[Rezension] „Irgendwas von dir“ von Gayle Forman

u1_978-3-8414-2238-5Cody und Meg sind unzertrennlich, die besten Freundinnen, beinahe schon Schwestern. Doch dann bekommt Cody eine E-Mail:

„Ich bedaure, Euch mitteilen zu müssen, dass ich meinem Leben ein Ende setzen musste. Dieser Entschluss hat mich schon eine lange Zeit begleitet, und ich habe ihn allein getroffen. Ich weiß, dass ich Euch damit Schmerzen zufüge, und das tut mir leid, aber Ihr müsst wissen, dass ich meinen eigenen Schmerz nicht länger ertragen konnte.“ (S. 7)

Was tust du, wenn sich deine beste Freundin umbringt? Wie gehst du damit um, dass du sie nicht retten konntest? Und wie überstehst du die Schuldgefühle, dass du noch nicht mal geahnt hast, wie schlecht es ihr ging?

Nach Megs Selbstmordversuch ist in Codys Leben nichts mehr so, wie es vorher war. Die beiden waren ja schließlich fast eine Person. Wer ist Cody noch ohne Meg?

Als Megs Eltern Cody bitten, die Sachen ihrer Tochter aus ihrer Studentenwohnung zu holen, stößt Cody in Megs Email-Postfach auf einige Unstimmigkeiten. Warum hat Meg so viele der gesendeten und empfangenen Mails gelöscht? Hat sie die Entscheidung, ihrem Leben ein Ende zu setzen, doch nicht allein getroffen? Und was hat der Bassist Ben mit der ganzen Geschichte zu tun? Ist er der Grund für Megs Suizid?

Codys Suche nach Antworten ist eigentlich auch eine Suche nach sich selbst. Und obwohl sie auf ihrer verzweifelten Suche nach einem anderen Schuldigen in einen gefährlichen Sog gerät, erfährt sie auch einiges über sich selbst, lernt neue Leute und findet sogar mehr, als sie erwartet hat.

Dies ist mittlerweile das fünfte Buch, das ich von Gayle Forman gelesen haben. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie die Autorin es schafft, wirklich schwierige Themen mit einer Leichtigkeit zu erzählen, ohne sie dabei zu trivialisieren. Codys Schuldgefühle und Einsamkeit sind beim Lesen zum Greifen nah. Genauso wie die Wut, die sie kaum zulassen kann. Schließlich hatte Meg doch all das, was sich Cody schon immer gewünscht hat: eine Familie, Eltern, die sie lieben, und ein richtiges Zuhause.

Ob man in eine solche Geschichte noch eine beginnende Liebesbeziehung mit einbauen muss, kann man sicherlich hinterfragen. Trotzdem stand für mich beim Lesen immer die Beziehung zwischen Meg und Cody im Vordergrund, genauso wie Codys eigene Geschichte mit all ihren Wünschen, Sehnsüchten und Ängsten.

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Irgendwas von dir – Gayle Forman – Klappbroschur – 352 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8414-2238-5 – erschienen: April 2018 (FJB) – Übersetzung: Stefanie Schäfer

 

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[Kurzer Leseeindruck] „Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ von Christoph Wortberg

Klappentext:

Lenny hat seinen älteren Bruder Jakob immer bewundert. Den Großen, den Alleskönner. Doch jetzt ist Jakob tot. Lenny beginnt, Fragen zu stellen. Wer war sein Bruder? Wer ist er selbst? Und was, zum Teufel, ist der Sinn des Lebens ohne Jakob? Da trifft Lenny auf Rosa. Sie kannte seinen Bruder. Besser als er ahnt … Und je mehr Lenny über Jakob erfährt, desto näher kommt er sich selbst. (Quelle)

Mein Eindruck:

„Mein Bruder Jakob sagte: Ich bin ich und die anderen sind die anderen. Er sagte: Ich habe nur dieses eine Leben. Dann ging er.
Mein Bruder war ein Held.“ (S. 7)

Was tut  man, wenn der ältere Bruder plötzlich stirbt? Der Bruder, der einen immer beschützt und die Familie zusammengehalten hat? Und was macht man, wenn die Eltern vollkommen vergessen, dass sie noch einen zweiten Sohn haben? Und warum hat Jakob bezüglich des Wanderausflugs, auf dem er gestorben ist, gelogen?

Dieses Buch beschäftigt sich auf leichte und teilweise humorvolle Art und Weise mit diesen Fragen. Man begleitet Lenny dabei, wie er versucht, mehr über seinen Bruder herauszufinden, und endlich aus seinem Schatten heraustritt. Die Kapitel des Buches sind sehr kurz, insgesamt liest sich die Geschichte ziemlich schnell. Meiner Meinung nach ist das ein eindeutiges Plus für ein Jugendbuch. Andererseits ist die Geschichte nicht ganz so gehaltvoll, wie ich sie mir stellenweise gewünscht hätte.

„Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ beschäftigt sich mit der Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen und mit der Frage nach dem Warum. Gleichzeitig geht es aber auch darum, wie man im Schatten eines von allen geliebten und geachteten Bruder zu sich selbst finden kann. Insgesamt ein gutes Jugendbuch, dass auf wenigen Seite interessante Denkanstöße bietet. 7 von 10 Sternen.

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„Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ war 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß – Christoph Wortmann – Klappbroschur – 191 Seiten – 12,95 € – ISBN: 978-3-407-81158-5 – erschienen: September 2015 (Beltz) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Rezension] „Mein Herz und andere schwarze Löcher“ von Jasmine Warga

Klappentext:

Wenn dein Herz sich anfühlt wie ein gähnendes schwarzes Loch, das alles verschlingt, welchen Sinn macht es dann noch, jeden Morgen aufzustehen? Aysel will nicht mehr leben – sie wartet nur noch auf den richtigen Zeitpunkt, sich für immer zu verabschieden. Als sie im Internet Roman kennenlernt, scheint er der perfekte Komplize für ihr Vorhaben zu sein. Und während die beiden ihren gemeinsamen Tod planen, spürt Aysel, wie sehr sich auf die Treffen mit Roman freut, wie hell und leicht ihr Herz sein kann. Und plötzlich ist der Gedanke, das alles könnte ein Ende haben, vollkommen unerträglich … Aysel beginnt zu kämpfen. Um ihr Leben. Um sein Leben. Und um ihre gemeinsame Liebe. (Quelle)

Meine Meinung:

„Mein Herz und andere schwarze Löcher“ wurde mir von einer befreundeten Buchhändlerin nicht nur empfohlen, sondern sogar wärmstens ans Herz gelegt. Danke dafür!

Die Geschichte, die erzählt wird, ist genauso traurig wie schön: Aysel ist erst sechzehn, aber möchte nicht mehr leben. Ihr Vater ist ein verurteilter Mörder, alle sehen sie immer so komisch an und Aysel hat Angst, dass etwas von ihrem Vater auch in ihr steckt. Aus diesem Grund treibt sie sich während der Arbeitszeit oft in Selbstmordforen rum, sucht dort nach einem Selbstmordpartner – und wird fündig: Roman ist siebzehn Jahre alt und hat, wie er findet, auch einen triftigen Grund sich umzubringen.
Die beiden verbringen immer mehr Zeit miteinander und Aysel fängt langsam an, mehr für Roman zu empfinden: Gefühle, die nicht ein Mal die schwarze Qualle in ihrem Bauch (so nennt Aysel die Depression) auffressen kann. Wäre da nur nicht die Forderung von Roman: Aysel soll bei dem gemeinsamen Selbstmord nur nicht kneifen…

Die Geschichte liest sich, so ernst und traurig sie stellenweise auch ist, total leicht und schnell. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen – und damit meine ich komplett in einem Rutsch!
Meiner Meinung nach trifft die Autorin durch ihren Erzählstil genau auf den Punkt. Ich finde das Bild der schwarzen Qualle, die sofort alle positiven Gefühle aufsaugt und nur ein schwarzes Loch hinterlässt, sehr ausdrucksvoll für die tiefe Traurigkeit, die manche Menschen empfinden. Die Geschichte wird von Aysel selbst erzählt und auch hier hat die Autorin das richtige Mittelmaß gefunden: Weder ist der Erzählstil unglaubwürdig erwachsen noch ist er aufgesetzt jugendlich. Ich habe Aysel durchgehend abgenommen, was sie mir erzählt hat.

Besonders lesenswert ist auch das einfühlsame und bewegende Nachwort der Autorin.

„Mein Herz und andere schwarze Löcher“ ist eines dieser Bücher, die etwas wirklich besonderes sind. Es greift die Themen „Depression“ und „Selbstmordgedanken“ sensibel auf und setzt sie gekonnt um. Auch die Kombination mit der sich langsam entwickelnden Liebesgeschichte wirkt absolut überzeugend. Ich würde mich sehr freuen, das Buch im nächsten Jahr auf der Nominierungsliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis wiederzufinden. 10 von 10 Sternen!

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Mein Herz und andere schwarze Löcher – Jasmine Warga – Hardcover mit SU – 384 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-7373-5141-6 – erschienen: April 2015 (Sauerländer) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

„Atme nicht“ von Jennifer R. Hubbard

Atme nichtInhalt:

„Auch über mich gab es Gerüchte, über das, was ich im letzten Jahr getan hatte. In der Schule warfen deshalb alle nur verstohlene Blicke auf mich. Manchmal spielte ich mit dem Gedanken, mit Schaum vorm Mund wilde Selbst-gespräche zu führen, weil es die anderen zu enttäuschen schien, dass ich es nicht machte. Aber ich war mir nicht sicher, ob sie begreifen würden, dass das ein Scherz sein sollte.“ (S. 8)

Vor einem Jahr hat Ryan versucht sich das Leben zu nehmen. So wirklich spricht er mit niemandem darüber. Und Freunde hat er auch keine.

Doch dann tritt Nicky in sein Leben; Nicky, die einfach Fragen stellt und sich mit einem „Nein“ nicht abwimmeln lässt; Nicky, die plötzlich einfach ständig da ist; Nicky, die selber ein Geheimnis hat…

Meine Meinung:

Die Geschichte, die Jennifer R. Hubbard erzählt, ist an sich nicht neu. Aber welche Geschichte ist das auch schon? Es geht um Ryan, der einen Selbstmordversuch hinter sich und schon seit langem das Gefühl hat, anderen Menschen durch eine dicke Glasscheibe zu begegnen.

Nicky versucht auf ihre ganz eigene Art und mit ganz eigenen Beweggründen durch diese Glasscheibe zu Ryan durchzudringen. Und obwohl Ryan sie nicht schroff abweist, ist sein Verhalten ihr gegenüber auch nicht unbedingt einladend. Aber das hindert Nicky nicht daran, weiterhin den Kontakt zu ihm zu suchen, weiterhin Fragen zu stellen und weiterhin einfach da zu sein.

Die Geschichte wird aus Ryans Sicht geschildert, er ist der Ich-Erzähler. Trotzdem ist mir Nicky noch ein bisschen mehr ans Herz gewachsen. Sie ist quirlig, penetrant, neugierig, stur, gleichzeitig sanft… und tief drin ist sie eigentlich vor allem verletzlich. Die Autorin hat mit Nicky eine Protagonistin geschaffen, die ich am liebsten persönlich kennen würde und die vor meinen Augen Seite um Seite lebendig geworden ist.

Schon die Leseprobe, die ich zu diesem Buch gelesen habe, hat mich vom Schreibstil der Autorin überzeugt, ohne dass ich die Besonderheit in Worte fassen kann. Hubbard schreibt zum einen so, dass sich das Buch sehr leicht und angenehm liest. Zum anderen schafft sie es aber eine unheimlich fesselnde und einnehmende Atmosphäre aufzubauen und viele Gedanken und Gefühle zu vermitteln, ohne diese direkt zu benennen.

„Am besten und gleichzeitig am schlimmsten war jener Moment unter dem Wasserfall, wenn ich keine Luft mehr bekam. Das jagte mir Angst ein, war aber irgendwie auch toll. Das eiskalte Wasser, das mir ins Gesicht peitschte, schnürte mir den Atem ab. Wenn ich dann zur Seite trat und nach Luft schnappte, kam mir dieser Atemzug vor wie der erste Bissen, den ein Halbverhungerter herunterschlingt.“ (S. 23)

Nicky möchte die ganze Zeit von Ryan erfahren, warum er versucht hat, sich umzubringen. Und obwohl diese Frage auch ein bisschen den rote Faden dargestellt, ist es nicht so, dass die Geschichte zwingend auf die Antwort zusteuert. Viel mehr geht es um die Gedankenprozesse, die die Protagonisten durchmachen, um die Gefühle zwischen ihnen, zwischen Ryan und seinen Eltern und vor allem auch um Ryans Gefühle sich selbst gegenüber.

Ich kann immer schwer mit Büchern umgehen, die einen einzigen Grund für den Selbstmord(versuch) eines Menschen nennen, denn ich denke, dass immer viele Faktoren – solche, die man benennen kann, und solche, die einfach schwer greifbar sind – zusammenkommen. Und genau diese Klippe umschifft Hubbard meiner Meinung nach sehr gut.

„Atme nicht“ hat mich auf vielerlei Weise berührt: durch seine Charaktere, durch den Schreibstil und durch den bewegenden Inhalt. Ich bin sehr froh, dass eine Bekannte beim Lesen des Buches direkt an mich gedacht hat. Sie hatte vollkommen Recht: „Atme nicht“ ist ein Buch voll und ganz nach meinem Geschmack. 9 von 10 Sternen.

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Hier könnt ihr durch eine schöne Leseprobe selber einen kleinen Einblick in das Buch bekommen.

Atme nicht – Jennifer R. Hubbard – Klappbroschur – 256 Seiten – 13,95 € – ISBN 978-3-407-81132-5 – erschienen: Januar 2013 (Beltz)

„Kopfschuss“ von Susan Vaught

KopfschussKlappentext:

Er hat sich eine Kugel in den Kopf gejagt, soviel weiß er. Er ist halbseitig gelähmt, hat Erinnerungslücken und schleudert Wörter heraus, die er nicht sagen will und nicht sagen sollte. Das weiß er nur zu genau. Er ist ein Freak, auch das weiß er. Was er nicht weiß, ist: WARUM. Warum hat er das getan? Seine Mutter ist zerbrochen, seine Freunde gehen ihm aus dem Weg – und ihm fehlen anderthalb Jahre in seinem Hirn. Wird er die Wahrheit herausfinden? Eine verzweifelte Suche nach Indizien und Beweisen beginnt. Es ist das Puzzle seines Lebens…

Meine Meinung:

Wie muss es wohl sein, zu wissen, dass man versucht hat, sich das Leben zu nehmen, aber sich nicht mehr an die Gründe erinnern kann?

Wenn man anfängt, „Kofschuss“ zu lesen, wird schnell klar: Diese Situation ist fürchterlich. Jersey ist verzweifelt auf der Suche nach Antworten. Warum? Warum hat er das getan? Er stellt eine Liste möglicher Gründe auf, versucht diese einzeln auszuschließen. Warum?

Genauso wie Jersey möchte auch der Leser gerne wissen, was den Ich-Erzähler dazu gebracht hat, sich eine Pistole an den Kopf zu halten und abzudrücken? Stand er etwa unter Drogen? War sein Leben einfach nur ätzend? Hatte er etwas Schlimmes getan und wollte seine Schuldgefühle loswerden? Auf der Suche nach dem „Warum?“ begleiten wir Jersey in den ersten Monaten nach seiner Krankenhausentlassung.

Die Geschichte ist nicht immer ganz leicht zu lesen, die Gedanken und Gespräche nicht immer leicht zugänglich. Denn Jersey leidet an einer Gehirnverletzung, so dass er seine Sprache nicht steuern kann. Viele Absätze lesen sich also wie „wirres Zeug“. Das hat mich anfangs etwas genervt, wurde aber bald zu einem absolut gelungenem Stilmittel. Ich war gezwungen, das zu lesen, was Jersey dachte. Ich habe mit ihm gelitten, wenn er in wichtigen Situationen nichts anderes herausbrachte als „Froschfürze. Schnürsenkel. Froschfürze.“ Ich konnte mich einfach unheimlich gut mit ihm identifizieren. Manchmal fast etwas zu gut, so dass ich mich zwingen musste, nicht zu tief in dem Buch zu versinken.

So viel Gutes bisher, da muss dann ja auch noch ein bisschen Kritik kommen: Der Schluss!

Wie schreibt man über das Ende einer Geschichte, ohne zu viel zu verraten. Nur so viel: Anfangs war ich etwas enttäuscht, doch jetzt nach einer kurzen Zeit und nach dem Lesen des Nachtrags vom Verlag erscheint mir dieser Schluss eigentlich genau richtig.

„Kopfschuss“ ist zu Recht für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Es ist ein spannendes, fesselndes Buch, das sich mit einem sensiblen Thema auseinander setzt: Wie kommt es dazu, dass jemand versucht, sich das Leben zu nehmen? Wie können Angehörige und Freunde damit umgehen? Wie ist die Rückkehr ins Leben? 7 von 10 Sternen.

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Dieses Buch war 2012 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Jugendjury nominiert.

Kopfschuss – Susan Vaught – Taschenbuch – 384 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3570304150 – erschienen: August 2011 (cbt) – Altersempfehlung: 13-16 Jahre

[Rezension] „Ich werde immer da sein, wo du auch bist“ von Nina LaCour

Ich werde immer da seinInhalt:

Caitlin ist nicht mehr sie selbst. Sie schläft nicht mehr in ihrem Zimmer, sondern nur noch draußen im Auto, sie redet kaum noch mit ihren Eltern und betet innerlich ein fortwährendes Bio-Matra runter, um sich von ihren eigentlichen Gedanken abzulenken. Der Grund für all das: Ihre beste Freundin Ingrid hat sich das Leben genommen. Doch Caitlins Leben muss auch ohne ihre beste Freundin weitergehen.

„Mom spricht Ingrids Namen aus, und ich beginne zu summen, keine Melodie von einem Lied, sondern nur einen langgezogenen Ton. Ich weiß, dass ich dadurch wie gestört wirke, und ich weiß auch, dass es nichts ändert, aber es ist besser als heulen, es ist besser als schreien, es ist besser als anzuhören, was sie mir sagen wollen.“ (S. 9)

Eines Tages findet Caitlin unter ihrem Bett Ingrids Tagebuch, das diese wohl kurz vor ihrem Tod dort deponiert haben muss. Stück für Stück versucht Caitlin zu verstehen, Abschied zu nehmen und selber wieder zurück in ihr normales Leben zu finden.

Meine Meinung:

Als ich das Buch vorhin beendet habe, habe ich es zugemacht, es liebevoll angelächelt und noch einige Male über das wunderschöne Cover gestrichen. Denn die Geschichte, die dieses Buch erzählt, ist genauso bezaubernd und zart wie es meiner Meinung nach auch die Fotografie auf dem Buchdeckel ist.

Nina LaCour hat es durchgehend geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen. Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zum Thema Abschiednehmen und Selbstmord gelesen und muss sagen, dass mich dieses ganz besonders berührt hat.

Meiner Meinung nach geht es zwar auch, aber weniger um die Gründe, warum sich Ingrid das Leben genommen hat, sondern viel mehr um die Menschen, die danach zurückbleiben und mit ihrer Trauer, ihrer Liebe und vermutlich meistens auch mit ihren Schuldgefühlen zurecht kommen müssen.

Als Caitlin das Tagebuch von Ingrid findet, beginnt ein ganz neues Stadium ihrer Trauer. Sie lernt Seiten von Ingrid kennen, die sie vorher noch nicht kannte. Muss an einigen Stellen erkennen, dass sie vielleicht anders für ihre beste Freundin hätte da sein können.

„Meine beste Freundin ist tot, und ich hätte sie retten können. Es ist falsch, absolut und qualvoll falsch, dass ich heute Abend lächelnd zur Haustür hereinspaziert bin.“ (S. 130)

Doch irgendwann wird nicht nur dem Leser, sondern auch der Ich-Erzählerin Caitlin klar, dass Ingrid vermutlich nicht zu helfen war und so wird ihr langsam eine Last von den Schultern genommen und sie kann mit neuer Leichtigkeit ihr eigenes Leben leben.

Nicht nur die Geschichte um Caitlin an sich ist wundervoll geschrieben, das Buch glänzt meiner Meinung nach vor allem durch tolle, liebenswerte Charaktere. Caitlin selber war mir von der ersten Seite an sympathisch und auch die Nebenfiguren, die langsam immer mehr in Caitlins Leben und damit auch in den Vordergrund der Geschichte treten, sind einfach nur toll. Ich habe mich an einer Stelle dabei erwischt, wie ich das Buch voller Zuneigung angelächelt habe, weil ich die Reaktion einer Figur einfach nur unsagbar schön fand.

Ich habe das Gefühl, dass meine Worte gar nicht ausreichen, um die Besonderheit und das Tolle dieses Buches ausreichend zu beschreiben. Wer gerne lacht, aber auch gerne mal weint, zum Nachdenken angeregt werden möchte, wer in eine wundervolle Geschichte über Freundschaft, Liebe, das Leben und das Abschiednehmen von geliebten Menschen eintauchen möchte, der sollte unbedingt „Ich werde immer da sein, wo du auch bist“ lesen. Natürlich 10 von 10 Sternen für dieses Buch.

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Ich werde immer da sein, wo du auch bist – Nina LaCour – Hardcover- 320 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3596854134 – erschienen: März 2011 (Fischer)

[Rezension] „Für niemand“ von Tobias Elsäßer

Für niemandKlappentext

Drei Jugendliche, drei Schicksale. Sie kennen sich nicht, aber sie alle haben ein gemeinsames Ziel: Selbstmord. In einem Internetforum verabreden sich Sammy, Nidal und Marie, um gemeinsam zu sterben – ohne allerdings zu ahnen, dass sie beobachtet werden.

Yoshua ist heimlicher Mitleser des Chats und versucht, das Ereignis zu verhindern. Tatsächlich gelingt es ihm, die Identität, die hinter den Nicknames steckt, herauszufinden. Doch was wird passieren, wenn er zum vereinbarten Treffpunkt kommt…? (Quelle)

Meine Meinung:

Wenn ich bisher in den Medien oder in Fachliteratur davon gelesen habe, dass sich Menschen online über das Thema Suizid austauschen, sich vielleicht noch gegenseitig dazu motivieren, dann habe ich immer irgendwie schlecht und erschüttert gefühlt und den Gedanken daran eher verdrängt.

Umso mutiger finde ich Tobias Elsäßer ein solches Tabuthema in einem Jugendbuch zu behandeln. Ohne groß um die Pläne der drei Jugendlichen drum herum zu schreiben, benennt der Autor ihren gemeinsamen großen Wunsch: die drei wollen nicht mehr leben, sie verabreden sich zum gemeinsamen Selbstmord.

Sehr gelungen finde ich es, wie unterschiedlich die drei Jugendlichen in dem Buch sind. Es zeigt meiner Meinung nach sehr gut, dass Suizid nicht nur in einer Gesellschaftsschicht passieren kann, unabhängig vom Geschlecht ist und dass nicht alle Jugendlichen, die einen Selbstmord planen, grausame und nicht liebende Eltern haben. Suizidgedanken kann jeder aus den unterschiedlichsten Gründen haben.

Und genau hier ist ein weiterer Pluspunkt der Geschichte zu finden: Als Leser erfährt man erst nach und nach, welche verschiedenen Gründe von Nidal, Sammy und Marie für den Suizid haben. Die unterschiedlichen Motive nach und nach zu erfahren, macht mit den Reiz des Buches aus.

So weit, so gut: Das Buch ist sicherlich eine gute Basis für Diskussionen zum Thema Selbstmord. Doch habe ich auch einige Kritikpunkte. Zum einen finde ich, dass mögliche Auswege aus dem Suizid oder Anlaufstellen für selbstmordgefährdete Personen nur unzureichend oder gar nicht thematisiert werden. Natürlich soll so ein Buch keine heile Welt vorspielen und realistisch bleiben, aber trotzdem sollten zumindest Wege aus der Lebensunlust gezeigt werden.

Zum anderen geschehen einige der Dinge in dem Buch für meinen Geschmack etwas zu überzufällig, zu viele Geschichten hängen dann doch zusammen, wo kein Zusammenhang hätte bestehen müssen. Das macht das Buch zumindest für mich unrealistisch.

Doch der größte und gleichzeitig erstaunlichste Punkt, den ich an diesem Buch zu kritisieren habe, ist, dass die Geschichte um Nidal, Sammy und Marie es nicht geschafft hat, mich zu berühren. Ich habe das Buch gelesen, habe es sogar ganz gerne gelesen, finde das Thema auch interessant, doch haben mich die Geschehnisse und die Figuren ziemlich kalt gelassen.

Ich möchte betonen, dass ich – soweit ich weiß – mit dieser Meinung eher alleine da stehe. Ich habe schon einige sehr begeisterte Rezensionen gelesen. Doch ich kann „Für niemand“ für eine gute Idee und eine solide Ausführung, aber aufgrund des Mangels an Emotionen nur 6 von 10 Sternen geben.

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Für niemand – Tobias Elsäßer – broschiert – 154 Seiten – 12,95 € – ISBN-13: 978-3794170906 – erschienen: März 2011 (Sauerländer Verlag)

[Rezension] „Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher

Tote Mädchen lügen nichtInhalt:

„There are thirteen reasons why your friend died. You are one of them.“

Clay erhält eines Tages ein Päckchen. Es enthält 7 Kasetten. Als Clay anfängt, die erste Kasette zu hören, traut er seinen Ohren nicht. Er hört die Stimme von Hannah Baker, einer Schulkameradin, die sich vor kurzem das Leben genommen hat. Auf den Kasetten erklärt Hannah, was die Gründe dafür waren und nennt vor allem auch Personen aus ihrem Umfeld, die eine Mitschuld an ihrem Selbstmord tragen.

Meine Meinung:

Puh, ein heftiges Buch mit einem interessanten, lesenswertem Thema. Anfangs störte es mich, dass der Leser in sehr kurzen Abständen zwischen Hannahs Kasetten und Clays Gedanken hin und her springen muss. Doch im Laufe des Buches gewöhnt man sich daran.
Ohne zu viel vom Inhalt verraten zu wollen, muss ich sagen, dass dieses Buch absolut lesens- und auch diskussionswürdig ist. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass es in der Schule ab etwa der 9. Klasse behandelt werden könnte. Das Buch spricht das Thema Selbstmord und eventuelle Gründe dafür an. Hierbei präsentiert es meiner Meinung nach viele verschiedene Seiten und es zeigt auf, dass manchmal eine Handlung, die einem eher unwichtig erscheint, für jemand anderen der oft genannte Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt, sein kann.

Ich gebe diesem Buch 9 von 10 Sternen.

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