[Rezension] „Tausend kleine Schritte“ von Toni Jordan

20190416_124352.jpgKlappentext:

Grace Lisa Vandenburg zählt alles, was sie umgibt, jede Kleinigkeit: die Schritte bis zu ihrem Lieblingscafé (920), die Streusel auf ihrem Orangenkuchen (12 – 92) und die Buchstaben ihres Namens (19). Erst Seamus O’Reilly und sein unwiderstehlicher Wunsch, hinter das Geheimnis ihres Lebens zu kommen, lässt sie die Kontrolle verlieren. (Quelle)

Meine Meinung:

Manchmal finden Bücher ja aus einem ganz bestimmten Grund zu einem. Dieses Buch hat mir eine liebe Freundin geliehen, weil es ihr so gut gefallen hat und es so besonders war. Der Klappentext hat mich eigentlich auch sofort angesprochen: Ich mag besondere Figuren mit kleinen Macken. Und ich mag Zahlen – zum Glück aber nicht ganz so sehr wie Grace Lisa Vandenburg 😉 . Dass das Buch dann doch mehr als zwei Jahre ungelesen bei mir lag, liegt vor allem am Cover, das zwar auch irgendwie besonders ist, mich aber nicht total angesprochen hat.

Einmal mit dem Buch angefangen mochte ich aber auch nicht wirklich aufhören. Grace ist einfach eine sehr liebenswerte Hauptfigur. Sie zählt wirklich alles: So muss Grace zum Beispiel erst zählen, wie viele Mohnkörner auf ihrem Orangenkuchen sind, damit sie weiß, mit wie vielen Bissen sie ihn essen muss.

Seamus trifft sie das erste Mal im Supermarkt. Sie steht an der Kasse und kauft unter anderem genau 10 Bananen. Doch als sie diese auf das Kassenband legen möchte, muss sie erschreckt feststellen, dass es doch nur 9 sind. Was soll sie tun? Sie kann nicht nur 9 Bananen kaufen! Kurzerhand klaut sie dem Mann an der Kasse hinter ihr die Banane aus seinem Einkaufskorb. Dieser Mann ist Seamus. Seamus ist toll. Ein Mann zum Verlieben. Groß, stark, liebevoll. Und vor allem verständnisvoll. Langsam beginnt Grace sich zu öffnen …

Natürlich läuft ab da nicht einfach alles rund. Das wäre ja ja zu schön und vielleicht sogar ein bisschen langweilig. Die Geschichte der beiden liest sich sehr unterhaltsam und amüsant, obwohl sie stellenweise wirklich tragisch ist. Das liegt vor allem am Grace und ihrem charmanten Wortwitz. Das Einzige, was mich gestört hat, waren die immer wiederkehrenden langen Ausschweifungen zu Nikolas Tesla, den Grace aufgrund seiner Liebe zu den Zahlen verehrt.

„Tausend kleine Schritte“ ist eine schöne und unterhaltsame Geschichte, die zum einen durch Grace und Seamus, vor allem aber durch Grace‘ lockeren Erzählton zu begeistern weiß. Obwohl viele Situationen einer gewissen Komik nicht entbehren, zieht die Autorin das zwanghafte Zählen von Grace nicht ins Lächerliche. Was am Ende bleibt, ist die Aussage: Jeder ist gut so, wie er ist – trotz oder gerade wegen seiner Eigenheiten.

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Tausend kleine Schritte – Toni Jordan – Taschenbuch – 272 Seiten – 11,00 € – ISBN: 978-3-492-25963-7 – erschienen: Oktober 2010 (Piper) – Übersetzung: Brigitte Jakobeit

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[Rezension] „Todesfrist“ von Andreas Gruber

9783442478668Reiheninfo:

  1. „Todesfrist“
  2. „Todesurteil“
  3. „Todesmärchen“
  4. „Todesreigen“
  5. „Todesmal“

Klappentext:

»Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden herausfinden, warum ich diese Frau entführt habe, bleibt sie am Leben. Falls nicht – stirbt sie.« Mit dieser Botschaft beginnt das perverse Spiel eines Serienmörders. Er lässt seine Opfer verhungern, ertränkt sie in Tinte oder umhüllt sie bei lebendigem Leib mit Beton. Verzweifelt sucht die Münchner Kommissarin Sabine Nemez nach einer Erklärung, einem Motiv. Erst als sie einen niederländischen Kollegen hinzuzieht, entdecken sie zumindest ein Muster: Ein altes Kinderbuch dient dem Täter als grausame Inspiration – und das birgt noch viele Ideen … (Quelle)

Meine Meinung:

Mein Herzensmann liest eigentlich gar nicht. „Wenn’s hoch kommt – zehn!“, war die Antwort auf die Frage, wie viele Bücher er im Erwachsenenalter gelesen hat. Aber nachdem ich das Thriller-Genre wieder für mich entdeckt habe, konnte er mir endlich auch mal ein Buch empfehlen: „Todesurteil“ – den zweiten Band dieser Reihe. Da ich eine Thrillerreihe nie in der Mitte anfangen würde, war dann schnell der erste Teil bestellt.

Ich muss sagen: Am Anfang war ich kurz davor, das Buch abzubrechen! Über den Thriller „Schlüssel 17“, den ich davor gelesen habe, wurde von Volker Kutscher gesagt: „Marc Raabe gelingt es meisterhaft, immer ganz dicht an seinen Figuren zu bleiben.“ Genau das gelingt Andreas Gruber meiner Meinung nach gar nicht. Zu Beginn des Buches erfährt die Ermittlerin Sabine Nemez, dass ihre Mutter brutal umgebracht wurde. Ein wirklich schreckliches Ereignis. Und trotzdem konnte ich keine Gefühle aus den Seiten herauslesen. Weder Trauer, noch Wut. Weder Abgebrühtheit, noch den unbändigen Willen, den Mörder ihrer Mutter zu finden. Nichts.

Zum Glück habe ich dann trotzdem weitergelesen, denn zum Ende hin konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Geschickt werden verschiedene Perspektiven miteinander verflochten – sogar therapeutische Sitzungen und Analysen werden mit eingebunden. Sowas lese ich immer sehr gerne.

Mit Maarten S. Sneijder hat Andreas Gruber einen spannenden Hauptermittler geschaffen. Er selbst schreibt auf seiner Homepage über den niederländischen Profiler:

Maarten S. Sneijder ist eine ziemlich schräge Figur – mit Absicht. In diesen Charakter habe ich alles gepackt, was mich fasziniert. Sneijder ist ein Kotzbrocken, ein Misanthrop, er hasst Menschen, […]. Aber er ist ein Genie, denn er hat seine eigene Sneijder-Methode entwickelt, um Killer zu fassen … bis zur Selbstaufopferung. (Quelle)

So wenig mich das Buch zu Beginn überzeugt hat, so sehr konnte es dann mit seinem Ende punkten. Für mich liefen alle Fäden sinnvoll zusammen – etwas, das mir insbesondere bei Thrillern sehr wichtig ist. Und so habe ich schon kurz vor Schluss den zweiten Band bestellt und bin gespannt, wie es mit Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder so weitergeht.

stern 7

Todesfrist – Andreas Gruber – Taschenbuch – 432 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-442-47866-8 – erschienen: März 2013 (Goldmann)

[Rezension] „Der große schwarze Vogel“ von Stefanie Höfler

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„Mas dreieckiges Gesicht erscheint zwischen den anderen kleinen Dreiecken aus blauem Himmel inmitten der Äste, ihre langen rostroten Haare mit den etwas helleren trockenen Blättern darin umrahmen ihr breites Lachen mit dem leuchtend rot gemalten Mund. Alles an ihr glitzert vor Freunde.“ (S. 9)

Dies ist die erste Erinnerung, die Ben an seine Mutter hat. Seine Mutter, wie sie mitten in einem Baum steht und die Kastanien pflückt wie Äpfel. Denn die beiden wollen Kastanientiere bauen und nicht bis zum nächsten Tag warten, wenn die Kastanien vielleicht von alleine runterfallen würden. Diese Erinnerung teilt Ben in einer Art Prolog mit uns. „Davor“ nennt er den Prolog.

Nur eine Seite weiter erlebt Ben, wie Sanitäter versuchen, seine Mutter wiederzubeleben. Erfolglos. Mitten aus dem Leben. Ich muss sagen, obwohl ich vorher schon wusste, wovon das Buch handeln würde, war ich genauso schockiert wie Ben selbst. Genauso fassungslos.

„Mas Todestag war ein strahlender Oktobertag.“ (S. 15)

Bens Geschichte – die ersten Tage nach dem Tod seiner Mutter, die einzelnen Rückblicke auf die Zeit davor, aber auch den Blick nach vorn auf Geschichten, die noch passieren werden – hat mich sehr berührt. Der Erzählstil ist leicht und schlicht. Und trotzdem (oder gerade deswegen?) gelingt es der Autorin, den Leser mitzunehmen und ihn mitfühlen zu lassen.

„Ich weiß nicht einmal, ob dies eine Geschichte wird. Aber falls es eine wird, dann soll sie erzählen, wie das ist, wenn jemand plötzlich stirbt. Wie die ersten Tage vergehen, wie man damit klarkommt. Oder wie man eben nicht damit klarkommt. (S. 15)

Ich würde gerne von so vielen liebevollen Details erzählen, von so vielen Lieblingsstellen. Aber gleichzeitig möchte ich auch jedem die Chance geben, die Geschichte selbst zu fühlen und zu erleben. Stefanie Höfler ist es gelungen, ein trauriges Thema greifbar zu machen, ohne es zu schmälern. Trotz all der Traurigkeit ist dieses Buch aber auch fröhlich, positiv und lebensbejahend. Es ist ein Buch, das mich am Ende mit tränennassen Wangen und einem glücklichen Lächeln zurückgelassen hat.

stern 10

Dieses Buch ist (meiner Meinung nach absolut zu Recht) für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2019 nominiert.

Der große schwarze Vogel – Stefanie Höfler – Hardcover – 13,95 € – 182 Seiten – ISBN: 978-3-407-75433-2 – erschienen: Juli 2018 (Beltz & Gelberg)

[Rezension] „Heldenhaft“ von Andreas Thamm

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„Ich erinnere mich nicht wegen des Wetters an diesen Sommer, sondern weil es der Sommer war, in dem alles passierte: Mitch kam zurück und wir wurden kurz ein bisschen kriminell. Lea und ich kamen uns näher, und ich nahm mir vor, sie zu retten.“ (S. 5)

Andi ist 17 in diesem Sommer, in dem alles passierte. Langsam und bedächtig, in kurzen, teilweise etwas abgehackten Sätzen berichtet er davon, wie sein früherer Freund Mitch aus dem Knast wiederkommt, wie er und sein bester Freund Ferdi plötzlich mittendrin in einem Einbruch stecken – natürlich wegen Mitch – und wie er Lea näher kommt. Lea, dem schönsten Mädchen der Welt. Lea, dem Christenmädchen. Lea, dem Mädchen dessen Eltern ihr gar nichts erlauben.

„Ich wusste noch nicht einmal, ob es irgendwie legitim war, bereits das große L-Wort rauszuholen, wenn man das fühlte, was ich fühlte. Weil das ja irgendwie schon der Eiffelturm unter den Wörtern ist.“ (S. 109)

Als ich das Buch gerade eben beendet und in meine Leseliste eingetragen habe, war ich mir sehr unsicher, wie ich es bewerten sollte. 6 Sterne? 7 Sterne? 8 Sterne? Die Geschichte hatte mir an sich gefallen, aber die Sprache fand ich an manchen Stellen doch zu jugendlich. Manchmal war mir das Erzähltempo etwas zu langsam, aber die Moral der Geschichte finde ich toll.

Letztendlich habe ich mich doch für 8 Sterne entschieden, denn die Geschichte ist irgendwie echt. Manchmal gerät man einfach so in ein Schlamassel, ohne es zu wollen. Manchmal dauert es eben, bis man sich traut, das Nachbarsmädchen anzusprechen. Manchmal ist man ein Held, auch wenn man kein großes Wunder vollbringt. Ein Alltagsheld eben. Ein ganz normaler Alltagsheld.

stern 8

Heldenhaft – Andreas Thamm – Hardcover – 256 Seiten – 17,00 € – ISBN 978-3-7348-5035-6  – erschienen: Januar 2019 (Magellan) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Bloß nicht weinen, Akbar!“ von Frauke Kässbohrer

Bloß nicht weinen Akbar

„Und dann war es plötzlich so weit! Letzte Umarmungen, letzte gute Worte – wenig später verschwanden das Haus und die winkenden Gestalten, und ich war mit fünf mir unbekannten Männern im Auto alleine. Ich hatte einen dicken Kloß im Hals und immer wieder ging mir durch den Kopf: „Bloß nicht weinen, bloß nicht weinen, irgendwie wird’s schon werden …“ (S. 33)

Akbar ist sieben Jahre alt, als er seine Eltern und seine Heimat Afghanistan hinter sich lassen muss. Gemeinsam mit der Familie seiner Tante flieht er in den Iran, aber auch dort kann er nicht bleiben. Ohne Pass bleibt ihm – nun mit 16 Jahren – nur eine Möglichkeit: der Weg nach Europa.

Mir ist bewusst, dass viele Flüchtlinge, die nach Europa kommen, einen unglaublich harten Weg hinter sich haben. Nicht zuletzt weil einige meiner Schüler nach Deutschland Geflüchtete sind, habe ich einen ganz guten Eindruck von den Strapazen und Schwierigkeiten, die viele auf sich nehmen müssen, um die Chance auf ein menschenwürdiges Leben zu haben.

„Bloß nicht weinen, Akbar!“ ist die autobiographische Geschichte des jungen Afghanen Akbar Husseini. Nachdem er einige Jahre hier in Deutschland gelebt hatte, fragte er Frauke Kässbohrer, seine Deutschlehrerin, ob sie bereit wäre, seine Geschichte aufzuschreiben. Obwohl man aus den Zeilen deutlich herausliest, dass Frau Kässbohrer keine Erfahrungen im schriftstellerischen Bereich hat, ist Akbars Geschichte natürlich per se bewegend. Es ist kaum zu fassen, welche Schicksalsschläge er schon in so einem jungen Alter verkraften musste. Und es ist bewunderswert, wie gut er diese gemeistert hat.

Ich werde „Bloß nicht weinen, Akbar!“ in den nächsten Wochen mit zwei 7. Klassen als Schullektüre lesen und bin sehr gespannt darauf, wie die Schüler die Geschichte aufnehmen und was das Lesen in ihnen auslöst.

Bloß nicht weinen, Akbar – Frauke Kässbohrer – Taschenbuch – 125 Seiten – 5,95 € – ISBN  978-3-86760-180-1 – erschienen: Januar 2017 (Hase und Igel)

[Rezension] „Alex Verus 1: Das Labyrinth von London“ von Benedict Jacka

20190211_085007.jpgReiheninfo:

  1. „Alex Verus 1: Das Labyrinth von London“
  2. „Alex Verus 2: Das Ritual von London“ (erscheint am 15.4.2019)
  3. engl. Titel: „Taken“
  4. engl. Titel: „Chosen“
  5. engl. Titel: „Hidden“
  6. engl. Titel: „Veiled“
  7. engl. Titel: „Burned“
  8. engl. Titel: „Bound“
  9. engl. Titel: „Marked“

Rezension

Alex Verus ist ein Magier und betreibt in London das „Arcana Emporium“: einen kleinen Laden für magisches Zubehör. Anders als viele andere Magier hält er sich von anderen seiner Zunft und insbesondere von dem Rat der Magier fern. Seine einzigen näheren Bekannten sind das gutmütige, aber auch etwas schlichte Windelementar Starbreeze, die Schneiderin Arachne und die junge, mit einem Fluch gesegnete Luna. In Alex Vergangenheit sind zahlreiche Gründe zu finden, sich von anderen Magiern – und insbesondere von Schwarzmagiern – fernzuhalten. Doch dann wird in London ein altes und mächtiges Artefakt gefunden und gleich mehrere Parteien wollen den Magier und seine Fähigkeit als Wahrsager für sich und ihre eigenen Belange nutzen.

„Das Labyrinth von London“ ist der erste Band der neuen Fantasyreihe um den Magier Alex Verus. Ich war zunächst ganz begeistert, dass der zweite Band schon im April erscheint und dann ganz überrascht, dass es im Englischen schon ganze neun Teile der Reihe gibt.

Der erste Band um den sympathischen Wahrsager Alex Verus ist zwar nicht der Pageturner schlechthin, konnte mich aber trotzdem in vielen Aspekten überzeugen. Das Thema des Wahrsagens finde ich oft etwas heikel. Wenn jemand die Zukunft vorhersehen kann, wie kann er sie dann noch ändern? Haben wir dann überhaupt noch Einfluss auf das, was geschehen wird? Alex beschreibt seine Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, meiner Meinung nach sehr plausibel: Für ihn offenbaren sich unendliche viele Möglichkeiten, wie sich die Zukunft entwickeln kann – Strang für Strang. Und je nachdem, welchen Strang man wählt, zieht dies unterschiedliche Konsequenzen nach sich.

Ein weiterer Pluspunkt von „Das Labyrinth von London“ sind die Charaktere. Alex Verus selbst ist mir sehr sympathisch – auch wenn ein sehr dunkler Teil in seiner Vergangenheit immer mal wieder angedeutet wird. Seine Gehilfin Luna, gleichzeitig gesegnet und gestraft mit ihrem Fluch, bringt ganz viel Potenzial für Entwicklung mit sich. Wie magiebegabt auch sie vielleicht ist, steht noch in den Sternen. Und außerdem: ein bisschen knistert es auch zwischen Luna und Alex – aber auch wirklich nur ein ganz kleines bisschen – versprochen! 🙂

Erzählt wird die Geschichte von Alex selbst: Auf humorvolle Art beschreibt er, was passiert, klärt uns über wichtige Hintergründe und Grundlagen der Magie auf und warnt uns vor Einhörnern: Ja, sie sind wunderschön, aber alles andere als unschuldig. Aber das nur am Rande.

„Das Labyrinth von London“ hat mich wirklich gut unterhalten. Die tollen Charaktere, die ausgefeilte Handlung und die humorvolle Erzählweise hat mich vergessen lassen, dass manche Szenen für meinen Geschmack noch etwas fesselnder und spannender hätten sein können. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Band und auf das nächste Abenteuer von Alex und Luna. 8 von 10 Sterne!

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Alex Verus 1: Das Labyrinth von London – Benedict Jacka – Klappbroschur – 416 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-7341-6165-0 – erschienen: Juli 2018 (Blanvalet) – Übersetzung: Michelle Gyo

 

[Reihenrezension] „Das Lied der Krähen“ & „Das Gold der Krähen“ von Leigh Bardugo

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Reiheninfo:

  1. „Das Lied der Krähen“
  2. „Das Gold der Krähen“

Ja, ihr habt richtig gesehen: Diese Reihe ist tatsächlich „nur“ eine Duologie und damit bereits vollständig erschienen. Das ist ja mittlerweile eher unüblich. Insbesondere im phantastischen Bereich gibt es gefühlt fast nur noch Trilogien. Und bei vielen muss man sehnsüchtig auf die folgenden Bände warten.

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Reihe tatsächlich rezensieren möchte, denn es ist wirklich schwer, etwas über den Inhalt zu sagen, ohne zu viel zu verraten. Da die beiden Bücher aber zu meinen absoluten Lesehighlights 2018 gehört haben, wage ich es jetzt doch mal.

Kaz ist schlau, skrupellos und brutal – und damit einer der führenden Ganoven in Ketterdam. Eines Tages erhält er ein verlockendes, aber auch lebensgefährliches Angebot. Ein Kaufmann hat ihn angeheuert, um einen begabten und gefährlichen Magier aus dem bestgesichertsten Gefängnis befreien. Um den Job meistern zu können, schart Kaz fünf Gefährten um sich, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

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Tolle FanArt der sechs Krähen (gefunden auf dem Tumblr-Blog: Organized Chaos“

Und genau diese sechs Krähen (Mitglieder des Krähenclubs, einer der Banden in Ketterdam) machten für mich die Lektüre so unvergleichlich und spannend. Den schlauen, aber auch brutalen und sehr abgebrühten Kaz habe ich genauso in mein Herz geschlossen, wie den lebensfrohen und zielsicheren Jesper oder den so heldenhaften, aber auch etwas steifen Fjerdan Matthias. Und den noch unsicheren und dennoch tapferen Wylan mochte ich wegen seines guten Herzens sowieso ganz besonders gern. Unter den sechs Krähen sind auch zwei tolle weibliche Figuren. Die „Spinne“ Inej war mein absoluter Liebling, aber auch die Grischa Nina ist toll und liebenswert gezeichnet.

Grischa ist übrigens ein passendes Stichwort. Die Geschichte der Krähen ist in der gleichen Welt angesiedelt wie Leigh Bardugos Grischa-Trilogie, die ich bisher noch nicht gelesen habe, und erhält dadurch auch ihren phantastischen Touch.

Beide Bände brauchen ein bisschen, bis die Handlung in Fahrt kommt, aber wegen der ansonsten grandiosen Handlung und der – wie bereits gesagt – besonders toll Charaktere kann ich darüber locker hinwegsehen und diese Duologie bedingungslos empfehlen. 8 von 10 Sternen!

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Das Lied der Krähen – Leigh Bardugo – Klappbroschur – 592 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-426-65443-9 – erschienen: Oktober 2017
Das Gold der Krähen – Leigh Bardugo – Klappbroschur – 592 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-426-65449-1 – erschienen: September 2018

 

[Rezension] „Good Night Stories for Rebel Girls 2. Mehr außergewöhnliche Frauen“ von Francesca Cavallo & Elena Favilli

Im März 2018 habe ich den ersten Band „Good Night Stories for Rebel Girls.100 außergewöhnliche Frauen“ gelesen und wirklich sehr gerne gemocht. Das Buch gehörte (trotz minikleiner Kritikpunkte) sogar zu meinen Jahreshighlights. Nun ist endlich der Folgeband erschienen und ich habe es auch dieses Mal sehr genossen, kurz in die einzelnen Lebensgeschichten von so verschiedenen Frauen einzutauchen.

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Bevor ich euch ein bisschen an den für mich spannendsten Geschichten teilhaben lasse und euch hoffentlich ein wenig neugierig mache, muss ich aber doch noch einen kleinen Kritikpunkt äußern, der mich schon beim Lesen des ersten Bandes beschäftigt hat. In beiden Bänden werden Frauen wie z.B. Anne Bonny beschrieben. Anne Bonny war eine Piratin, die plündernd, kapernd und mordend durch die Karibik segelte. Ja, mit Sicherheit ist sie eine außergewöhnliche Frau gewesen, aber ein Vorbild? In meinen Augen definitiv nicht.

Aber nun schnell wieder zu den wirklich spannenden und beeindruckenden Frauen, die in diesem Buch vorgestellt werden.

So hat mich zum Beispiel die Tennisspielerin Billie Jean King sehr beeindruckt, die für gleiche Preisgelder für Männer und Frauen im Tennis gekämpft hat.

„In Sicherheit zu leben sollte ein angeborenes Recht jedes Menschen sein.“ (S. 60)

Dies ist ein Zitat von Clemantine Wamariya, eine Geschichtenerzählerin und Aktivistin. Sie überlebte den Völkermord in Ruanda und versucht nun, mit ihrer Geschichte anderen Flüchtlingen zu helfen.

Ebenso eine Aktivistin ist die noch sehr junge Yeonmi Park, die mit ihrer Mutter aus Nordkorea floh. Ihr Buch „Meine Flucht aus Nordkorea“ habe ich direkt auf meine Wunschliste gesetzt.

Zu guter Letzt möchte ich euch noch ganz kurz Shamsia Hassani vorstellen, die eine Graffitikünstlerin aus Afghanistan ist. Shamsia sprayt dort vor allem Bilder von Frauen an Hauswände und Gassen, um etwas für die Frauenrechte in ihrem Land zu tun.

„Die Frauen, die ich male, sind keine Frauen, die zu Hause bleiben. Es sind neue Frauen, voller Energie.“ (S. 182)

Es ist immer wieder erstaunlich und erschreckend, in wie vielen Bereichen des Lebens es immer noch keine Gleichberechtigung gibt. Umso beeindruckender war es, die Geschichten der Frauen zu lesen, die sich von den vorherrschenden Umständen nicht haben unterkriegen lassen und das getan haben, was ihnen wichtig war. Immer wieder habe ich zwischendurch nach Zusatzinfos gesucht, mir z.B. Bilder von der Graffitikünstlerin oder Videos der Spinnenfrau Luo Dengping angesehen.

Auch der zweite Band hat mir sehr gut gefallen und ich habe nur einen kleinen Kritikpunkt. Schade, dass ich mit der Lektüre schon wieder durch bin, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich in ein paar Jahren das Buch nochmal zur Hand nehme. 8 von 10 Sternen.

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Good Night Stories for Rebel Girls 2. Mehr außergewöhnliche Frauen – Cavallo & Favilli – Hardcover – 224 Seiten – 24,00 € – ISBN 978-3-446-26106-8 – erschienen: November 2018 (Hanser)

[Rezension] „Sophie Scholl: Die Comic-Biografie“ von Ingrid Sabisch und Heiner Lünstedt

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Den Namen „Sophie Scholl“ haben sicher die meisten schon ein Mal gehört. Vermutlich wissen auch die allermeisten, dass sie Mitglied der Widerstandsbewegung „Die weiße Rose“ war. Sophie kämpfte während des zweiten Weltkriegs unter anderem gemeinsam mit ihrem Bruder gegen den Nationalsozialismus. Im Februar 1943 wurde sie dabei entdeckt, wie sie Flugblätter in der Münchener Universität verteilte. Daraufhin wurde sie der Gestapo übergeben und kurz danach hingerichtet.

„Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue daher meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die daraus erwachsen, auf mich nehmen.“ (S. 48)

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Eine Comic-Biographie kann natürlich nicht so im Detail informieren, wie es eine ausführliche und schriftliche Biographie kann. Was aber das vorliegende Buch durchaus kann, ist neugierig machen und einen groben Überblick über das Leben und die Denkweise dieser mutigen, tapferen jungen Frau zu geben. Die nötige historische Grundlage für das Buch entsteht durch den tatsächlichen Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und ihrem Verlobten Fritz Hartnagel.

Gerade in der heutigen Zeit, während der aktuellen politischen Situation, in der es scheinbar mehr und mehr in Ordnung ist, auch als Politiker rechte Parolen zu äußern, zeigt die Lebensgeschichte von Sophie Scholl, wie wichtig es ist, laut zu sein, seine Meinung zu äußern und zu gewissen Werten und Idealen zu stehen!

Wer bisher noch nicht so viel von Sophie Scholl weiß, aber Interesse an dem Leben einer tapferen Widerstandskämpferin hat, für den ist diese Comic-Biographie sicherlich ein guter Einstieg. Mich hat das Buch neugierig gemacht. Außerdem bin ich dankbar, dass es Menschen wie Sophie Scholl gibt, die mutig für das einstehen, woran sie glauben.

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Sophie Scholl: Die Comic-Biographie – Ingrid Sabisch und Heiner Lünstedt – Hardcover – 59 Seiten – 19,95 € – ISBN 978-3-86873-807-0 – erschienen: September 2015 (Knesebeck)

[Rezension] „Tanz der Tiefseequalle“ von Stefanie Höfler

Niko ist intelligent. Er ist mutig und steht tapfer über den Spötteleien seiner Mitschüler. Niko liebt es, sich in Tagträumen zu verlieren und dabei geniale Dinge zu erfinden. Er ist selbstironisch und besitzt einen mitreißenden Wortwitz. Seine Mitschüler sehen allerdings nur eins: Niko ist unglaublich dick!

Sera findet es meistens gar nicht so lustig, wenn ihre Mitschüler Niko ärgern, doch sie setzt sich auch nicht für ihn ein. Sera klettert gerne auf Bäume, aber davon darf niemand etwas wissen. Ihre Mitschüler sehen nur eins: Sera ist unglaublich schön!

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Es gibt Bücher, die berühren einen beim Lesen, ohne dass man genau in Worte fassen kann, was der Grund dafür ist. „Der Tanz der Tiefseequalle“ ist so ein Buch!

Als Sera auf der Klassenfahrt von einem Mitschüler begrapscht wird, geht Niko mutig dazwischen. Quasi der erste echte Kontakt zwischen den beiden, denn ansonsten haben die scheinbar so gegensätzlichen Jugendlichen nichts miteinander zu tun. Abends dann fordert Sera Niko zum Tanz auf, wobei sie selbst nicht genau weiß, warum sie dies tut. Zwischen den beiden entwickelt sich eine verrückte Freundschaft, in der beide lernen müssen, dass der äußere Schein manchmal trügt …

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Niko und Sera erzählt, so dass man als Leser die Gedanken und Gefühle, Sorgen und Hoffnungen von beiden gut mitbekommt. Stefanie Höfler gibt den beiden ganz eigene und authentische Erzählstimmen. Ich hätte mit dem Lesen am liebsten gar nicht aufgehört.

„Tanz der Tiefseequalle“ ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und ich weiß jetzt schon, dass ich dem Titel ganz fest die Daumen drücken werden, denn es ist gleichzeitig eine schöne, witzige und tiefgründige Geschichte. Ich wünsche ganz vielen Lesern das Vergnügen, Niko und Sera kennenzulernen!

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Dieses Buch wurde 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, mittlerweile ist es auch als Taschenbuch erschienen.

Tanz der Tiefseequalle – Stefanie Höfler – Hardcover – 190 Seiten – 12,95 € – ISBN: 978-3-407-82215-4 – erschienen: April 2018 (Beltz & Gelberg) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren