[Reihenrezension] „Schwesterherz“ & „Bruderlüge“ von Kristina Ohlsson

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Kristina Ohlsson ist eine der wenigen Thrillerautoren, die ich noch gerne lese. Früher waren das noch viel mehr, mittlerweile mag ich aber andere Genre lieber. Doch die Bücher der schwedischen Autorin sorgen immer wieder dafür, dass ich stundenlang (und teilweise sogar bis spät in die Nacht hinein) zwischen den Buchdeckeln verschwinde.

Am bekanntesten ist sicherlich ihre Reihe um die Ermittlerin Fredrika Bergmann. Nun gibt es eine neue Hauptfigur: Martin Benner ist Anwalt, Adoptivvater seiner Nichte und lose verbandelt mit seiner Liebe aus Studienzeiten. Doch sein Leben soll sich von einem auf den nächsten Tag ändern, als plötzlich ein Mann in seine Kanzlei kommt und ihn bittet, seine Schwester zu verteidigen, die wegen fünffachen Mordes angeklagt wurde. Das Besondere: Seine Schwester, Sara, ist schon seit einigen Monaten tot. Außerdem hat sie kurz vor ihrem Selbstmord alle Morde gestanden. Dennoch glaubt ihr Bruder an ihre Unschuld. Zu guter letzt noch ist Saras Sohn Mio an dem Tag ihrer Flucht und ihres Todes spurlos verschwunden. Widerstrebend beginnt Martin den alten Fall aufzurollen. Mit jedem Dokument, was er liest, mit jeder Information, die er nach und nach bekommt, wird ihm klar: Irgendetwas stimmt hier so gar nicht. Und schon steckt er mitten drin – und das wird für ihn gefährlich. Lebensgefährlich.

Gemeinsam mit Martin Benner, übrigens ein Hauptcharakter mit Ecken und Kanten, die nicht immer liebenswert sind, setzt man auch als Leser Puzzlestück um Puzzlestück zusammen. Das Bild, das sich nach und nach ergibt, ist immer wieder überraschend und niemals schön. Die Originaltitel der Reihe („Lotus Blues“ und „Momos Blues“) sind meiner Meinung nach sehr passend. Die Bedeutung erschließt sich aber erst beim Lesen.

Am Ende des ersten Bandes kommt es zu einem kleinen Abschluss. Nichtsdestotrotz bleiben noch so viele Fragen offen, dass ich unbedingt direkt zum nächsten Band greifen musste, der zum Glück schon bereit lag. Die Geschichte ist sehr spannend konstruiert, die Wendungen haben mich immer wieder gepackt. Trotzdem ist „konstruiert“ für mich auch das Stichwort für meine leise Kritik. Am Ende von „Bruderlüge“ (ich würde vermuten, dass dies auch das letzte Buch dieser Reihe ist) werden zwar alle losen Fäden mteinander verknüpft, aber die Auflösung kommt mir sehr konstruiert, sehr unwahrscheinlich und überzufällig vor. Schade!

Eigentlich haben mir „Schwesterherz“ und „Bruderlüge“ sehr gut gefallen und konnten mich an die Seite fesseln. Da mir persönlich die Auflösung des Ganzen nicht komplett gefallen hat, vergebe ich in diesem Fall „nur“ 7 Sterne.

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Schwesterherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 480 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2663-1 – erschienen: April 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann
Bruderherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 448 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2667-9 – erschienen: Juni 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann

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[Rezension] „Glaskinder“ von Kristina Ohlsson

Klappentext:

Billie will nicht umziehen, und doch kauft ihre Mutter ein Haus auf dem schwedischen Land, das Billie so gar nicht geheuer ist. Bald schon passieren merkwürdige Dinge und Billie erfährt, dass es in dem Haus immer wieder zu schrecklichen Unglücksfällen gekommen  ist. Gemeinsam mit Aladdin, dem Nachbarsjungen, und ihrer besten Freundin Simona macht sich Billie auf, das Rätsel zu lösen. Und als iher Mutter etwas zustößt, müssen die Freunde sich beeilen, denn es heißt, die Glaskinder gehen in dem Haus um und dulden keine neuen Bewohner…

Meine Meinung:

Kristina Ohlsson ist den meisten Lesern sicherlich vor allem durch ihre Thrillerreihe um die Ermittler Alex Recht und Fredrika Bergmann bekannt. Ich habe bisher die ersten drei Bände („Aschenputtel“, „Tausendschön“, „Sterntaler“) gelesen und sehr gemocht. Nun ist im Oktober 2014 mit „Glaskinder“ das erste Kinder-/Jugendbuch der Autorin erschienen und ich war ganz gespannt, wie es mir gefallen würde.

Die Geschichte beginnt damit, dass Billie und ihre Mutter ein Haus auf dem Land besichtigen, in das sie vier Wochen später einziehen werden. Für Billies Mutter ist es ein Schritt zurück ins Leben, denn das alte Haus birgt zu viele Erinnerungen an ihren verstorbenen Mann. Billie selbst fühlt sich von Beginn an unwohl in dem neuen Haus. Der Vermieter ist irgendwie komisch, verstrickt sich in Widersprüche und was Billie besonders merkwürdig findet: Warum hat die Familie, die vorher in dem Haus gewohnt hat, alle Möbel zurückgelassen?

„Auf dem Schreibtisch lag ein Malblock und Malkreiden und direkt daneben ein Stapel Zeichnungen. Es sah aus, als ob hier eben noch jemand gesessen und gemalt hätte, um dann einfach aufzustehen und zu gehen. Und nie wieder zurückzukommen.“ (S. 11)

Die Merkwürdigkeiten häufen sich: Mal bewegt sich eine Lampe scheinbar ganz von alleine, dann stehen plötzlich Billies Bücher im Regal in einer ganz anderen Reihenfolge. Billies Mutter will von dem Unsinn nichts wissen, doch die Reaktionen einiger anderer Bewohner der schwedischen Kleinstadt zeigen dem Mädchen deutlich, dass sich Geheimnisse um das Haus ranken. Gemeinsam mit Aladdin, dem Nachbarsjungen, und ihrer besten Freundin aus der Stadt versucht Billie genau dieses Geheimnis zu lüften.

Ich weiß nicht genau, wie Kinder und Jugendliche diese Geschichte und das Geheimnis wahrnehmen. Gruseln sie sich sehr? Sind sie neugierig, welche Erklärung die Autorin ihnen bietet? Und sind sie mit der Auflösung zufrieden? Ich kann diese Fragen für mich nur mit einem klaren Jein beantworten.

Mir hat die Geschichte an sich gut gefallen und vor allem mochte ich die Atmosphäre, die die Autorin aufbaut. Ich konnte mir gut vorstellen, in einem heißen schwedischen Sommer in dem blauen Haus zu sein und plötzlich zu sehen, wie sich eine Deckenlampe von Geisterhand bewegt. Trotzdem fehlte mir irgendetwas beim Lesen. So richtig interessiert hat mich die Geschichte nicht. Die Auflösung ist zwar schlüssig und passt, aber sie hat mich auch nicht vom Hocker gehauen.

„Glaskinder“, das erste Jugendbuch von Kristina Ohlsson, konnte mich nicht ganz so überzeugen wie ihre Erwachsenenthriller. Zwar zeigt sie auch hier, dass sie toll und sehr bildhaft schreiben kann, und Billie ist eine sympathische Hauptfigur, aber mich interessierte das Geheimnis und seine Auflösung nicht genug. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass Buch insbesondere für jüngere Leser noch sehr viel Spannung bietet. Ich vergebe 6 von 10 Sternen.

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Glaskinder – Kristina Ohlsson – Hardcover – 224 Seiten – 12,99 € – ISBN: 978-3-570-16280-4 – erschienen: Oktober 2014 (cbt) – Altersempfehlung: ab 11 Jahren

[Rezension] „Manneskraft per Postversand“ von Karin B. Holmqvist

Manneskraft per PostversandKlappentext:

Die liebenswerten Schwestern Tilda und Elida Svensson führen seit Jahren ein ruhiges Leben im Haus ihrer verstorbenen Eltern. Doch dann zieht der attraktive Alvar ins Nachbarhaus, und das Leben der beiden Damen ändert sich über Nacht. Sie leisten sich den Luxus neuer Sommerkleider und lernen bei Alvar den Komfort eines Badezimmers kennen. Für die Modernisierung des eigenen Hauses fehlt leider das Geld. Als Tilda und Elida eines Tages beobachten, wie der Nachbarkater nach dem Genuss von Blumenerde aus Alvars Petunientopf ungeahnte Potenz entwickelt, kommt ihnen eine glänzende, wenn auch gewagte Geschäftsidee … (Quelle)

Meine Meinung:

„Manneskraft per Postversand“ habe ich durch Birthe kennengelernt, die das Buch ganz begeistert auf ihrem Blog vorgestellt hat. Den Titel fand ich mehr als doof, aber Birthe konnte mich überzeugen, dass es sich trotzdem lohnt, das Buch zu lesen. Und sie hatte Recht.

Karin B. Holmqvist hat ein ruhiges und warmherziges Buch über die beiden Svensson-Schwestern geschrieben, die mit ihren zweiundsiebzig und neunundsiebzig Jahren ziemlich in ihrem Alltagstrott gefangen sind. Das ändert sich aber schnell, als im Nachbarhaus der etwa sechzigjährige Alvar einzieht.

„Genau genommen benahmen sich die beiden wie verrückte Hühner, seit Alvar eingezogen war. Plötzlich legten sie Wert auf ihr Aussehen beziehungsweise auf das wenige, was davon übrig war.“ (S. 44)

Und als sie dann noch erkennen, dass der Blumendünger von Alvar eine potenzsteigernde Wirkung auf alle Tiere hat, die davon fressen, haben sie eine ganz besondere Geschäftsidee…

„Manneskraft per Postversand“ überzeugt den Leser nicht unbedingt durch spannende Handlung oder eine ganz neuartige Geschichte. Aber es ist einfach sehr schön und rührend geschrieben und die beiden Schwestern sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Ein reizendes, kleines Büchlein: 8 von 10 Sternen.

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Manneskraft per Postversand – Karin B. Holmqvist – Taschenbuch – 224 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-492-24358-2 – erschienen: Juli 2005 (Piper)