[Reihenrezension] „Schwesterherz“ & „Bruderlüge“ von Kristina Ohlsson

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Kristina Ohlsson ist eine der wenigen Thrillerautoren, die ich noch gerne lese. Früher waren das noch viel mehr, mittlerweile mag ich aber andere Genre lieber. Doch die Bücher der schwedischen Autorin sorgen immer wieder dafür, dass ich stundenlang (und teilweise sogar bis spät in die Nacht hinein) zwischen den Buchdeckeln verschwinde.

Am bekanntesten ist sicherlich ihre Reihe um die Ermittlerin Fredrika Bergmann. Nun gibt es eine neue Hauptfigur: Martin Benner ist Anwalt, Adoptivvater seiner Nichte und lose verbandelt mit seiner Liebe aus Studienzeiten. Doch sein Leben soll sich von einem auf den nächsten Tag ändern, als plötzlich ein Mann in seine Kanzlei kommt und ihn bittet, seine Schwester zu verteidigen, die wegen fünffachen Mordes angeklagt wurde. Das Besondere: Seine Schwester, Sara, ist schon seit einigen Monaten tot. Außerdem hat sie kurz vor ihrem Selbstmord alle Morde gestanden. Dennoch glaubt ihr Bruder an ihre Unschuld. Zu guter letzt noch ist Saras Sohn Mio an dem Tag ihrer Flucht und ihres Todes spurlos verschwunden. Widerstrebend beginnt Martin den alten Fall aufzurollen. Mit jedem Dokument, was er liest, mit jeder Information, die er nach und nach bekommt, wird ihm klar: Irgendetwas stimmt hier so gar nicht. Und schon steckt er mitten drin – und das wird für ihn gefährlich. Lebensgefährlich.

Gemeinsam mit Martin Benner, übrigens ein Hauptcharakter mit Ecken und Kanten, die nicht immer liebenswert sind, setzt man auch als Leser Puzzlestück um Puzzlestück zusammen. Das Bild, das sich nach und nach ergibt, ist immer wieder überraschend und niemals schön. Die Originaltitel der Reihe („Lotus Blues“ und „Momos Blues“) sind meiner Meinung nach sehr passend. Die Bedeutung erschließt sich aber erst beim Lesen.

Am Ende des ersten Bandes kommt es zu einem kleinen Abschluss. Nichtsdestotrotz bleiben noch so viele Fragen offen, dass ich unbedingt direkt zum nächsten Band greifen musste, der zum Glück schon bereit lag. Die Geschichte ist sehr spannend konstruiert, die Wendungen haben mich immer wieder gepackt. Trotzdem ist „konstruiert“ für mich auch das Stichwort für meine leise Kritik. Am Ende von „Bruderlüge“ (ich würde vermuten, dass dies auch das letzte Buch dieser Reihe ist) werden zwar alle losen Fäden mteinander verknüpft, aber die Auflösung kommt mir sehr konstruiert, sehr unwahrscheinlich und überzufällig vor. Schade!

Eigentlich haben mir „Schwesterherz“ und „Bruderlüge“ sehr gut gefallen und konnten mich an die Seite fesseln. Da mir persönlich die Auflösung des Ganzen nicht komplett gefallen hat, vergebe ich in diesem Fall „nur“ 7 Sterne.

stern 7

Schwesterherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 480 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2663-1 – erschienen: April 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann
Bruderherz – Kristina Ohlsson – Klappbroschur – 448 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-8090-2667-9 – erschienen: Juni 2017 (Limes) – Übersetzung: Susanne Dahmann

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[Kurzer Leseeindruck] „Fremd“ von Ursula Poznanksi & Arno Strobel

Klappentext:

Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich? (Quelle)

Mein Eindruck:

Ich muss zugeben, dass ich ein ganz klein wenig unsicher war, bevor ich dieses Buch begonnen habe. „Layers“, das letzte Buch von Ursula Poznanski, konnte mich nicht vollends überzeugen. Und von Arno Strobel hatte ich bis dato noch gar nicht gelesen. Doch meine Sorge war vollkommen unbegründet: Die Art, die Geschichte zu erzählen, ist wirklich genial. Natürlich ist es nicht neu, wenn die Handlung eines Buches aus zwei Perspektiven geschildert wird, die sich ergänzen und erst zusammen ein vollständiges Bild ergeben.

Doch was ist, wenn sich die beiden Perspektiven vollkommen widersprechen und man als Leser doch weiß, dass beide der Wahrheit entsprechen? Warum kann sich Joanna einfach nicht mehr an diesen fremden Mann erinnern, mit dem sie angeblich verlobt sein soll? Und warum findet Erik in der gemeinsam Wohnung von ihm und Joanna plötzlich keine seiner persönlichen Besitztümer mehr wieder? Selbst sein Kleiderschrank ist verschwunden!

„Fremd“ hat mich wirklich gut unterhalten, hat ein größtenteils stimmiges, wenn auch nicht ganz überraschendes Ende. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Fremd – Ursula Poznanksi & Arno Strobel – Klappbroschur – 400 SEiten – 16,99 € – ISBN:  978-3-8052-5084-9 – erschienen: Oktober 2015 (Rowohlt)

[Rezension] „Layers“ von Ursula Poznanski

Klappentext:

Seit Dorian von zu Hause abgehauen ist, schlägt er sich auf der Straße durch – und das eigentlich recht gut. Als er jedoch eines Morgens neben einem toten Obdachlosen aufwacht, der offensichtlich ermordet wurde, gerät Dorian in Panik, weil er sich an nichts erinnert: Hat er selbst etwas mit der Tat zu tun?
In dieser Situation bietet ihm ein Fremder unverhofft Hilfe an und Dorian ergreift die Gelegenheit beim Schopf – denn das ist seine Chance, sich vor der Polizei zu verstecken. Der Unbekannte engagiert sich für Jugendliche in Not und bringt Dorian in eine Villa, wo er neue Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält.
Doch umsonst ist nichts im Leben, das erfährt Dorian recht schnell. Die Gegenleistung, die von ihm erwartet wird, besteht im Verteilen geheimnisvoller Werbegeschenke – sehr aufwendig versiegelt. Und als Dorian ein solches Geschenk nach einem unerwarteten Zwischenfall behält, wird er von diesem Zeitpunkt an gnadenlos gejagt. (Quelle)

Meine Meinung:

Ich bin ein großer Fan von Ursula Poznanski. Ja, sogar ein Fan der ersten Stunde, würde ich sagen. Bisher gab es kein Buch, das ich nicht gerne gelesen hätte. Und so habe ich mich natürlich total darüber gefreut, dass es mit „Layers“ neuen Lesestoff für mich geben sollte. Die teilweise nicht ganz so begeisterten Stimmen zu dem Buch habe ich ignoriert und mich wie ein Schneekönig gefreut, dass Buch auch endlich in den Händen zu halten.

Die Story an sich klingt nicht uninteressant: Dorian verbringt sein Leben auf der Straße, nachdem er vor seinem gewalttätigen Vater geflohen ist. Er hat jedoch einige Prinzipien: er klaut nicht und scheut die Gewalt. Umso geschockter ist er, als er eines Nachts aufwacht, sein blutiges Messer in der Hand, neben ihm Emil, ein anderer Obdachloser, mit dem er schon des Öfteren Streit hatte. Tot.

An dieser Stelle kommt Nico ins Spiel: Er ist Dorian komplett fremd und doch bietet er ihm Hilfe an, nimmt ihn mit in eine große Villa, in der ein Mann namens Bornheim obdachlose Jugendliche aufnimmt und versorgt. Dorian nimmt die Hilfe dankbar an, denn er hat keine andere Wahl.

Dies ist für mich der erste große Kritkpunkt: Ich finde Dorian an dieser Stelle viel zu blauäugig und leichtgläubig. Ja, er befindet sich im Schock, und ja, er hinterfragt die Organisation auch zunächst. Aber dennoch zweifelt er in meinen Augen viel zu wenig. Leider wird dadurch die komplette restliche Geschichte unglaubwürdig. Auch sonst konnte mich die Handlung nicht wirklich packen. Sie ist an vielen Stellen unrund und kleine Plottwists erschienen mir viel zu gewollt und konstruiert.

„Layers“ ist mit Abstand das schwächste Buch von Ursula Poznanksi. Die Handlung konnte mich nicht mitreißen, war stellenweise unglaubwürdig und wirkte zu konstruiert. Leider bin ich nicht wie gewohnt über die Seiten geflogen und habe Kapitel für Kapitel genossen. Dass ich dem Buch dennoch 6 von 10 Sternen gebe, liegt vor allem daran, dass Ursula Poznanksi bei mir einen großen Bonus gebunkert hat und ich es einfach nicht über’s Herz bringe, in der Wertung noch weiter runter zu gehen.

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Layers – Ursula Poznanski – Klappbroschur – 448 Seiten – 14,95 € – ISBN 978-3-7855-8230-5 – erschienen: August 2015 (Loewe) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Blick ins Regal] Krimis und Thriller

Vor einer Woche konntet ihr in diesem Beitrag meine komplette Regalwand angucken und vor allem einen genaueren Blick auf die noch zu rezensierenden Bücher und meine recht kleine Belletristik-Sammlung werfen.

Heute gibt es dann das nächste kleine Regal und auch in diesem Genre habe ich ziemlich viel aussortiert. Außerdem sind einige der Bücher, die hier stehen müssten, gerade verliehen.

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Krimis & Thriller I

Krimis & Thriller II

Krimis & Thriller II

Mir fällt gerade auf, dass das Buch von Hjorth & Rosenfeldt dort nicht ganz richtig eingeordnet ist. Das muss ich gleich mal umstellen.

Von Jeffery Deaver hatte ich eigentlich viel mehr Bücher, die ich aber alle bis auf „Die Menschenleserin“ aussortiert habe. Dann hatte ich vorher noch seeehr viel von Andreas Franz, aber auch die habe ich allesamt verschenkt. Wenn ich das Regal noch weiter reduzieren müsste, würden bestimmt vor allem die Bücher von Ursula Poznanski, Michael Quandt, Kristina Ohlsson, Stieg Larsson und Hjort & Rosenfeldt im Regal bleiben.

Beim nächsten Mal gibt es etwas mehr zu sehen, da kommen wir nämlich zu den Jugendbüchern – dem Genre, das am meisten Platz in meinen Regalen einnimmt. 🙂

[Rezension] „Himmelschlüssel“ von Kristina Ohlsson

Reiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. „Himmelschlüssel“
  5. schwed. Titel: „Davidsstjärnor“

Klappentext:

Eine vollbesetzte Boeing 747 hebt in Stockholm ab und fliegt in Richtung New York. Kurz nach dem Start wird ein Drohbrief an Bord gefunden, laut dem das Leben von über 400 Passagieren in Gefahr ist. Kriminalkommissar Alex Recht muss das Flugzeug vor der Explosion bewahren, doch dazu benötigt er die Hilfe und den Scharfsinn von Fredrika Bergman. Und allzu bald wird den beiden klar, dass die Flugzeugentführung einen teuflischeren Grund hat, als sich die Ermittler vorzustellen vermögen. Denn der Kopilot des Flugzeugs ist niemand anderes als Alex‘ Sohn Erik … (Quelle)

Meine Meinung:

Schön, wenn man das vierte Buch einer Reihe liest, auf altbekannte Figuren und Freunde trifft und trotzdem das Gefühl hat, etwas Neues zu erleben. Genauso ging es mir mit diesem Buch. Zuerst war ich sehr skeptisch, denn die Geschichte, die hier erzählt wird, ist absolut politisch, was mir eigentlich nicht so liegt:

Fredrika arbeitet  nach dem letzten Fall im Justizministerium. Gerade soll sie entscheiden, ob der Terrorverdächtige Zakaria Khelifi abegschoben werden soll, als die Meldung reinkommt, dass in einem vollbesetzten Flugzeug eine Bombendrohung gefunden wurde: Neben einer weiteren Forderung verlangen die unbekannten Entführer, dass Khelifi freigelassen wird. Sollte die Maschine landen, wird sie laut Erpresserbrief in die Luft gesprengt. Und so haben Alex Recht, der zu diesem Fall hinzugezogen wird, Fredrika und die Terrorismusexpertin Eden Lundell nur 24 Stunden Zeit, um sich eine Lösung einfallen zu lassen. Die Zeit ist knapp – insbesondere als sich herausstellt, dass der Co-Pilot des Flugzeugs der Sohn von Alex ist…

Die Geschichte liest sich unheimlich spannend und beklemmend gleichzeitig, was vermutlich vor allem daran liegt, dass Kristina Ohlsson selbst einige Jahre im Außenministerium und für das OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) gearbeitet hat. Sie weiß also, wovon sie hier erzählt. Umso verstörender ist es, wenn sie davon berichtet, dass die Berater der USA – dies ist das Ziel des Flugzeugs – bewusst wichtige Informationen, die das Leben vieler Menschen retten könnten, zurückhalten, nur weil sie politisch sehr brisant sind.
Trotzdem gelingt es der Autorin die Handlung und die Personen nicht nur in schwarz und weiß zu zeichnen, sondern den Figuren auch noch individuelle und menschliche Züge zu geben.

Wer wie ich zuerst glaubt, einen etwas trockenen Polit-Thriller zu lesen, wird schnell eines besseren belehrt. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und das bis spät in die Nacht hinein. Ich konnte einfach nicht aufhören und war wie gefesselt. Genau so muss ein gutes Buch sein!

„Himmelschlüssel“ ist spannend, brisant, authentisch und hochaktuell. Kristina Ohlsson ist mit diesem Buch ein Meisterwerk gelungen. 10 von 10 Sternen!

stern 10

Himmelschlüssel – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-8090-2639-6 – erschienen: November 2014 (Limes)

[Rezension] „Aquarius“ von Thomas Finn

AquariusKlappentext:

Bei den Bergungsarbeiten an einer alten Seemine geschieht ein Unglück: Die Mine explodiert. Als Berufstaucher Jens Ahrens wieder zu Bewusstsein kommt, findet er sich in einem Keller wieder, gefangen mit anderen Männern, die unter Drogen gesetzt und so wehrlos gemacht wurden. Nur mit Mühe kann er sich befreien und flüchtet nach Egirsholm, eine kleine, wohlhabende Küstensiedlung. Diese aber wird zum Schauplatz rätselhafter Todesfälle. Menschen ertrinken – und das sogar auf der Landstraße oder in ihrem Haus! Etwas geht vor sich, in das Jens so schnell und tief hinab gesogen wird, dass er sich nicht mehr entziehen kann. Das Meer ist unruhig. Und es ist wütend. (Quelle)

Meine Meinung:

„Aquarius“ ist ein Mistery Thriller.
Grundsätzlich lese ich keine Mystery Thriller und mag sie auch nicht besonders.
Ich fand „Aquarius“ genial.

Diese drei Aussagen sollen deutlich machen, wie gut dieses Buch ist und wie toll Thomas Finn schreiben kann. Denn er hat es tatsächlich geschafft, mich ein Stückchen von diesem Genre zu überzeugen.

Vielleicht stellt sich jetzt zunächst die Frage, warum ich dieses Buch überhaupt gelesen habe, wenn es mich doch gar nicht so sehr zu Mystery Thriller hinzieht. Das liegt vor allem daran, dass ich Thomas Finn auf der Frankfurter Buchmesse live erleben durfte und von ihm und allem, was er zu diesem Buch erzählte, begeistert war. Ich glaube, besonders beeindruckt hat mich seine Schilderung, wie genau er für seine Bücher grundsätzlich und für „Aquarius“ im Speziellen recherchiert hat. Und wenn zu diesem Zeitpunkt noch Überzeugungsarbeit nötig gewesen wäre, dann tat die Tatsache, dass die Handlung in der Nähe meiner Heimatstadt Husum spielt, ihr Übriges.

Zurück zum Buch: Man merkt der Geschichte wirklich die lange und genaue Recherchezeit an. Finn verknüpft gekonnt alte Sagen und Mythen mit der heutigen Zeit. Er beschreibt Schauplätze und den besonderen Schlag Menschen glaubwürdig. Und wenn mir morgen jemand erzählen würde, dass es Sirenen tatsächlich gibt, dann wäre ich gar nicht mal abgeneigt, der Person zu glauben.

Ich hoffe, dies liest sich nicht so, als würde das Buch eine Aneinanderreihung verschiedener Sagen und historischer Fakten sein, denn dem ist nicht so. „Aquarius“ ist unheimlich spannend und mitreißend geschrieben. Ich konnte das Buch wirklich nicht aus der Hand legen und das – das möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen – , obwohl es ja gar nicht unbedint meinem üblichen Lesefutter entsprach.

Kurz und knapp (Ich habe nämlich das Gefühl, gar nicht richtig in Worte fassen zu können, wie gut ich dieses Buch fand): „Aquarius“ ist super! Es glänzt durch Spannung, Innovation (endlich mal keine Zwerge, Drachen, Elfen, sondern Sirenen), sympathische Charaktere und dem Gefühl, dass sich der Autor wirklich gut mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Ich bin schon auf der Suche nach dem nächsten Buch des Autors und vergebe erstmal gute 9 von 10 Punkten.

stern 9

Hier findet ihr übrigens einen sehr spannenden Werkstattbericht des Autors.

Aquarius – Thomas Finn – Klappbroschur – 416 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-492-70337-6 – erschienen: Oktober 2014 (Piper)

[Rezension] „Sterntaler“ von Kristina Ohlsson

SterntalerReiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. -dt. Titel noch unbekannt-

Klappentext:

Seit vielen Jahren hat die einst gefeierte Kinderbuchautorin Thea Aldrin mit niemandem mehr gesprochen. Doch jeden Samstag schickt ihr ein Fremder einen Strauß Blumen und eine Karte, auf der ein einziges Wort steht: Danke. Dann besucht eine Studentin sie im Pflegeheim – und verschwindet kurz danach spurlos. Zwei Jahre später wird die Leiche der jungen Frau in einem Waldstück in Midsommarkransen gefunden. Daneben: eine weitere Leiche, die schon deutlich länger tief in der Erde liegt. Und schließlich: eine dritte. Welches Geheimnis verschweigt die stumme Autorin? (Quelle)

Meine Meinung:

Seit ich vor zweieinhalb Jahren das erste Buch dieser Reihe gelesen habe, freue ich mich immer auf die Winterzeit. Denn etwa dann erscheint im jährlichen Rhythmus ein neuer Band der Krimireihe um das Ermittlerteam von Fredrika Bergmann, Alex Recht und Peter Rydh . Im letzten Jahr habe ich das Erscheinen irgendwie verpasst und mich dann im Frühjahr sehr gefreut, denn ich hatte ja schließlich noch ein ungelesenes Buch vor mir. Juhu!

Ich bin eigentlich längst aus dem Krimi- und Thrillerfieber raus, aber die Bücher von Ohlsson stellen genauso wie die des auch aus Schweden stammende Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt eine Ausnahme dar. Sie bieten für mich die perfekte Mischung aus einem interessanten Fall und dem Privatleben der Ermittler.

Bei dieser Reihe finde ich es besonders gelungen, dass die drei Hauptermittler von Buch zu Buch eine Entwicklung durchmachen. Sie bleiben sich treu, aber treten dabei nicht auf der Stelle. Es ist wirklich so, als würde man alten Bekannten begegnen, die man länger nicht gesehen hat: Man erkennt sich wieder, fühlt sich wohl und ist gespannt, was im Leben des Gegenübers passiert ist.

Ein kleines Manko in diesem Buch war für mich die Tatsache, dass die Vermischung vom Privatleben und dem Fall etwas sehr extrem und für mich nicht unbedingt glaubwürdig war.
Dies wurde aber definitiv dadurch ausgeglichen, dass die Autorin auf eine geniale Idee in der Erzählstruktur gekommen ist: Die eigentliche Handlung und die Aufdeckung des Falls wurden linear erzählt – unterbrochen allerdings durch kurze Befragungen der obigen Ermittler durch eine Art Untersuchungsausschuss. Man weiß als Leser also von Anfang an, dass bei den Ermittlungen etwas gewaltig schief gelaufen ist. Außerdem erfährt man Stück für Stück schon einige prägnante Details, die neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte machen. Ein wirklich genialer Schachzug!

„Sterntaler“ weiß durch Altbewährtes wie einem interessanten Ermittlerteam und der fesselnden Schreibweise der Autorin zu begeistern. Außerdem ist Kristina Ohlsson in Bezug auf die Erzählstruktur der Geschichte ein Geniestreich gelungen. Ich freue mich sehr auf den vierten Band dieser Reihe und vergebe 9 von 10 Sterne!

stern 9

Sterntaler – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 544 Seiten – 19,99 € – ISBN: 978-3-8090-2617-4 – erschienen: Oktober 2013

[Rezension] „Tausendschön“ von Kristina Ohlsson

TausendschönReiheninfo:

  1. “Aschenputtel”
  2. “Tausendschön”
  3. “Sterntaler” 
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

In einer Wohnung in Stockholm werden ein Pfarrer und seine Frau tot aufgefunden. Im Fall eines überfahrenen Einwanderers ermittelt die Polizei wegen Fahrerflucht. Und dann gibt es noch eine Drogentote, die Tochter des verstorbenen Ehepaars.

Ob all diese Fälle und eine Vergewaltigung vor vielen Jahren tatsächlich zusammenhängen?

Meine Meinung:

Schon von „Aschenputtel“ war ich letztes Jahr sehr begeistert. Ohlsson hat eine Art, Thriller zu schreiben, die mich sehr fesselt. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, dass die schwedische Autorin ihr Ermittlerteam um Alex Recht, Peder und Fredrika weiterarbeiten lässt. Um es schon vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.

„Die Wolken am Himmel sahen aus, als würden sie Fangen spielen. Um sie herum schien alles seinen unveränderten Weg zu gehen, während ihre eigene Welt soeben auf ewig in Scheiben geschlagen worden war. Sie blieb auf der Wiese liegen, bis man sie vermisste und sie suchen ging. Und als man sie endlich fand, war sie bereits eine andere geworden.“ (S. 11)

Schon der Prolog, der übrigens wieder gänsehauterweckend ist, hat mich gefesselt. Und diese Spannung und das Gefühl, unbedingt weiter lesen zu müssen, ließ mich auch bis zum Schluss nicht los. In „Tausendschön“ geht es nicht nur um einige Todesfälle, sondern vor allem auch um das Thema der illegalen Einwanderungen und Flüchtlinge aus dem nahen Osten. Kristina Ohlsson war selber im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium tätig und ich habe das Gefühl, man merkt ihr an, dass das ihr dieses Thema wichtig ist.

Es gibt einige Handlungsstränge, neben dem Beruflichen geht es auch wieder um das Privatleben der Ermittler, so dass mir wirklich nie langweilig wurde. Immer wieder habe ich selber versucht, den Fall zu lösen und durch geschickte Andeutungen meint man, den Figuren auch manchmal ein Stück voraus zu sein. Doch spannend blieb es für mich bis zum Ende.

„Tausendschön“ ist ein Buch, das mir mal wieder deutlich macht, warum ich vor einigen Jahren so viele Thriller gelesen habe. Es hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht wieder losgelassen. Dass es nebenher auch noch um ein hochinteressantes Thema geht, war das Tüpfelchen auf dem I. Ich möchte behaupten – aber das auch nur ganz vorsichtig -, dass dieses Buch von Ohlsson eine gewisse Ähnlichkeit mit der Millenium-Trilogie von Larsson hat. Und das ist aus meinem Mund ein hohes Lob. Ich vergebe gerne 9 von 10 Sterne.

stern 9

Tausendschön – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 19,95 € – ISBN-13: 978-3809025924 – erschienen: September 2012 (Limes)

[Rezension] „Aschenputtel“ von Kristina Ohlsson

AschenputtelReiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

Eigentlich wollte die junge Mutter, während der Zug unerwartet am Bahnhof warten muss, nur kurz auf dem Gleis ein Telefonat führen. Früher als angegeben geht die Fahrt dann doch weiter, allerdings ohne Sara. Als der Zug im Zielbahnhof ankommt, ist die kleine Tochter von Sara spurlos verschwunden.

„’Lillian, zieh deine Schuhe aus, wenn du mit den Füßen auf den Sitz willst’, hörte er die Frau zu dem Kind sagen, als er sich umdrehte, um die Fahrtkarte des nächsten Reisenden abzustempeln. Als er ihnen danach noch einen Blick zuwarf, hatte das Kind die kleinen Sandalen bereits abgeschüttelt und die Beine unter sich gezogen. Die Sandalen würden dort noch liegen, als das Mädchen schon verschwunden war.“ (S. 18)

Das dreiköpfige Ermittlerteam um Alex Recht ist sich in seinen Ermittlungen uneinig: Alex und Peder verfolgen Spuren, die sich mit dem gewalttätigen Vater des Kindes beschäftigen. Einzig Frederika ist der Meinung, dass man andere Hinweise nicht außer acht lassen sollte.

Doch dann passiert etwas, das die Ermittler zur Eile zwingt…

Meine Meinung:

Dieses Buch lag etwas länger als nötig auf meinem SUB. Irgendwie hatte ich nicht die höchsten Erwartungen an das Debüt der schwedischen Jungautorin. Meine Erfahrung hat bisher gezeigt, dass Thriller aus skandinavischen Ländern mehr in Richtung Krimi gehen und damit meinen Geschmack oft nicht ganz treffen.

Doch schon die ersten Seiten des Buches zeigten mir, dass ich mit meiner Einschätzung falsch gelegen habe. Der Epilog aus Sicht des Täters macht direkt neugierig, erzeugt eine ungemeine Spannung und erweckte in mir die beliebte Faszination des Ekels.

„Er lag im Dunkeln, lächelte und betrachtete die neue Puppe, die er sich ausgesucht hatte. […] Vorsichtig strich er ihr über den Rücken. Aus Versehen – oder vielleicht auch weil der die Verletzungen, die er ihr zugefügt hatte, wirklich nicht sah – strich er über einen der ganz frischen Blutergüsse. Wie ein dunkler, kleiner See lag er auf ihrem Schulterblatt. Sie wachte mit einem Ruck auf und drehte sich zu ihm um. Ihre Augen glänzten vor Angst. Sie wusste nie, was sie erwartete, wenn die Dunkelheit kam.“ (S. 13)

Besonders interessant wird dieses Buch durch die Figurenkonstellation: Alex und Peder sind erfahrene, intuitiv handelnde Ermittler. Frederika ist die Neue. Sie verlässt sich weniger auf ihr Bauchgefühl, sondern geht akribisch jedem Hinweis nach. Alex und Peder finden, dass sie nicht für die Polizeiarbeit geeignet ist, und zeigen ihr dies auch mehr oder weniger deutlich. Insbesondere Peder steht in einem ständigen Konkurrenzkampf mit ihr, denn er buhlt um die Anerkennung seines Chefs.

Und obwohl meine Sympathien eindeutig auf Frederika liegen, sind mir die beiden anderen Ermittler, die übrigens auch eine interessante Entwicklung durchmachen, nicht unsympathisch.

Ingesamt sind die Charaktere so konzipiert, dass dem Leser viele persönliche Hintergründe geboten werden und Stoff für weitere Bände vorliegt. Ein kurzer Blick ins Internet bestätigt meine Hoffnung: Im Schwedischen gibt es bereits drei weitere Bände um Frederika Bergmann und Alex Recht. Man kann nur auf eine schnelle deutsche Übersetzung hoffen. (Für alle, die hierbei zusammenzucken: Man kann „Aschenputtel“ wunderbar als abgeschlossenen Einzelband lesen.)

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, hat mich erstaunlich wenig gestört: Mir war schon sehr früh klar, worauf die Geschichte hinauslaufen würde. Den Ermittlern war ich leider meilenweit voraus. Ein bisschen mehr Spannung bezüglich der Auflösung des entsprechenden Falls wäre schön gewesen.

Ich bin von „Aschenputtel“ und Kristina Ohlsson absolut positiv überrascht worden: ein schwedischer Thriller, der sich nicht vor seinen amerikanischen Kollegen verstecken muss. Durch den fesselnden Schreibstil und interessante Charaktere weiß das Buch zu überzeugen. Einzig wegen der zu großen Vorhersehbarkeit ziehe ich zwei Sterne ab und vergebe so 8 von 10 Sternen.

stern 8

Aschenputtel – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3809025917 – erschienen: Oktober 2011 (Limes)

[Rezension] „Blutjagd“ von Kim Harrison

BlutjagdReiheninfo:

  1. „Blutspur“
  2. „Blutspiel“
  3. „Blutjagd“
  4. „Blutpakt“
  5. „Blutlied“
  6. „Blutnacht“
  7. „Blutkind“
  8. „Bluteid“
  9. „Blutdämon“
  10. „Blutsbande“
  11. „Blutschwur“

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten.

Inhalt:

Nachdem Rachel Morgan den Dämonen Algaliarept durch einen Pakt dazu verpflichtet hat, gegen den Meistervampir Piscary auszusagen, wird dieser tatsächlich verhaftet. Doch damit hören Rachels Probleme selbstverständlich nicht auf:

Algaliarept fordert seine Schuld ein. Ivy weigert sich, als Nachkomme von Piscary aufzutreten. Nick entfernt sich immer mehr von Rachel. Und dann tritt auch noch Trents Sicherheitsbeauftragte Quen mit einer Bitte an Rachel heran.

Meine Meinung:

Nachdem ich Teil eins dieser Reihe gelesen habe, musste ich unbedingt Teil zwei lesen. Genauso erging es mir nach der Lektüre des zweiten Bandes: Der dritte Teil musste unbedingt her.

Mit hohen Erwartungen habe ich also „Blutjagd“ begonnen. Beendet habe ich es mit gemischten Gefühlen:

Einerseits wird mir die Handlung an manchen Stellen zu wirr und zu komplex. Andererseits liebe ich die Charaktere der Geschichte und möchte unbedingt wissen, wie sie sich weiterentwickeln.

Schon in meiner letzten Rezension habe ich angedeutet, dass die Handlung stellenweise in die Dark-Fantasy-Richtung geht. In diesem Band kommt vermehrt ein mysteriöser, fast schon science-fiction-hafter Einschlag hinzu. Und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich die Handlungsstränge nicht ganz unkompliziert finde. Es gab beim Lesen Stellen, insbesondere die sich mit den Dämonen und dem Jenseits beschäftigen, die ich tatsächlich zwei Mal lesen musste.

Aber das ganz große Plus: Ich liebe die Charaktere. Ich mag Rachels nach außen hin selbstbewusste, innerlich aber manchmal zweifelnde, schnodderige Art. Ich liebe Jenks, der mit seinen 10 cm innerlich viel größer ist als alle anderen. Ich mag Ivy, obwohl ich sie schwer einschätzen kann. Und ich mag es, dass man sich nie sicher sein kann, in welche Richtung sich die Protagonisten entwickeln.

Trotzdem ist dieser Band in meinen Augen bisher der schwächste Teil. Und obwohl ich die Reihe definitiv weiter lesen werde, vergebe ich insgesamt nur 6 von 10 Sternen, d.h.: immer noch eine Leseempfehlung, aber keine total überschwängliche.

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Blutjagd – Kim Harrison – Taschenbuch – 688 Seiten – 13,00 € – ISBN-13: 978-3453532793 – erschienen: August 2008 (Heyne)