[Rezension] „Das Jahr, in dem ich dich traf“ von Cecelia Ahern

Klappentext:

Jasmine liebt ihre Schwester und ihre Arbeit. Als sie für ein ganzes Jahr freigestellt wird, weiß sie überhaupt nicht mehr, was sie tun soll – und wer sie eigentlich ist.
Matt braucht seine Familie und den Alkohol. Ohne sie steht er vor dem Abgrund.
Jasmine und Matt sind Nachbarn, doch sie haben noch nie miteinander gesprochen. Da Jasmine so viel freie Zeit zu Hause hat, beginnt sie, Matt zu beobachten. Sie macht sich ihre Gedanken über ihn und fängt in ihrem Kopf Gespräche mit ihm an. Nur in echt will sie mit diesem Kerl nichts zu tun haben – dafür hat sie ihre eigenen, guten Gründe.
Doch dann beginnt ein Jahr voll heller Mondnächte, langer Gartentage und berührender Überraschungen – ein Jahr, das alles verändert. (Quelle)

Meine Meinung:

„So gewöhnte ich mir an, immer in Bewegung zu bleiben, Dinge ins Rollen zu bringen. Ich arbeitete in einem Rhythmus, der mich selbst oft so atemlos machte, dass ich kaum einen Augenblick fand, mich zu besinnen, zu mir zurückzufinden.“ (S. 16)

Seit Jasmine mit fünf Jahren erfahren hat, dass auch sie irgendwann sterben wird, will sie jede Minute ihres Lebens unbedingt richtig ausnutzen. Das klingt grundsätzlich erstmal gut, bdeutet für Jasmine aber, dass sie unglaublich viel arbeitet, kaum Zeit für sich hat und eigentlich nie zum Stillstand kommt.

Als sie von ihrem Geschäftspartner auf ein Mal für ein Jahr freigestellt wird, hat sie plötzlich sehr viel Zeit; Zeit, mit der sie gar nichts anzufangen weiß. Und so beginnt sie nicht nur ihren bis dahin zugepflasterten Garten umzugestalten, sondern auch ihren Nachbarn Matt zu beobachten, der oft abends volltrunken nach Hause kommt, um dann dort laut an der Tür Einlass zu fordern. Eher unfreiwillig kommen die beiden sich näher.
In dem Jahr der Freistellung muss Jasmine unheimlich viel lernen: über ihr Verhältnis zu ihrer großen Schwester, die Down-Syndrom hat, über ihre Nachbarn und nicht zuletzt über sich selbst…

Dieses Buch lag einige Monate ungelesen bei mir zu Hause. Irgendwie gab es immer Bücher, die verlockender waren. Dann unterhielt ich mich mit einer Freundin über Cecelina Ahern und wir erinnerten uns an das, was ich auch kurz nach dem Beginn von „Das Jahr, in dem ich dich traf“ feststellen würde: Cecelia Ahern schreibt einfach wundervolle Geschichten, die den Leser komplett einnehmen und mitreißen. Bewundernswert finde ich, dass sie genau die richtige Mischung zwischen Ernsthaftigkeit, Humor, Romantik und Weisheit findet, ohne dabei schnulzig oder kitschig zu schreiben.

An diesem Buch haben mich vor allem die Charaktere fasziniert: Matt ist eigentlich ein Anti-Held und in vielen Situationen wirkt er eher unsympathisch. Und trotzdem hat man ihn irgendwann gerne und kann sich gar nicht erklären, woran das eigentlich liegt. So geht es Jasmine übrigens auch. Die zweite Person, die mich unheimlich beeindruckt hat, ist dennoch nicht Jasmine, sondern ihre große Schwester Heather, eine junge Frau mit Down-Sydrom. Heather ist ein wundervoller, starker und kluger Charakter, der mich ein Mal sogar zum Weinen gebracht hat.

„Das Jahr, in dem ich dich traf“ ist ein wundervolles Buch, klug und wichtig. Es macht dem Leser bewusst, wie wichtig es gerade in der heutigen Gesellschaft ist, zu entschleunigen und durchzuatmen, bewusst auf seine Mitmenschen und vor allem auf sich selbst zu achten. Die Geschichte überzeugt durch einen für Ahern typischen grandiosen Schreibstil und durch tolle Charaktere. 8 von 10 Sternen.

stern 8

Das Jahr, in dem ich dich traf – Cecelia Ahern – Klappbroschur – 384 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8105-0153-0 – erschienen: Februar 2015 (Krüger Verlag)

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[Rezension] „Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst“ von Cheryl Strayed

Klappentext:

„Die Frau mit dem Loch im Herzen, das war ich.“ Gerade 26 geworden, hat Cheryl Strayed das Gefühl, alles verloren zu haben. Und so trifft sie die folgenreichste Entscheidung ihres Lebens: die mehr als tausend Meilen des Pacific Crest Trail zu wandern, durch die Wüsten Kaliforniens, über die eisigen Höhen der Sierra Nevada, durch die Wälder Oregons bis zur „Brücke der Götter“ im Bundesstaat Washington – allein, ohne Erfahrungen und mit einem Rucksack auf dem Rücken, den sie „Monster“ nennt. Diese Reise führt Cheryl Strayed bis an ihre Grenzen und darüber hinaus … (Quelle)

Meine Meinung:

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter läuft in Cheryls Leben eigentlich alles schief, was schieflaufen kann: Sie betrügt ihren Mann, den sie eigentlich sehr liebt. Sie beginnt, Drogen zu nehmen. Und die Familie (ihre Geschwister und ihren Stiefvater) kann sie auch nicht zusammenhalten.

Vier Jahre nach dem Tod ihrer Mutter trifft Cheryl eine Entscheidung, die ihr Leben verändern soll: Sie macht sich auf den Weg, um große Teile des Pacific Crest Trail (PCT) zu wandern. Wie hart und schwer diese Wanderung sein wird, war ihr voher nicht klar. Was vermutlich gut ist, denn ob sie diese Wanderung dann trotzdem gemacht hätte, ist unklar.

„Ich blickte nach Süden, wo ich herkam, in das wilde Land, das mich vieles gelehrt und mich demütig gemacht hatte, und erwog meine Möglichkeiten. Mir war klar, dass es nur eine gab. Es gab immer nur eine.
Weitergehen.“ (S. 15)

Ich habe selbst vor einigen Jahrten das Wandern für mich entdeckt und festgestellt, wie sehr man dabei zu sich selbst findet, Dinge verarbeiten und Stress abbauen kann. Umso spannender liest sich das Buch für mich, weil ich die Erfahrungen, die Cheryl Strayed gemacht hat, im Kleinen (meine bisher längste Wanderung war 19 Kilometer lang) nachvollziehen kann.

Cheryl erzählt ihre Geschichte abwechselnd: Mal gibt es Rückblenden in ihre Vergangenheit (die Kindheit, so wie die Zeit nach dem Tod ihrer Mutter), dann wieder berichtet sie von ihrer Wanderung auf dem PCT, von den vielen Hürden, den schönen und bewegenden Momenten und vor allem von den Begegnungen mit anderen Wanderern. Ich habe gebannt jedes Wort aufgesogen, mitgefiebert, mitgelitten und habe jetzt ein kleines bisschen Sehnsucht, nach einer längeren Wanderung – nur ganz so anspruchsvoll muss sie nicht sein.

„Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst“ ist im wahrsten Sinne ein bewegendes Buch: Mit jedem Schritt verarbeitet die Autorin ein Stückchen ihrer Vergangenheit. Und mit jedem Satz taucht der Leser in das Leben von Cheryl Strayed ein, teilt ihre Schmerzen, ihren Galgenhumor und ihre Erfahrungen – und wird dabei innerlich auch ein bisschen bewegt. Volle Punktzahl!

stern 10

Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst – Cheryl Strayed – Klappbroschur – 448 Seiten – 9,99 € – ISBN: 978-3-442-15812-6 – erschienen: April 2014 (Goldmann)