[Rezension] „Funklerwald“ von Stefanie Taschinski

Klappentext:

Du kannst alles schaffen, wenn ein Freund dir die Pfote reicht!

Das Luchsmädchen Lumi lebt schon immer im Funklerwald und kennt jeden Baum und jedes Tier rund um ihren Bau. Der Waschbärenjunge Rus kommt ganz neu in den Wald und sucht dort mit seiner Familie eine Heimat. Als Lumi in eine Felsspalte fällt, hilft Rus ihr aus der Patsche. Aber die anderen Funklerwald-Tiere mögen keine Neulinge. Und sie beschließen: Die Waschbären sollen verschwinden! Lumi und Rus müssen ganz schnell einen Weg finden, damit die Waschbären bleiben dürfen. Und dieser Weg führt sie in die gefährlichsten Regionen des Waldes, zu der weisen Fledermaus Maushardt und dem geheimen Wandelbaum … (Quelle)

Meine Meinung:

Stellt euch vor, ihr kauft ein Buch, dessen Klappentext euch vollkommen überzeugt.
Stellt euch vor, ihr nehmt das Buch an einem regnerischen Tag mit ins Bett.
Stellt euch vor, ihr schlagt das Buch auf und seht die zauberhaftesten Zeichnungen überhaupt! ❤

„Funklerwald“ ist einfach ein richtig tolles Kinderbuch. Mal sehen, ob ich meine Meinung auch überzeugend begründen kann. 😉 (Hatte ich schon die liebevollen Zeichnungen erwähnt?)

Lumi ist ein aufgewecktes und fröhliches Luchsmädchen, das gerne mit ihren beiden besten Freunden dem Wildschwein Borste und dem Fuchsmädchen Rissa spielt. Als plötzlich eine Waschbärenfamilie in den Funklerwald zieht, ist die Sorge bei vielen groß. Waschbären gehören doch gar nicht in ihren Wald. Sie haben noch nicht mal einen eigenen Baum. Außerdem riechen sie anders und stellen bestimmt eine Bedrohung dar. Vor allem Lumis Freundin Rissa lässt sich von dieser Stimmung anstecken und schon bald droht den Waschbären große Gefahr. Lumi und Rus, der Waschbärenjunge, machen sich auf eine gefährliche Reise, um die Waschbärenfamilie zu rettten.

Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist wichtig. Auf kindgerechter Ebene geht es nämlich darum, wie man miteinander umgeht. Es geht um die Angst vor dem Unbekannten, vor Veränderungen und vor Fremden. Es geht darum, wie schnell Gerüchte und Vorurteile entstehen. Und es geht um Freundschaft, die es ermöglicht, hinter all diese Vorurteile zu sehen und das Tier den Menschen selbst zu sehen.

Meine Begeisterung für „Funklerwald“ ist riesig. Die Geschichte ist toll, die Charaktere absolut überzeugend und die Illustration hervorragend. Ich bin mir sicher, dass „Funklerwald“ zu meinem persönlichen Wohlfühlbuch werden könnte, das ich immer mal wieder hervor hole und in das ich immer wieder hineinblättere. Wer Kinder hat, braucht dieses Buch unbedingt. Kinder werden die Figuren und Bilder lieben. Wer keine Kinder hat, braucht dieses Buch meiner Meinung nach trotzdem, denn auch Erwachsene werden die Figuren und Bilder lieben.
Liebe Stefanie Taschinski, vielen Dank für „Funklerwald“, liebe Verena Körting, vielen Dank für die wundervollen Zeichnungen! 9 von 10 Sternen!

stern 9

Funklerwald – Stefanie Taschinski – Hardcover – 256 Seiten – 14,99 € – ISBN-13: 978-3-7891-4807-1 – erschienen: Januar 2015 (Oetinger) – Illustratorin: Verena Körting – Altersempfehlung: ab 8 Jahren

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„Der Froschflüsterer“ von Carla Gunn

Der FroschflüstererKlappentext:

Irgendwo in Kanada: Der neunjährige Phin hat es nicht leicht. Die Scheidung seiner Eltern läuft auf Hochtouren, der Vater reist pausenlos durchs ferne Europa, Klassenrowdy Lyle hat ihn schwer auf dem Kieker, und als ob das nicht schon genug wäre, nervt ihn auch noch Psychologe Dr. Barrett, zu dem ihn seine besorgte Mutter geschickt hat, da sie seine größte Leidenschaft, den Schutz von Tier und Natur, für zu extrem hält. Phins Traum ist ein Planet, auf dem Menschen und Tiere friedlich zusammenleben – und dafür tut Phin alles, was in seiner Macht steht, wirklich alles … (Quelle)

Meine Meinung:

Ich bin durch eine Freundin auf dieses Buch aufmerksam geworden. Während sie es gelesen hat, hat sie eine Vielzahl an Zitaten gepostet. Mir war sofort klar, dass ich dieses Buch auch lesen muss.

Die Geschichte wird von Phin selber erzählt und Carla Gunn gelingt es sehr überzeugend, die Erzählung auch wirklich so klingen zu lassen, als käme sie von einem neunjährigen Jungen. Phin ist allerdings auch kein normaler Junge. Er denkt viel über alles Mögliche nach, nimmt nichts als gegeben hin und würde alles dafür tun, die Welt und ihr Bewohner zu retten.

„Meine Mutter sagte, dass Leute eben manchmal Fehler machen, auch Lehrer, und dass es in dem Fall nicht klug sei, sie darauf aufmerksam zu machen. Manchmal sei es besser, einfach still zu sein und sich insgeheim zu denken, dass man recht hat, statt es laut kundzutun. Darüber muss ich noch nachdenken. Wollen es die Leute nicht wissen, wenn sie sich irren?“ (S. 15)

Dabei geht er manchmal in den Augen seiner Mutter etwas zu weit und macht sich so sehr Sorgen um die Natur, dass er nachts nicht einschlafen kann. Seine Mutter greift darauf hin zu drastischen Maßnahmen und schickt ihn letztendlich sogar zum Psychologen. Und so hat Phin nicht nur in der Schule Probleme – zum Glück hat er dort auch einen besten Freund – und vermisst seinen Vater, sondern hat auch noch Streit mit seiner Mutter.

Insgesamt passiert in diesem Buch nicht viel, weswegen es mir auch ziemlich schwer fällt, es anständig zu rezensieren. Denn obwohl ein Buch mit wenig Handlung nicht so verlockend klingt, hat „Der Froschflüsterer“ einfach seinen Charme. Es besticht durch liebenswerte Charaktere, einer tollen Sprache und ganz viel Weisheit! 7 von 10 Sternen.

stern 7

Hier geht es zu einer Leseprobe des Buches. Vielleicht begeistert euch der Schreibstil ja auch sofort.

Der Froschflüsterer – Carla Gunn – Taschenbuch – 288 Seiten – 8,99 € – ISBN: 978-3-442-74115-1 – erschienen: Februar 2012 (btb)

„Lean on Pete“ von Willy Vlautin

lean on peteKlappentext:

Nun also Portland. Neue Stadt, neues Glück, hatte Charleys Vater gedacht, aber auch Portland bringt nur die alten Probleme. Und dann stirbt er, und Charley, 15, ist ganz auf sich allein gestellt. Der abgehalfterte Del Montgomery versucht, die Leute seit mindestens sechs Jahrzehnten übers Ohr zu hauen, und heuert Charley an. Ab und zu bezahlt er ihn dafür, dass er sich um seine Pferde kümmert. Es ist der Hengst Pete, der Charley besonders ans Herz wächst; er leidet mit ihm, wenn Del ihn für ein paar Dollars bei illegalen Rennen verheizt, und nachts flüstert er ihm ins Ohr, wie einsam er sich fühlt. Als das Pferd an einen Metzger verkauft werden soll, haut Charley mit ihm ab. Er beschließt, seine Tante zu suchen, und diese Reise wird zu einer Odyssee, an deren Ende so etwas wie Hoffnung aufblitzt. (Quelle: Berlin Verlag)

Meine Meinung:

Charley hat es im Leben nicht leicht. Sein Vater liebt ihn zwar, ist aber oft tagelang nicht zuhause, so dass Charley die Nächte vor dem Fernseher verbringt und morgens, wenn es hell wird und damit nicht mehr so unheimlich ist, völlig erschöpft einschläft. Aus Geldmangel muss Charley in Supermärkten stehlen und hoffen, dass sein Vater bald wieder kommt. Doch dann stirbt dieser auch noch und Charley hat nicht mehr als seinen Job auf den Rennbahn und den Hengst Pete – und eine Tante irgendwo am anderen Ende der Welt …

Willy Vlautin vermittelt Charleys Geschichte in einem sehr nüchternen Erzählstil. Dieser verdeutlicht meist sehr gut die Ausweglosigkeit in Charleys Leben. Teilweise hätte ich mir aber mehr Spannungsbögen und Höhepunkte gewünscht.

Auch die ermüdende Wiederholung einiger Satzteile insbesondere im letzten Drittel des Buches tragen dazu bei, dass ich nicht nur Charley, sondern manchmal auch mir ein Ende seiner Reise gewünscht habe.

Allen Tierliebhabern sollte gesagt werden, dass das Buch wirklich traurige und grausame Momente enthält und nicht unbedingt für zarte Gemüter geeignet ist.

„Lean on Pete“ ist ein wirklich interessantes Buch: Auf der einen Seite hat mich die Handlung und die Art und Weise, wie Vlautin dem Leser das Leben von Charley vermittelt, wirklich fasziniert. Auf der anderen Seite kommt die Geschichte auch nicht wirklich voran. Und selbst dann, wenn tatsächlich mal etwas passiert, legt Vlautin darauf kaum einen Augenmerk, sondern erzählt einfach weiter. Ich bin mir wirklich unschlüssig, wie ich das Buch letztendlich fand, und vergebe unsichere 6 von 10 Sternen.

stern 6

Das Buch wird in Deutschland als Jugendbuch verkauft, ich sehe es allerdings vor allem auch als Erwachsenenroman.

Lean on Pete – Willy Vlautin – Taschenbuch – 304 Seiten – 9,95 € – ISBN-13: 978-3833350511 – erschienen: September 2010 (Berlin Verlage)

[Rezension] „Emmas Glück“ von Claudia Schreiber

Emmas GlückInhalt:

Die junge, etwas schrullige Emma lebt nach dem Tod ihrer Eltern und ihres Großvaters ganz alleine auf dem Bauernhof, den sie auch ohne Hilfe bewirtschaftet. Die einzige Gesellschaft sind ihre Tiere, zu denen sie ein sehr inniges Verhältnis pflegt.

Doch der Hof wirft nicht mehr genügend Geld ab und Emma steht die Zwangsversteigerung bevor. Bisher konnte sie diese nur abwenden, indem sie dem Dorfpolizisten mit dem Gewehr drohte. Was Emma braucht, ist also Geld. Obendrein hätte sie gerne einen Mann.

Eines Tages findet sie beides: Bei Max, der sein ganzes Leben lang nichts riskiert und nichts erlebt hat, wurde ein lebensbedrohlicher Krebs entdeckt. In einer für ihn ganz untypischen Art stielt er seinem besten Freund kurzerhand jede Menge Geld und einen Ferrari, baut damit aber leider einen Unfall…. und wird dann von Emma gefunden. Findet nun auch endlich Emma ihr Glück?

Meine Meinung:

Ich weiß nicht, ob es die Tatsache war, dass ich wusste, dass dieses Buch verfilmt wurde, oder ob es am Buch selber lag. Auf jeden Fall kam ich mir beim Lesen vor wie in einer ganz nett gemachten Beziehungskomödie: eine ziemlich vorhersehbare Geschichte, eigenwillige und eigenartige, aber dennoch liebenswerte Charaktere, etwas überzogen humoristische Handlung, aber trotzdem nett.

Das Buch ließ sich wirklich gut und schnell lesen. Die Autorin schreibt unterhaltsam und sehr detailliert, so dass ich schon mittendrin war und alles genauestens vor Augen hatte. Auch vor der Beschreibung von zum Beispiel dem Schlachten von Schweinen oder den sexuellen Bedürfnissen von Emma schreckt sie nicht zurück und wirkt dadurch auf mich authentisch.

Die Handlung an sich ist allerdings für meinen Geschmack etwas übertrieben und zu sehr auf Lacher oder das ein oder andere Schmunzeln aus. Auch der eigentlich etwas ernstere Hintergrund, der sich dem Leser nach und nach offenbart, konnte nicht verhindern, dass ich das Gefühl hatte, die Geschichte so oder so ähnlich schon einige Male gelesen oder im Film gesehen zu haben.

Das Buch hat mich unterhalten und war angenehm zu lesen. Mehr aber auch nicht: 6 von 10 Sternen.

stern 6

Emmas Glück – Claudia Schreiber – Taschenbuch (Buch zum Film) – 192 Seiten – ISBN-13: 978-3442463039 – erschienen: Juli 2006 (Goldmann)