[Rezension] „Blutsbrüder“ von Michael Wildenhain

BlutsbrüderInhalt:

Darius und sein bester Freund Hakan sind eigentlich in einer Gruppe, die Aktionen gegen Neonazis planen und durchführen. Doch dann beschließt Hakan, selber türkischer Herkunft, dass er gegen die anderen Türken in seinem Viertel vorgehen will, weil diese seiner Meinung nach viel mehr Ärger machen, als die Deutschen.

Dieser Gedanke ist für die Antifa-Gruppe absolut neu und führt zu einigen Diskussionen. Die Freundschaft von Darius und Hakan steht vor einer Belastungsprobe.

Meine Meinung:

Als ich dieses Buch bei meinen Neuzugängen vorgestellt habe, habe ich folgendes dazu geschrieben:

„An dieses Buch habe ich sehr hohe Erwartung: Und zwar erwarte, bzw. erhoffe ich mir, dass es dem Autor gelingt, ein Buch zu schaffen, dass keinerlei Vorurteile hinsichtlich Deutschen und Ausländer bedient. In dem Buch geht es ja, wie der Klappentext sagt, um zwei Freunde, die eigentlich gegen Nazis kämpfen, dann aber erkennen, dass die Ausländer in ihrem Viertel mehr Ärger machen. Ich hoffe sehr, dass der Autor eine Verallgemeinerung in jegliche Richtung vermeidet.“

Ich muss gestehen, dass ich für das Thema Vorurteile, Stereotype, Rassismus und fremde Kulturen sehr sensibel bin. Deswegen bin ich sicherlich kein leicht zufrieden zu stellender Leser. So viel nur vorneweg.

Meiner Meinung ist es dem Autor nicht gelungen, dieses so sensible Thema richtig umzusetzen. Wie ich schon vorher schrieb, hatte ich mir gewünscht, dass nicht gängige Stereotype erfüllt werden, sondern im Gegenteil der Mensch an sich unabhängig seiner Kultur- und Nationalitätszugehörigkeit in den Blickpunkt genommen wird.

„Springerstiefel, Turnschuhe. Manche von ihnen mit Motorradmaske. Einzelne mit Schlagring, Messer, kurzem Schlagstock. Grinsen, fehlende Vorderzähne.“ (S. 15)

„Der dicke Türke, der sein Gesicht noch dichter an Darius’ Gesicht heranschiebt, riecht nach süßem, pinkfarbenem Kaugummi. ‚Isch weiß, wo dein Haus wohnt, fick disch.’“ (S. 61)

Beim Lesen entstand für mich der Eindruck, dass beinahe alle Nazis keine Vorderzähne haben, fast alle Türken zu dick sind, nicht richtig Deutsch sprechen können und grundsätzlich so ziemlich jeder Türke Frauen von oben herab behandelt.

Natürlich gibt es auch immer ein paar Ausnahmen, die vermutlich zeigen sollen, dass der Autor doch nicht in Stereotypen denkt, doch waren mir diese Ausnahmen viel zu selten und wurden auch als genau das hingestellt, als Ausnahmen von der Regel.

Aus diesem Thema hätte man sehr viel machen können. Es hätte eine Moral geben können, die darauf hinausläuft, dass man Menschen danach beurteilen sollte, was sie tun, und nicht danach, welcher Herkunft sie sind. Leider nicht gelungen. Da die Geschichte trotzdem nicht unspannend geschrieben ist, kann ich gerade noch 4 von 10 Sternen geben.

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Blutsbrüder – Michael Wildenhain – Hardcover mit Schutzumschlag – 256 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3473352197 – erschienen: Januar 2011 (Ravensburger)

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[Rezension] „Der Tag, an dem ich starb“ von Anthony McGowan

Der Tag, an dem ich starbInhalt:

Paul, der Ich-Erzähler dieser Geschichte, befindet sich mitten in einem Kampf, denn jemand zielt mit einem Messer auf seine Kehle. Wie es zu dieser Situation gekommen ist, schildert Paul dem Leser auf seine ganz eigene Art und Weise im Rest des Buches.

Paul geht auf eine Schule, an der viel Gewalt, Unterdrückung und Mobbing herrscht. Paul ist Außenseiter, doch scheint er langsam zu einer Gruppe anderer Außenseiter – den Freaks – dazuzugehören. Wäre da nicht noch Roth, der unangefochtene Anführer und Schläger an der Schule. Paul muss sich entscheiden: Möchte er Ruhe vor Roth, was bedeuten würde, dass er sich diesem unterwirft und zu seiner Handpuppe wird? Oder möchte Paul zu der Gruppe der Freaks gehören, die eigentlich recht sympathisch sind? Dies würde bedeuten, dass er sich gegen Roth auflehnt und diesen gegen ihn aufbringt. Denn: „Man war entweder der Schläger oder der Geschlagene. Eine dritte Möglichkeit gab es nicht.“

Meine Meinung:

Um das Gesamtfazit schon vorweg zu nehmen: Endlich ein Buch ganz nach meinem Geschmack.

Mit einer Offenheit, Ehrlichkeit und auch Brutalität wird in diesem Buch ein Schulleben geschildert, von dem man nur hoffen kann, dass es in unseren Schulen möglichst selten vorkommt. Als Leser kann man den Konflikt, in dem sich Paul befindet, sehr gut nachempfinden. Mir wurde nochmals beim Lesen bewusst, wie schwer es in der heutigen Zeit für Jugendliche ist. Zu viele Einflüsse, Ängste und Wünsche zerren an Paul, so dass er nicht weiß, in welche Richtung sich sein Leben entwickeln kann und sollte. Auch wenn ihm deutlich bewusst ist, was richtig oder falsch ist, hat er oftmals keine andere Möglichkeit, als sich falsch zu verhalten. Und genau dies wird dem Leser deutlich. Allerdings versucht das Buch auch ein solches Verhalten nicht zu entschuldigen.

Ich denke, dieses Buch sollte unbedingt zur Schullektüre werden. Es schildert schülernah die oben genannten Probleme, ist dabei aber auch angemessen lustig. Insbesondere das Ende eignet sich sehr gut, um verschiedene Diskussionen zu entfachen.

Aber auch erwachsene Leser können aus diesem Buch eine Menge lernen und werden trotzdem gut unterhalten.

Ich bin wirklich begeistert, ein Buch, das sich ein wenig mit „Evil“ vergleichen lässt, aber mich noch mehr gefesselt hat: 9 von 10 Sternen.

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