[Rund um’s Buch] Meine Meinung zu den Nominierungen des Deutschen Jugendliteraturpreises 2015

Die meisten von euch wissen, dass ich den Deutschen Jugendliteraturpreis und hierbei insbesondere die Sparten Jugendbuch und Jugendjury ganz genau beobachte. Seit März stehen die jeweils sechs Bücher fest, die in den einzelnen Sparten nominiert wurden. Hier gelangt ihr zur Gesamtübersicht.

Ich habe, inbesondere in den letzten beiden Wochen, versucht, so viele der nominierten Titel wie möglich zu lesen. Ganz geschafft habe ich es leider nicht. In der Kategorie Jugendbuch fehlen mir noch die Bücher „Jenseits der blauen Grenze“ von Dorit Linke und „Die unterirdische Sonne“ von Friedrich Ani, in der Kategorie Jugendjury habe ich die beiden Titel „Der Circle“ von Dave Eggers und „Wo ein bisschen Zeit ist“ von Emil Ostrovski noch nicht gelesen.

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle meine Meinung zu den nominierten Büchern kundtun und überlegen, ob und warum es die einzelnen Titel verdient hätten, den Preis zu gewinnen!
(Der Preis wird übrigens am Freitagabend vergeben.)

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendbuch, die ich gelesen habe

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendbuch, die ich gelesen habe

„Schneeriese“ von Susan Kreller (Rezension)

Darum geht es: Adrian ist in seine beste Freundin Stella verliebt, doch die verliebt sich in den neu zugezogenen Nachbarsjungen.

Das denke ich: Susan Kreller zeigt, dass sie auch die vermeintlich kleinen Themen wie die unerfüllte Liebe eines 14-jährigen Jungen zu einem großen und buchfüllenden Thema machen kann. Die Schreibweise der Autorin ist sehr literarisch und durch die fehlende Kennzeichnung von Gedanken und wörtlicher Rede nicht immer einfach zu lesen. Für ein Buch, das auch Jugendliche zum Lesen animieren soll, finde ich so eine Art zu schreiben zu lyrisch.

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan (Rezension)

Darum geht es: A wacht jeden Morgen in dem Körper eines anderen Jugendlichen auf und verbringt so das Leben. A. ist an sich nicht unzufrieden, bis er sich eines Tages verliebt.

Das denke ich: Dies ist ein Jugendbuch ganz nach meinem Geschmack: Leichtlesig und unterhaltsam, spannend und teilweise unfreiwillig komisch, aber dennoch mit einer wichtigen Message: Es kommt nicht auf den Körper, das Geschlecht und das Aussehen eines Menschen an, sondern nur auf das, was in ihm steckt. Ich wäre zufrieden, wenn dieser Titel gewinnen sollte.

„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz (Rezension)

Darum geht es: Aristoteles hat keine Freunde, bis er auf Dante trifft. Der steckt ihn mit seiner fröhlichen, gutherzigen Art an. Doch dann müssen die beiden feststellen, dass sie in ihrer Freundschaft einige Klippen umschiffen müssen.

Das denke ich: Lasst dieses Buch gewinnen! Bitte, bitte! Ich habe selten eine so einnehmende Geschichte über das Erwachsenwerden, die Freundschaft und Liebe gelesen. Aristoteles und Dante sind so wundervolle Charaktere und die ganze Atmosphäre der Geschichte ist unglaublich nah und greifbar.

„Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß“ von Christoph Wortmann (Rezension)

Darum geht es: Lennys großer Bruder ist gestorben und er versucht nun die Frage nach dem Warum zu beantworten.

Das denke ich: Humorvoll, leichtlesig und nicht zu lang geht dieses Buch interessanten Gedankengängen nach. Ab und an hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht, weswegen ich dafür wäre, dass eher eines der anderen Bücher gewinnt, obwohl ich dieses hier schon mochte. Aber die Konkurrenz ist einfach groß.

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendjury, die ich gelesen habe

Nominierte Bücher aus der Sparte Jugendjury, die ich gelesen habe

„Auf der richtigen Seite“ von William Sutcliffe (Rezension)

Darum geht es: Joshua wächst in einer künstlichen Stadt an einer großen Mauer auf. Eines Tages entdeckt er einen Tunnel und lernt Menschen kennen, die auf der anderen Seite der Mauer leben.

Das denke ich: Ein wichtiges und spannendes Thema wurde hier gekonnt umgesetzt. Sutcliffe hat tolle Charaktere geschaffen und besticht durch eine einnehmende Erzählweise. Ich mochte es auch, dass der Autor die großen Probleme mit den vermeintlich kleinen Problemen (ein aggressiver und alles überschattender Stiefvater) kombiniert. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Titel den Preis erhält. Er hätte ihn auch verdient.

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan (Rezension)

Darum geht es: A wacht jeden Morgen in dem Körper eines anderen Jugendlichen auf und verbringt so das Leben. A. ist an sich nicht unzufrieden, bis er sich eines Tages verliebt.

Das denke ich: Dies ist ein Jugendbuch ganz nach meinem Geschmack: Leichtlesig und unterhaltsam, spannend und teilweise unfreiwillig komisch, aber dennoch mit einer wichtigen Message: Es kommt nicht auf den Körper, das Geschlecht und das Aussehen eines Menschen an, sondern nur auf das, was in ihm steckt. Ich wäre zufrieden, wenn dieser Titel gewinnen sollte.

„Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch (Rezension)

Darum geht es: Carey und Jenessa wachsen mitten im Wald auf, wohin ihre drogensüchtige und psychisch kranke Mutter sie verschleppt hat. Als sie von einer Jugendamtsmitarbeiterin und ihrem Vater gefunden werden, müssen sie lernen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Das denke ich: Zunächst hat mich die Geschichte begeistert und sehr gefangen genommen. Mit einem Handlungsstrang am Ende war ich dann nicht mehr so einverstanden. Hier wird der Fokus auf Dinge gelegt, die das Buch meiner Meinung nach nicht nötig hat. Schade! Trotzdem könnte ich mich damit anfreunden, wenn dieses Buch gewinnen würde.

„Echt“ von Christoph Scheuring (Rezension)

Darum geht es: Albert verbringt viel Zeit auf dem Hauptbahnhof und fotografiert dort Abschiede. Durch eines dieser Fotos lernt er Kati kennen, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Doch die verbirgt ein Geheimnis.

Das denke ich: „Echt“ gehört zu den Büchern, die kaum in wenigen Sätzen beschrieben werden können, weil sie so unglaublich viele Themen umfassen. Diese Vielfalt, aber vor allem auch die Echtheit der Geschichte und der schonungslose, aber auch liebevolle Blick auf die Jugendlichen am Hauptbahnhof machen den Reiz der Geschichte aus. Ich würde dem Autor den Sieg von Herzen gönnen!

[Rezension] „Wenn ihr uns findet“ von Emily Murdoch

Klappentext:

Klamotten, Partys, Jungs und Schule: Diese Welt ist Carey und ihrer kleinen Schwester Jenessa völlig fremd. Die Geräusche des Waldes, das beengte und doch so vertraute Zusammenleben im Wohnwagen und die oft tagelange Abwesenheit ihrer Mom – das ist der Alltag der Mädchen, die in einem Trailer tief versteckt inmitten eines Naturschutzgebietes leben. Als Careys und Jenessas Vater die Mädchen zu sich und seiner neuen Familie holt, finden die Tage im Wald ein jähes Ende. Doch ihr altes Leben lässt sie noch nicht los.

Meine Meinung:

Carey und ihre kleine Schwester Jenessa wachsen im Wald auf. Mitten im Wald. Ihre Mutter ist psychisch krank und drogenabhängig. Immer wieder lässt sie ihre Töchter wochen- und teilweise monatelang alleine; mit nur wenigen Konservendosen als Essensreserve. Und so musste Carey schon früh erwachsen werden, viel zu früh: Sie sorgt für Nessa, bringt ihr Lesen und Schreiben bei, tröstet sie, wenn diese mal wieder nach ihrer Mutter schreit, und jagt Kaninchen und andere Tiere, um zumindest ab und an gehaltvolle Nahrung auf den Tisch zu bekommen.

Eines Tages dann, ihre Mutter ist mittlerweile über drei Monate weg, werden Carey und Nessa dann von einer Jugendamtsmitarbeiterin und ihrem Vater im Wald gefunden. Der Vater nimmt die beiden zu sich, wo sie mit seiner neuen Frau und Stieftochter gemeinsam ein normales Leben führen sollen. Doch das ist gar nicht so leicht, denn insbesondere Carey wird immer wieder von den Erinnerungen an ihr früheres Leben eingeholt.

Die Publishers Weekly hat diesen Jugendroman mit den Worten kommentiert, dass man sich in diese Heldinnen sofort verlieben muss. Und das ist so wahr, dass ich mich der Meinung einfach anschließen muss. Von Carey und Nessa geht ein großer Charme aus. Die beiden, die die meiste Zeit ihres Lebens nur sich selbst hatten. Zu gerne würde man sie als Leser in den Arm nehmen. Ganz kurz nur und behutsam, denn Nähe, Liebe und Vertrauen von Erwachsenen sind sie nicht gewohnt.

Das Schicksal der beiden hat mich so gefesselt, dass ich mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören mochte. Ich wollte die beiden unbedingt in Sicherheit wissen. Wollte mich davon überzeugen, dass es ihnen in ihrem neuen Heim gut geht, dass sie klar kommen. Denn da gibt es immer noch Zweifel und ein großes Geheimnis. Was hat damals in der Nacht der weißen Sterne dazu geführt, dass Jenessa ihre Sprache verloren hat?

Lange Zeit hat mich dieses Buch wirklich umgehauen und sprachlos immer weiter lesen lassen. Das Schicksal der Mädchen, aber auch die Hoffnung auf ein Zuhause, auf Liebe und Fürsorge haben mich total ergriffen. Zum Ende hin gehen mir manche Handlungsstränge allerdings etwas zu schnell, manche Zufälle finde ich nicht glaubhaft genug – zu passend. Das ist schade, denn das Buch an sich hätte diesen Teil der Geschichte (Carey lernt in der Schule einen Jungen kennen und fühlt sich schnell zu ihm hingezogen) nicht nötig gehabt. Ob die Entwicklung überhaupt realistisch ist, wage ich auch zu bezweifeln. Trotzdem vergebe ich 8 von 10 Sternen für eine sehr besondere Geschichte.

stern 8

„Wenn ihr uns findet“ wurde 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Wenn ihr uns findet – Emily Murdoch – Hardcover mit SU – 304 Seiten – 15,99 € – ISBN: 978-3-453-53434-6 – erschienen: März 2014 (Heyne fliegt) – Übersetzung: Julia Walther – Altersempfehlung: ab 14 Jahren