[Rezension] „Calpurnias faszinierende Forschungen“ von Jacqueline Kelly

Reiheninfo:

  1. „Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“
  2. „Calpurnias faszinierende Forschungen“

Klappentext:

Calpurnia liebt die Natur und träumt davon, Forscherin zu werden. Von ihrem Großvater hat sie gelernt, Pflanzen zu bestimmen und wissenschaftliche Instrumente einzusetzen. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Travis versorgt sie hilfsbedürftige Tiere. Ein Gürteltier, ein Waschbär und ein Hundewelpe finden bei ihr ein Zuhause auf Zeit. Callie füttert und untersucht die Tiere, liest bei Darwin nach und vertieft ihre naturkundliche Bildung. Als ein Tierarzt in den Ort zieht, wird klar, dass sie genau die richtige Assistentin für ihn ist. Doch Veterinär ist ein Beruf für Jungen und Callie ist das einzige Mädchen in der Familie … (Quelle)

Meine Meinung:

Vor zwei Jahren hatte ich das große Vergnügen Calpurnia Virginia Tate kennenzulernen. Gemeinsam mit ihrem Großvater entdeckte sie in „Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“ ihre Liebe für die Natur – und setzte sich damit gegen ihre Eltern durch, die es viel lieber sehen würden, wenn Calpurnia nur Klavier spielen und nähen lernen würde. Vor einiger Zeit gab es für mich dann eine freudige Überraschung: Es gibt eine Fortsetzung zu Calpurnias Abenteuern!

„Warum solltest du denn studieren dürfen? Du bist doch bloß ein Mädchen. Du zählst doch fast gar nichts.“ (S. 170)

„Calpurnias fasziniernede Forschungen“ unterscheidet sich insofern von seinem Vorgänger, als dass dieses Jahr vor allem Tiere im Fokus des jungen Mädchens stehen. Außerdem spielt ihr jüngerer Bruder Travis eine größere Rolle. Travis ist herzallerliebst: Er kann nicht an einem hilfebdürftigen, verletzten Tier vorbei gehen, ohne es bei sich auf zu nehmen, zu hegen und pflegen. Und so ist Calpurnia als seine große Schwester immer wieder gezwungen, Tiere zu füttern, die eigentlich in die Wildnis gehören, und ihnen Namen zu geben – was absolut unwissenschaftlich ist, wie Calpurnia eigentlich weiß!

Als dann ein Tierarzt in den Ort zieht, ist Calpurnia von Anfang an fasziniert. Wie ein Schwamm saugt sie alle Informationen auf, die sie bekommen kann, und schon bald zeigt sich, dass sie eine begnadete Assistentin wäre. Da gibt es nurein Problem: Ein Mädchen kann keine Tierärztin werden. Calpurnia muss gegen die festgefahrenen Geschlechterrollen zu Beginn des 20. Jahrhunderts kämpfen – mal wieder …

„Für mich schien alles auf die eine Frage hinauszulaufen, die mir unablässig durch den Kopf ging: Bin ich nicht genauso intelligent wie meine Brüder? Die Antwort lautet: Nein.
Ich war intelligenter.
Und wenn ich meinen Weg durch diese Welt alleine gehen musste, dann war’s eben so. Ich würde ihn schon finden.“ (S. 171)

Wie schon der erste Band lebt auch dieses Buch vor allem durch Calpurnia selbst. Sie ist einfach eine tolle Protagonistin mit ihrem Wissensdurst und ihrer unbändigen Neugier, ihrer Liebe zur Natur und all ihren Lebenwesen. Beim Lesen wurde mir noch ein Mal richtig bewusst, was für ein Privileg es ist, dass ich lernen, studieren und arbeiten darf, was ich möchte, ohne dabei durch mein Geschlecht eingeschränkt zu sein; etwas, das für meine Generation fast schon selbstverständlich ist.

Jacqueline Kelly erzählt die Abenteuer von Calpurnia Virgina Tate in einem sehr ruhigen und entspannten Erzählton. Die einzelnen Kapitel wirken auf mich viel mehr wie kleine, unterhaltsame Anekdoten; die eigentliche Haupthandlung entwickelt sich eher langsam, was ich nur passend und realistisch finde. Doch die unaufgeregte Erzählweise führt nicht dazu, dass die Geschichte langweilig wird, dazu sind die Charaktere zu liebenswert und die einzelnen Entwicklungen dann doch zu interessant.

„Calpurnias faszinierende Forschungen“ gehört zu jenen Büchern, die mich begeistern und total glücklich zurücklassen, ohne dass ich wirklich sagen kann, woran das liegt. Die Autorin hat eine tolle Hauptfigur geschaffen und stellt ihr in diesem Buch mit ihrem jüngeren, tiervernarrten Bruder Travis noch eine reizende Begleitung an die Seite. Ich liebe es, gemeinsam mit Calpurnia Tiere zu retten, Würmer zu sezieren und für das Recht auf Bildung zu kämpfen. Ich kann nur hoffen, dass es noch einen dritten Band geben wird. 8 von 10 Sternen!

stern 8

Calpurnias faszinierende Forschungen – Jacqueline Kelly – Hardcover – 320 Seiten – 16,90 € – ISBN 978-3-446-24930-1  – erschienen: Juli 2015 (Hanser) – Übersetzung: Birgitt Kollmann – Altersempfehlung: ab 12 Jahren

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[Rezension] „Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“ von Jacqueline Kelly

CalpurniaInhalt:

Texas 1899: Eigentlich sollte die elfjährige Calpurnia langsam lernen, wie man strickt, näht und kocht. In ihrer Freizeit sollte sie am besten Klavierspielen und sich ihre Haare kämen – so wünscht es sich zumindest Calpurnias Mutter. Doch das wissbegierige und neugierige Mädchen hat ganz andere Pläne: Sie stromert lieber durch Natur, beobachtet Tiere (und manchmal auch Pflanzen, obwohl Tiere viel spannender sind) und hilft ihrem etwas schrulligen Großvater, denn er ist es gewesen, der ihr Interesse an der Artenvielfalt und den Zusammenhängen der Evolution geweckt hat.

Und dann entdecken die beiden eines Tages etwas ganz besonderes:

„Er sah mich an: ‚Es ist aber auch möglich, dass wir eine völlig neue Spezies entdeckt haben.’
‚Nein!’, hauchte ich.
‚Möglich ist es. Setzen wir uns erst mal und trinken etwas, dabei können wir über die Sache nachdenken.’“
(S. 161)

Meine Meinung:

Der Klappentext, der Titel und dieses wundervolle Cover haben mir ganz schnell klar gemacht: Dieses Buch muss ich auf jeden Fall lesen. Und meine Einschätzung hat mich nicht getäuscht:

„Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“ ist die liebevoll und unaufgeregt erzählte Geschichte von einem jungen, resoluten Mädchen, das so gar nicht in das Rollenschema ihrer Zeit zu passen scheint. Doch lässt sich Calpurnia weder von ihrer Mutter noch von der besten Freundin, die so ganz anders ist als sie selbst, davon abhalten, ihrem Forscherdrang nachzugeben und in die Welt von Darwin abzutauchen.

Die Geschichte hat ein wenig den Charme von Flavia de Luce. Nicht zuletzt deswegen, weil auch hier ein wissenschaftlich interessiertes Mädchen im Fokus der Handlung steht. Anders als Flavia ist Calpurnia aber nicht so altklug und noch etwas bodenständiger. Sie steht eben erst in den Anfängen ihrer Wissenschaftskarriere. Außerdem ist sie noch so herrlich geschockt von Dingen. So graut es ihr zum Beispiel zunächst davor, wieder im Fluss zu baden, nachdem sie das Flusswasser unter dem Mikroskop betrachtet und dabei die Vielzahl der darin schwimmenden Lebewesen entdeckt hat. Sehr sympathisch!

Ich habe oben schon erwähnt, dass die Geschichte eher unaufgeregt erzählt wird. Es gibt wenig Höhepunkte oder Spannungsmomente, dafür aber ganz viele kleine, nette Begebenheiten. Ich finde, man merkt, dass die Autorin zunächst Kurzgeschichten geschrieben hat. Denn so steht oftmals neben der eigentlichen Rahmenhandlung in den einzelnen Kapiteln etwas Neues im Vordergrund: zum Beispiel das Problem, dass sich Calpurnias ältester Bruder in eine absolut unsympathische junge Frau verliebt hat, oder dass drei andere Brüder (insgesamt hat sie sechs) gleichzeitig in ihre beste Freundin verliebt sind, was kaum gut ausgehen kann.

Für mich klingt es auf jeden Fall sehr verlockend, einen Tag gemeinsam mit Calpurnia und ihrem Großvater in seinem düsteren, nach selbstgebrannten pekannusswhiskeyriechenden Laboratorium zu verbringen. Obwohl das Buch in sich abgeschlossen ist, würde ich mich über eine Fortsetzung sehr freuen. Jacqueline Kelly ist ein wunderbares Debüt gelungen! 8 von 10 Sternen.

stern 8

Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen – Jacqueline Kelly – Hardcover – 336 Seiten – 16,99 € – ISBN 978-3-446-24165-7 – erschienen: Februar 2013 (Hanser) – Altersempfehlung: ab 12 Jahren (meiner Meinung nach vor allem aber auch für Erwachsene)