„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green

Green_24009_MR1.inddKlappentext:

„Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfe-gruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander […]

Meine Meinung:

Gus drückte meine Hand. „Das Leben ist schön, Hazel Grace.“ (S. 217)

Wie soll ich nur zu diesem Buch eine würdige Rezension verfassen? Wie kann ich das in Worte fassen, was John Green in seinem neuen Roman vermittelt?

Bevor ich das Buch begonnen habe, habe ich nur positive Stimmen dazu gelesen. Normalerweise können dann genau diese Bücher mich nicht vollends überzeugen. Sie bleiben oft hinter ihren Erwartungen zurück. Bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ war es anders.

Ich finde, bei einer Rezension zu einem solchen Buch sollte man nicht anfangen, über die Charaktere, die Geschichte oder den Aufbau zu sprechen. Natürlich ist all das wundervoll konzipiert und gelungen auf’s Papier gebracht. Viel wichtiger finde ich aber die Stimmung, die John Green transportiert, und was er mit seinen Worten beim Leser auslöst.

Bei mir hat er bewirkt, dass ich die letzten fünfzig Seiten des Buches fast durchgehend geweint habe, unterbrochen von einigen kurzen Lachanfällen, aber auch heftigen Schluchzern. Zwischenzeitlich konnte ich die Buchstaben überhaupt nicht mehr erkennen, weil sie mir vor lauter Tränen vor den Augen verschwammen.

Bücher, die so was können, sind einfach toll!

Die Geschichte um Hazel und Augustus ist gleichzeitig todtraurig und wunderschön. Sie hat mich zum seitenlangen Weinen gebracht und ist zur selben Zeit ein Plädoyer für die Liebe und das Leben. Meiner Meinung nach ist „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ bisher mit Abstand Greens bestes Buch: 10 von 10 Sternen.

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Das Schicksal ist ein mieser Verräter – John Green – Hardcover mit SU – 288 Seiten – 16,99 € – ISBN-13: 978-3446240094 – erschienen: Juli 2012 (Hanser) – Altersempfehlung: 13-16 Jahre

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[Rezension] „Vor meinen Augen“ von Alice Kuipers

2121_Kuipers_VorMeinenAugen_P04.pdfInhalt:

Seit dem einen Tag ist für Sophie das Leben nicht mehr wie vorher. Zwischen ihrer Mutter und ihr gibt es nur noch diese Stille. Mit ihrer ehemaligen besten Freundin Abi scheint sie nichts mehr zu verbinden. Und immer öfter leidet sie an Panikattacken.

Durch ihr Tagebuch versucht Sophie ihre Gedanken zu ordnen und die Geschehnisse zu verarbeiten.

Meine Meinung:

Es ist aus zwei Gründen für mich nicht einfach, diese Rezension zu schreiben. Zum einen möchte ich noch nicht zu viel vom Inhalt verraten, zum anderen lässt mich dieses Buch wirklich zwiegespalten zurück.

Dem Leser ist von Anfang an klar, dass Sophie etwas wirklich schlimmes erlebt haben muss. Schnell wird auch deutlich, dass es etwas mit ihrer älteren Schwester Emily zu tun hat, die sie seitdem schmerzlich vermisst. Nicht nur sie, sondern auch ihre Mutter, die sich einigelt und sehr unnahbar erscheint, können mit dem Verlust nicht umgehen. Was genau an diesem einen Tag passiert ist, erfährt man als Leser erst ziemlich zum Schluss des Buches, deswegen möchte ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.

Die meiste Zeit über habe ich die Geschichte um die sechszehnjährige Sophie nicht sonderlich gern gelesen. Zum einen lag das am Schreibstil, der meiner Meinung nach oft wirklich unbeholfen war. Häufig leitet die Autorin bestimmte Handlungen und Rückblenden mit den gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Worten ein. Da das Buch Tagebucheinträge von Sophie darstellen soll, ist es zudem manchmal in einer sehr jugendlichen Sprache gehalten und beinhaltet Einwürfe wie „Würg!“ oder es werden viele Wörter zur Betonung groß geschrieben. Mich hat das gestört, jüngeren Lesern mag es als Stil- und Identifikationsmittel gut gefallen.

Trotzdem gab es auch schon in diesem Teil der Geschichte, den ich weniger mochte, Sätze, die mich einfach umgehauen haben. Auf den Punkt genau haben sie die Gefühle von Sophie getroffen und eine Gänsehaut bei mir zurückgelassen:

„Ich konnte nicht atmen. Ich übergab mich. Danach ging es mir auch nicht besser.“ (S. 95)

Diese einzelnen wirklich genialen Sätze und Beschreibungen haben mich ein bisschen beim Lesen über Wasser gehalten, denn obwohl das Buch insgesamt nicht viele Seiten hat, habe ich mich doch ziemlich durchquälen müssen.

Erst zum Ende hin, als sich Sophie langsam mit den Dingen auseinander setzt, habe ich das Buch richtig gemocht. Die letzten Seiten habe ich teilweise mit einem Lächeln im Gesicht, größtenteils aber auch mit vielen, vielen Tränen in den Augen gelesen.

Wie bewertet man nun ein Buch, das einem zu einem großen Teil nicht gefallen, zum Schluss aber so mitgerissen hat, dass man ein tränennasses Gesicht hat? Ich vergebe 5 von 10 Sternen und empfehle jedem, der interessiert ist, das Buch selber zu lesen. Außerdem bin ich wirklich auf andere Meinungen und Rezensionen gespannt.

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Vor meinen Augen – Alice Kuipers – Hardcover mit Schutzumschlag – 220 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3841421210 – erschienen: August 2011 (Fischer) – empfohlenes Alter: 12-16 Jahre

[Rezension] „Bevor ich sterbe“ von Jenny Downham

Bevor ich sterbeInhalt:

Die Ärzte machen der 16-jährigen Tessa wenig Hoffnung. Ihr Kampf gegen die Leukämie scheint nach vier Jahren verloren. Doch Tessa will nicht einfach verschwinden, sie will leben – wenigstens in der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie schreibt eine Liste, was sie noch tun will, bevor sie stirbt: einen Tag nur ja sagen, Drogen nehmen, einen Tag lang berühmt sein, etwas Verbotenes tun, einmal Sex haben. Als Adam auftaucht, ist Sex plötzlich mehr als ein Punkt auf ihrer Liste. Doch darf man lieben, wenn man stirbt? (Quelle)

Meine Meinung:

Uff, was für ein Buch. Gerade habe ich die letzten Seiten gelesen und musste aufpassen, dabei nicht zu weinen. Denn Tessa ist mir wirklich ans Herz gewachsen.

Das war nicht von Anfang an so. Tessa ist, vermutlich verständlicherweise, nicht immer die sympathischste Hauptfigur. Sie macht Dinge, die ich nicht verstehen kann. Aber ich bin ja auch nicht kurz davor zu sterben. Ich muss mir nicht mehr beweisen, dass ich noch lebe und muss alle möglichen Sachen machen, weil ich später vielleicht keine Chance mehr dazu habe.

Der Schreibstil und die Atmosphäre des Buches ist sehr an Tessas Stimmung angelehnt. Die erste Hälfte über ist mir Tessa wirklich unsympathisch. Und auch das Buch habe ich zu dem Zeitpunkt eher stockend gelesen. Doch dann lernt Tessa Adam näher kennen und plötzlich herrscht ein anderer Grundton. Trotz ihrer Krankheit gibt es Momente, in denen Tessa glücklich ist. Ab dem Zeitpunkt habe ich den Rest der Geschichte nahezu an einem Stück gelesen.

Doch zum Ende hin, und in abgeschwächter Form auch während des ganzen Buches, wird die Geschichte immer zerstückelter. Da sie aus der Ich-Perspektive erzählt wird, bekommt man als Leser auch nur die Passagen mit, die Tessa bei Bewusstsein erlebt. Häufig sind es nur einzelne Gedankenfetzen oder kurze Wahrnehmungen der Wirklichkeit. Gewöhnungsbedürftig, aber auch ein wirkungsvolles Stilmittel.

Doch lebt dieses Buch nicht nur durch Tessa, sondern auch durch die vielen tollen Nebenfiguren: Tessa liebevollen Vater; Adam, der ein großes Wagnis eingeht; vor allem aber hat mich Cal berührt, der kleine Bruder von Tessa.

Jenny Downham ist es unheimlich gut gelungen, diese Personen vor meinen Augen lebendig werden zu lassen.

Doch obwohl mich das Buch zum Ende wirklich gepackt und auch sehr berührt hat, kann es nicht ganz über den etwas holprigen Anfang hinwegtäuschen, auch wenn er vermutlich so gewollt ist. Ich vergebe knappe, etwas wackelige 7 von 10 Sternen.

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Bevor ich sterbe – Jenny Downham – Taschenbuch – 320 Seiten – 8,95 € – ISBN-13: 978-3570306741 – erschienen: Juni 2010 (cbt) – Empfohlenes Alter: 13-16 Jahre

[Rezension] „Love you, hate you, miss you“ von Elizabeth Scott

Love you, hate you, miss youInhalt:

Julia ist tot. Als sie und Amy nach einer Party gemeinsam mit dem Auto nach Hause fahren, haben die beiden einen Unfall: Julia stirbt, Amy überlebt. Doch wie soll Amy ohne ihre beste Freundin noch das Leben genießen? Und war sie es nicht, die eigentlich Schuld an dem Unfall hatte? Und war Julia wirklich immer die Freundin, die sie sein sollte?

Meine Meinung:

Im Moment gibt es sehr viele Jugendbücher, die sich mit dem Themen Tod und Abschiednehmen beschäftigen. Und doch muss ich sagen: Bisher war keins wie das andere. Ich konnte nie sagen: Das Buch ist eindeutig besser als dies. Alle haben irgendwie einen bestimmten Aspekt in den Vordergrund gestellt. Während es sich bei „Ich werde immer da sein, wo du auch bist“ um einen Selbstmord handelt, geht es in diesem Buch um einen Unfall. Im Gegensatz zu „Die Sterne leuchten immer noch“ ist hier nicht der feste Freund, sondern die beste Freundin betroffen. Doch in allen Büchern geht es – auf ganz verschiedene Weise – darum, wie man mit dem Verlust klarkommt.

„Love you, hate you, miss you“ ist nochmal ein bisschen anders: Die Ich-Erzählerin Amy war schon vor dem Tod ihrer besten Freundin nicht glücklich. Schon damals hatte sie Probleme mit ihrem Aussehen, mit ihren Eltern. Schon damals hat sie zu viel getrunken. Doch an der Seite von Julia konnte sie ihre Probleme meist vergessen. Nun muss sie sich ihrem Leben stellen und ohne die quirlige, immer gut gelaunte Julia zurechtkommen.

Und genau dieser Aspekt macht für mich das Buch zu einem großartigen Buch, was einen tiefgründigen Einblick in Amys Leben und damit vielleicht auch in das Leben vieler Jugendlicher ermöglicht.

„‚Amy‘, sagte Dad. Er hielt meine Hand. Ich hatte nicht gemerkt, wie er sie genommen hatte. Ich zog sie schnell weg, weil ich nicht erleben wollte, wie er sie fallen ließ.“ (S. 147)

Amy erzählt ihre Geschichte durchgehend selbst. Eingestreut werden immer wieder Briefe, die sie an ihre tote beste Freundin schreibt. Insbesondere durch den Wechsel von der normalen Ich-Erzählung hin zu den Briefen wird nach und nach Amys Zerrissenheit gegenüber ihrer besten Freundin und ihrem eigenen Leben deutlich. Insgesamt macht die äußerst sympathische Hauptperson eine tolle und glaubhafte Entwicklung durch, versucht sich selbst besser kennen zu lernen und spiegelt so meiner Meinung nach gut die Identitätsfindung vieler Jugendlicher wider.

Es mag an dieser Stelle vielleicht so wirken, als würde das Buch versuchen, zu belehren oder Moralvorstellungen zu übermitteln, doch das ist absolut nicht der Fall. Die Geschichte und auch die Hintergründe haben mich zwar berührt, doch sich mir nie aufgedrängt. Im Vordergrund steht immer noch eine schön zu lesende Geschichte über ein junges Mädchen, das versucht wieder ein normales Leben zu führen, Freundschaften zu knüpfen und sich vielleicht auch zu verlieben. Volle Punktzahl und damit 10 von 10 möglichen Sternen.

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Love you, hate you, miss you – Elizabeth Scott – Taschenbuch – 288 Seiten – 7,95 € – ISBN-13: 978-3423714525 – erscheint: August 2011 (DTV)

[Rezension] „Wenn ich bleibe“ von Gayle Forman

Wenn ich bleibeReiheninfo:

  1. „Wenn ich bleibe“
  2. „Lovesong“

Anmerkung: Die beiden Bücher können aber auch gut unabhängig voneinander gelesen werden.

Inhalt:

Es ist eigentlich ein ganz normaler Schultag, doch aufgrund von ein bisschen Schnee fällt die Schule aus. Mia, ihr kleiner Bruder Teddy und ihr Vater, der Lehrer ist, müssen nicht zur Schule. Spontan nimmt sich auch Mias Mutter den Tag frei und die Familie beschließt endlich mal wieder einen gemeinsamen Ausflug zu machen.

„‚Tja, wenn ihr heute schwänzt, dann werde ich ganz bestimmt nicht ins Büro gehen. Das wäre überhaupt nicht fair.’ Sie nimmt den Hörer ab und sagt ihrem Chef, dass sie sich heute freinimmt. Danach schaut sie uns an. ‚Soll ich Frühstück machen?’

Mein Vater und ich brechen in schallendes Gelächter aus. Meine Mutter kriegt Müsli und Toast hin, mehr nicht. Mein Vater ist der Koch in der Familie.

Meine Mutter tut so, als würde sie uns nicht hören, und holt aus dem Küchenschrank eine Packung mit Fertigbackmischung. ‚Also bitte! Wie schwer kann das schon sein? Wer will Pfannkuchen?’

‚Ich! Ich!’, brüllt Teddy. ‚Mit Schokostückchen, ja?’“ (S. 12/13)

Im Auto wird heiß diskutiert, welche Musik gespielt werden soll, als plötzlich ein LKW in ihren Wagen rast. Mias Eltern sind auf der Stelle tot. Mia muss sich nun die Frage stellen: Soll sie gehen oder soll sie bleiben?

Denn Mias Körper liegt zwar lebensgefährlich verletzt im Krankenhaus, doch sie selbst kann sich, ihre Verwandten, ihre beste Freundin Kim und auch ihren Freund Adam beobachten.

Doch für Mia bleibt die Frage: Ist für sie ein Leben ohne ihre Eltern überhaupt noch lebenswert?

Meine Meinung:

Was für ein Buch! Während des Lesens macht man ein Wechselbad der Gefühle durch, denn das Buch ist gleichzeitig unbegreiflich schön und unsagbar traurig.

Die Handlung an sich spielt in einem relativ kurzen Zeitraum, nicht mehr als ein Tag, in dem Mia im Krankenhaus liegt, sich selbst und alle anderen beobachten kann und sich erinnert.

Ihre Erinnerungen machen den eigentlichen Teil der Geschichte aus. Angeregt durch kleine Ereignisse oder das Auftreten bestimmter Personen schweifen Mias Gedanken in die Vergangenheit ab und als Leser erfährt man zum Beispiel, wie Mia und Adam zusammen gekommen sind. Man ist Teil der Freundschaft zwischen Mia und Kim und vor allem Mitglied ihrer chaotischen, aber absolut liebenswürdigen Familie.

Und mit jeder schönen Erinnerung, mit jeder Anekdote, mit jedem schönen Gefühl, das man als Leser mit Mia teilt, kommt die Gewissheit: So wird ihr Leben nie wieder sein.

Man merkt der Geschichte an, dass die Autorin sehr viele Liebe und Gefühl in ihre Hauptpersonen investiert hat. Kaum eine Figur wirkt nicht ausgereift. Alle haben ihre eigene Geschichte, niemand wirkte auf mich oberflächlich. Beim Lesen meint man, die einzelnen Personen wirklich kennenlernen zu dürfen, nachdem man sich eigentlich schon von ihnen verabschiedet hatte.

Für dieses wirklich schöne Buch, das so viel Liebe zum Leben und so viel Weisheit vermittelt, vergebe ich 9 Sterne und sage nur: Lest es selber!

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Wenn ich bleibe – Gayle Forman – Taschenbuch – 304 Seiten – 8,99 € – ISBN-13: 978-3442377275 – erschienen: April 2011 (Blanvalet)

[Rezension] „Ich werde immer da sein, wo du auch bist“ von Nina LaCour

Ich werde immer da seinInhalt:

Caitlin ist nicht mehr sie selbst. Sie schläft nicht mehr in ihrem Zimmer, sondern nur noch draußen im Auto, sie redet kaum noch mit ihren Eltern und betet innerlich ein fortwährendes Bio-Matra runter, um sich von ihren eigentlichen Gedanken abzulenken. Der Grund für all das: Ihre beste Freundin Ingrid hat sich das Leben genommen. Doch Caitlins Leben muss auch ohne ihre beste Freundin weitergehen.

„Mom spricht Ingrids Namen aus, und ich beginne zu summen, keine Melodie von einem Lied, sondern nur einen langgezogenen Ton. Ich weiß, dass ich dadurch wie gestört wirke, und ich weiß auch, dass es nichts ändert, aber es ist besser als heulen, es ist besser als schreien, es ist besser als anzuhören, was sie mir sagen wollen.“ (S. 9)

Eines Tages findet Caitlin unter ihrem Bett Ingrids Tagebuch, das diese wohl kurz vor ihrem Tod dort deponiert haben muss. Stück für Stück versucht Caitlin zu verstehen, Abschied zu nehmen und selber wieder zurück in ihr normales Leben zu finden.

Meine Meinung:

Als ich das Buch vorhin beendet habe, habe ich es zugemacht, es liebevoll angelächelt und noch einige Male über das wunderschöne Cover gestrichen. Denn die Geschichte, die dieses Buch erzählt, ist genauso bezaubernd und zart wie es meiner Meinung nach auch die Fotografie auf dem Buchdeckel ist.

Nina LaCour hat es durchgehend geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen. Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zum Thema Abschiednehmen und Selbstmord gelesen und muss sagen, dass mich dieses ganz besonders berührt hat.

Meiner Meinung nach geht es zwar auch, aber weniger um die Gründe, warum sich Ingrid das Leben genommen hat, sondern viel mehr um die Menschen, die danach zurückbleiben und mit ihrer Trauer, ihrer Liebe und vermutlich meistens auch mit ihren Schuldgefühlen zurecht kommen müssen.

Als Caitlin das Tagebuch von Ingrid findet, beginnt ein ganz neues Stadium ihrer Trauer. Sie lernt Seiten von Ingrid kennen, die sie vorher noch nicht kannte. Muss an einigen Stellen erkennen, dass sie vielleicht anders für ihre beste Freundin hätte da sein können.

„Meine beste Freundin ist tot, und ich hätte sie retten können. Es ist falsch, absolut und qualvoll falsch, dass ich heute Abend lächelnd zur Haustür hereinspaziert bin.“ (S. 130)

Doch irgendwann wird nicht nur dem Leser, sondern auch der Ich-Erzählerin Caitlin klar, dass Ingrid vermutlich nicht zu helfen war und so wird ihr langsam eine Last von den Schultern genommen und sie kann mit neuer Leichtigkeit ihr eigenes Leben leben.

Nicht nur die Geschichte um Caitlin an sich ist wundervoll geschrieben, das Buch glänzt meiner Meinung nach vor allem durch tolle, liebenswerte Charaktere. Caitlin selber war mir von der ersten Seite an sympathisch und auch die Nebenfiguren, die langsam immer mehr in Caitlins Leben und damit auch in den Vordergrund der Geschichte treten, sind einfach nur toll. Ich habe mich an einer Stelle dabei erwischt, wie ich das Buch voller Zuneigung angelächelt habe, weil ich die Reaktion einer Figur einfach nur unsagbar schön fand.

Ich habe das Gefühl, dass meine Worte gar nicht ausreichen, um die Besonderheit und das Tolle dieses Buches ausreichend zu beschreiben. Wer gerne lacht, aber auch gerne mal weint, zum Nachdenken angeregt werden möchte, wer in eine wundervolle Geschichte über Freundschaft, Liebe, das Leben und das Abschiednehmen von geliebten Menschen eintauchen möchte, der sollte unbedingt „Ich werde immer da sein, wo du auch bist“ lesen. Natürlich 10 von 10 Sternen für dieses Buch.

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Ich werde immer da sein, wo du auch bist – Nina LaCour – Hardcover- 320 Seiten – 14,95 € – ISBN-13: 978-3596854134 – erschienen: März 2011 (Fischer)

[Rezension] „Die Sterne leuchten immer noch“ von Sarah Ockler

Die Sterne leuchten immer nochInhalt:

Schon seit ihrer Kindheit kennt Anna ihre beste Freundin Frankie und deren Bruder Matt. Die drei sind unzertrennlich. An ihrem fünfzehnten Geburtstag geht dann Annas größter Wunsch in Erfüllung: Matt und sie kommen zusammen. Doch Matt nimmt ihr das Versprechen ab, seiner Schwester erst einmal nichts davon zu verraten. Er möchte den richtigen Zeitpunkt abwarten und es ihr selber erzählen. Einige Wochen später stirbt Matt und Frankie weiß immer noch nichts von der Liebe zwischen ihrem Bruder und ihrer besten Freundin.

Anna bewahrt ihr Versprechen an Matt, doch als sie ein Jahr später gemeinsam mit Frankie und deren Eltern in den Urlaub fährt, erinnert alles an den verstorbenen Matt und die Gefühle rücken immer mehr an die Oberfläche. Als Frankie dann noch beschließt, dass die beiden Mädchen innerhalb der Urlaubswochen zwanzig Jungen daten sollen, wird die Situation nur noch komplizierter.

Meine Meinung:

Ich bin durch das wunderschöne Cover des Buches auf diese Geschichte aufmerksam geworden. Ich liebe das Bild einfach, das gleichzeitig eine sanfte Leichtigkeit, aber auch Nachdenklichkeit ausstrahlt. Zumindest auf mich.

Und genauso mehrdeutig wie das Cover ist auch diese komplexe Geschichte, die sich direkt mit nicht nur einem, sondern vielen schwierigen Themen beschäftigt. Zunächst steht natürlich das Thema Tod und das Abschiednehmen von einem geliebten Menschen im Vordergrund. Sehr glaubwürdig schildert die Autorin hierbei die unterschiedlichen Gefühle, die die einzelnen Figuren in der Geschichte empfinden. Jede Person geht auf ihre eigene Art und Weise mit dem Tod von Matt um und als Leser kann man förmlich spüren, wie schwer es für Anna ist, nicht über ihren wirklichen Verlust sprechen zu können. Denn sie hat nicht nur einen sehr guten Freund, sondern gleichzeitig auch die Liebe ihres Lebens verloren. Doch darf dies keiner wissen.

Außerdem versucht Anna für ihre Freundin Frankie stark zu sein, die sich seit dem Tod ihres Bruders sehr verändert hat. Frankie strotzt scheinbar nur vor Selbstbewusstsein, flirtet mit jedem Jungen, der ihren Weg kreuzt und ist einfach nicht mehr so unkompliziert und fröhlich wie früher. Die Freundschaft der beiden Mädchen ist längst nicht mehr so unbeschwert, wie sie es früher noch war. Und gespannt wartet man als Leser, wie diese Freundschaft den gemeinsamen Urlaub überstehen wird.

Die Schreibweise der Autorin ist sehr sprachgewaltig, dabei aber sanft und einfühlsam. Ich konnte mich sehr gut nicht nur in die Ich-Erzählerin Anna, sondern auch in Frankie hineinversetzen. Sehr harmonisch verstrickt Frau Ockler die Themen Freundschaft, Liebe, Tod, Abschiednehmen und die ganz normale Identitätsentwicklung von Jugendlichen, ohne aufgesetzt zu wirken. Erst nach dem Lesen einer schönen, berührenden Geschichte wurde mir bewusst, wie viele Gedankenanregungen und Emotionen die Autorin dadurch transportiert.

Ein wunderschönes Jugendbuch! „Die Sterne leuchten immer noch“ ist der erste Roman von Sarah Ockler und ich kann schon jetzt sagen, dass ich ohne zu zögern ihren zweiten Roman kaufen würde, was auch immer das Thema sein möge. Insbesondere Freunde von sprach- und emotionsreichen Büchern, die durch ihre Nachdenklichkeit und Sanftheit leben, wird dieses Buch gefallen: 10 von 10 Sternen.

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Die Sterne leuchten immer noch – Sarah Ockler – Hardcover mit Schutzumschlag – 352 Seiten – 16,99 € – ISBN-13: 978-3570137499 – erschienen: März 2011 (cbj)

[Rezension] „Salzwassersommer“ von Sharon Dogar

SalzwassersommerInhalt:

Jedes Jahr im Sommer fährt Hal mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern nach Cornwall in das Sommerhaus der Familie. Doch dieses Jahr muss die Reise ohne Hals große Schwester Charlie stattfinden. Denn die liegt nach einem mysteriösen Unfall vor einem Jahr im Koma.

Auf der Insel angekommen lernt Hal ein nettes Mädchen kennen und wünscht sich nichts mehr, als einfach die Zeit mit ihr zu genießen. Doch eine innere Stimme drängt ihn dazu, nachzuforschen, was vor einem Jahr mit seiner Schwester passierte.

Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch ganz bewusst im Urlaub an der Nordsee gelesen, in der Hoffnung mich so noch mehr in die Geschichte einfühlen zu können. Insbesondere weil die Atmosphäre und Landschaft sehr anschaulich beschrieben wird, gelang mir das sehr gut.

Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen Perspektiven geschrieben. Einmal aus Hals Sichtweise, mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit ein Jahr zu vor. Die andere Perspektive übernimmt die im Koma liegende Schwester Charlie. Ihre Berichte aus der Vergangenheit konnten mich noch gut überzeugen. Die Berichte aus der Gegenwart hingegen haben mich etwas irritiert. Zwischen Charlie und Hal gibt es nämlich eine sehr enge Verbindung, so dass Charlie durch Hals Augen hindurch die aktuellen Geschehnisse in Cornwall wahrnehmen kann und sogar ansatzweise mit Hal kommunizieren kann. Ich muss gestehen, dass mir das irgendwie etwas zu abgehoben war.

Das Rätsel an sich, nämlich die Suche nach einer Erklärung, warum Charlie damals verunglückte, ist spannend geschrieben. Allerdings gefiel mir persönlich die Aufklärung des ganzen am Ende nicht so gut.

Was ich allerdings als überaus gelungen finde, ist die Beschreibung der Beziehung zwischen Hal und Charlie. Hal steht als kleiner Bruder der selbstbewussten Charlie immer im Schatten seiner großen Schwester. Auch jetzt noch, als Charlie eigentlich gar nicht mehr da ist und nur im Koma liegt. Die Autorin schafft es meiner Meinung nach sehr überzeugend darzustellen, dass man seine große Schwester gleichzeitig lieben und hassen kann.

Ein Buch, das vor allem durch die feinen Personenbeschreibungen und die Beziehungen der Charaktere untereinander lebt. Dadurch, dass mir einige Aspekte zu abgehoben erscheinen, kann ich dem Buch aber leider nur 5 von 10 Sternen geben.

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Salzwassersommer – Sharon Dogar – Hardcover mit Schutzumschlag – 353 Seiten – ISBN-13: 978-3401062242 – erschienen: Januar 2008 (Arena)

[Rezension] „Before I Fall“ von Lauren Oliver

Before I fallInhalt:

Sam gehört zu den beliebten Mädchen an ihrer Highschool. Zusammen mit ihren Freundinnen Lindsay, Ally und Elody bestimmt sie, was und wer ‚in’ ist. Nach einer Party fahren die vier betrunken nach Hause. Die Musik ist laut, eine Zigarette fällt aus dem Mund, es wird gelacht, gerangelt, bis… plötzlich alles weiß wird. Und Sam wacht zu Beginn des exakt gleichen Tages auf. Immer und immer wieder erhält sie die Chance, diesen einen Tag noch ein Mal zu erleben und bemerkt dabei, wie Kleinigkeiten unseres Handelns ganze Lawinen an Reaktionen auslösen können.

Meine Meinung:

Ein Jugendbuch, das auf diese Art und Weise Themen wie das Highschool-Leben, Freundschaft, Beliebtheit, Liebe und Verantwortung thematisiert, hatte ich noch nie gelesen und war dementsprechend gespannt. Schon gleich zu Anfang musste ich feststellen, dass mir die Hauptperson Sam total sympathisch war. Sam macht zwar viele Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann, doch werden sie alle logisch erklärt und ins rechte Licht gerückt, indem Sam selber später feststellt, dass sie nicht sinnvoll waren. Insbesondere die Tatsache, dass Sam selber eine Vergangenheit hat, in der sie unbeliebt war, und auch jetzt noch oft an sich zweifelt, macht sie mir umso sympathischer. Sehr gelungen!

Ihre beste Freundin Lindsay wirkte zumindest auf mich lange Zeit sehr negativ: verwöhnte, allseits beliebte Highschool-Zicke, grausam zu allen Außenseitern. Leider haben die beiden anderen Freundinnen keine so große Rolle in der Geschichte.

Die Handlung an sich ist fesselnd. Man sollte meinen, dass es eventuell langweilig werden könnte, immer und immer wieder den gleichen Tag zu durchleben. Doch die Autorin schafft es dadurch, dass sie jedes Mal neue Aspekte hinzufügt oder sich die Handlung komplett ändert, nie die Spannung zu verlieren.

Als Leser habe ich natürlich schon von Anfang an mitgegrübelt, was Sam an diesem Tag hätte anders bzw. besser machen können. Und so probiert man wie die Hauptperson auch von Tag zu Tag ein kleines bisschen anders zu werden. Sam versucht, jedes Mal ein Stückchen mehr sie selbst zu werden. Gerade diese Entwicklung ist sehr schön zu lesen und hat mich einige Male doch sehr berührt.

„Before I Fall“ ist ein Buch, das fesselt, in den Bann zieht und gut unterhält. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich die Geschichte auch als Schullektüre eignen könnte. Um die volle Punktzahl zu geben, fehlte mir noch das gewisse Etwas, dass ich gerade auch nicht näher benennen kann. Allerdings gebe ich sehr gerne gute 7 von 10 Punkten.

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 Anmerkung: Der deutsche Titel lautet: „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“.

Before I Fall – Lauren Oliver – Taschenbuch – 368 Seiten – 7,30 € – ISBN-13: 978-0340980903 – erschienen: Juli 2010 (Hodder & Stoughton)

[Rezension] „Please don’t hate me“ von A. S. King

Please don't hate meInhalt:

Vera und Charlie sind seid ihrer Kindheit beste Freunde gewesen. Gemeinsam haben sie den größten Teil der Schulzeit bestritten, Flugzeuge fliegen lassen, sind gewandert oder haben im Baumhaus von Charlie übernachtet. Doch jetzt ist Charlie tot.

Für Vera ist Charlie allerdings schon früher gestorben. Sie hasst ihn und sie liebt ihn. Denn sie ist die einzige, die weiß, was in der Nacht seines Todes passiert ist.

Meine Meinung:

Ich muss direkt am Anfang sagen, dass es mir unheimlich schwer fällt, dieses Buch zu rezensieren, denn obwohl sehr viel wirklich gelungen ist, hat das Buch auch eine große Schwachstelle: die Schreibart.

Die ersten etwa fünfzig Seiten über habe ich mir gedacht: „Oh Gott, wie schreibt die Autorin denn?“ Dieses Gefühl gipfelte insbesondere in den Kapitelüberschriften. Diese wirken auf mich sehr holprig und ungelenk. Im Gegensatz zu einigen anderen Büchern sind die Überschriften hier tatsächlich von Nöten, denn sie geben dem Leser einen Hinweis darauf, wer das folgende Kapitel zu welcher Zeit erzählt. Aber anstatt dass die Autorin schlichtweg den Namen und die entsprechende Zeit nennt, steht dort beispielsweise „Hier spricht der tote Typ“ in der Überschrift. Dass ich mich daran störe, mag kleinkariert wirken, aber mich haben diese Überschriften immer wieder in meinem Lesefluss gestört.

Doch spätestens nach den ersten hundert Seiten konnte ich über die etwas zu cool gewollte Schreibe der Autorin hinweg sehen und mich ganz der Handlung widmen.

Im Aufbau erinnert mich „Please don’t hate me“ ein wenig an „Die Hassliste“. Auch in diesem Buch wird ausgehend von der Gegenwart immer wieder ein Rückblick in die Vergangenheit gewagt, so dass der Leser mehr und mehr Puzzlesteine zu einem großen Ganzen zusammenfügen kann. Die Rückblicke finden hier nicht in einer chronologischen Art statt (zuerst die frühesten, dann die letzten), sondern mischen sich fröhlich durcheinander und spiegeln so meiner Meinung nach sehr gut Veras Gedanken und Erinnerungen an ihre Zeit mit Charlie wider. Langsam bekommt der Leser eine Ahnung, wohin ihn die Geschichte und die Handlung führen wird, und er beginnt, gespannt auf die Auflösung zu warten.

Die Geschichte wird vor allem aus Veras Sicht geschildert. Ab und an trägt auch Veras Vater oder Charlie etwas zur Handlung bei. Auch ein altes Stadtmonument schildert ab und an seine Sicht, doch das hat mich immer sehr irritiert.

Vera ist weit davon entfernt eine immer perfekte, immer sympathische Hauptperson zu sein. Im Alter von achtzehn Jahren trinkt sie während ihrer Arbeit als Pizzalieferantin heimlich Wodka. Sie denkt häufig etwas unlogisch und oft möchte man sie schütteln und sie dazu bringen, genau das Gegenteil von dem, was sie vorhat, zu tun. Aber genau das macht Vera meiner Meinung nach zu der geeignetsten Hauptfigur für diesen Roman. Denn heranwachsende Jugendliche machen nun mal Fehler, handeln an manchen Stellen nicht immer richtig, genauso wenig wie es die Erwachsenen in diesem Buch tun.

Man sieht, abgesehen von der ab und an merkwürdigen Art zu schreiben, ist dies ein wirklich fesselndes Buch über das Erwachsenwerden, das Verzeihen, die Pflicht Verantwortung für sich und das eigene Handeln zu übernehmen. Es behandelt zaghaft die Frage, in wie weit die Vergangenheit der Eltern die eigene Zukunft beeinflusst. Und zu guter Letzt ist es einfach ein Buch über Freundschaft, wenn vielleicht auch nicht im herkömmlichen Sinne.

Ich möchte dem Buch 7 von 10 möglichen Sternen geben und jedem Interessierten den Rat geben, sich selbst ein Bild über das Buch zu machen. Ich bin gespannt, was andere Leser sagen!

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