[Rezension] „Daniel is different“ von Wesley King

„Es war an einem Dienstag, als mir zum ersten Mal klar wurde, dass ich verrückt war. Na ja, die Vermutung war mir schon früher gekommen, war ja unvermeidlich, aber ich hatte gehofft, es wäre nur eine Phase, so wie damals mit drei, als ich ein Feuerwehrauto sein wollte.“ (S. 5)

Ja, Daniel ist wirklich anders. Er hasst es, Football zu spielen. Viel lieber sitzt er auf der Reservebank und arrangiert die Getränke für seine Teamkollegen in akkuraten geometrischen Mustern. Daniel hat eigentlich nur einen besten Freund, im Kontakt mit anderen Mitschülern ist er sehr unsicher. Obwohl Daniel hochbegabt ist, ist der Matheunterricht für ihn der pure Stress. Denn die meisten Zahlen sind in seinen Augen schlechte Zahlen. Sie führen dazu, dass er das Gefühl bekommt, sterben zu müssen. Die Neun ist übrigens die schlimmste Zahl.

Schnell wird dem Leser das klar, was Daniel noch nicht weiß: Er leidet an einer Zwangsstörung. Jeden Abend muss Daniel ein gewisses Programm ausführen, bis er einschlafen kann. Dies kann manchmal mehrere Stunden Zeit in Anspruch nehmen und auch dann weint er sich häufig in den Schlaf. Doch mit einem einzigen, unerwarteten „Hallo“ beginnt sich seine Welt zu verändern.

Die Geschichte um Daniel ist unglaublich berührend und schön. Aber auch unglaublich traurig. Denn das Nachwort des Autors macht deutlich: Dies ist nicht einfach nur eine Geschichte. Für viele Menschen ist das, was Daniel Tag für Tag mitmachen muss, Realität:

„Der Daniel dieser Geschichte ist in vieler Hinsicht ein recht exaktes Abbild von mir selbst, als ich in diesem Alter war. Auch ich habe bis zu fünf Stunden jede Nacht gebraucht, um ins Bett zu gehen. […] Mehrmals am Tag hatte ich das Gefühl zu sterben – was, wie ich später erfuhr, durch die Angstzustände und Panikattacken ausgelöst wurde – und ich begann mit ritualisierten Zwangshandlungen, um mit der grauenvollen Angst klarzukommen.“ (S. 301)

Und trotzdem macht dieses Buch Hoffnung. Es sagt: Du bist nicht allein. Ja, du bist anders, aber das bedeutet auch, dass du einzigartig bist. Es erzählt nicht nur die Geschichte einer Freundschaft und einer ersten, zarten Liebe. Es macht auch Mut, zu sich selbst zu stehen. 9 von 10 Sternen!

stern 9

Daniel is different – Wesley King – Hardcover – 304 Seiten – 17,00 € – ISBN 978-3-7348-4710-3 – erschienen: Januar 2017 (Magellan) – Übersetzung: Claudia Max

[Rezension] „Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B“ von Teresa Toten

Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13BKlappentext:

Als Adam das Mädchen Robyn trifft, weiß er nach einer Sekunde, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Ihre kohlschwarzen Wimpern und himmelblauen Augen hauen ihn einfach aus seinen farbabgestimmten Socken. Doch wie soll er je eine „normale“ Beziehung mit Robyn haben, wenn sein Leben alles andere als normal verläuft? Zum einen gibt es seine geschiedenen Eltern und den kleinen Halbbruder, der wie eine Klette an Adam klebt – zum anderen kämpft Adam mit dem Ungeheuer namens Zwangsneurose. Noch dazu bekommt seine Mutter seit kurzem Drohbriefe. Doch Adam will Robyns Batman sein – und gemeinsam können sie vielleicht alles Böse der Welt besiegen … (Quelle)

Meine Meinung:

Zimmer 13B – das ist der Raum, in dem sich Adam mit seiner Selbsthilfegruppe trifft. Hier sprechen sie über ihre Ängste und Zwänge. Hier offenbaren sie sich, versuchen einander zu helfen oder haben einfach mal die Möglichkeit, sie selbst zu sein. Zimmer 13 B ist aber auch der Raum, in dem Adam seine große Liebe trifft und beschließt, alles dafür zu tun, normal zu werden, um ihrer wert zu sein.

Adam hat es nicht leicht: Er ist ein Scheidungskind, leidet an seinen Zwängen, die immer schlimmer werden, und hütet dazu ein großes Geheimnis: das Geheimnis seiner Mutter.

„Seine Mutter war eine Kämpferin.
Bis sie es nicht mehr war.“ (S. 54)

Adams Geschichte ist traurig, lustig und schön zugleich. Es ist unheimlich bewegend mitzuerleben, wie er versucht, für alle den Helden zu spielen. Wie er Robyn hilft im Katholizismus die nötige Ruhe und Kraft zu finden, wie er es schafft seinen kleinen Bruder nach Panikattacken zu beruhigen. Und wie er gleichzeitig aber mehr und mehr unter den Geheimnis seiner Mutter leidet, dadurch bald Schwierigkeiten hat, die bisher einfachsten Türschwellen zu übertreten.

Für mich stehen und fallen Bücher häufig mit ihrem Ende. Und insbesondere das Ende dieser Geschichte wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Es ist ganz besonders und ich habe es überhaupt nicht kommen sehen. Und doch macht es die Geschichte nochmal etwas spezieller und kleines bisschen tiefgründiger.

Ich mag Bücher mit ungewöhnlichen Helden. Und nicht nur wegen des Titels, sondern vor allem wegen Adam mit all seinen Ecken und Kanten, mit seinen Wünschen und Ängsten bin ich bei diesem Buch genau richtig. „Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B“ ist ein vielschichtiges, stellenweise lustiges und sehr unterhaltsames Jugendbuch! Ich vergebe 9 von 10 Sternen.

stern 9

Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B – Teresa Toten – Hardcover mit SU – 352 Seiten – 16,99 € – ISBN: 978-3-570-16304-7 – erschienen: September 2014 (cbt) – Altersempfehlung: ab 14 Jahren