[Rezension] „Tausendschön“ von Kristina Ohlsson

TausendschönReiheninfo:

  1. “Aschenputtel”
  2. “Tausendschön”
  3. “Sterntaler” 
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

In einer Wohnung in Stockholm werden ein Pfarrer und seine Frau tot aufgefunden. Im Fall eines überfahrenen Einwanderers ermittelt die Polizei wegen Fahrerflucht. Und dann gibt es noch eine Drogentote, die Tochter des verstorbenen Ehepaars.

Ob all diese Fälle und eine Vergewaltigung vor vielen Jahren tatsächlich zusammenhängen?

Meine Meinung:

Schon von „Aschenputtel“ war ich letztes Jahr sehr begeistert. Ohlsson hat eine Art, Thriller zu schreiben, die mich sehr fesselt. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, dass die schwedische Autorin ihr Ermittlerteam um Alex Recht, Peder und Fredrika weiterarbeiten lässt. Um es schon vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.

„Die Wolken am Himmel sahen aus, als würden sie Fangen spielen. Um sie herum schien alles seinen unveränderten Weg zu gehen, während ihre eigene Welt soeben auf ewig in Scheiben geschlagen worden war. Sie blieb auf der Wiese liegen, bis man sie vermisste und sie suchen ging. Und als man sie endlich fand, war sie bereits eine andere geworden.“ (S. 11)

Schon der Prolog, der übrigens wieder gänsehauterweckend ist, hat mich gefesselt. Und diese Spannung und das Gefühl, unbedingt weiter lesen zu müssen, ließ mich auch bis zum Schluss nicht los. In „Tausendschön“ geht es nicht nur um einige Todesfälle, sondern vor allem auch um das Thema der illegalen Einwanderungen und Flüchtlinge aus dem nahen Osten. Kristina Ohlsson war selber im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium tätig und ich habe das Gefühl, man merkt ihr an, dass das ihr dieses Thema wichtig ist.

Es gibt einige Handlungsstränge, neben dem Beruflichen geht es auch wieder um das Privatleben der Ermittler, so dass mir wirklich nie langweilig wurde. Immer wieder habe ich selber versucht, den Fall zu lösen und durch geschickte Andeutungen meint man, den Figuren auch manchmal ein Stück voraus zu sein. Doch spannend blieb es für mich bis zum Ende.

„Tausendschön“ ist ein Buch, das mir mal wieder deutlich macht, warum ich vor einigen Jahren so viele Thriller gelesen habe. Es hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht wieder losgelassen. Dass es nebenher auch noch um ein hochinteressantes Thema geht, war das Tüpfelchen auf dem I. Ich möchte behaupten – aber das auch nur ganz vorsichtig -, dass dieses Buch von Ohlsson eine gewisse Ähnlichkeit mit der Millenium-Trilogie von Larsson hat. Und das ist aus meinem Mund ein hohes Lob. Ich vergebe gerne 9 von 10 Sterne.

stern 9

Tausendschön – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 464 Seiten – 19,95 € – ISBN-13: 978-3809025924 – erschienen: September 2012 (Limes)

[Rezension] „Aschenputtel“ von Kristina Ohlsson

AschenputtelReiheninfo:

  1. „Aschenputtel“
  2. „Tausendschön“
  3. „Sterntaler“
  4. – dt. Titel noch unbekannt –

Inhalt:

Eigentlich wollte die junge Mutter, während der Zug unerwartet am Bahnhof warten muss, nur kurz auf dem Gleis ein Telefonat führen. Früher als angegeben geht die Fahrt dann doch weiter, allerdings ohne Sara. Als der Zug im Zielbahnhof ankommt, ist die kleine Tochter von Sara spurlos verschwunden.

„’Lillian, zieh deine Schuhe aus, wenn du mit den Füßen auf den Sitz willst’, hörte er die Frau zu dem Kind sagen, als er sich umdrehte, um die Fahrtkarte des nächsten Reisenden abzustempeln. Als er ihnen danach noch einen Blick zuwarf, hatte das Kind die kleinen Sandalen bereits abgeschüttelt und die Beine unter sich gezogen. Die Sandalen würden dort noch liegen, als das Mädchen schon verschwunden war.“ (S. 18)

Das dreiköpfige Ermittlerteam um Alex Recht ist sich in seinen Ermittlungen uneinig: Alex und Peder verfolgen Spuren, die sich mit dem gewalttätigen Vater des Kindes beschäftigen. Einzig Frederika ist der Meinung, dass man andere Hinweise nicht außer acht lassen sollte.

Doch dann passiert etwas, das die Ermittler zur Eile zwingt…

Meine Meinung:

Dieses Buch lag etwas länger als nötig auf meinem SUB. Irgendwie hatte ich nicht die höchsten Erwartungen an das Debüt der schwedischen Jungautorin. Meine Erfahrung hat bisher gezeigt, dass Thriller aus skandinavischen Ländern mehr in Richtung Krimi gehen und damit meinen Geschmack oft nicht ganz treffen.

Doch schon die ersten Seiten des Buches zeigten mir, dass ich mit meiner Einschätzung falsch gelegen habe. Der Epilog aus Sicht des Täters macht direkt neugierig, erzeugt eine ungemeine Spannung und erweckte in mir die beliebte Faszination des Ekels.

„Er lag im Dunkeln, lächelte und betrachtete die neue Puppe, die er sich ausgesucht hatte. […] Vorsichtig strich er ihr über den Rücken. Aus Versehen – oder vielleicht auch weil der die Verletzungen, die er ihr zugefügt hatte, wirklich nicht sah – strich er über einen der ganz frischen Blutergüsse. Wie ein dunkler, kleiner See lag er auf ihrem Schulterblatt. Sie wachte mit einem Ruck auf und drehte sich zu ihm um. Ihre Augen glänzten vor Angst. Sie wusste nie, was sie erwartete, wenn die Dunkelheit kam.“ (S. 13)

Besonders interessant wird dieses Buch durch die Figurenkonstellation: Alex und Peder sind erfahrene, intuitiv handelnde Ermittler. Frederika ist die Neue. Sie verlässt sich weniger auf ihr Bauchgefühl, sondern geht akribisch jedem Hinweis nach. Alex und Peder finden, dass sie nicht für die Polizeiarbeit geeignet ist, und zeigen ihr dies auch mehr oder weniger deutlich. Insbesondere Peder steht in einem ständigen Konkurrenzkampf mit ihr, denn er buhlt um die Anerkennung seines Chefs.

Und obwohl meine Sympathien eindeutig auf Frederika liegen, sind mir die beiden anderen Ermittler, die übrigens auch eine interessante Entwicklung durchmachen, nicht unsympathisch.

Ingesamt sind die Charaktere so konzipiert, dass dem Leser viele persönliche Hintergründe geboten werden und Stoff für weitere Bände vorliegt. Ein kurzer Blick ins Internet bestätigt meine Hoffnung: Im Schwedischen gibt es bereits drei weitere Bände um Frederika Bergmann und Alex Recht. Man kann nur auf eine schnelle deutsche Übersetzung hoffen. (Für alle, die hierbei zusammenzucken: Man kann „Aschenputtel“ wunderbar als abgeschlossenen Einzelband lesen.)

Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, hat mich erstaunlich wenig gestört: Mir war schon sehr früh klar, worauf die Geschichte hinauslaufen würde. Den Ermittlern war ich leider meilenweit voraus. Ein bisschen mehr Spannung bezüglich der Auflösung des entsprechenden Falls wäre schön gewesen.

Ich bin von „Aschenputtel“ und Kristina Ohlsson absolut positiv überrascht worden: ein schwedischer Thriller, der sich nicht vor seinen amerikanischen Kollegen verstecken muss. Durch den fesselnden Schreibstil und interessante Charaktere weiß das Buch zu überzeugen. Einzig wegen der zu großen Vorhersehbarkeit ziehe ich zwei Sterne ab und vergebe so 8 von 10 Sternen.

stern 8

Aschenputtel – Kristina Ohlsson – Hardcover mit SU – 480 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3809025917 – erschienen: Oktober 2011 (Limes)

[Rezension] „Blutjagd“ von Kim Harrison

BlutjagdReiheninfo:

  1. „Blutspur“
  2. „Blutspiel“
  3. „Blutjagd“
  4. „Blutpakt“
  5. „Blutlied“
  6. „Blutnacht“
  7. „Blutkind“
  8. „Bluteid“
  9. „Blutdämon“
  10. „Blutsbande“
  11. „Blutschwur“

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten.

Inhalt:

Nachdem Rachel Morgan den Dämonen Algaliarept durch einen Pakt dazu verpflichtet hat, gegen den Meistervampir Piscary auszusagen, wird dieser tatsächlich verhaftet. Doch damit hören Rachels Probleme selbstverständlich nicht auf:

Algaliarept fordert seine Schuld ein. Ivy weigert sich, als Nachkomme von Piscary aufzutreten. Nick entfernt sich immer mehr von Rachel. Und dann tritt auch noch Trents Sicherheitsbeauftragte Quen mit einer Bitte an Rachel heran.

Meine Meinung:

Nachdem ich Teil eins dieser Reihe gelesen habe, musste ich unbedingt Teil zwei lesen. Genauso erging es mir nach der Lektüre des zweiten Bandes: Der dritte Teil musste unbedingt her.

Mit hohen Erwartungen habe ich also „Blutjagd“ begonnen. Beendet habe ich es mit gemischten Gefühlen:

Einerseits wird mir die Handlung an manchen Stellen zu wirr und zu komplex. Andererseits liebe ich die Charaktere der Geschichte und möchte unbedingt wissen, wie sie sich weiterentwickeln.

Schon in meiner letzten Rezension habe ich angedeutet, dass die Handlung stellenweise in die Dark-Fantasy-Richtung geht. In diesem Band kommt vermehrt ein mysteriöser, fast schon science-fiction-hafter Einschlag hinzu. Und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich die Handlungsstränge nicht ganz unkompliziert finde. Es gab beim Lesen Stellen, insbesondere die sich mit den Dämonen und dem Jenseits beschäftigen, die ich tatsächlich zwei Mal lesen musste.

Aber das ganz große Plus: Ich liebe die Charaktere. Ich mag Rachels nach außen hin selbstbewusste, innerlich aber manchmal zweifelnde, schnodderige Art. Ich liebe Jenks, der mit seinen 10 cm innerlich viel größer ist als alle anderen. Ich mag Ivy, obwohl ich sie schwer einschätzen kann. Und ich mag es, dass man sich nie sicher sein kann, in welche Richtung sich die Protagonisten entwickeln.

Trotzdem ist dieser Band in meinen Augen bisher der schwächste Teil. Und obwohl ich die Reihe definitiv weiter lesen werde, vergebe ich insgesamt nur 6 von 10 Sternen, d.h.: immer noch eine Leseempfehlung, aber keine total überschwängliche.

stern 6

Blutjagd – Kim Harrison – Taschenbuch – 688 Seiten – 13,00 € – ISBN-13: 978-3453532793 – erschienen: August 2008 (Heyne)

[Rezension] „Blutspiel“ von Kim Harrison

Reiheninfo:

  1. „Blutspur“
  2. „Blutspiel“
  3. „Blutjagd“
  4. „Blutpakt“
  5. „Blutlied“
  6. „Blutnacht“
  7. „Blutkind“
  8. „Bluteid“
  9. „Blutdämon“
  10. „Blutsbande“
  11. „Blutschwur“

 

Achtung, die Rezension kann Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten!

Inhalt:

Nachdem das FIB Rachel endlich aus ihrem Vertrag mit dem I.S. (Inderland Security) gekauft hat, sollte man meinen, dass Rachel keine Sorgen mehr hat. Doch ihr Erzfeind Trent Kalamack ist immer noch auf freiem Fuß.

Als eine Mordserie an Kraftlinienhexen die Stadt erschüttert, ist sich Rachel sicher, dass Trent dahinter steckt, und setzt alles daran, dies zu beweisen.

Meine Meinung:

Wenn von der Rachel-Morgan-Serie die Rede ist, wird oftmals von einer neuen Vampir-Reihe gesprochen. Ich möchte das an dieser Stelle gerne mal richtig stellen: Die Hauptperson, nämlich Rachel Morgan, ist kein Vampir, sondern eine Hexe. Zwar spielen Vampire in der Handlung keine geringe Rolle, doch gibt es auch Pixies, Fairies, Tiermenschen, Dämonen und allerlei andere fantastische Wesen. Es muss sich also niemand Sorgen machen, noch einen vermeintlichen „Biss“-Nachfolger zu lesen.

Und auch vom Genre ist dieses Buch absolut nicht mit den gängigen Vampirbüchern auf dem Markt zu vergleichen. Im zweiten Teil wird langsam deutlich, dass die Bücher zwei Bereiche miteinander verknüpfen, wie ich es selten mal gelesen haben: Es handelt sich nämlich um Fantasy-Thriller. Wow, Thriller und Fantasy in einem Buch. Toll!

Nachdem ich nun den zweiten Teil beendet habe, kann ich ganz klar sagen, dass die Serie Suchtpotenzial hat. Unerwartete Wendungen und Handlungsstränge haben mich bis wirklich spät in die Nacht lesen und mir direkt den dritten Band bestellen lassen.

Ich kann schwer greifen, was mich an diesen Büchern so fasziniert, aber obwohl die Handlung oftmals schon fast in die Dark-Fatasy-Richtung geht, bin ich einfach total gefesselt.

Ich mag die meisten der Hauptcharaktere und die Tatsache, dass mich die Autorin mehr als einmal komplett überrascht hat. Ich mag die sonderbare Mischung der Genres und die Einzigartigkeit dieser Bücher.

Um immer noch ein bisschen Luft nach oben zu haben, vergebe wieder ich 7 von 10 Sternen.

stern 7

Blutspiel – Kim Harrison – Taschenbuch – 640 Seiten – 13,00 € – ISBN-13: 978-3453433045 – erschienen: November 2007 (Heyne)

[Rezension] „Gretchen“ von Chelsea Cain

GretchenReiheninfo:

  1. “Furie”
  2. “Grazie”
  3. “Gretchen”
  4. “Totenfluss”
  5. “Sterbensschön”

Achtung, diese Rezension kann Spoiler zu den ersten Bänden enthalten.

Klappentext:

Schon zwei Mal hat Detective Archie Sheridan den teuflischen Tanz um Leben und Tod mit der schönen Serienmörderin Gretchen Lowell überlebt. Es hat ihn alles gekostet, sie hinter Gitter zu bringen – beinahe sogar das Leben. Doch Gretchen Lowell ist die Flucht gelungen, und nun glaubt jeder, dass sie wieder zuschlagen wird. Tatsächlich kommt es zu einer neuen grausamen Mordserie. Auf den ersten Blick trägt sie die Handschrift von Gretchen Lowell – doch die Details stimmen nicht. Eine Botschaft an Archie? (Quelle)

Meine Meinung:

Die bisherigen Bände der Gretchen-Lowell-Reihe haben mich auf eine wirklich merkwürdige Art und Weise gefesselt: fasziniert und angeekelt zu gleich habe ich die Bücher gelesen, denn die Werke von Chelsea Cain sind nichts für schwache Nerven.

Die Grausamkeiten und perversen Ideen von Gretchen hatten schon in den ersten zwei Bänden ein solch hohes Level erreicht, dass man sich unweigerlich fragt, wie es der Autorin im dritten Teil gelingen soll, noch neue Ideen einzubringen, ohne zu übertreiben. Die Antwort: Gar nicht!

Zwar gibt es eine neue Grundidee, die durchaus ihren Reiz hat, trotzdem sind einige detailreiche Beschreibungen von Mord- und Foltermethoden schlichtweg übertrieben. Und ich bin eigentlich niemand, der vor solchen Ausmalungen zurückschreckt. Im Gegenteil! Es ist auch nicht so, dass ich mich geekelt habe oder die Seiten nicht mehr lesen mochte. Es war einfach nur zu viel und in meinen Augen unnütz.

Trotzdem ließ sich das Buch ohne Frage gut und flüssig lesen, aber zusätzlich zu den übertriebenen Grausamkeiten hat es mich gestört, dass Archie wie auch in den Bänden zuvor immer und immer wieder Alleingänge durchführt. Was soll das? Für mich einfach nicht verständlich und realistisch, dass jemand so gar nicht dazu lernt. Man kennt dieses Phänomen zwar auch aus zahlreichen Filmen und Büchern, aber wenn der an sich schlaue Detective, der einen fähigen Kollegen besitzt, zum x-ten Mal alleine einen Tatort stürmt, nervt es mich.

Schade, abschließend muss ich sagen, dass der dritte und anscheinend doch nicht letzte Teil dieser Reihe enttäuscht hat. Es ist ein spannendes Buch, aber hinkt trotzdem seinen Vorgängern hinterher. Ich vergebe gerade noch 6 von 10 Sternen. Mal sehen, ob ich den vierten Band überhaupt noch lesen werde.

stern 6

Gretchen – Chelsea Cain – Taschenbuch – 352 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3442372256 – erschienen: Juni 2011 (Blanvalet)

[Rezension] „Das schwarze Blut“ von Jean-Christophe Grangé

Das schwarze BlutInhalt:

Jacques Reverdi ist nicht nur durch seine Leistungen im Tiefseetauchen zur Berühmtheit geworden. Derzeit sitzt er in einem Gefängnis in Malaysia und wartet auf sein Todesurteil, denn er wurde neben einer von Stichen und Schnitten übersäten Frauenleiche gefunden. Es scheint so, als wäre Reverdi von Ritualmorden besessen.

Auch der Reporter Mark Dupeyrat ist besessen – und zwar von der Suche nach dem Sinn des Bösen. Und so beschließt er sich Reverdi auf die einzig mögliche Weise zu nähern: in Form einer Frau. Er nimmt eine Scheinidentität an und per Post Kontakt zu Jacques auf. Der Plan funktioniert und Mark kommt dem Bösen immer näher…

Meine Meinung:

Als ich die letzte Seite des Buches gelesen habe, habe ich es zugeklappt und „Was für ein krankes Buch!“ in mich hineingemurmelt. Und das trifft es auch sehr gut.

Nicht, dass jemand auf falsche Gedanken kommt: Das Adjektiv „krank“ ist in meinen Augen für einen Thriller das absolut beste Attribut überhaupt.

Dabei startet das Buch eher langsam und etwas zermürbend: die Lebensgeschichte von Mark wird auf vielen, unheimlich ermüdenden Seiten haargenau zusammengefasst. Zwar spielt die für den weiteren Verlauf der Geschichte durchaus eine Rolle, doch hätte man die einzelnen Fakten meiner Meinung nach lieber in die Handlung mit einbauen sollen und nicht in Form eines Berichts präsentiert.

Doch dann nimmt die Geschichte schnell an Fahrt auf und birgt alles, was einen guten Thriller für mich ausmacht: einen wahren Psychopathen, eklige Details, überraschende Wendungen und eine gute Portion an kranken Ideen, die alles übertrifft, was man sich selber hätte vorstellen können.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das Ende der Geschichte übertrieben oder genial finde, deswegen vergebe ich nicht die volle Punktzahl, sondern 8 von 10 Sternen für einen wirklich andersartigen Thriller, der mein Dafürhalten bisher zu wenig Beachtung bekommen hat.

stern 8

Das schwarze Blut – Jean-Christophe Grangé – Taschenbuch – 544 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3404158089 – erschienen: November 2010 (3. Auflage, Lübbe)

[Rezension] „Silent Scream“ von Karen Rose

Silent ScreamInhalt:

Als vier Umweltaktivisten ein eigentlich unbenutztes Mehrfamilienhaus in Brand setzen, wussten sie nicht, dass gerade zu diesem Zeitpunkt dort ein junges Mädchen Unterschlupf gesucht hat. Erst als das Haus schon in Flammen steht und sie ein Gesicht am Fenster sehen, erkennen sie die wahre Tragweite ihrer Handlung – und fliehen. Was sie auch nicht wissen: Sie wurden von jemandem beobachtet und gefilmt, der sein Wissen nun nutzt, um die die Gruppe zu erpressen und für seine Zwecke zu missbrauchen.

Am Tatort treffen die Ermittlerin der Mordkommission Olivia und der Feuerwehrmann David nach ihrem One-Night-Stand vor mehr als zwei Jahren erneut zusammen. Schon bald gibt es weitere Opfer und die Ermittlungen laufen auf Hochtouren…

Meine Meinung:

Hach ja. Das war schön. Mal wieder!

Ich bin ja ein riesengroßer Fan von Karen Rose und ihren Büchern. Und ich glaube, ich habe auch alle gelesen, die es derzeit gibt, aber ich werde das gleich lieber nochmal überprüfen. Es geht ja nicht, dass es vielleicht etwas von ihr gibt, was ich noch nicht kenne.

Karen Rose schreibt Ladythriller. Und auch „Silent Scream“ ist ein solches Buch. Hinter dem eigentlichen Thriller steckt immer noch eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, die (nicht nur für geübte Rose-Leserinnen wie mich) von Anfang an durchschaubar ist. Mich stört das allerdings nicht, denn die Geschichten sind immer wieder schön, auch wenn sie immer – wirklich immer – nach dem gleichen Schema verlaufen.

Ein Tipp am Rande: Wer mehr Thriller und weniger Romantik lesen möchte, sollte zu ihrer Vartanian-Trilogie greifen („Todesschrei“, „Todesbräute“ und „Todesspiele“). Meiner Meinung nach kann es diese Reihe mit den Büchern von Cody McFadyen aufnehmen.

Was immer wieder schön ist, ist die Tatsache, dass die Autorin in ihren Büchern Nebencharaktere aus alten Büchern zu Hauptcharakteren in ihren neuen Büchern werden lässt. So kennt man den Feuerwehrmann David Hunter zum Beispiel aus „Eiskalt ist die Zärtlichkeit“ oder „Der Rache süßer Klang“ (die englischen Titel sind immer nicht ganz so kitschig wie die deutschen).

Ich habe es schon in einer anderen Rezension geschrieben und ich zitiere mich an dieser Stelle einfach mal selber: Die Bücher sind für mich wie „Nach Hause-Kommen“. Ich weiß genau, was ich zu erwarten habe und bekomme auch genau das. Nicht mehr und nicht weniger. Aber das ist genau richtig: 10 Sterne von mir für eine meiner Lieblingsautorinnen.

stern 10

Anmerkung: Der deutsche Titel lautet „Feuer“.

Silent Scream – Karen Rose – Taschenbuch – 560 Seiten – 8,40 € – ISBN-13: 978-0755346585 – erschienen: Oktober 2010 (Headline)

[Rezension] „Der Menschenmacher“ von Cody McFadyen

Der MenschenmacherInhalt:

David ist noch ein Junge, als seine Mutter stirbt und er von Bob Gray adoptiert wird. Gemeinsam mit seinen beiden Adoptivgeschwistern Ally und Charlie lebt er von nun an bei dem Mann, der weit entfernt davon ist, ein guter, liebevoller Vater zu sein. Denn Bob Gray hat nur ein Ziel: Er will die drei dazu bringen, sich weiter zu entwickeln, zum Übermenschen zu werden und die Evolution voranzutreiben: „Evolvieren“ nennt er das. Um diese Entwicklung zu vollziehen, zwingt Bob die drei an ihre Grenzen: er peitscht sie aus, lässt sie in völliger Isolation nackt und blutend zurück.

Nach vielen Jahren gelingt es David, Ally und Charlie ihren Adoptivvater zu ermorden. Sie beginnen ein Leben zu leben, das nichts mehr mit dem vorigen gemein haben soll, aber dennoch immer noch von ihren Erfahrungen beeinflusst wird.

Doch dann ändert sich alles: zwanzig Jahre nach dem Mord erhält David, mittlerweile erfolgreicher Schriftsteller, eine Karte auf der nur ein Wort steht: „Evolviere!“

Es ist noch nicht vorbei…

Meine Meinung:

Ich habe immer noch Gänsehaut, spüre eine merkwürdige Kombination aus Ekel und Faszination, bin euphorisiert: gerade habe ich die letzten Seiten des Buches gelesen.

„Der Menschenmacher“ ist der erste Thriller von Cody McFadyen, der als Hauptperson nicht die toughe Ermittlerin Smoky Barrett hat. Dementsprechend geht es hier auch nicht in erster Linie um polizeiliche Ermittlungen wie in den anderen vier Büchern, sondern mehr um die menschlichen Abgründe der Psyche. Und genau an diese wird der Leser herangeführt. Das Buch ist am ehesten mit „Der Todeskünstler“ des selben Autors zu vergleichen (mein Lieblingsthriller übrigens).

Nach und nach erfährt der Leser weitere Details aus der Vergangenheit und dem gegenwärtigen Leben der drei Hauptpersonen. Immer wieder führen Zeitsprünge zu neuen Erkenntnissen und die Tatsache, dass aus der Sicht dreier Charaktere erzählt wird, führt dazu, dass sich langsam Puzzleteil um Puzzleteil zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

Cody McFadyen hat eine Art zu schreiben, die bei mir immer wieder und insbesondere in diesem Buch dazu geführt hat, meine Gefühle, Ängste und nicht zu erklärende Faszination des Abscheulichen an die Oberfläche zu bringen, wo sie jederzeit ausbrechen können. Er beschreibt, welche Macht Menschen über andere haben können und wozu es führen kann, wenn sie diese Macht ausnutzen. Den Titel „Der Menschenmacher“ halte ich für absolut gelungen, denn jeder von uns ist zu dem geworden, was unsere bisherigen Erfahrungen aus uns gemacht haben.

Manche mögen die erste Hälfte des Thrillers, in dem es vor allem darum geht die Basis der Geschichte zu legen, die Charaktere schlüssig zu erläutern und ihr Leben in Gefangenschaft ihres Adoptivvaters zu beschreiben, als langweilig erachten. Mich hat dieser Teil fasziniert. In der zweiten Hälfte des Buches nimmt vor allem die Handlung in der Gegenwart Fahrt auf und wird actionreicher.

Insgesamt möchte ich behaupten: Wer „Der Todeskünstler“ mochte, wird dieses Buch lieben. Es führt einen an die menschlichen Abgründe, konfrontiert den Leser mit Dingen, die ihn eigentlich erschrecken sollen, aber tatsächlich unterhalten. Es ist mit Sicherheit kein Buch für Leser, die eher zart besaitet sind. Ich vergebe 8 von 10 Sternen und freue mich, dass ich mit meinem Lieblingsthrillerautor McFadyen einen so guten Neustart ins Genre Thriller gefunden habe.

stern 8

Der Menschenmacher – Cody McFadyen – Hardcover mit Schutzumschlag – 608 Seiten – 19,99 € – ISBN-13: 978-3785724071 – erschienen: Februar 2011 (Bastei Lübbe)

[Rezension] „Die Sünde der Engel“ von Charlotte Link

Die Sünde der EngelInhalt:

Zum Inhalt lässt sich an dieser Stelle schwer etwas sagen, ohne viel zu verraten…

Im Mittelpunkt der Handlung steht eine etwas zerrüttete Familie: Die Mutter hatte ewig eine Affäre mit ihrer großen Liebe. Der Vater versucht zu verdrängen. Die beiden mittlerweile erwachsenen Zwillingssöhne wissen von dieser Affäre. Einer der beiden Söhne befindet sich in einer psychiatrischen Klinik, weil er ein Verbrechen begangen hat.

Durch eine Reihe von Ereignissen schlägt die Vergangenheit wieder hoch und zeigt, welche enormen Auswirkungen sie auch auf die Gegenwart haben kann.

Meine Meinung:

Charlotte Links Bücher sind recht eindeutig entweder in die Sparte der Gesellschaftsromane oder in die Reihe der psychologischen Spannungsromane einzuordnen (sagt zumindest auch Wikipedia 🙂 ). Den ersten Typ der Bücher von dieser Autorin lese ich gar nicht gerne, den zweiten allerdings schon. „Die Sünde der Engel“ ist einer von diesen und so habe ich seit Jahren mal wieder ein Buch von Frau Link gelesen. Leider muss ich sagen, dass das Cover das beste am ganzen Buch ist. Eigentlich passiert sehr wenig, weswegen es mir auch schwer fiel, zum Inhalt mehr zu schreiben. Die Auflösung der Geschichte war mir schon viel zu früh klar, so dass ich das Buch auch mit wenig Spannung gelesen habe.

Eindeutig ein sehr schwacher Roman der Autorin, eigentlich aus dem Jahr 1995, der nun seit 2009 in neuem Gewand (sprich: neuem Cover) zum Kauf angeboten wird.

Leider nur 3 von 10 Sternen für diesen handlungsarmen und leicht durchschaubaren Roman von Frau Link.

stern 3

[Rezension] „Der Sohn des Teufels“ von Jonathan Nasaw

Der Sohn des TeufelsReiheninfo:

  1. „Die Geduld der Spinne“
  2. „Angstspiel“
  3. „Seelenesser“
  4. „Der Kuss der Schlange“
  5. „Der Sohn des Teufels“

Inhalt:

Dies ist das fünfte Buch von Nasaw, in dem der etwas extravagante Ermittler Pender die Hauptrolle spielt. Es lässt sich meiner Meinung nach aber auch gut unabhängig von den anderen Büchern lesen.

Vor zehn Jahren sorgte Pender dafür, dass Luke Sweet, Sohn eines grausamen Mörders, festgenommen und schließlich in eine Psychiatrie überwiesen wird. Luke wiederum hat nur ein Ziel. Er will mit all den Menschen abrechnen, die ihm seiner Meinung nach Unrecht getan haben. Ganz oben auf Lukes Liste steht natürlich Ed Pender.

Meine Meinung:

Puh, ein sehr merkwürdiges Buch, das einiges offen lässt. Es hat nicht nur ein offenes Ende, sondern birgt auch in sich einige Unklarheiten, bzw. Dinge, die vom Autor bewusst zweideutig gehalten wurden. Das ist der Teil an dem Buch, der mir gut gefiel. Außerdem bekommt der Leser Einblicke in mehr oder weniger kranke Persönlichkeiten. Auch das ist nach meinem Geschmack… 🙂

Insgesamt ist mir das Buch allerdings zu handlungsarm und zu ziellos. Beinahe hätte ich in der Mitte aufgehört zu lesen. Dass ich das nicht getan habe, kann man sicherlich den angenehm kurzen Kapiteln zuschreiben, die mich doch immer noch ein bisschen weiter gelockt haben.

Wenn ich dieses Buch zum Beispiel „Der Kuss der Schlange“ vergleiche, bin ich absolut enttäuscht. Schade eigentlich, denn das Nasaw die Fähigkeit zu einer besseren Story hat, konnte ich vorher schon erleben.

Ich gebe diesem Buch gut gemeinte 4 von 10 Sternen.

stern 4