[Rezension] „Der Schein“ von Ella Blix

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Oftmals beginne ich eine Rezension mit einem Zitat aus dem Buch. Ein prägnanter Satz, der für mich das Gefühl während des Lesens widerspiegelt. Dieses Mal möchte ich mich gerne selbst zitieren. Nicht weil das Buch nicht auch viele tolle Sätze beinhaltet, sondern weil dieser Satz einfach alles ausdrückt, was das Buch für mich ausgemacht hat.

„Puh, die beiden Autorinnen schreiben einfach unfassbar gut!“ (Ich, atemlos und mit Gänsehaut)

Die Autorinnen? Ja, genau! Ella Blix ist das gemeinsame Pseudonym des Autorinnenduos Antje Wagner und Tania Witte. Dies ist das erste gemeinsame Buch der beiden. Antje Wagner kenne ich als Autorin schon recht lange und habe einige ihrer Bücher gelesen, besonders begeistern konnten mich bisher „Vakuum“ und „Unland“.

In „Der Schein“ geht es um die knapp siebzehnjährige Alina, die mitten im Schuljahr auf das Internat „Hoge Zand“ auf der kleinen Ostseeinsel Griffiun wechselt. Auf Griffiun gibt es so gut wie nichts: einen kleinen Stadtkern, Strand und das große Naturschutzgebiet direkt hinter dem Internat. Doch dies zu betreten, ist den Schülern strengstens verboten. Umso merkwürdiger findet Alina es, dass sie eines Nachts einen hellen Schein genau aus dem Naturschutzgebiet leuchten sieht. Und dann ist da noch das schwarze Schiff, das urplötzlich wie aus dem Nichts vor ihren Augen auftaucht und wieder verschwindet. Neugierig macht sich Alina doch auf den Weg in das verbotene Gebiet und trifft dort auf Tinka, die eindeutig ein Geheimnis verbirgt. Warum fühlt Alina sich auf unerklärliche Weise so sehr mit Tinka verbunden?

„Meine Hände fingen an zu zittern, und ich krampfte sie fester um das Fernglas.
Das schwarze Etwas, das meinen Blick verdunkelt hatte, war ein Schiff. Und es war riesig! An der Spitze des Mastes befand sich eine große Kugel.
Eine Kugel …?“ (S. 159)

Eigentlich liegen mir Geschichten, in denen sich zwei Genre miteinander mischen, nicht so gut. Die Bücher von Antje Wagner haben da schon oft eine Ausnahme gemacht. Und dies scheint auch für „Der Schein“ zu gelten: Denn zu dem ganz normalen Jugendroman, in dem es um eine Gruppe Jugendlicher, eine geheimnisvolle Legende und Alinas persönliche Geschichte geht, kommt eine gehörige Portion Mystery und ein wenig Science-Fiction dazu. Und ich habe es geliebt!

Ich bin förmlich über die Seiten geflogen, gebannt von den liebevoll gezeichneten Charakteren – Alina trifft dort nämlich auf die Lonelies, eine Gruppe Jugendlicher, die alle aus verschiedenen Gründen an den Wochenende und in den Ferien nicht nach Hause fahren – und der fesselnden Schreibweise des Autorenduos. Ich habe oben nicht übertrieben: Die Geschichte hat mich so mitgerissen, dass mir beim Lesen an manchen Stellen wirklich der Atem stockte und mein Herz raste.

Von mir gibt es für „Der Schein“ eine ganz deutliche Leseempfehlung und ich hoffe sehr, dass dies nicht das letzte Buch sein wird, das ich von Ella Blix lesen darf! 10 von 10 Sternen!

stern 10

Der Schein – Ella Blix – Hardcover mit SU – 472 Seiten – 18,00 € – ISBN: 978-3-401-60413-8 – erschienen: Januar 2018 (Arena) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

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[Reihenrezension] „Du kannst keinem trauen“ & „Ihr seid nicht allein“ von Robison Wells

Du kannst keinem trauenReiheninfo:

  1. „Du kannst keinem trauen“
  2. „Ihr seid nicht allein“

Diese Reihenrezension ist spoilerfrei!

Inhalt:

Als Benson an das Elite-Internat der Maxfield Academy kommt, hat er die Hoffnung, dass sich endlich etwas in seinem Leben zum Positiven verändert. Bisher war er in zig verschiedenen Pfegefamilien und doch nirgendwo zuhause.
Das Internatsleben stellt sich aber als ganz anders heraus als erwartet: Es gibt klare Regeln und harte Strafen, die von anderen Schülern ausgeführt werden. Die Schule ist umgeben von Stacheldraht und hohen Mauern. Lehrer gibt es keine. Benson und seine Mitschüler sind Gefangene. Wer zu fliehen versucht, wird geschnappt und erhält als Strafe Arrest. Und aus dem Arrest ist bisher noch nie jemand zurückgekehrt. Was geht an der Maxfield Academy vor und findet Benson doch eine Möglichkeit zur Flucht?

Meine Meinung:

Hohe Mauern und Stacheldraht, keine Erwachsene, Schüler, die versuchen, die Macht an sich zu reißen und die große Frage nach dem Warum: ein seh viel genialeres Setting kann es wohl nicht geben. Klar, es ist auch kein innovatives Setting, doch das, was Robison Wells – übrigens der Bruder von Dan Wells – daraus macht, hat mich überrascht und begeistert. Geht es zunächst für Benson darum, sich einer der drei Gruppen in dem Internat anzuschließen und sich zu behaupten, wird schnell klar, dass mehr hinter dem Internat stecken muss. Warum gibt es hier nur Schüler, die keine richtige Familie haben. Sollen sie zu Elitekämpfern ausgebildet werden? Aber warum erhalten sie dann keinen richtigen Unterricht? Kein strategisches Fachwissen?

„‚Was, wenn wir alle versuchen würden, abzuhauen – alle vierundsiebzig? Wir bauen einfach ein paar Leitern und hauen ab. Keiner außer uns selbst hält uns hier fest.'“ (S. 177)

Die Auflösung, die sich langsam im letzten Drittel des ersten Bandes offenbart, ist wirklich interessant, obwohl ich schon etwas in diese Richtung geahnt habe. Das Ende ist dann dramatisch und packend wie ein Actionthriller, so dass ich direkt den zweiten Band zur Hand nehmen musste.

Für „Du kannst keinem trauen“ gibt es also eine ganz klare Leseempfehlung: spannend geschrieben, tolle Ideen, gut ausgearbeiteter Plot.

Ihr seid nicht alleinDer zweite Band beginnt dann eigentlich schon fast mit einem Highlight. Benson macht eine Entdeckung, die alles, was man als Leser bisher erfahren und vermutet hat, nochmal in den Grundangeln erschüttert. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Benson gerät von einer Gefangenschaft in die nächste.

Leider war dies auch schon der Höhepunkt für mich. Die weitere Handlung läuft dann so vor sich hin. Es kommt zwar noch zu einigen, teilweise sogar recht dramatischen Zwischenfällen, aber irgendwie konnten die mich nicht so richtig mitreißen. Natürlich habe ich das Buch trotzdem zuende gelesen, es ist schließlich nicht schlecht, aber die Spannung und vor allem die Faszination der zwischenmenschlichen Beziehungen aus dem ersten Band habe ich vermisst. Gerade in Bezug darauf habe ich einige Entscheidungen von Benson auch nicht mehr nachvollziehen können. Die Auflösung, die der Autor dem Leser am Ende präsentiert, konnte meine Meinung dann auch nicht mehr großartig ändern.

„Ihr seid nicht allein“ bietet in meinen Augen nicht mehr ausreichend Potenzial für ein eigenständiges Buch. Robison Wells hätte lieber den ersten Band noch etwas ausweiten und als Einzelband konzipieren sollen.

Abschließendes Fazit:

Robison Wells hat eine faszinierende Idee zu Papier gebracht. Im ersten Band kann er durch ein spannendes Setting, tolle Charaktere und einer wirklich guten Grundidee überzeugen. Leider flacht die Spannung im zweiten Band ziemlich ab. Der Höhepunkt ist meiner Meinung nach viel zu früh gesetzt, insgesamt passiert zu wenig Neues und Unerwartetes. „Du kannst keinem trauen“ und „Ihr seid nicht allein“ sind auf jeden Fall interessante Bücher für jugendliche Leser (und endlich auch mal wieder etwas für Jungen). Den ersten Band würde ich uneingeschränkt weiterempfehlen. Bei dem zweiten Teil muss man mit einer kleinen Enttäuschung rechnen. Insgesamt vergebe ich für diese Reihe 6 von 10 Sternen.

stern 6

Du kannst keinem trauen – Robison Wells – Klappbroschur – 480 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8414-2140-1 – erschienen: Mai 2014 (Fischer)

Ihr seid nicht allein – Robison Wells – Klappbroschur – 400 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8414-2141-8 – erschienen: August 2014 (Fischer)

[Rezension] „Steelheart“ von Brandon Sanderson

Steelheart von Brandon SandersonReiheninfo:

  1. „Steelheart“
  2. „Firefight“ (engl.: Januar 2015)
  3. „Calamity“ (vorauss. 2016)

Inhalt:

„So erwachte in mir eine Ahnung, dass man auch Steelheart töten konnte. Irgendetwas in der Bank, an der Situation, an der Waffe oder an meinem Vater selbst hatte seine Unverletzlichkeit aufgehoben. Es war allgemein bekannt, dass Steelheart eine Narbe auf der Wange hatte. Ich war allerdings der einzige lebende Mensch, der wusste, wie sie entstanden war.
Ich habe Steelheart bluten sehen.
Ich werde ihn wieder bluten sehen.“ (S. 24)

David ist gerade mal acht Jahre alt, als er mit ansehen muss, wie der mächtige Epic Steelheart neben vielen anderen Menschen auch seinen Vater umbringt. Seitdem hat es sich David zu Aufgabe gemacht, so viel wie möglich über die Epics herauszufinden, um seinen Vater irgendwann einmal zu rächen. Jetzt – zehn Jahre später – bekommt er die Chance dazu, indem er sich den Rächern anschließt: einer kleinen Gruppe von Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, so viele Epics wie möglich zu vernichten. Und ihnen vertraut David auch sein Geheimnis an: Er hat den eigentlich als unbesiegbaren und unverletzlich geltenden Steelheart bluten sehen…

Meine Meinung:

Brandon Sanderson entführt uns in diesem Trilogieauftakt in eine postapokalyptische Welt, die von Epics – mächtigen, menschenähnlichen Wesen mit den unterschiedlichsten besonderen Kräften – beherrscht wird. Einer der mächtigsten von ihnen ist Steelheart, der Herrscher von Newcago.

Mit den Epics hat Sanderson einen wahren Glücksgriff gezogen: Mit ihren übermenschlichen Kräften und ihrer Brutalität stellen sie die perfekten Feinde da. Und doch ist bekannt, dass jeder einzelne von ihnen eine Schwäche hat – welche dies allerdings bei Steelheart ist, darüber lässt sich nur spekulieren…

Ich hatte erst wenige Seiten des Buches gelesen, als mir schon ganz klar war, dass ich ein neues Lieblingsbuch in der Hand hielt. „Steelheart“ hat mich unheimlich schnell durch seinen mitreißenden Schreibstil, die faszinierende Idee hinter der Geschichte und vor allem durch seine Charaktere begeistert. David versucht gleich zu Beginn einer Einheit der Rächer beizutreten. Diese Gruppe besteht aus fünf ganz unterschiedlichen Charakteren, die zwar nicht alle unheimlich detailliert ausgearbeitet sind, aber dennoch die Sympathien des Lesers erwecken. Da es noch zwei weitere Bände geben wird, bin ich mir sicher, dass auch die einzelnen Mitglieder noch mehr an Tiefe gewinnen werden.

Firefight USAIch gebe zu, ich habe eine Schwäche für Geschichten mit Gruppendynamik.Ich mag es, wenn ein Team im Mittelpunkt steht, das sich zwar nicht immer einig ist, in dem aber jeder für jeden eintritt. Bei solchen Geschichten bekomme ich Gänsehaut und fiebere immer besonders mit. Die Gruppe der Rächer um ihr Oberhaupt Jon ist für mich also perfekt.

Wenn ich mir etwas anders wünschen dürfte, dann wäre es einzig und allein die Tatsache, dass ich bis zum Folgeband („Firefight“) nicht noch etwa ein halbes Jahr warten müsste. Das amerikanische Cover sieht vielversprechend aus und die Geschichte bietet noch unglaublich viel Potenzial. Ich bin wirklich gespannt, wie es weiter geht.

„Steelheart“ erfüllt alle Kriterien eines Lieblingsbuchs: Die Idee der Epics ist großartig, der Schreibstil mitreißend und sehr actionreich (um eine Verfilmung bemüht man sich anscheinend schon), die Charaktere sind toll und wissen zu überraschen. Für mich ist der Auftaktband zu dieser Trilogie wirklich perfekt gelungen! 10 von 10 Sternen!

stern 10

Steelheart – Brandon Sanderson – Hardcover mit SU – 448 Seiten – 17,99 € – ISBN: 978-3-453-26899-9 – erschienen: Juni 2014 (Heyne) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „WARP – Der Quantenzauberer“ von Eoin Colfer

WARP Der QuantenzaubererKlappentext:

Was soll es anderes sein als eine Strafversetzung? FBI-Junior-Agentin Chevie Savano wurde nach London geschickt, um im Auftrag von WARP eine merkwürdige alte Metallkapsel zu bewachen. Das war vor neun Monaten. Und seitdem sitzt sie vor dem Ding und wartet darauf, dass irgendjemand oder etwas da rauskommt.
Als ein Wandspiegel mit einem Knall zerplatzt, die Deckenleuchten anfangen zu flackern und draußen eine Straßenlaterne nach der anderen explodiert, ist Chevie sofort klar, dass die Kapsel im Keller aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist. Mit vorgehaltener Waffe stürmt sie die Treppe herunter und findet … einen 14-jährigen Jungen, der aussieht, als wäre er soeben aus einem Buch von Charles Dickens gefallen. (Quelle)

Meine Meinung:

Eoin Colfer dürfte vielen vor allem durch seine Jugendfantasyreihe „Artemis Fowl“ bekannt sein. Diese Bücher habe ich alle verschlungen und war begeistert von der Andersartigkeit der Bücher, von den tollen Charakteren und dem Humor.

Anders ist dieser Reihenauftakt auch auf jeden Fall: Es geht um Zeitreisen, einen grausamen und mit allen Wassern gewaschenen Auftragsmörder, seinen Gehilfen, der gar nicht so werden möchte wie sein Meister, und um die junge und rebellische Chevie. Klingt erstmal gut? Fand ich auch, allerdings ist die Umsetzung weniger gut gelungen. Chevie ist viel zu typisch gezeichnet, was der Autor ironischerweise auch selbst erkennt:

„Ich habe mir ihre Akte durchgelesen. Sehr aufschlussreich: Beste Ihrer Spezialeinheit. Hervorragende Testergebnisse trotz ihres jungen Alters. Probleme mit Autoritätspersonen und so weiter, und so fort. Die klassische Kinoheldin.“ (S. 23)

Außerdem wollte der Autor meiner Meinung nach etwas zu viel: Er konzipiert nicht nur eine komplexe neue Situation, schafft durch die Reise durch Wurmlöcher neue Möglichkeiten und gibt seinem Bösewicht dadurch noch mehr Fähigkeiten, sondern versucht auch noch wirklich alle Fäden zusammenlaufen zu lassen. Am Ende passte einfach alles zu perfekt.

Man kann sicherlich schon heraushören: Ich bin eher enttäuscht, beim ersten Leseversuch habe ich das Buch sogar beiseite gelegt, weil es mich einfach nicht packen konnte. Beim zweiten Anlauf habe ich es zwar sehr zügig durchgelesen, aber von Colfer habe ich einfach viel mehr erwartet. Dem Folgeband werde ich zwar trotzdem noch eine Chance geben, denn vielleicht entfaltet sich da dann das ganze Potenzial der Geschichte, aber diesem ersten Band kann ich nur 5 von 10 Sternen geben.

stern 5

WARP – Der Quantenzauberer – Eoin Colfer – Hardcover mit SU – 352 Seiten – 16,95 € – ISBN 978-3-7855-7909-1 – erschienen: Februar 2014 (Loewe) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

„iBoy“ von Kevin Brooks

iBOYInhalt:

„Klar wusste ich, wie das läuft. Die Regel Nummer eins in der Crow Town heißt: Rede nie mit der Polizei. Gib nie irgendwas zu. Verpfeife nie jemanden. Denn wenn du’s tust und es kommt raus, bist du so gut wie tot.“ (S. 42)

Tom lebt in einem Problemviertel. Seine Welt wird beherrscht von zwei rivalisierenden Gangs und der Untätigkeit der Öffentlichkeit. Zum Glück gibt es noch Lucy, in die er heimlich verliebt ist.

Doch dann passiert ein schrecklicher Unfall. Jemand wirft aus dem Hochhaus ein iPhone auf Tom. Die Folge: Zunächst zertrümmert das Handy Toms Schädel, doch danach gehen winzige Teile des iPhones eine Verbindung mit seinem Gehirn ein. Tom wird plötzlich allmächtig, denn er ist nicht nur allwissend, sondern hat auch neue Superkräfte. Und die will er nutzen, um Lucy zu rächen, die das eigentliche Ziel des Unfalls gewesen ist.

Meine Meinung:

Ich habe mit Kevin Brooks bisher sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Das erste Buch, was ich von ihm gelesen habe, „Road of the Dead“ fand ich ganz okay. Es war nett zu lesen, aber nicht überragend. Danach griff ich zu „Kissing the Rain“, das sich inhaltlich so spannend anhörte, aber von der Schreibweise eine absolute Katastrophe war – zumindest in meinen Augen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, kein Buch des Autors mehr zu lesen, aber da mal wieder eines seiner Bücher für den DJLP nominiert war, hat es mich dann doch gereizt.

Und ich muss sagen, im Großen und Ganzen war ich sehr positiv überrascht. Die Geschichte ist überragend geschrieben, der Spannungsbogen fast durchgehend mitreißend. Würde ich allein den Schreibstil bewerten, wäre das Buch ein wahres Highlight.

Die Thematik und der Inhalt haben mir eigentlich (ja, eigentlich) auch sehr gut gefallen. Die Frage nach der Moral und nach Gut und Böse wird sehr schön in den Vordergrund gestellt. Anfangs scheint alles klar zu sein: Die Gangs sind die Bösen und Tom und Lucy gehören zu den Guten. Doch dann fängt Tom an, seine Kräfte zur Rache zu nutzen. Er kämpft gegen das Böse. Ist er damit immer noch automatisch der Gute? Heiligt der Zweck die Mittel?

Leider schwächelt das Buch meiner Meinung nach zum Ende hin. Erstens ist es teilweise sehr vorhersehbar, andererseits hätte ich mir den Schluss etwas anders gewünscht; weniger schwarz-weiß. Denn das ist ja der eigentliche Grundton der Geschichte.

„iBoy“ ist in meinen Augen eines der besseren Bücher von Kevin Brooks. Es wartet mit einem genialen Erzählstil auf, der mich fast durchgehend mitgerissen hat. Inhaltlich konnte es mich lange Zeit fesseln und birgt viel Diskussionspotenzial. Doch leider hat mich das Ende nicht zufriedengestellt, so dass ich insgesamt 7 von 10 Sternen vergebe.

stern 7

„iBoy“ war 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

iBoy – Kevin Brooks – Klappbroschur – 300 Seiten – 13,99 € – ISBN-13: 978-3423248457 – erschienen: September 2011 (dtv) – Altersempfehlung: 14-16 Jahre

„Time*Out“ von Andreas Eschbach

TimeOutReiheninfo:

  1. “Black*Out”
  2. “Hide*Out”
  3. “Time*Out”

Achtung, diese Rezension enthält Spoiler zu den ersten beiden Teilen!

Inhalt:

Die Gruppe um Christopher Kidd und Jeremiah Jones ist in ihrem neuen Versteck angekommen. Bald sollen die Zeitungsartikel von Jones erscheinen, die die Bevölkerung warnen werden. Doch ein ehemaliger Upgrader, dessen Chip entfernt wurde, warnt sie, dass die Kohärenz schon eine Gegenaktion plant. Selbst Christopher hat keine Idee, was das sein könnte. Doch dann geschieht etwas, das alle dazu zwingt, nur noch schneller zu handeln, denn die Zeit läuft ihnen davon…

Meine Meinung:

Wenn man innerhalb kürzester Zeit drei Bände einer Reihe rezensiert, fällt es schon manchmal schwer, immer wieder etwas Neues zu sagen. Auch bei „Time*Out“ ist das der Fall, denn viele der Aspekte sind gleich geblieben: Die Geschichte ist natürlich immer noch spannend, ich mag die Charaktere und die Grundidee. Gerade in diesem Band kommt noch ein klitzekleiner neuer Aspekt hinzu, den ich sehr gut durchdacht fand.

Was mich allerdings an den ersten beiden Bänden am meisten begeistert hat, war der Schreibstil, der mich während des Lesens gepackt und mitgerissen hat. Auch diesen Band habe ich innerhalb von 24 Stunden verschlungen, obwohl ich das Gefühl hatte, dass sich die Geschichte anders las. Die Schreibe hat mich nicht mehr ganz so atemlos zurückgelassen, sondern glich mehr einem Gedankenstrom einiger Protagonisten. Anders, aber nicht sehr viel schlechter als in den ersten Bänden.

Was mir nicht so richtig gut gefallen hat, war der Schluss des Buches. Denn meiner Meinung nach hätte sich der Autor für diesen etwas mehr Zeit lassen können. Die Geschichte wurde nun innerhalb von drei Büchern erzählt, da hätte es meiner Meinung nach nicht geschadet, auf das Finale noch etwas mehr Zeit zu verwenden.

Mein Fazit: Die „Out“-Reihe von Eschbach ist eine absolut gelungene Reihe für Jugendliche, die ganz viele verschiedene Genres geschickt miteinander vermischt und so sicherlich viele junge Leser (auch Jungen) begeistern kann. Auch den Abschluss der überragenden Trilogie habe ich sehr gerne gelesen, obwohl er leider meiner Meinung nach der schwächste der Reihe ist. Mit „schwach“ meine ich dann aber immer noch 8 von 10 Sternen, das sollte ja wohl klar sein.

stern 8

Time*Out – Andreas Eschbach – Hardcover mit SU – 520 Seiten – 18,99 € – ISBN-13: 978-3401066301 – erschienen: Juli 2012 (Arena) – Altersempfehlung: 14-17 Jahre

„Hide*Out“ von Andreas Eschbach

HideOutReiheninfo:

  1. “Black*Out”
  2. “Hide*Out”
  3. “Time*Out”

Achtung, diese Rezension enthält Spoiler zum ersten Teil!

Inhalt:

„Die Kohärenz ist aus einem Zusammenschluss von Tausenden von Gehirnen entstanden; im Grunde ist sie ein einziges Gehirn, das viele Körper bewohnt. Bei dieser Verbindung vermischen sich alle Geschmäcker, gleichen sich aus, bis kein Geschmack, keine Vorliebe mehr übrig ist. So, wie wenn man alle Farben miteinander vermischt – das ergibt am Ende nur Grau.“ (S. 53)

Nachdem Christopher und die Gruppe um Jeremiah Jones Christophers Vater aus den Fängen der Kohärenz und von seinem Chip befreit haben, weiß niemand genau, wie es weiter gehen soll. Alle Hoffnungen ruhen auf Christopher. Doch wie bekämpft man die Kohärenz – ein allwissendes, allmächtiges Medium? Langsam entsteht ein erster, vorsichtiger Plan, doch dann passiert etwas, dass alle in große Gefahr bringt…

Meine Meinung:

„Was war nur los? Es hatte mit der Kohärenz zu tun. Mit dem Feld. Er konnte spüren, wie es an ihm nagte und fraß, wie es versuchte, ihn mit zu reißen…

Diesmal, das wusste er plötzlich mit absoluter Gewissheit, würde er seine Eigenständigkeit nicht bewahren können. Diesmal drohte ihm die endgültige Auflösung, das Aufgehen im Verband der Kohärenz, der Verlust dessen, was ihn, Christopher Kidd, ausmachte…“ (S. 131)

Wegen Sätzen wie den obigen mag ich diese Reihe so unheimlich gerne. Sie sind kurz, knackig und absolut mitreißend.

Wie auch schon im ersten Teil war ich voll und ganz von der Geschichte eingenommen. Ich habe mit Christopher gemeinsam gegen den Sog der Kohärenz gekämpft, habe manchmal vor Aufregung die Luft angehalten und fühlte mich nach stundenlanger Anstrengung der Protagonisten selbst ganz erschöpft. Wie der Autor das schafft? Ich weiß es nicht, aber ich finde es absolut faszinierend!

Die Lage im Kampf gegen die Kohärenz spitzt sich weiter zu und es scheint kaum eine Möglichkeit zu geben, diese Übermacht zu besiegen. Und so grübelt man auch als Leser immer mit, hofft auf neue Ideen von Jeremiah Jones und auf die grandiose Durchführung von Christopher.

Und so freue ich mich einfach auf den letzten Band dieser herausragenden Jugendbuchreihe. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit den lieb gewonnenen Figuren. Ich freue mich auf die Spannung und das Gefühl, mitten in der Geschichte zu stecken. Und ich freue mich darauf, die Kohärenz endgültig zu vernichten. Volle Punktzahl!

stern 10

Hide*Out – Andreas Eschbach – Hardcover mit SU – 450 Seiten – 17,99 € – ISBN-13: 978-3401065878 – erschienen: November 2011 (Arena) – Altersempfehlung: 14-15 Jahre (und auch älter)

„Ready Player One“ von Ernest Cline

Ready Player OneInhalt:

Im Jahre 2044: Die Welt, wie wir sie kennen droht vollkommen zu verfallen: Umweltkatastrophen, Energiekrisen und Armut. Zum Glück gibt es noch die OASIS – eine virtuelle Realität, in den sich die Menschheit flüchtet; so auch der 18jährige Wade. Dort ist er, wie viel andere auch, auf der Jagd nach einem besonderen Schatz, dem so genannten Easter Egg, das vom Gründer und Entwickler der OASIS dort versteckt wurde. Als er, fünf Jahre nach Veröffentlichung des Rätsels, als erster einen Hinweis entdeckt, wird Wade plötzlich berühmt. Allerdings bringt ihn das auch in Gefahr, nicht nur in der OASIS, sondern auch in der realen Welt. Ein Wettlauf mit der Zeit – und einem beinahe allmächtigem Gegner – beginnt…

Meine Meinung:

Der Einstieg in die Geschichte um Wade oder Parzival, wie er sich in der OASIS nennt, ist etwas ungewöhnlich. Cline hat ein Setting geschaffen, das auf der einen Seite erschreckend weit entfernt von der heutigen Welt, andererseits aber durchaus vorstellbar ist.

Der Schreibstil des Ich-Erzählers ist auch eher ungewöhnlich. So benutzt er gerade zu Anfang des Buches viele Fußnoten, Klammern und weitere kleine Erläuterungen. Als Leser habe ich mich durch die vielen, unkompliziert eingeschobenen Informationen und Erklärungen aber direkt angesprochen gefühlt. Die Sprache ist manchmal etwas derb, ohne Details zu beschönigen, jugendlich, wirkt aber dennoch nicht künstlich.

Es gibt nur Kleinigkeiten, die mich wirklich gestört haben: so mutiert Wade von einer zur nächsten Seite vom schüchternen Einzelgänger in ein wahres Chat-Flirttalent. Ich bin beim Lesen wirklich drüber gestolpert und das darf meiner Meinung nach nicht sein.

Ansonsten habe ich das Buch wirklich gern gelesen, auch wenn es mich zunächst nicht ganz so wie erwartet gepackt hat, was aber auch an der Tatsache liegen kann, dass ich wenig Zeit und dadurch ein kleines Lesetief hatte.

Besonders für Leser, die in den 80er Jahren groß geworden sind oder zumindest einige Filme, Comics oder Erzählungen aus dieser Zeit kennen, bietet „Ready Player One“ ein ganz besonderes Schmankerl: der Mitbegründer der OASIS war nämlich (genauso wie der Autor selber) ein großer Fan der 80er, so dass die gestellten Aufgaben und Rätsel Spiele wie „Pacman“, Serien wie „Knight Rider“ oder Filme wie „Die Ritter der Kokosnuss“ aufgreifen.

Die letzten 200 Seiten – einem wahren Showdown gleich – ließen mich mit dem Wunsch zurück, eine Fortsetzung zu dem Buch zu lesen. Ich vermute zwar, dass die Geschichte an sich zuende erzählt ist, aber trotzdem steckt im Schluss und in den Figuren selber Potenzial für eine weitere spannende Story. Ernest Cline ist auf jeden Fall ein Autor, den ich mir merken werde. Ich vergebe 7 von 10 Sternen.

stern 7

Ready Player One – Ernest Cline – Hardcover mit SU – 512 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3764530907 – erschienen: März 2012 (Penhaligon)

„Black*Out“ von Andreas Eschbach

Black outReiheninfo:

  1. „Black*Out“
  2. „Hide*Out“
  3. „Time*Out“

Inhalt:

Als Serenity am Strand plötzlich von einem fremden Jungen angesprochen wird, der viel mehr über sie weiß, als eigentlich möglich sein sollte, ahnt sie noch nicht, dass sich ihr Leben schlagartig ändern wird. Der Junge ist Christopher Kidd: der Welt besser bekannt als Computer Kid, einer der weltbesten Hacker. Christopher behauptet, Hilfe von Serenitys Vater Jeremiah Jones zu benötigen, dem er im Gegenzug auch helfen kann.

Jones ist ein Visionär, lebt in der Wüste Nevadas, hat der Technik weitest möglich abgeschworen – und wird wegen Terrorismus gesucht.

Gemeinsam mit Serenitys Bruder Kyle machen sich Serenity und Christopher auf den Weg in die Wüste, doch was der junge Hacker den beiden Geschwistern so nach und nach erzählt, lässt deren Atem stocken. Wenn seine Geschichte wahr ist, muss gehandelt werden oder die Welt gerät vollends aus den Fugen….

Meine Meinung:

„Das Feld war da, genau, wie er es erwartet hatte. Er hatte nur nicht erwartet, dass es so stark sein würde. Es wuchs noch schneller, als er gedacht hatte.

Das Feld war da, und es bemerkte ihn. Er spürte Erschrecken, das sich ausbreitete wie eine Welle, bemerkte Identifikation – und kaum war er identifiziert, begann die Jagd.“ (S. 21)

Die Idee, die Eschbach in diesem spannenden Jugendthriller in den Mittelpunkt stellt, ist erschreckend und nah zugleich. Es geht um die Möglichkeit, technische Geräte direkt mit dem menschlichen Gehirn zu verknüpfen. Was sich anfangs wie ein ferner Zukunftsgedanke liest, wird von Seite zu Seite realistischer und bedrohlicher.

Die Welt, die der Autor aufzeigt, ist im Wandel zu einer Dystopie, einer Gesellschaft, die der unseren nicht mehr ähneln würde. Christopher, Kyle und Serenity geben alles, um diesen Wandel zu verhindern, doch sehen sie kaum eine Möglichkeit.

In einer selten gelesenen Dramaturgie spitzt sich die Handlung mehr und mehr zu. In zahlreichen Rückblenden erfährt der Leser immer mehr von Christophers Vergangenheit, warum und vor wem er auf der Flucht ist. Während sich die Geschichte in der Vergangenheit über mehrere Monate erstreckt, rast die Handlung in der Gegenwart nur so dahin. Für mich war die Spannung ständig zum Greifen nah und ich hatte das Gefühl, selber möglichst schnell lesen zu müssen, um Schlimmeres verhindern zu können.

Der erste Teil der „Out-Reihe“ hat ein fulminantes und überraschendes Ende. Und obwohl man nicht komplett frei in der Luft hängend zurück gelassen wird, ist das Bedürfnis, den zweiten Teil „Hide*Out“ zu lesen, bei mir unermesslich groß.

„Black*Out“ ist ein spannender Jugendthriller mit einem kombinierten Sci-Fi-Dystopie-Anteil. Eschbach versteht es, seine Leser von Seite zu Seite mehr an das Buch zu binden und in seinen Bann zu ziehen. Er schreibt einfach unwahrscheinlich gut und mitreißend. Von mir gibt es 9 von 10 Punkten.

stern 9

Black*Out – Andreas Eschbach – Hardcover mit SU – 461 Seiten – 17,99 € – ISBN-13: 978-3401060620 – erschienen: Mai 2010 (Arena) – Altersempfehlung: 12-15 Jahre

[Rezension] „Artemis Fowl: Der Atlantis-Komplex“ von Eoin Colfer

Artemis Fowl 7Reiheninfo:

  1.  „Artemis Fowl“
  2. „Artemis Fowl: Die Verschwörung“
  3. „Artemis Fowl: Der Geheimcode“
  4. „Artemis Fowl: Die Rache“
  5. „Artemis Fowl: Die verlorene Kolonie“
  6. „Artemis Fowl: Das Zeitparadoxon“
  7. „Artemis Fowl: Der Atlantis-Komplex“
  8. „Artemis Fowl: Das magische Tor“

Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler zu  den vorherigen Bänden!

Inhalt:

Artemis hat einen großen Plan: Er will sein gesamtes Vermögen in ein Projekt stecken, das die Welt retten soll. Das klingt so gar nicht nach Artemis? Richtig! Artemis ist in diesem Buch auch nicht so ganz er selbst, denn er leidet an der psychischen Krankheit „Atlantis-Komplex“, die Wahnvorstellungen, Zwänge und sogar Persönlichkeitsspaltungen mit sich bringen kann.

Die Persönlichkeitsstörung von Artemis tritt zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt auf, denn nicht nur die Leitung der ZUP, sondern auch andere Teile des Erdvolkes werden von einer zunächst unbekannten Macht bedroht.

Meine Meinung:

Endlich ist er da: der siebte Teil der Artemis Fowl-Reihe. Ich habe zwar erst vor kurzem begonnen, diese Reihe zu lesen, aber eingefleischte Fans warten seit etwa einem Jahr auf Neuigkeiten von Artemis und dem Erdvolk.

In diesem Buch hat der Leser das große Glück, mit all den lieb gewonnenen Figuren ein neues Abenteuer a la Artemis Fowl zu bestreiten. Nicht nur Butler, der im sechsten Teil eine etwas kleinere Rolle innehatte, ist wieder mit dabei. Er hat dieses Mal auch endlich wieder seine Schwester Juliet an seiner Seite.

Und auch genau diese beiden Figuren machen für mich das Highlight der Geschichte aus. Butlers überlegene, logisch denkende Art gepaart mit dem jugendlichen Übermut und dem Charme seiner Schwester bescheren dem Leser einige lustige Stellen.

Leider kommt der Humor ansonsten in meinen Augen etwas zu kurz. Während des Lesens der ersten sechs Bände, insbesondere der letzten, musste ich immer wieder laut lachen. Und der Sprachwitz, der Humor und die liebenswerten Eigenschaften waren genau das, was für mich den Charme der Bücher ausgemacht hat. In diesem Buch habe ich höchstens ab und an mal geschmunzelt. Und das obwohl Mulch Diggums, der sonst immer für einen Lacher gut ist, mit von der Partie ist.

Neben den lustigen Szenen lebt diese Reihe durch ihre immer wieder actionreiche Handlung. Dadurch dass Artemis allerdings an einer Persönlichkeitsstörung leidet, kann er sein Genie, das ja oft genug zur Rettung der (Unter-)Welt beigetragen hat, nicht immer ganz entfalten.

In vielerlei Hinsicht ist der siebte Teil dieser Reihe also anders als seine Vorgänger: weniger Humor, weniger Fowl’sches Genie. Trotzdem heißt das nicht, dass es sich nicht gelohnt hat, dieses Buch zu lesen. Ich habe mich durchaus unterhalten gefühlt und meine leichte Kritik ist als Meckern auf hohem Niveau.

Trotzdem kann ich im Vergleich zu den Vorgängern diesem Buch nur 6 von 10 möglichen Sternen geben, wünsche mir aber trotzdem auf jeden Fall einen Nachfolger!

stern 6

Artemis Fowl: Der Atlantis-Komplex – Eoin Colfer – Hardcover – 336 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3471350614 – erschienen: März 2011 (List)