[Rezension] „Der Riese, der mit dem Regen kam“ von Stefan Boonen

Klappentext:

Albert und Kalinda teilen ein Geheimnis: Sie haben in der Nacht, in der es regnete, einen Riesen vor dem Fenster gesehen. Gleichzeitig. Albert im dritten Stock und Kalinda im siebten. Und dabei hatte Albert schon Angst, dass in seinen Sommerferien wieder nichts passiert. Aber dieses Mal kann er sich nicht beklagen: Das Hochhaus, in dem sie wohnen, wird verkauft und alle müssen ausziehen. (Quelle)

Meine Meinung:

– „Und? Wie war das Buch?“
– „Gut, aber irgendwie auch etwas schräg.“
– „Und das überrascht dich bei diesem Titel?“

Ja, ein bisschen überrascht hat es mich wirklich, denn dieses Buch hat meiner Meinung nach mehrere Erzählebenen. Ob ich wirklich alle durchschaut habe oder vielleicht sogar zu viel in die Geschichte hinein interpretiere? Ich weiß es nicht.

„Du bekommst nur eine einzige Chance im Leben; wenn die kommt, darfst du nicht zögern.“ (S. 12)

Ort des Geschehens und irgendwie schon fast ein eigener Charakter ist das Sommerhochhaus: ein Hochhaus, wie es am Rande jedes kleinen Ortes stehen könnte – ein wenig trostlos und verfallen, grau und kalt. Im Sommerhochhaus wohnen die verschiedensten Leute: Zum Beispiel Rosie, die in ihrer Wohnung einen ganzen Gemischtwarenladen hat. Oder Doktor Korzy, der alle benhandelt, außer man fragt ihn, ob er wirklich Arzt ist.

Und dann ist da Albert, der gemeinsam mit seiner Mutter und seinen fünf Schwestern im Sommerhochhaus wohnt. Aber eigentlich ist es auch egal, ob Albert dort wohnt oder nicht. Seine Mutter und seine Schwestern, die alle gleich aussehen, beachten ihn sowieso nicht. Für sie ist nur eine Sache wichtig: den Durchbruch als Fotomodell zu schaffen. Und so streiftAlbert alleine durch das Sommerhochhaus, das für ihn so viel mehr ist als nur ein baufälliges Gebäude.

Eines Tages zieht dann Kalinda ins Sommerhochhaus. Und in ihrer ersten Nacht in der neuen Wohnung passiert etwas, das das Leben von Albert und Kalinda von Grund auf verändert: Beide beobachten das Erscheinen von Pjiep, dem Riesen.

„Ein großes Loch wurde sichtbar, tief und dunkel, und aus der Dunkelheit tauchten zwei mächtig große Hände auf.
‚Uiuiui, da bin ich also‘, murmelte eine Stimme, die klang wie ein Gewitter aus der Ferne.“ (S. 7)

„Der Riese, der mit dem Regen kam“ ist kein fröhliches Kinderbuch. Für mich strahlt es auf eine märchenhafte Weise sehr viel Melancholie aus. Es thematisiert den Wunsch von Kindern, geliebt zu werden und etwas Besonderes zu sein. Es bietet aber auch leise Hoffnung in Form von Freundschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl. Es ist ein Buch, das ich immer noch nicht ganz greifen kann. Und das finde ich in diesem Fall äußerst positiv. Ich vergebe nachdenkliche 7 von 10 Sternen!

stern 7

Der Riese, der mit dem Regen kam – Stefan Boonen & Tom Schoonoooghe (Illustration) – Hardcover, 256 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-7373-5178-2 – erschienen: März 2016 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 8 Jahren – Übersetzung: Andrea Kluitmann

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[Rezension] „Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer“ von Stefan Boonen

Klappentext:

Die Schifferin und allerbeste Pfannkuchenbäckerin des kleinen Dorfes findet am Morgen ein Mädchen am Strand, das der Fluss angespült hat. Mutterseelenallein!
Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht. Alle sind besorgt. Es wird beschlossen, dass das Mädchen bei drei Familien zur Probe wohnen und dort bleiben soll, wo es ihr am besten gefällt. Richtig spannend wird es, als das Mädchen erfährt, dass der von der Försterin gefangene Bär an den Zoo verkauft werden soll … (Quelle)

Meine Meinung:

Und plötzlich ist es da: das kleine Mädchen mit seinem roten Koffer! Als Frau Karbus, die Schifferin von Wammerswald, das Mädchen am Strand findet, nimmt sie es erst ein Mal mit und backt ihm Pfannkuchen. Das ist nämlich ihre Spezialität.
Danach richtet sich Findling, wie das Mädchen von allen genannt wird, am Strand häuslich ein und fühlt sich dabei pudelwohl. Doch dort kann sie nicht bleiben, darin sind sich alle einig. Schnell finden sich drei Familien, bzw. Personen, die bereit sind, Findling bei sich aufzunehmen.

Bis zu diesem Zeitpunkt las sich das Buch „nur“ nett und lustig. Die Charaktere waren toll und humorvoll beschrieben, so dass nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene beim Lesen in sich hineinkichern. Und dann kam der Moment, ab dem Findling jeweils einen Tag und eine Nacht bei einer der drei Familien wohnt, um zu testen, wo sie später lebenmöchte. Und die Geschichte wurde herzerwärmend, denn die Beweggründe der einzelnen Familien und ihre Versuche, Findling ein Heim zu geben, sind unheimlich liebevoll. Mein heimlicher Lienling ist ganz klar der Große Jos, der – so denkt er zumindest – gar nicht so viel von Kindern versteht, dabei aber ein Herz hat, das fast so riesig ist wie er selbst.

„Ich weiß aber nicht, ob ich gut vorlesen kann“, sagte er zögernd, als er wieder nach unten kam. „Das habe ich noch nie gemacht.“
Findling lachte. „Und ich weiß nicht, ob ich gut zuhören kann. Es ist das erste Mal, dass mir jemand eine Geschichte vorliest.“ (S. 151/152)

Stefan Boonen ist ein wunderbares Buch gelungen, das meiner Meinung nach alles bietet, was das Herz begehrt: Tolle, detailliert beschriebene Charaktere, nette Bilder (von Illustrator Tom Schoonooghe), viel Gefühl und mit der Rettungsaktion für den Bären auch noch die nötige Portion Abenteuer. Ich vergebe insgesamt 8 von 10 Sternen und empfehle das Buch auch erwachsenen (Vor-)Lesern.

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Ein Mädchen, sieben Pfannkuchen und ein roter Koffer – Stefan Boonen – Hardcover – 272 Seiten – 14,99 € – ISBN: 978-3-7373-5172-0 – erschienen: Februar 2015 (Fischer) – Altersempfehlung: ab 8 Jahen