen 2“
  4. engl. Arbeitstitel: „The Doors of Stone“

Achtung: Die Inhaltsangabe kann möglichweise leichte Spoiler zum ersten Teil enthalten!

Inhalt:

Für Kvothe bricht ein neues Trimester an der Universität an und vieles ist beim alten geblieben: Kvothe leidet unter chronischem Geldmangel, seine Streitigkeiten mit Ambrose nehmen kein Ende und er schwärmt immer noch heimlich für Denna. Dazu kommt, dass er nun endlich ein Seminar bei Elodin, dem Meister der Namenskunde, belegt hat. Und immer noch ist Kvothe auf der Suche nach Hinweisen zu den Chandrian, den Mördern seiner Eltern.

Eine Intrige bringt dann neue Entwicklungen. Ob diese ihm bei der Suche weiterhelfen?

Meine Meinung:

Wie habe ich auf dieses Buch gewartet, wie oft hatte ich schon die englische Ausgabe davon in der Hand, habe sie dann aber doch aus den verschiedensten Gründen doch nicht gekauft. Und nun halte ich es endlich in den Händen: „Die Furcht des Weisen 1“, der langersehnte Folgeband zu „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss.

Mit seinem Auftakt zur „Königsmörder“-Reihe um Kvothe, dem begabten Zauberer und Geschichtenerzähler, hat Rothfuss einen Fantasyroman geschrieben, der mich begeistert hat.

Trotzdem habe ich lange gezögert und mich erst nach einigen Tagen an den zweiten Teil gewagt. Warum? Ich hatte Angst, dass ich schlecht in die Geschichte kommen würde, schließlich ist es fast zwei Jahre her, dass ich „Der Name des Windes“ gelesen habe.

Doch ich wurde sehr positiv überrascht: einmal angefangen, war ich wieder mitten in der Handlung drin, obwohl wenig erklärt und nochmal aufgegriffen wurde. Die Geschichte geht nahtlos weiter und ich hatte das Gefühl, gar keine Pause zwischen dem ersten und dem zweiten Band gehabt zu haben.

Und dann habe ich gelesen und gelesen und gelesen. Schon lange nicht mehr konnte mich ein Buch so fesseln. Erstmals seit langer Zeit habe ich wieder bis spät in die Nacht hinein gelesen und wirklich jede freie Minute genutzt, um das Buch zur Hand zu nehmen.

Und das lag vor allem an Rothfuss‘ fesselnden Schreibstil. Mit einer eleganten Sicherheit trägt der Autor den Leser durch seine Geschichte, macht hier ein paar Andeutungen, erhöht da mal die Spannung und schon liegt man mitten in der Nacht und liest und liest.

Besonders gelungen finde ich auch die Charakterbeschreibungen der Geschichte. Nicht nur Kvothe selber ist ein sehr sympathischer Held mit Fehlern. Auch die Nebenfiguren sind toll konzipiert, so dass man sie sich selbst als Freunde wünscht.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings doch: Ich weiß bisher kaum, in welche Richtung sich die Geschichte drehen soll. Ich bin mir über zu viele Zusammenhänge noch zu unklar. Mir wäre es lieber, wenn der Autor mir einen roten Faden gesponnen hätte, von dem ich schon etwas mehr des Endes sehen könnte. So wüsste ich beim Lesen: „Ach, da will ich irgendwann noch hin!“

Im Großen und Ganzen ist das aber Meckern auf sehr hohem Niveau. Rothfuss hat mit seinem Folgeband bewiesen, dass sich die jahrelange Wartezeit gelohnt hat und er ein Meister der Unterhaltung ist. Von mir gibt es dafür 9 von 10 Sternen!

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Die Furcht des Weisen 1 – Patrick Rothfuss – Hardcover mit SU – 860 Seiten – 24,95 € – ISBN-13: 978-3608938166 – erschienen: Oktober 2011 (Klett-Cotta)