[Rund um’s Buch] Ein Besuch in der Kronenklauer-Buchhandlung

Neulich habe ich sie entdeckt – die Buchhandlung, die mich sicherlich nicht das letzte Mal zu Besuch hatte: „Die Kronenklauer“ heißt die Buchhandlung und führt speziell Kinder und Jugendbücher.

Die Kronenklauer

Die ersten Male, als ich an der Buchhandlung vorbeigekommen bin, war ich immer in Begleitung nicht lesender Menschen (Ja, auch solche gibt es. Und die können sogar sehr nett sein. 😉 ), deswegen wollte ich dann nicht Ewigkeiten stöbern. Aber in der letzten Woche war es dann endlich soweit: Mein erster Besuch in einer reinen Kinder- und Jugendbuchhandlung.

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ein Besuch lohnt sich definitiv: Die Buchhandlung hat Charme und ein wundervolles Sortiment. Im Kinderbuchbereich kenne ich mich nicht so aus, aber bei den Jugendbüchern gab es ganz viele Schätze zu entdecken. Vieles auch abseits des Mainstreams.

Letztendlich konnte ich mich schweren Herzens (vorerst) auf sechs Bücher beschränken und erntete an der Kasse den erstaunten Ausruf der Buchhändlerin: „Die wollen sie ALLE kaufen???“ – Ja, und dabei habe ich mich schon sehr zusammengerissen! 🙂

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Meine Ausbeute

Wer also mal in Bielefeld ist, sollte dieser Buchhandlung unbedingt mal einen Besuch abstatten.

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[Rund um’s Buch] DJLP 2016 – mein Eindruck von einigen der nominierten Bücher

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Wie in jedem Jahr habe ich mich mit einigen der nominierten Bücher für den Deutschen Jugendliteraturpreis beschäftigt. Wie in jedem Jahr habe ich mich hierbei auf die Jugendbücher konzentriert. Und wie in jedem Jahr habe ich es nicht geschafft, alle Bücher zu lesen. Und zu guter Letzt: Wie in jedem Jahr ist mein Eindruck natürlich absolut subjektiv. 🙂

Welche Bücher in den Sparten Jugendnominiert sind, seht ihr übrigens hier.

„Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ von Yoon

Ein Buch, was ein tolle Sprache und grundsätzlich eine interessante Grundidee hat. Mir hat der Schluss aber einfach gar nicht gut gefallen. Ich finde, dass es sich die Autorin damit etwas leicht gemacht. Meine ausführliche Rezension zum Buch findet ihr hier.

„Goodbye Bellmont“ von Quick

Dieses Buch hat mir wirklich gut gefallen. Es ist voller Emotionen und innerer Konflikte. Es werden viele wichtigen Themen wie Familie, Freundschaft, Ziele, Liebe und Identität angesprochen. Und das ganz subtil und unterhaltsam. Ein absolut lesenswertes Buch!

„Halbe Helden“ von Lange

Eine Freundschaft zwischen dem vermeintlich aggressivsten Jugendlichen der Schule, der kurz davor ist, mal wieder suspendiert zu werden, und einem Jungen mit Down-Syndrom – geht das? Und wenn ja: Wer profitiert mehr von dieser Freundschaft? Ein schönes Buch, das mir wirklich gut gefallen hat. Der DJLP wäre absolut verdient.

„Das hier ist kein Tagebuch“ – Sassen

Langsam, Seite für Seite erfahren wir die Geschichte von Bou. Warum geht er nicht mehr zur Schule? Wie kann er den Selbstmord seiner Mutter verarbeiten? Darf man darüber wütend sein? Und wie kann man mit all den nicht gefühlten Gefühlen umgehen? Wichtige, eindringliche Frage. Tiefe Trauer. Ein winziger Hauch von Hoffnung. Ein tolles Buch, das zum Nachdenken anregt.

„Eleanor & Park“ – Rowell


Mehr muss man dazu nicht sagen. Wer doch etwas genaueres lesen möchte, kann hier in meiner ausfürlichen Rezension stöbern.

„Mädchenmeute“ – Fuchs

Dieses Buch verwirrt mich. In Teilen finden ich es gut, unterhaltsam und bewegend. In großen Teilen aber auch einfach nur unrealistisch, überzogen und merkwürdig geschrieben. „Komisch“ trifft es in meinen Augen am besten.

Wie immer würde es mich interessieren, welche der nominierten Bücher du gelesen hast und wie du sie fandest. Ich freue mich auf deinen Kommentar.

[Rund um’s Buch] Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016

Huch? Ist es schon soweit? Die Nominierungen sind draußen? – Ihr seht: Ich bin gerade so von meinem restlichen Leben eingenommen, dass ich – ICH! – das gar nicht mitbekommen habe.
Nun hier aber zumindst die Nominierungen in den Bereichen Jugendbuch und Jugendjury. Den Rest könnt ihr hier nachlesen.

Nominierungen in der Sparte „Jugendbuch“

  1. „Halbe Helden“ von Erin Jade Lange
  2. „Das Fieber“ von Makiia Lucier
  3. „Ein Sommer am See“ von Mariko Tamaki
  4. „Mädchenmeute“ von Kirsten Fuchs
  5. „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell ( ❤ )
  6. „Das hier ist kein Tagebuch“ von Erna Sassen

Nominierungen in der Sparte „Preis der Jugendjury“

  1. „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon (auf dem SuB)
  2. „Train Kids“ von Dirk Reinhardt
  3. „Sommer unter schwarzen Flügeln“ von Peer Martin
  4. „Goodbye Bellmont“ von Matthew Quick
  5. „Das hier ist kein Tagebuch“ von Erna Sassen
  6. „Der Tiger in meinem Herzen“ von Patricia McCormick

Bei meinem derzeitigen Lesetempo sollte ich vielleicht jetzt schon beginnen, die Bücher zu lesen, damit ich vielleicht 2-3 bis zur Frankfurter Buchmesse schaffe … 😉

Welche kennt ihr?

[Rund um’s Buch] Vorstellung des Projekts: Autoren helfen

Manche von euch haben es vielleicht schon via Facebook oder irgendeinen anderen Kanal mitbekommen, da ich das Projekt aber so schön finde, möchte ich es hier doch noch teilen. Wovon ich rede? Hier von:

Autoren helfen

Autoren helfen - Header

Worum es bei diesem Projekt geht? Ich zitiere einfach mal:

„Autoren helfen“ ist eine Initiative von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ihre kreativen Kräfte bündeln und sich für humanitäre und soziale Anliegen einsetzen wollen. Erdacht wurde „Autoren helfen“ von fünf Autorinnen und Autoren im September 2015.
„Autoren helfen“ will eine Plattform sein, auf der sich jede Autorin und jeder Autor auf die eigene Weise einbringen kann. Sei es mit Texten, sei es mit Aktionen und Projekten jeglicher Art für den guten Zweck.
Unter dem Motto „Autoren unterstützen Flüchtlinge“ sagen die Initiatoren der ersten Kampagne dieser Plattform sehr bewusst Nein zu Rassismus und Ja zur Integration von Asylbewerbern.

Auf der Homepage dieser Initiative kann man zum Beispiel signierte Bücher erwerben (der Erlös wird dann gespendet), Tandem-Lesungen buchen (ein/eine Kinder- und JugendbuchautorIn gestaltet gemeinsam mit einem Flüchtling eine Lesung) oder einen geplanten Spendenlauf unterstützen.

Besonders schön finde ich auch die Unterseite „Stimmen für Toleranz“, auf der die teilnehmenden Autoren ein kurzes Statement zu dem Thema abgeben. Wirklich sehr berührend!

Ob ihr nun AutorIn seid und dem Projekt gerne beitreten möchtet, es als Leser unterstützen möchtet oder einfach nur neugierig seid: Ich finde Aufmerksamkeit hat diese schöne Aktion allemal verdient!

[Rund um’s Buch] Die SERAPH-Longlist 2016

Schon vor zwei Wochen etwa wurde die Longlist des SERAPH veröffentlicht, nun komme ich endlich mal dazu, die Nominierten kurz aufzulisten. Ich habe ja ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis zu diesem Phantastik-Preis, dennoch verfolge ich ihn natürlich!

Der SERAPH ist ein Jurypreis, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die besten Romane des Phantastik-Genres zu prämieren.
Jährlich verleiht die Phantastische Akademie im Rahmen der Leipziger Buchmesse den Literaturpreis in den Kategorien Bester Roman und Bestes Debüt. Der Förderpreis für Nachwuchstalente (Bestes Debüt) ist mit einem Preisgeld dotiert.
2016 wird der Preis außerdem in den Kategorien Bester Independent-Autor sowie Fantasy-Liebling verliehen. (Quelle)

Nominiert für „Bestes Debüt“

  1. Boege, Luise: Kaspers Freundin
  2. Brox, Kirsten: Matamba
  3. Capiti, Carmen: Das letzte Artefakt
  4. Illger, Daniel: Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts
  5. Loewe, Maja: Die Augen des Iriden
  6. Pfyl, Luzia: Cesario Aero
  7. Riescher, Bianca M.: Mitternachtsrot – Eine Erzählung aus Dschanor
  8. Waßmann, Arndt: Der Weg der Maga
  9. Weinert, Simon: Tassilo, der Mumienabrichter

Nominiert für „Bestes Buch“

  1. Aster, Christian von: Das eherne Buch
  2. Blazon, Nina: Der Winter der schwarzen Rose
  3. Brandhorst, Andreas: Das Schiff
  4. Corzilius, Thilo und Siegmund, Fabienne: Das Mädchen und der Leuchtturm
  5. El-Bahay, Akram: Flammenwüste 2 – Der Gefährte des Drachen
  6. Funke, Cornelia: Reckless 3 – Das goldene Garn
  7. Gates, Robin: Feuermuse
  8. Gläser, Mechthild: Die Buchspringer
  9. Hasse, Stefanie: BookElements 1 – Die Magie zwischen den Zeilen
  10. Mocikat, Anna: MUC – Die verborgene Stadt
  11. Orgel, T.S.: Die Blausteinkriege 1 – Das Erbe von Berun
  12. Reß, Alessandra: Spielende Götter
  13. Schreckenberg, Michael: Nomaden
  14. Speer, Natalie: Frostseelen
  15. Trecksel, Bernhard: Nebelmacher

Nominiert für „Bester Independent-Autor“

  1.  Mengel, Regina: Windsbraut
  2. Lanvall, Mark: Lichtsturm
  3. Graßhoff, Marie: Kernstaub
  4. Pharo, Miriam: Der Bund der Zwölf
  5. Anderfeldt, M.P.: Wolfsnacht
  6. Dean, Annie J.: Lana – Schattenbilder
  7. Kuhlmann, Hanna: Nachtschatten
  8. Thomas, Christin: Hope
  9. Labas, Laura: Pharos
  10. Karl, Werner: Druide der Spiegelkrieger

Wie ihr seht, habe ich insgesamt nur eines der Bücher gelesen. Und ihr? Gibt es eines, dass ich eurer Meinung nach unbedingt noch lesen sollte?

 

[Rund um’s Buch] Deutscher Jugendliteraturpreis 2015 – die Gewinner

Soeben sind die diesjährigen Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises verkündet worden.

Die Preisträger sind:

Kategorie Bilderbuch: „Herr Schnuffels“ von David Wiesner (Text, Illustration)

Kategorie Kinderbuch:„Der Träumer“ von Pam Muñoz Ryan (Text) und Peter Sis (Illustration)

Kategorie Jugendbuch: „Schneeriese“ von Susan Kreller

Kategorie Sachbuch: „Und dann platzt der Kopf“ von Kristina Röckl (Text, Illustration)

Kategorie Preis der Jugendjury: „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan

Sonderpreis für Illustration: Sabine Friedrichson

Hmm, in der Sparte Jugendbuch hatte ich eindeutig andere Favoriten, wie ihr hier nachlesen könnt. Trotzdem gönne ich der sympathischen Bielefelderin Susan Kreller, die ich schon auf einer Lesung erleben durfte, den Preis, da ich ihr vorheriges Jugendbuch „Elefanten sieht man nicht“ sehr mochte.

Mit „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan bin ich zufrieden, denn es ist ein Buch, das vor allem eine spannende und unterhaltsame Geschichte enthält.  🙂

Herzlichen Glückwunsch an alle PreisträgerInnen!

[Interview] Kathrin Schrocke

Foto Kathrin Schrocke

Kathrin Schrocke

Liebe Kathrin, schön, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Du bist Kinder- und Jugendbuchautorin und veröffentlichst sowohl unter deinem echten Namen als auch unter dem Pseudonym Amina Paul. Damit wir dich ein bisschen besser kennenlernen können: Beschreibe dich selbst als Mensch, als Autorin und als Leserin jeweils mit zwei Adjektiven!

KS:

Mensch: neugierig, tolerant

Autorin: rastlos, selbstkritisch

Leserin: süchtig, genussvoll

Ich kenne bisher vier deiner Bücher („Freak City“, „Verdammt gute Nächte“, „Mein Leben und andere Katastrophen“ und „Finding Alex“). Die Bücher behandeln sehr unterschiedliche Themen. Wie entscheidet sich, worum es in deinen Büchern geht? Gibt es ein Thema, das dir besonders am Herzen liegt, das du bisher noch nicht in einem Buch verwirklichen konntest?

KS: Ich schreibe fast immer über Themen, die es so im Jugendbuch bislang nicht oder ganz selten gab. Nischenthemen, die es erst einmal schwer auf dem Markt haben, weil scheinbar keine Zielgruppe existiert. Es macht mir Spaß zu beweisen, dass man Jugendliche auch für Stoffe interessieren und begeistern kann, die kein Mainstream sind. Außerdem liebe ich Außenseiter – oder besser gesagt: die unfreiwillige Außenseiterrolle. Der Clou in meinen Geschichten nämlich ist, dass es meist die ganz „normalen“ 0815-Typen sind, die ungewollt zu Sonderlingen werden. In „Freak City“ ist nicht die gehörlose Figur die Hauptprotagonistin, sondern ein ganz durchschnittlicher Junge, der durch seine Verliebtheit in ein taubes Mädchen plötzlich der Kritik der Außenwelt ausgesetzt ist. In „Mein Leben und andere Katastrophen“ kommt zwar ein schwules Väterpaar vor – die Geschichte aber handelt von einem völlig normalen Mädchen, das eben in diese Familienverhältnisse hineingeboren wurde. Zwei Themen über die ich seit Jahren schreiben will – und einfach nichts aufs Papier bekomme: Umweltaktivisten und Flüchtlinge.

Jugendbücher

Jugendbücher von Kathrin Schrocke

Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass deine Geschichten sowohl männliche als auch weibliche Ich-Erzähler haben. Gibt es eine Perspektive, die dir leichter fällt zu schreiben? Warum ist das so?

KS: Mir fällt es komischerweise leichter aus männlicher Perspektive zu schreiben. Vielleicht weil diese Sichtweise komplett auf Beobachtung, Interpretation und Fiktion basiert. Bei einer weiblichen Perspektive mache ich unbewusst immer den Realitätscheck: war das bei mir damals so? Habe ich als Mädchen wirklich so oder so gedacht?

Dein aktuelles Buch „Mein Leben und andere Katastrophen“ beschäftigt sich mit Themen wie Regenbogenfamilien (Kinder leben mit zwei gleichgeschlechtlichen Erwachsenen als Eltern zusammen) und Teenagerschwangerschaften. Was war für dich der Anlass dieses Buch zu schreiben und warum sind dir gerade diese Themen wichtig?

KS: Es gab zwei Auslöser für das Schreiben des Buches. Zum einen die Bürgerbewegung, die sich in Baden-Württemberg formiert hat, nachdem das Thema „sexuelle Vielfalt“ in die Lehrpläne aufgenommen werden sollte. Mich hat schockiert, wie viele Menschen der Meinung sind, dass es schädlich für Jugendliche sein könnte, im Unterricht über Themen wie Homosexualität oder Transsexualität zu sprechen. Die tollste Entwicklung der letzten Jahre ist doch gerade, dass man offen über solche Dinge diskutieren darf. Denn es gibt all das, egal wie man dazu stehen mag: schwule und lesbische Teenager, Mütter mit Lebensgefährtinnen und Väter mit Partnern. Kinder, die in diesen Familien aufwachsen. Menschen, die sich falsch in ihrem biologischen Körper fühlen. Sie haben ein Recht darauf, dass man sie nicht unsichtbar macht und totschweigt. Im gleichen Jahr der Debatte in Deutschland entstanden Gesetze in Russland, die es gesetzlich verboten, mit Jugendlichen über Homosexualität zu sprechen. Mein Gedanke damals war ganz einfach: Worüber du nicht sprechen darfst, darüber musst du schreiben! Diese Macht haben wir Autoren.

Die Hauptperson der Geschichte, die 13-jährige Barnie, hat zwei Väter: Dad und Papa. Für sie ist das völlig normal und kein besonderes Thema. Glaubst du, dass das in der Realität auch so ist? Hast du vielleicht sogar mit Kindern aus Regenbogenfamilien über dieses Thema gesprochen?

KS: Ja, natürlich habe ich Kinder aus Regenbogenfamilien kennen gelernt. Es ist immer die Realität, in die man hineinwächst, die man als „richtig“ und als „normal“ auffasst. Die Kinder von Michael Jackson wachen ja auch nicht jeden Morgen auf und denken sich als erstes: „Wow! Ich bin ein Promi-Kind!“ Für die ist das Normalität. Ein Thema wird es erst, wenn andere ein Problem damit haben und es thematisieren oder gar kritisieren. Barnie findet ihre Familie völlig ok – erst als ihr Freund Sergej sich abfällig äußert, gibt sie sich dem Gedankenspiel hin, wie es wäre, in einer Familie mit Mutter und Vater aufzuwachsen. Vermutlich gibt es viele Kinder aus Regenbogenfamilien, die im Lauf der Pubertät plötzlich Unbehagen empfinden, einfach weil keiner aus der Reihe tanzen will oder seltsam beäugt werden möchte. Aber das betrifft ja nahezu alle menschlichen Bereiche. Als Teenager ist es einem auch peinlich, wenn der Vater Hausmann ist, wenn die Mutter Übergewicht hat, die Eltern ein uncooles Auto fahren. Erwachsene Kinder aus Regenbogenfamilien sind meiner Erfahrung nach meist sehr stolz auf ihre Mütter und Väter, selbstbewusst – und natürlich nicht zwangsweise selbst homosexuell 🙂

Wenn ich mir vorstelle, dieses Buch mit meinen Achtklässlern zu lesen, kämen sicherlich sehr unterschiedliche Reaktionen von den Schülern. Meiner Erfahrung nach haben oft insbesondere Jungen mit wenig Selbstbewusstsein ein Problem mit Homosexualität. Wie sind da deine Eindrücke?

KS: Es ist spürbar, dass sich in den letzten 10 Jahren enorm viel getan hat. Ich habe damals den Roman „Finding Alex“ geschrieben – über einen transsexuellen Jungen. Wenn ich damit vor Klassen auftrat, herrschte erst mal schockiertes Schweigen oder peinliches Lachen. Es fielen dann tatsächlich Sätze wie: „Das ist total krank!“ oder „Igitt! Ist der etwa schwul?“ Vor zwei Wochen hatte ich eine Lesung aus meinem Buch „Mein Leben und andere Katastrophen“ vor einer 6. Klasse. Vor allem die Jungs waren begeistert vom Text. Fast jeder kannte jemanden, der homosexuell ist – und es ist kein einziges abfälliges Wort gefallen. Das fand ich schon richtig erstaunlich. Und bin hoch erfreut aus der Veranstaltung gegangen.

Ausgewählte Kinderbücher

Einige Kinderbücher, die unter dem Pseudonym Amina Paul erschienen sind

Meiner Einschätzung nach spricht „Mein Leben und andere Katastrophen“ eine sehr viel jüngere Zielgruppe an als beispielsweise „Verdammt gute Nächte“. War das beim Schreiben auch deine Absicht? Wie stellst du dich auf unterschiedliche Zielgruppen ein, worauf achtest du?

KS: „Verdammt gute Nächte“ beinhaltet explizite sexuelle Inhalte. Nicht, weil ich provozieren oder schockieren wollte, sondern weil es das Thema verlangt. Es geht mir im Buch ganz klar um Identität, Begehren und sexuelle Entwicklung. Damit war aber von Anfang an klar, dass sich die Geschichte eher an ältere Leser/innen richten würde. „Mein Leben und andere Katastrophen“ hingegen behandelt, auch wenn es viel um Aufklärungsunterricht geht und die Teenager bei einem Babyprojekt mitmachen, um das Thema Familie. Was macht Familie eigentlich aus? Sind zwei Schüler mit einer Plastikpuppe eine Familie? Zwei Männer mit einer Tochter? Eine alleinstehende Frau mit Hund? Ich versuche, den unterschiedlichen Zielgruppen auf einer unterschiedlichen sprachlichen Ebene zu begegnen. Auch der Humor ist ein völlig anderer. Als 13-jährige lacht man über gänzlich andere Dinge als als 16-jähriger. Auf diese beiden Bereiche lege ich meinen Fokus.

Zum Abschluss noch meine zwei Standardfragen: Welche Frage bekommst du in einem Interview viel zu oft gestellt und von welcher Frage wünscht du dir seit jeher, dass sie dir endlich mal gestellt wird?

KS: Ich werde erstaunlich oft gefragt, ob ich die Geschichten in meinen Büchern selbst erlebt habe. Was ich hingegen nie gefragt werde und mich manchmal selbst frage: Würde ich meiner 16-jährigen Tochter raten, selbst einmal Autorin zu werden? Da ich aber keine 16-jährige Tochter habe, erübrigt sich die Antwort 🙂

Hier geht es zur Facebook-Seite der Autorin.
Hier kommt man zur Homepage von Kathrin Schrocke.

[Rund um’s Buch] Von Preisträgern und Nominierten

Heute ist der erste Tag der Leipziger Buchmesse und schon regnete es Preisträger und Nominierte. Bestimmt habe ich noch einige übersehen, aber das hier sind für mich die wichtigsten:

Leipziger Lesekompass

Die Stiftung Lesen hat wieder den Leipziger Lesekompass vergeben. Für die Altersklasse 10-14 Jahre wurden folgende Bücher empfohlen:

  • Neal Shusterman/Eric Elfman: „Teslas unvorstellbar geniales und verblüffend katastrophales Vermächtnis“
  • Sally Gardner: „Zerbrochener Mond“
  • Jörg Isermeyer: „Alles andere als normal“
  • Peter Lerangis: „Seven Wonders – Der Koloss erwacht“
  • Annika Langa: „Napoleon & T-Kex“
  • Charlotte Inden: „Operation 5 minus“
  • Vince Vawter: „Wörter auf Papier“ (Rezension)
  • Adam Rex/Cathlen Gawlich (Sprecherin): „Happy Smekday oder der Tag, an dem ich die Welt retten musste“
  • David Levithan: „Letztendlich sind wir dem Universum egal“
  • Jürgen Brater: „Rasend schnell und tierisch langsam – 60 extreme Gegensätze, die verblüffen“

Gelesen habe ich nur „Wörter auf Papier“, aber ich weiß, dass Nanni „Zerbrochener Mond“ auf jeden Fall sehr interessant fand. Und „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ war ja sowieso in aller Mund.

Durch den Rest werde ich mich nach meiner Prüfung stöbern. HIER findet ihr alle Infos und auch die Preisträger in den anderen Altersklassen.

SERAPH 2015

Leider habe ich noch keine richtig detaillierten Informationen zu diesem Preis gefunden. Von der Facebook-Seite von Thomas Finn weiß ich aber, dass Kai Meyer mit „Die Seiten der Welt“ den Preis für das beste Buch und Akram El-Bahay den Preis für das beste Debüt mit „Flammenwüste“ erhalten hat.

Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis

In der Sparte Jugendbuch:

  1. „Schneeriese“ von Susan Kreller
  2. „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan
  3. „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz
  4. „Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ von Christoph Wortberg
  5. „Jenseits der blauen Grenze“ von Dorit Linke
  6. „Die unterirdische Sonne“ von Friedrich Ani

In der Sparte Jugendjury

  1. „Der Circle“ von Dave Eggers
  2. „Auf der richtigen Seite“ von William Sutcliffe
  3. „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan
  4. „Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch
  5. „Wo ein bisschen Zeit ist“ von Emil Ostrovski
  6. „Echt“ von Christoph Scheuring (Rezension)

„Echt“ war toll, „Schneeriese“ möchte ich unbedingt noch lesen. Und von „Die unterirdische Sonne“ habe ich eher skeptische Meinungen gehört. Ansonsten sind für mich einige Überraschungen und vor allem viele mir unbekante Bücher dabei.